mobile gehdichte

Von Alexander Reisenbichler

mein halbes leben, nein, das ist keine metapher sondern numerisch, lebe ich in asien. kein aussteiger sondern ein einsteiger. hauptsaechlich ohne dinglich werden zu wollen indien und suedkorea. als privilegiertem unlegierten arischen reinbluetlerischen abendlandgewaechs geht es nicht um dazugehoeren das man nicht sieht und riecht und schmeckt. es ist einfach mein biotop. bao phi der amerikanisch vietnamesische dichter dichtet sich in vietnamesisch amerikanische strickmuster und haeckelt fransen zusammen. ohne anpassungs tiefsee druck entwickelte ich referenzkulturen. undichterisch entpuppt sich das stofftierteddybaeruebermaessig in suedkoreanischer kindererziehung weil ich nur diese kenne, die oesterreichische ist mir trotz ostern und reichtum fremd. das multikulturell heterogene indien trifft das homosexuelle suedkorea. man legt kulturelle gewohnheiten ab und diese luecken werden mit neuem material ausgelegt und verfliest bis man in meere fliesst.
(im zweiten mobilen gehdicht finden sich liedtitel anatolisch psychedelischer hippie rocklieder mit lokalem tuerkischen flair die untermalen was ich mir nur ausmale)

persische kompositionstierschau

1.

sprachrohre in verbalen minenfeldern verlegen
ohne sich fuer roehr ende anfaenge zu schaemen

die insel ohne straende wird zum symbol
die scharfen kanten der muscheln auf den steinen runden
meine konsonanten zu vokalen
die im watt knoechel tief versinken
in den dichten auswuerfen der letzten tausend lyrischen kalpas

die insel ist das gehdicht als verbales fortbewegungsmittel
die insel ohne straende die man zu fuss umrunden muss
scheidet sich von ihrer umgebung geographisch ab
die insel wird zur insel
auch die demographie eine demarkationslinie
insel ist nicht mehr insel

woerter nehmen in dieser umgebung andere formen an
verdichten sich
rinnen aus

vor meiner irdischen unterkunft genannt guesthouse tummeln sich unfischhafte menschen
bevoelkern die gasse mit figurativer anwesenheit
steuern kontrolliert gedanken in lichte zwischenraeume in fensterlosen zimmern mit aussicht

tueren und woerter werden aus den angeln gehoben und eroeffnen begegnungs raeume fuer fische die im trockenen zappeln und woerter durch kiemen aufnehmen

2.

multi kullern einen berg hinauf
eindruecke schwitzen sich durch verbale ausdrucksformen
silin meyer hatiralar
aus allen sieben kommen zahllose rechtecke die sich als achtecke ausgeben
mevlana boeyle dedi
man treibt alle schaefchen zusammen und ueberlaesst den rest carl von linne der unerwartet witzige zeilen ueber lappland geschrieben hat
arabem kaldi yolda
man erkennt seine eigene schwester nicht meer
yandim askinla ben
seine eltern verbergen sich geographisch in regenbogenwaeldern
sari wizmeli mehmet aga
fuehrerlose walnussgehaeuse brechen barock in renaissancelaeden ein
malebadi koepruesue
romanische dichterlose dicke waelle oeffnen sich
hor goerme garibi
multi kulti ist kultiges leben, gelebte realitaet
den oeffnungsprozess symbolis tisch moebliert darstellen

3.

bunte menschen in phanta sie nicht er gaerten setzen
wo sie alleine stehen zwischen verbalen kompost itionen
festsitzen in kategorien ohne katzenklo
aufwachen in blumentalranken gen gedanken die auf waescheleinen haengen
anarchismus drueckt gegen den gruppenzwang
leben im ausland laesst keine schwimmblase zum druckausgleich zu
offen ist alles
tiefseefische fischen nach ertraenken vor identitaeten
traechtige gedanken trachten nach einem gravitationspunkt
feind selige interpunktionen heilig sprechen ohne worte
beispiel haft in gefaeng nisse horn bienen zu bringen

4. lepra broesel

leproesel die haensel ausstreute
mit festem tritt ritt ohne pferde
stieg er gassen entlang um kurz entschlossen
einen arm in indien zu verlieren der ihm in nepal wieder an wuchs
im mekong stak ein bein im monsungeschwaengerten schlamm
fuer ersatz sorgte ein rebstockhuhn aus westchina
wasserlose wuesten kopfwaescher verwuesten zungenbrecher
in nordbangladesh er trank sein kopf sie ass aber nicht
mit zwei beinen humpelte es in erdbeerfeldern in den shan bergen in myanmar
multi kult huren tempel deva taenzer innen dasi aussen woanders
man verliert hier was man dort gewinnt
zerrissene koerperteile treiben gedanken ab
man sieht sich zerstueckelt zerpflueckt zerrissen aber nie abgetrennt
weil ich ein eidechsenmensch bin der sich socken auf die beine naeht
immer die aussenwaende meiner welt einschlagen kerne keime in furchtbahre lebendige erden setzen
die anwesenheit anderer menschen aendert mein gravitationsfeld

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© 2022 Alexander Reisenbichler
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