Pantoffel statt Pandemie / Home sweet home – neue häuslichkeit

Von Eva Radon

Ja, die füße in pantoffeln aus pelz, die sie als geburtstagsgeschenk bekam.
Die sind warm
Sie hatte nie welche, ging lieber in socken oder bloßfüßig.

Die kartoffeln (eigentlich erdäpfel) waren heurige aber, über die zeit, übers jahr trieben sie aus wie wilder wein.

Sie liebte kartoffelspeisen:
ob im ofen, gratin, püree, suppe mit kümmel und steinpilzen, puffer, krambambuli im rohr, knödel, salat, chips, spalten, und ob nach kochbuch oder phantasie.

Das leben hat sich in der zeit der pandemie geändert:
das zuhause bleiben ist ein neues soll, um ansteckung zu vermeiden.
Natürlich einsichtig aber isolierend, soziale kontakte abschneidend, das äussere aktivitäten auf eis legend,
ausser alles was draussen an der luft stattfindet, ist erlaubt.

und ich erlebe
mein ZUHAUSE neu.

Das zuhause bleiben wird zur weltreise,
ich schlürfe mit meinen pantoffeln durch die wohnlandschaften, entdecke neue länder, neue kontinente.
Erinnerungsstücke eröffnen sich mir, viele alte und neuere fotos, kleine gegenstände, ecken und winkel mit sackerln, kästen mit diversen kleidungsstücken, regale mit büchern, mappen, alben, heften ..bilden bunte landstriche mit höhen und tiefen.
Manchmal stolper ich über teppichecken, es gibt ja im draussen auch immer hindernisse und fallen.

Der gang durch die wohnung will gelernt sein. Er wird zur täglichen strecke mit schrittzähler, er wird vertraut.

Mit geschlossenen augen stell ich mir die gegenstände vor: fingerpuppen, meist kleine tiere, elefanten und kamele, erinnerungsstücke, kitschiges, skurriles, schönes.

Mit offenen ohren lausche ich chopin, mozart, cohen, und was mir gerade einfällt. ich lasse die melodien in meinen ohren erklingen.

Die ohren und das gemüt freuen sich und fühlen sich wohl.
Ich sitze am sofa, umringt von campari, buch, zeitung, papier und bleistift.
Das fernsehen, das handy, das lesen sind unentbehrlich geworden.

Das kochen und essen bereiten freude.
Buntes, gesundes, klassisches, neues.
Sogar alleine essen macht manchmal spass.
Ich habe ja keine wahl.
Ich fühle mich zu hause und wohl.

Das leben mit und ohne pantoffel
aber bitte bald ohne pandemie
soll wieder freudiger, vielfältiger, einfältiger, bilder und filmreicher werden.

Doch die erfahrungen bleiben, da das SWEET HOME,
die neue häuslichkeit eine neue bereicherung
in meinem leben ist, war.

P.S.
Wenn ich nicht falle, bin ich dann ein pantoffelheld?? oder pantoffelheldin? (das wort hat eine andere bedeutung…)
pantoffelheld-heldin…sind wir COVID helden,-innen??
ja, diejenigen, die es überstanden haben
ohne depression, isolationsgefühl, bleibenden syptomen, was soziales leben betrifft,
krankheit und schaden.

Eva Radon, Jänner 2021

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