Doktorvater

Von Ellen Marion Maybell

Na klar hat der Doktorvater
eine Doktormutter.
Die, die ihn gebar,
auch wenn er damals längst noch nicht
einer werden würde oder war.
Sonst wär er da nicht und nicht wahr.
Und auch nicht ohne Herrnbesuch
so nebenbei – was da geschah.
Und wenn da nichts geschehen wär,
wär er bei Fuß nicht und GEWEHR,
nicht im Gemetzel des Gebär.
Einst wohnte ihr ja einer bei,
der Doktormutter,
so kam’s ihr, glatt wie Butter,
erst der Schreihals, dann’s Geschrei.

Und dass er Doktor werden täte,
wer wusst das schon, du meine Gäte.
Hätt auch könn‘ sein Fliesenleger
oder gar ein Schürzenjäger
oder eine Depressiva,
schwer im Hang zur Fummel-Diva.
Zu komm‘ zu Ruhm und Titel-Ehre,
bleibt immer elitär
und immer nur das Ungefähre.

Ist immer Ungewisslichkeit
in dieser Uneinsichtlichkeit.
Gibt nie ne Abgesehbarkeit,
trotz altgeklug karrier-gescheit.
Erst mal nur ein Hosenscheißer
und Nervzermürber, Wadenbeißer.

Vielleicht ein Kringel-Lock-Gelockter.
Ein Dummsen-Bub, von wegen Doktor.
Ob seine Mutter einen hatte.
Man weiß es nicht.
Doch eins gewiss.
Sie hatte – Latte.

Gehalten von den Mutterbändern.
Väter können dran nix ändern.
Die halten rein und halten drauf,
so nimmt der Zell-Teil seinen Lauf.
Nur müssen wir das ändern.
Wir brauchen auch die Doktormütter,
um Rahm zu schöpfen in dem Glütter.
Und dieser heißt: die Pflicht zu GENDERN.

© 2021 Ellen Marion Maybell
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