Der Anruf

Von Fernand Muller-Hornick

Der Versuch eines Beamten des öffentlichen Dienstes, bei einem Anruf die Verbindung entgegen zu nehmen, lief insofern schief, weil der Beamte, durch den plötzlichen Anruf erschreckt, den Hörer zu hastig aufhob, wobei sich das an Hörer und Telefonapparat befestigte, spiralförmige Kabel derart verwickelte, worauf der Beamte sich genötigt sah, zuerst das Kabel, das sich durch Missgeschick des Beamten, vorwiegend aber wegen unrichtiger und unsachgemäßer Behandlung zu einem unauflösbaren Knäuel verwickelte, zu entwirren, um anschließend die Hörmuschel an sein linkes Ohr, und die Sprechmuschel an seinen Mund führen zu können, was aber durch die Aufregung des Beamten bedingt, nicht sofort gelang, da sich das Kabel vielmehr beim hoffnungslosen Entknäuelungsversuch des Beamten um den Hörer schlingelte und diesen auf die Tasten des Apparates zu drücken drohte, wodurch der Beamte, ahnend, dass das Gespräch infolgedessen annulliert wäre, in noch größere Aufregung geriet und beim vergeblichen Versuch, das Kabel vom Hörer zu befreien, nicht nur den Apparat vom Pult riss und unglücklicherweise zu Boden schmiss, sondern beim Versuch, den Telefonapparat aufzuheben, beinahe selbst vom Sessel gefallen wäre. Glücklicherweise gelang es dem Beamten noch rechtzeitig, sich mit der rechten Hand am seitlichen Pult abzustützen, und mit der linken Hand, quer über den Sessel hängend, den Apparat am Boden zu fassen, ohne dass es ihm allerdings geglückt wäre, sich und den Apparat wieder in eine für ein Telefongespräch angemessene Position zu bringen. Vielmehr kippte, durch die Schräghaltung des Beamten bedingt, der Stuhl seitlich weg, wodurch dem Beamten, durch das unerwartete Wegkippen des Stuhles das mühsam erhaltene Gleichgewicht gänzlich verlierend, die rechte Hand vom seitlichen Pultrand wegrutschte, was wiederum bewirkte, dass er kopfüber vom Stuhl zu Boden stürzte und auf den Telefonapparat zu liegen kam, wodurch die Verbindung abgebrochen, und der Anruf annulliert wurde.

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