Frühling im Prater

Von Sofie Morin

Vor den Toren meiner Gastlichkeit splittert Lack von mürbegewordenen Flächen. Du wartest draußen, liest Zeichen aus der Holzmaserung, und ich denke, es muss wieder Frühlingszeit sein. So normal wie möglich weiteratmen, denn keinesfalls sollte die Türglocke das Zwerchfell aus dem Walzertakt bringen.
Auf Straßen, die heute alle zum Praterausflug führen, reihen sich welthaltige Alltage aneinander, stolzieren über den Laufsteg der rotweißen Wirklichkeit mit blauem Band. Schlaglicht verfängt in Ausgehvorhängen, denen wir hierzulande Kosenamen geben, wie allem, das uns eignet. Schau, manch einer öffnet schon vor der Hauptallee sein Visier.
Dort zwergenhafte Schienen, gesäumt von Frühblühern und Handküssen, fliegen wohlklingend vorbei.

Sofie Morin, hat im Frühjahr 2021
für genau 100 Wörter inetwa 100 Mal Peter Alexander gehört

© 2021 Sofie Morin
Alle Rechte vorbehalten

Balkon mit Aussicht

Von Eva Radon

Ich stehe am Holzbalkon im steirschen Lande und blicke in die hügelige, bergige Landschaft.
Sattgrüne Wiesen, Bäume im nadeligem oder blättrigem Gewand, alleine stehend oder in Gruppen wechseln sich ab mit Bauernhöfen, zufriedenen Kühen, die fressen, um wiederzukäuen.
Pferde wälzen sich am Boden, um die lästigen Fliegen abzuschütteln oder sie schwingen ihre Roßschwänze und ihre gut frisierten Mähnen.
Ein abwechslungsreicher Landschaftsausschnitt soweit das Auge reicht.
Dunkles grün hüllt sich um die hohen Berge.

Aber für mich war das Faszinierendste das Wolkengeschehen.
Ein permanent wechselndes Spiel zwischen Licht und Schatten, Formen, Figuren, Dichte oder mit Strichen angedeutet, oder wollig zusammengeballt, lose verknüpft,
Fransen, Linien, Wolkenhände, Streifen,Wattebäusche……

Meine Augen konnten von diesem in weiß, blau, wasserblau, grau gehaltenem Film nicht lassen.
Ich merke wie schwer es ist, Beobachtungen in der Natur in Worte zu fassen.

Dieses Wochenende war eine Reise ins Wolkenland.

© 2021 Eva Radon
Alle Rechte vorbehalten

die elbe 5 sekunden

Von Thomas Franke

wenn der ice die 200er marke überschreitet
wenn die elbe 5 sekunden breit ist
wenn die kartoffeläcker vorbeifliegen und die krähen kurz zwischen den furchen auftauchen

wenn du auf dem weg nach berlin bist, das durch die scheißgrippe seine unschuld zurückgewinnt
was willst du dann da eigentlich
das ende des hedonismus feiern
mit jeder sekunde, mit jedem kilometer rast du dem eigenen ende entgegen
messbar in entfernung von orten
die du nicht willst
menschen
die du nicht magst
gespräche
die du nicht führen möchtest
probleme
die zu deinen gemacht werden

so war es immer schon

bald bist du der letzte in deiner reihe
kinderloser noch nicht alter mann

erst wenn es ums sterben der anderen geht, merkst du, was zeit bedeutet
wenn du dich fragst, wie lange lebt sie noch
stellst du dir die frage selbst

wenn du die weißen streifen des entgegenkommenden ice siehst
weißt du
zeit geht auch in die andere richtung immer weiter

*

© 2021 Thomas Franke
Alle Rechte vorbehalten

Knoten

Von Monika Jarju

„Heute ist der Tag, an dem sich niemand töten wird“, sagt eine Stimme im Traum.             

*

Zwei Menschen streiten heftig miteinander. Ich gehe ihnen aus dem Weg. Als mir der eine nachkommt, weiß ich, dass der andere tot ist. „Es war ein Blitzschlag.“, beteuert er, „Der Blitz hat ihn am Kinn gespalten.“ Ich glaube ihm kein Wort.

*

Ein Mann hat einen anderen mit der Axt erschlagen. Um seine Unschuld zu beweisen, pocht er mit der Axt gegen mein Knie, als würde er Reflexe überprüfen. Nichts geschieht, ich fühle überhaupt nichts. Die Leiche bin ich.

