Frühling im Prater

Von Sofie Morin

Vor den Toren meiner Gastlichkeit splittert Lack von mürbegewordenen Flächen. Du wartest draußen, liest Zeichen aus der Holzmaserung, und ich denke, es muss wieder Frühlingszeit sein. So normal wie möglich weiteratmen, denn keinesfalls sollte die Türglocke das Zwerchfell aus dem Walzertakt bringen.
Auf Straßen, die heute alle zum Praterausflug führen, reihen sich welthaltige Alltage aneinander, stolzieren über den Laufsteg der rotweißen Wirklichkeit mit blauem Band. Schlaglicht verfängt in Ausgehvorhängen, denen wir hierzulande Kosenamen geben, wie allem, das uns eignet. Schau, manch einer öffnet schon vor der Hauptallee sein Visier.
Dort zwergenhafte Schienen, gesäumt von Frühblühern und Handküssen, fliegen wohlklingend vorbei.

Sofie Morin, hat im Frühjahr 2021
für genau 100 Wörter inetwa 100 Mal Peter Alexander gehört

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