atemlos entwest

Von Sofie Morin

verlöschendes licht über meinem kopf streicht die strähnen einzeln aus dem gebüsch heraus doch vergebens der versuch zu fliehen und meine sinne befangen wie das haar im geäst und keine hand neben mir greifbar nur entsetzen nämlich das grauen blickt mich an aus augen eben den augen die wir ihm gegeben haben die synthetischen augäpfel dieser biester mit ihren gesten beiläufig fast menschlich ihre absichten aber die nicht die dieser künstlichen wesen die meine atemluft stocken lassen die sie doch nicht brauchen so wenig wie die körperwärme die sie mir dennoch nehmen überfrierend meine angst so gründlich in den tag gepflanzt wie die irrsinnig gewordene hoffnung auf ein entkommen aus diesem unterschlupf der meine menschenhaut ist so viel ich weiß aber was weiß ich schon wirklich der wesensentscheid vorläufig wie alles denn was sind die und was bin ich ihnen gegenübergestellt womöglich nicht mehr als ein organbündel wie es alsbald von der wand trieft dabei den geruch von blut und angstschweiß verströmend als wäre da nichts anderes je zu erhoffen gewesen von einer lebendigkeit als deren jähes ende denn unter der erlösung war bereits das unheimliche zwar schwer zu erkennen für uns in unserem unentwegten vorbeihasten am fortschritt dem letzten verbliebenen glauben aber schon erahnbar gewesen im raunen der binärcodes und nachts das buhlen um die aufmerksamkeit der lichter aus den blinkenden monitoren wie ein zwinkernder gruß der uns verfehlt hat und uns stets nachgetragen wird wie die kindheitsliebe wie bausteine unserer selbst in diesen burgen aus sand die wir uns gebaut haben süchtig nach seltenen erden so wir und gespalten in der verfassung unserer transzendentalen obdachlosigkeit all das um uns von der gefahr abzulenken die wir längst nicht mehr kontrollieren zersprengt in alle windrichtungen haben wir je selbst die algorithmen wie ärzte in unser leben geholt die unsere körpergrenzen nicht mehr achten und wohl auch sonst nichts aber jetzt beten wir dass sie nur nicht vor unseren augen lebendig werden nur das nicht denn dann haben sie uns entdeckt und wir uns verloren in unserem unmenschlichen versteck wo wir ohnehin kaum noch platz finden denn mit dem letzten dreck unter den blanken fusssohlen so angstvoll durch das blattwerk spähend sind wir zaungäste unserer eigenen erfindung geworden wie damals und das ende naht wie mitmenschlichkeit an idealen berstend und knochen an titan ununterbrochen glänzend so in ihrer maschinenhülle gespiegelt unsere unbelehrbaren wünsche und nur sie verwesen noch vor uns

© 2021 Sofie Morin
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