Selbst. Täuschung.

Von Walther Stonet

Der Winterwind schenkt heute eine Träne:
Sie stiehlt sich leis ins linke Auge, rollt,
Als eine alte Eiche ächzt und grollt.
Doch er zeigt ihr die großen kalten Zähne

Und wischt die letzten Blätter fort. Sie schmollt,
Greift Grau vom Himmel, als ich an sie lehne.
Die Wärme geht jetzt lang in Quarantäne:
Der Macht aus Nord wird so Tribut gezollt.

Die Maske trag ich, die des Hoffnungsvollen:
Sie schützt vor Ängsten den, heißts, der sie trägt.
Das glauben die, die‘s gerne glauben wollen,

Wenn ihnen einer schon den Ast absägt:
Ich hätte meiner Träne trauen sollen,
Doch meine Chuzpe war zu ausgeprägt.

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© 2021 Walther Stonet
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