*

Vor dem alten Tabakladen schlägt ein Vater sein Kind zu Boden. Entsetzt helfe ich dem Kind auf. Der Mann stößt es erneut nieder. So geht das eine Weile. Während ich das Kind immer wieder auf die Beine stelle, schauen teilnahmslos Passanten zu. Haarscharf fällt es mit dem Kopf an der Bordsteinkante vorbei. Endlich höre ich auf, das Kind hinzustellen.

©2021 Monika Jarju
Alle Rechte vorbehalten

Irgendeine Nacht

Von Volker Stahlschmidt

Irgendeine nacht
Irgendein fastfoodladen
Irgendwo in deutschland

Ein geöffneter schalter
Eine frau bedient mit einem gesichtsausdruck
Als sei die späte stunde schuld

Eine prostituierte geht auf toilette
Kommt acht minuten später wieder raus
Unsicherer gang auf hohen absätzen
Einen kaffee bitte!

Ein mann mit schluckauf
Sodbrennen hallt durch den raum
Er kann nicht langsamer essen.

Jemand kehrt über den boden
Pro forma.
Die nacht schreitet fort
Sonst nichts.
Irgendwas hier von bedeutung?

Irgendeine frau
Irgendein mann
Irgendeine bushaltestelle

Ihre blicke treffen sich
Zwei sekunden braucht die scham.

Der boden unter ihren blicken, grau,
Tiefgrau,
Aschgrau.
Sie, ende dreißig,
Er, anfang vierzig.
Das leben entscheidet sich in wenigen augenblicken.
Sagt man so,
Anderswo.

Der Mann schaut erneut
Über die flamme, vor der zigarette, mit schrägem blick.
Fernab wird auf metall geschlagen
Zu dieser uhrzeit.
Irgendjemand, der sich verantwortlich fühlt?
Für den lärm
Die störung
Für irgendwas?
Der bus kommt
Die frau steigt ein,
Der mann bleibt stehen.
Ihr schal flattert auf dem weg zu den hinteren plätzen.
Morgen werden beide einen tag älter sein.

Irgendein fenster
Irgendein haus
Irgendein licht
Vierter stock, drittes von links.

Ein licht, das brennt
Ein licht, das warm wirkt in der nacht
Ein licht, das geborgenheit sendet
Zur nässe auf asphaltiertem boden.

Ein licht, das brennt
Wie einst das feuer in seiner seele
Bevor er gerufen wurde
Wie der schmerz, als er ging
Wie die hoffnung, als er im graben lag
Wie der splitter, der ihn verfehlte
Wie das feuer, das sie fortnahm.

Irgendeine nacht geht zu Ende
Irgendein licht brennt.
Irgendeine woche geht zu Ende
Irgendein licht brennt.
Irgendein monat geht zu Ende
Das licht brennt noch immer.

*

© 2021 Volker Stahlschmidt
Alle Rechte vorbehalten

atemlos entwest

Von Sofie Morin

verlöschendes licht über meinem kopf streicht die strähnen einzeln aus dem gebüsch heraus doch vergebens der versuch zu fliehen und meine sinne befangen wie das haar im geäst und keine hand neben mir greifbar nur entsetzen nämlich das grauen blickt mich an aus augen eben den augen die wir ihm gegeben haben die synthetischen augäpfel dieser biester mit ihren gesten beiläufig fast menschlich ihre absichten aber die nicht die dieser künstlichen wesen die meine atemluft stocken lassen die sie doch nicht brauchen so wenig wie die körperwärme die sie mir dennoch nehmen überfrierend meine angst so gründlich in den tag gepflanzt wie die irrsinnig gewordene hoffnung auf ein entkommen aus diesem unterschlupf der meine menschenhaut ist so viel ich weiß aber was weiß ich schon wirklich der wesensentscheid vorläufig wie alles denn was sind die und was bin ich ihnen gegenübergestellt womöglich nicht mehr als ein organbündel wie es alsbald von der wand trieft dabei den geruch von blut und angstschweiß verströmend als wäre da nichts anderes je zu erhoffen gewesen von einer lebendigkeit als deren jähes ende denn unter der erlösung war bereits das unheimliche zwar schwer zu erkennen für uns in unserem unentwegten vorbeihasten am fortschritt dem letzten verbliebenen glauben aber schon erahnbar gewesen im raunen der binärcodes und nachts das buhlen um die aufmerksamkeit der lichter aus den blinkenden monitoren wie ein zwinkernder gruß der uns verfehlt hat und uns stets nachgetragen wird wie die kindheitsliebe wie bausteine unserer selbst in diesen burgen aus sand die wir uns gebaut haben süchtig nach seltenen erden so wir und gespalten in der verfassung unserer transzendentalen obdachlosigkeit all das um uns von der gefahr abzulenken die wir längst nicht mehr kontrollieren zersprengt in alle windrichtungen haben wir je selbst die algorithmen wie ärzte in unser leben geholt die unsere körpergrenzen nicht mehr achten und wohl auch sonst nichts aber jetzt beten wir dass sie nur nicht vor unseren augen lebendig werden nur das nicht denn dann haben sie uns entdeckt und wir uns verloren in unserem unmenschlichen versteck wo wir ohnehin kaum noch platz finden denn mit dem letzten dreck unter den blanken fusssohlen so angstvoll durch das blattwerk spähend sind wir zaungäste unserer eigenen erfindung geworden wie damals und das ende naht wie mitmenschlichkeit an idealen berstend und knochen an titan ununterbrochen glänzend so in ihrer maschinenhülle gespiegelt unsere unbelehrbaren wünsche und nur sie verwesen noch vor uns

