Drei Gedichte

Von blume

vexieren

such dir eine scheibe aus schicht um schicht
uebereinandergelagerten lebensgeschichten
mit dem richtigen licht durch alle hindurch
siehst du vielleicht eine art von verbindung
oder den roten faden einer spannungskurve
die erklaerung warum die ganzen menschen
dir blosz noch als ein einziger vorkommen
der praktisch zur gleichen zeit an mehreren
orten das gleiche beziehungs=weise anderes
erledigen kann ohne sich dabei zu verlieren
zumindest nicht sich seinen facetten jedoch
geht er wohl immer wieder verloren daher
suchst du ihn nun in jeder scheibe schicht &
merkst kaum wie die welt dich dir verschiebt

(blume 11/2020)

initium e(s)t finis terrae

lord ich werde weniger sein wenn du da bist simmernd
in der schwimmfluessigkeit die ersten phasen des babies
uebereinandergeschichtet abrufbereit lauernd auf exitus
nein auf exkursionen den bruch mit jener materia prima
von der alle erzaehlen aber gesehen haben will sie keiner
diese fahle eierschale aus der etwas nach innen schluepft
eine umgekehrte schlange vielleicht die ihren jadekoerper
abgestreift hat wie ein silbern schimmernder wer-mensch
dem seine eingefalteten haeute das gehirn bilden muessen
als versteinerung eines labyrinths aus ur-uralten alabaster-
traeumen jage ich den mondsonnen nie wieder hinterher

(blume 10/2020)

mut zu luecken

ein schnitt in die fruchtblase einer traechtigen kuh
bedeutet weltende fuer ein kaelbchen dessen leben
nicht auf den eigenen beinen steht quasi apokalypse
sofern dieser ausdruck individueen & gar noch tiere
beruecksichtigt & deshalb lieber mal etwas halblang
machen wir uns denn nichts vor wenn wir annehmen
wir existieren in einer art phase die unsren untergang
anvisiert vielleicht naemlich stecken wir laengst drin
& das licht am ende des dunkels unserer supermisere
waere das wunder das sich seit langem niemand mehr
auszusprechen wagt die heilung von allen starallueren
vom egowahn & vom konsumterror & von uns selbst

(blume 09/2020)

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