WIENFAHRT-ELEGIE

Von Peter Lexa

Do, 8.11.01/~17:00

winterabenddämmerung bei leipzig

heiliges orange
bist mein seit einem jahr
rechts von mir
beim heinfahrn
links
wenns aufgeht in die fremde
du hast was eigenes

dresden
im morgentau im frühling
kann sich – vielleicht – mit dir messen
doch nur in zwingernähe

bis nach gera
weiter himmel
wohin das auge reicht

kein stau
die hindernisse sind begradigt
vier windräder bgrüßen
wie vor einem jahr
gleich lacht mir der airport

warum zogs mich
nach berlin?
Cousine mein
ich wurd nicht dein
wollts nicht einmal
du
hast mich trotzdem verschmäht

so bleibt mir grad die sehnsucht
nach: gewandhaus, völkerschlacht
u elephanten rund ums bier
faust
trank auch angeblich hier

jetzt bleib ich in der hauptstadt
hab viele lieben da

trotzdem,
leipzig,
gehst du allein mir nah

17:45

es hügelt
hinter leipzig
die luft gewaschen klar
ich reisender will weiter
zu bleiben ist nicht
wahr

nomaden
sind wir alle
manche sind sesshaft worn
doch eins ist mir ganz sicher:
als bauern
sind wir nicht geborn

18:55

„W2431GT“

oh du
wiener nummerntaferl
das erste seit wochen
das mir unterkommt

blink dir zu
beim überholen
blinkst zurück
das macht mich froh

21:00, km 570

miad bin i
vom foan
gestan no falorn
heit bin i gaunz stüü
wei’s da köapa
so wüü

21:16

bin glei z’haus
beim jörg u schüssl
u bei olle,
des gwööt hom

oba aa
beim oidn papa
laung no
wüü i‘ eam ned
begrom

21:31, grenze

z’haus
wo is des

maus
hod ihr loch

: im hoizpijama,
danoch!

22:30, amstetten

lauta piefke
auf da stroßn
„bleibts daham
es schiachn offn“
reicht ma, wenns ma in berlin
den weg fastöds

woos wöts in wien!??

23:30, altlengbach

da wienawoid!
a scheerenschnitt
im widerschein der stott

i waas ned

warum hob i
des herumgammln
ned sott? …

0:00, schönbrunn

friedn is
jetzt bin i do
olles geht ma
fuachtboa noh

auhof, hüttldurf,
die wien

am schluß da
nestroy
do foa i jetzt hin

*

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