auf den spuren lautreamonts – eine knapp bemessene fiktion und hommage

Von blume

schweren schrittes – & die waelder schrie’n lautarm, dass ihm das blut im schaedel kochte, wie der erste, verwegene gedanke eines unheilverkündenden tages, zu seiner ekelsten essenz destilliert, wie der brachgelegene blick eines sterbenden mannes, dessen dasein eine wueste bar jeglicher oase ist, wie das beaengstigende schaben an einer naechtlichen tuer, wenn nicht einmal die vagsten praeliminarien erholsamen schlafs, stoisch das unbewusste kreuzend, gleich einem irrenden vogelschwarm, es mehr wagen, einen hauch von linderung zu prophezeien –, schweren schrittes, also, schleppte er sich den weg entlang; er trank gierig & voller bedacht aus den wassern des selbstmitleids, er erbrach widerliche fragmente katharsischster kristalle, spuren scheuszlichster labyrinthe – hoehnische arabesken an den waenden der leere, des nichts – emanierend & zeichnend, auf die sproede epidermis einer manisch verzerrten welt ohne sanften widerhall, er… abgelegene orte, so dachte er, scheinbar ganz bei sich, schaerfen geist & sinne mit dem grausamen seziermesser der abscheu vor einem selbst: o, wie gluecklich darf ich mich schaetzen, den tod meiner hoffnung bezeugen zu koennen! ein illustres grabmal will ich ihr errichten, in form eines literarischen werkes, das… (doch – aber, dergleichen ahnte er zu diesem zeitpunkt noch nicht – tatsaechlich werde ich, dem diametral entgegengesetzt, euphorisch & unablaessig die reine liebe protegieren, indem ich these auf antithese aneinanderreihe, einen abgegriffenen & gleichermaszen wuerdig & wuchtig anmutenden rosenkranz erinnernd, die bruechigen, zitternden haende eines uralten wesens zierend, das sich unwillkuerlich nach wahrheit via offenbarungen sehnt!)
er bemerkte den eingang erst, als er bereits beinahe voruebergetaumelt war; da beschloss er, einen pakt mit der einsamkeit zu schlieszen, sich abzuwenden, von dem tumult, dem trubel, dem wilden treiben auf den straszen freudloser staedte & doerfer, sich abzuwenden von seinem eigenen, verzweifelten ich, sich hineinzubegeben, ins unbekannte refugium einer hoehle, deren weit klaffendes maul ihn verschlang, aehnlich jener tragischen mutter, die ihr ungewolltes kind mit eiskalten haenden – keine regung kraeuselt den wahnwitzigen ozeans ihres absurden gewissens – ertraenkt & die ploetzlich, von reue erfuellt, einhaelt, ihren widernatuerlichen fehler erkennt & das kind reanimiert… sattschwarze dunkelheit umfing ihn, mochten vielleicht zu beginn duestere schatten flinke finger ueber das empfaengliche herz seines nackens geistern lassen, bald klang die stille ihm wunderbar ungetruebt – sie fuellte sich mit praechtigsten figuren & gestalten, dank den sublimen taenzen & gesaengen seiner endlich aufatmen duerfenden phantasie – ; so fand er seinen platz & drehte, erwachend, seinen kopf hin & her. ja, demuetig umarmte er das absolute & seliges laecheln, von niemandem gesehen oder gar gespuert, schmueckte sein weiser werdendes gesicht.
zahllose jahre spaeter glitt ein anderer heraus.
was, nun, war geschehen?

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