Melancholie

Von Ellen Marion Maybell

Ich bin so melancholisch.
Ich muss mich alkoholisch
etwas peppen,
sonst kann ich nicht steppen,
sagte der Bär,
sonst geht‘s mir an den Kragen.
Ich bin nämlich ein verzagen-DER
Kragenbär.

Bin wahrlich nicht gestärkt.
Wie sollt ich da, unwohl bemerkt,
nen Tatzenmord frisch wagen.
Kann mich nur weiter mörderlus
als alter Schisser Hasenfuß
durch lichte Unterhölzer schlagen.
Elend zitternd.
So erbitternd.
Jeder glaubt, wär stark, der Bär.
Gebt mir doch mal’n Stark-BÄR her.
Nicht dieses Beeren-Honig-Naschen.
Her mit dem Zeugs, vergorn in Flaschen.

Gebt mir was zu zischen.
Ich brauche einen frischen
Schub in meinem Bärenmut,
damit’s mir wiieder rauscht
und bauscht
in meinem feigen Bären-Blut.
Sonst zisch ich ab.
Das kann ich gut.
Nur nicht zwischen
Zeilen lesen.
Das entspricht nicht meinem Wesen.
Schon gar nicht nüchtern.
Viel zu schüchtern.

Ach, ich bin so melancholisch,
du Retter mein, mein alkoholisch…..
Helfer-Seel in dunklen Stunden,
die ich sonst niemals überwunden…..
Ohne dich wär ich GESCHEITERT…..
Erleuchter mein, der mich erweitert…

In meiner süß Melancholie…
und tapsig Füß Silberfolie.

Sehet, wie gerührt ich bin.
Gebe mich dem Suffe hin.
Dem Bade-Stuffe, dem ich rief.
Bis zum Absturz, bis zum Schnief.

Sonst fing ich an zu klappern
und täte mich verplappern.
Wie ne alte falsche Schlange.
Natürlich ist die falsch,
sonst lebte die nicht lange.

Was heißt denn hier,
ich quängel.
Ich bin wie die.
Ich schlängel
mich genau wie die so durch
und fange an zu ottern.
Tät ich’s nicht,
dann tät ich Lurch
mich verheddern
und verstottern.
Dann würgt mich halt
und tut mich schreddern.
Ganz und gar und eiseskalt.

Als Schlange
wär ich hinterhältig,
schweinebacken und so nett.
Und wuppte euch
am Stück
zum Fraß auf nem silbernem Tablett….
Doch, euer Glück.
Ihr Mause-Racken.
Doch erst mal Pause.
Denn Bär ist zu und voll und fett.

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© 2021 Ellen Marion Maybell
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