Wird sich das ausgehen?

Von Sofie Morin

Früher waren wir einander nah. Dann trugen wir alle Mundschutz. Nicht hier, nicht in diesem Raumschiff, wo wir uns endlich nicht mehr bedeckt halten müssen.
Wir Geheilten wissen wenig über diesen neuen Heimatplaneten, dem wir zugeteilt wurden. Die Entfernung ist eine grob geschätzte. Tage flimmern vorbei, in denen wir uns kaum noch zurechtfinden. Es ist Zeit, anzukommen.
Meine Schwester sucht nach dem besten Ausblick. Es dauert sehr lange, bis ihr etwas reicht. „Das geht sich schon aus“, sagt sie und es klingt wie ein Kinderreim.
Haben wir nicht jahrhundertelang geglaubt? Selbstgewiss, als stünde unsere Arterhaltung über allem, haben wir von knapper, aber selbstverständlicher Errettung geträumt. Die Haltung unverändert, sind wir nun mit einer Horde Artverwandter unterwegs. Sehen herab auf alles, was vor uns da war. Die Entwicklungsgeschichte der Überheblichkeit überzieht die Erdkugel. Rückblickend behaupten wir, unser Erdendasein wäre ein Fehlstart gewesen. Als müsse die Zukunft uns neu erfinden. Und irgendwie hoffe ich selbst, dass sie das tut. Wir Schwestern sind ein Anfang, sage ich mir, und stelle mich so nah neben sie, wie lange nicht mehr.
„Na sicher geht sich das aus“, sage ich, weil ich will, dass der Neubeginn uns so sicher trägt wie früher die Lieder in den Schlaf.
Wir sehen Mutter Erde in den Weltraum entschwinden. Jetzt erholt sie sich von uns.

Sofie Morin, März 2021

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