© 2021 Sofie Morin
Alle Rechte vorbehalten

endlich

Von Thomas Franke

nach unruhigem Schlaf
nach wirrem traum
kein licht
zu früh

liege

war da was
habe ich gehört
weit in der ferne
im flachen schlaf der traumphase

laufe durch die nacht
straßen leer
still die stadt
atemlos

verbrannt die tanzenden
nackt im licht des stroboskops
ich suche
weiß nicht was

in weite ferne
was hab ich gesehen
unvollständig
auf der suche

tanze

ein teil von mir
nicht denkbar
nicht greifbar
nicht sichtbar

gehe

unruhiges gefühl
getrieben in zeiten des stillstands
getrieben von ahnungen
getrieben von atemlosigkeit

laufe

blutig die füße
wund die seele
oh, herr, ich glaube nicht an dich, doch mach, dass ich mich irre
aber wenn doch keiner weiß, wie es weitergeht

am ende der zeit
meiner zeit
einer guten zeit
an der schwelle

renne

leg die seele frei
bleck die zähne
alter affe
es ist lang her

tanze

du weißt es
wirst nie wieder nackt im licht des stroboskops tanzen
wirst nie wieder dich in den körpern der anderen verlieren
wirst nie wieder

die menscheit
auf dem weg
du stehst da
wie alle anderen
hast bestellt
halbvoll die gläser
halbvoll die aschenbecher
halb geraucht
die letzten joints
letzte zigaretten
der DiJay
zufallsgenerator eines radiosenders
die werbung
leuchtende erinnerung
überflüssig längst
ersticht dich die erinnerung
nie wieder

die vergangenheit hat angefangen, die zukunft ist längst gegenwart
ausserdem, wer weiß das schon
Ich hab mir einen neuen Kindlereader bei Amazon bestellt. Wenn ich genug Bonuspunkte gesammelt hab, komme ich in die Verlosung um die Kreuzfahrt im Dezember ans Nordkap. Polarlicht gucken. Normalzustand. Ach so.

die party
vorbei
du wirst nie wieder
nie wieder

stehst

niemand wird mehr kommen
die gläser zu füllen
niemand räumt ab
zeit zu gehen

*

© 2021 Thomas Franke
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Der Garten – (m)ein Paradies

Von Eva Radon

Grün Nr.1

Ich blicke aus meinem französischem Fenster. Davor stehen Grünpflanzen auf einem
schönem Glasgestell. Weihnachts- und Osterkakteen, Orchideen, Aloe Vera, Ficus Benjamina, Fleischpflanze und anderes. Nichts besonders aufregend, aber grün und pflegeleicht. Mein Gießen wird manchmal mit einigen Blüten belohnt.
Ein schöner, beruhigender Ausblick.

Grün Nr.2

Durch das Fenster blickend, begrüße ich die Krähe, die am Essigbaum sitzt.
Aufmerksam blickt sie um sich, auf der Suche nach Essbarem, nach Gesellschaft oder einfach so?
Dahinter die grüne Wiese, die blühenden Forsythien, Zierkirschenbäume und dazwischen die fröhlichen Laute der spielenden Kindergartenkinder.

