rückblick

Von Hans-Joachim Kuhn

da war dieses weben … gestalt & klang
am wimpernrand – im eisernen brustkorb ein schatten
aus rotem gefieder dem rankten sich töne
ums singende haupt … aus trockenen kehlen vom straßenstaub
das elend der worte nur ein erinnern
wie fernes leuchten – kindheitsgerüche enthäutete sommer
zusammengewürfelt zerstückelte echos – einmal
hört ich sie singen ins licht

eine hymne dem erdigen traum:
tritt näher du mit geplünderten augen – der blauen stirn
den blick in die nacht geschlagen …
unentrinnbare nacktheit des seins … mit offenen lippen
küsstest den stein am fuße des berges
hattest die schreie der vögel verlernt … mag sein
auf der anderen seite ein abend
mit dreifachem mond wo kalte hände

sich strecken zur sonne –
kinder sind dort mit großen augen … die werfen worte
hoch in die luft – ich hörte sie flüstern:
engel sind wir wissen es nicht – jedes lachen
ist uns gebet – im glockengesang
verewigt unsterbliches seufzen verwaister scholle …
dass zeit sei zu gehn – ein geknicktes rohr
brachst es nicht –

ein glimmender docht
im steten tropfen ungelöscht … im sommer als wind
durch die gräser fuhr – nichts war jemals so
wie du denkst

© 2021 Hans-Joachim Kuhn
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