Log-down

Von Madame Pavot.

Log-down

Der blaue Himmel log. Er versprach neuen Frühling, warme Windbriesen auf der Haut, wärmere Nächte, aus welchen man in der Nähe der Kneipen fiel, in den Sonnenaufgang hinein, wenn neue Tage anfingen, mit grünen Bäumeblättern. Wenn man aus der Kälte des Märzes erwachte, nachdem der Winter vorher eine grausuppige Unendlichkeit war.

Der blaue Himmel log. Er versprach, dass man auf den Terrassen der Clubs sitzen konnte, ganz müde, weil man vorher auf der Tanzfläche ausgerastet war, vielleicht, weil danach die Getränke noch besser schmeckten, wie die kalte Meeresluft auf der Zunge, nur mit Bier.

Der blaue Himmel log, er verhieß Unbeschwertheit, Glück und blaue Bänder, wie in dem Gedicht, welches Kinder jeden Frühling in der Schule lasen. Dieses Jahr flattere nichts außer Aerosolen durch die Lüfte, ein Virus hatte die Welt wenige Wochen vorher in einen dystopischen Roman verwandelt, Menschen mit Masken eilten umher, wechselten Straßenseiten und kauten an ihrer Angst, während der blaue Himmel einfach zusah, an den Türen der geschlossenen Bars und Kneipen entlang.

Der blaue Himmel log. Doch vielleicht sind wir der dystopische Roman mit dem guten Ende, in dem alle Menschen nach dem Sieg über die Katastrophe hinausströmen, trinken, sich umarmen und glücklich taumelnd in die Nacht hineinfallen.

© 2020 Victoria Pavot
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