Regentag

Von Steffen M. Diebold

Ein Türspalt gähnt, ein Auge lugt ins Zimmer,
die Katze humpelt aus dem dunklen Flur,
der Kuckuck pöbelt aus der Kuckucksuhr:
das Dasein ist so krank und hohl wie immer.

Man wünscht sich fort an helle warme Orte,
und tief im Schädel hämmert er und bellt,
der Fluchtgedanke, wie ein Wild umstellt:
für Nässe hat man weder Sinn noch Worte.

Die Trübsal visitiert, der Tag trägt Glatze,
und Kälte kriecht durch dickeste Pullover,
das Nichtstun macht nicht klug, doch auch nicht doofer:
retour im Flur lahmt immer noch die Katze.

Zuletzt fragt man: Was hat man hier verloren?
Und ganz im Ernst: Wozu ist man geboren?

© 2021 Steffen M. Diebold
Alle Rechte vorbehalten

Lyrik in Anthologien und Literaturzeitschriften, zuletzt in: mosaik; freiVERS; ZENO; BAWÜLON; Glitter; Chaussee; WORTSCHAU; Jokers Lyrikpreis 2003, Shortlist beim Bonner Literaturpreis 2019