Irgendeine Nacht

Von Volker Stahlschmidt

Irgendeine nacht
Irgendein fastfoodladen
Irgendwo in deutschland

Ein geöffneter schalter
Eine frau bedient mit einem gesichtsausdruck
Als sei die späte stunde schuld

Eine prostituierte geht auf toilette
Kommt acht minuten später wieder raus
Unsicherer gang auf hohen absätzen
Einen kaffee bitte!

Ein mann mit schluckauf
Sodbrennen hallt durch den raum
Er kann nicht langsamer essen.

Jemand kehrt über den boden
Pro forma.
Die nacht schreitet fort
Sonst nichts.
Irgendwas hier von bedeutung?

Irgendeine frau
Irgendein mann
Irgendeine bushaltestelle

Ihre blicke treffen sich
Zwei sekunden braucht die scham.

Der boden unter ihren blicken, grau,
Tiefgrau,
Aschgrau.
Sie, ende dreißig,
Er, anfang vierzig.
Das leben entscheidet sich in wenigen augenblicken.
Sagt man so,
Anderswo.

Der Mann schaut erneut
Über die flamme, vor der zigarette, mit schrägem blick.
Fernab wird auf metall geschlagen
Zu dieser uhrzeit.
Irgendjemand, der sich verantwortlich fühlt?
Für den lärm
Die störung
Für irgendwas?
Der bus kommt
Die frau steigt ein,
Der mann bleibt stehen.
Ihr schal flattert auf dem weg zu den hinteren plätzen.
Morgen werden beide einen tag älter sein.

Irgendein fenster
Irgendein haus
Irgendein licht
Vierter stock, drittes von links.

Ein licht, das brennt
Ein licht, das warm wirkt in der nacht
Ein licht, das geborgenheit sendet
Zur nässe auf asphaltiertem boden.

Ein licht, das brennt
Wie einst das feuer in seiner seele
Bevor er gerufen wurde
Wie der schmerz, als er ging
Wie die hoffnung, als er im graben lag
Wie der splitter, der ihn verfehlte
Wie das feuer, das sie fortnahm.

Irgendeine nacht geht zu Ende
Irgendein licht brennt.
Irgendeine woche geht zu Ende
Irgendein licht brennt.
Irgendein monat geht zu Ende
Das licht brennt noch immer.

*

© 2021 Volker Stahlschmidt
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