Der Katzenmann

Von Bertam Haid

Ich hatte bisher insgesamt drei Katzen.
Mittlerweile sind ein paar Jahrzehnte vergangen aber ich weiß noch gut, wie das war.
Wenn man heimkam, wurde man erwartet. Aber nicht allzu sehr. Wenn man wegging, wurde das bedauert. Ebenfalls in einem gewissen Rahmen. Dazwischen war man geduldet und froh, in der Wohnung der Katze bleiben zu dürfen.
Leider wurde bei mir dann eine Katzenallergie festgestellt worauf die vierbeinigen Herrscher von ihren Untertanen mit großem Bedauern ihres Reiches verwiesen wurden.
Ich finde das noch immer sehr schade, denn im Grunde bin ich ein Katzenmann. Schon vom Sternzeichen her, denn ich bin Löwe. Das Unabhängige, Unberechenbare, das Freie liegt mir im Blut. Das im Jetzt Seiende, das niemals Zurückschauende. Wohl auch die Neigung über andere Angepasste, Brave, Gehorsame zu bestimmen. Also, zum Beispiel, über Hunde.
Wahrscheinlich habe ich mir als Kind deshalb, wenn auch erfolglos, einen Bobtail gewünscht. Je älter ich werde, umso mehr wird in meinen Visionen ein Mops daraus.
Stattdessen führte ich als Kind den lächerlich dünnen afghanischen Windhund meiner Nachbarin Gassi, später dann den blinden Jack Russel Terrier meiner Tochter sowie dessen Gefährten, einen inkontinenten Cattledog.
Einmal übernachteten sogar zwei schielende Chiwawas bei uns. Sie verrichteten ihre großen und kleinen Geschäftchen in einer mit Windeln ausgelegten Kiste auf dem Balkon. Aber nicht einmal sie gingen so wirklich als Katzen durch.
Mein Körper jedenfalls verhindert mein Interesse für Katzen auf perfide Weise. Wenn ich nicht will, dass mir die Augen so lange tränen bis das Weiße darin rot und glibberig wird, während meine Atemwege geradewegs in sauerstofflose Gebiete führen, muss ich mich strikt von Katzen fern halten und mich damit zufrieden geben, dass mir das Schicksal immer wieder Hunde in die angeleinten Hände spielt.
Die Katzen sind aus meinem Leben verschwunden. Haben sich anmutig weggeschlichen, auf Samtpfötchen. Mit einem leisen Maunzen, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzudrehen.
Die Hunde aber stehen voller Erwartung bei Fuß. Die Ohren gespitzt, die Zunge heraushängend, schlabbernd. Bedauernswert und bereit für alles, was ich ihnen anordne.
Wenn im Fernsehen Werbung für Katzenfutter läuft, dann schaue ich schweren Herzens weg. Das Schicksal wird schon wissen, was es tut.

© 2021 Bertram Haid
Alle Rechte vorbehalten