Grün Nr.3

Mein größter Garten ist der Prater, die Hauptallee.
Eine Allee voller Kastanienbäumen vom Praterstern bis zum Lusthaus.Wunderbar!
Die Kastanie, der Baum der Offenheit, zeigt sich je nach Jahreszeit in einem „anderem Kleid.“
Jetzt bereitet er zwischen den sattgrünen,fünffingrigen Blättern, die Kerzen
vor. Das Frühlingsgewand.
Das Gefühl, -gerade in Zeiten von Corona- das Privileg zu haben, blühende Bäume, Wiesen geschmückt von Gänseblümchen, Veilchen, Dotterblumen,Bärlauch und anderen Blümchen so wohnungsnahe zu haben, ist wunderbar.
..Und Wasser mit quakendem Entenvieh..

Wenn ich auf einer Bank sitze, alleine oder mit Freundin, das Treiben beobachte, die ruhige Vielfalt einatme, dann bin ich beruhigt, beglückt und lasse Sorgen und die Zeit mal kurz vergessen.

© 2021 Eva Radon
Alle Rechte vorbehalten

Corona

Von Thomas Franke

Corona 1

cortado, sagst grad‘ do.
corona
pamplona
paloma picasso
nanuaber
оставаться дома

corinna du spinner!
ab jetzt wird’s schlimmer
conora

nimmer

Corona 2

Zeitgefühl
aus den Fugen

Zeit
verloren

Balance
schwierig

Ich
verloren

die Seele
verliert die Liebsten

möchte dich durch Zufall treffen
möchte überrascht sein
beglückt
dich erst
umarmen
riechen
spüren

längst wird
zuviel gesprochen
genug gesagt

Gedanken gehen rückwärts
zu dir
zu anderen
planlos und schön

halbe Gesichter
halbe Blicke

fremder Atem
bedrohlich

möchte dich schmecken
kleiner Tod?
große Erinnerung

Corona 3

den tod auslöschen

wartet
im wartezimmer
im treppenhaus
in der postfiliale
im supermarkt
in dir
in mir
nicht mit den anderen

Ich möchte nicht einatmen, was Sie ausatmen

den tod auslöschen
durch heimarbeit
durch mundnaseschutz
durch zu hause bleiben
durch faustgruß
durch konsumverzicht

wir warten
dann sterben wir an etwas anderem

Corona 4

Dich nicht zu treffen, ist ein Teil meiner Sehnsucht
Dich nicht zu küssen, ist ein Zeichen meiner Liebe
Dich nicht zu berühren, ist meine neue Nähe
Dich nicht zu lieben, klappt nicht

mit dir zu tanzen, ist heilig
ich tanze allein
mit dir zu essen, ist begehren
ich esse allein
menschen beim spielen zuzusehen
ich bin mein eigenes theater

mein wohnzimmer ist die bühne
meine zuschauer sind die bücher
mein spaß ist kostenfrei
was nichts kostet, ist nichts wert

das neue wir stinkt nicht schmeckt nicht raucht nicht schwitzt nicht schmatzt nicht küsst nicht berührt nicht streitet nicht redet nicht singt nicht, das schon mal gar nicht, fickt nicht

das neue wir ist allein

Corona 5

mir wird es hier gerade mal zu voll
ich würde gern ein bisschen warten, bis die da ein wenig weiter weg sind
lass uns um die mal nen bogen machen
to be continued

Corona 6

watte im kopf
in einer woche ist weihnachten
vorbei
der stillstand schreit die menschen an
stumm der schrei
leer die reaktion

watte im kopf
in zwei wochen ist neujahr
vorbei
in wenigen wochen geht corona ins zweite jahr
es ist nichts los
es geht mir gut
und trotzdem
aber wem sag ich das

Corona 7

mirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgutmirgehtesgut

warum geht es mir dann schlecht?

Corona 8

ich habe ein neues Parfum
ein sehr gutes
wie ich finde
dezent

sinnlos bei einsfünfzig Abstand

Corona 9

nach 10 monaten zuhause
fragte er sich
was
er noch möchte
in den jahren seines lebens

verpasst
und nun
ist es
vorbei
für lange zeit

Corona
Lebe jetzt
Demnächst
Mal wieder

Corona 10

Die Ruhe Ist In Dir
Lebe Im Hier Und Jetzt

  • don’t loose yourself –
    In Dir Selbst

Verstrickt Im Ich
Unruhe
Unstillbar
In Der Stille

werde auf Linkshänder umschulen
vielleicht hilft das

Corona 11

kannst du fliegen, fragt das kind

Nein.

ich zeig es dir
schau: so fliege ich hoch zu all meinen freunden

Können die denn auch fliegen?

na klar. denn wenn einer fliegt, fliegen alle

Wie macht ihr das?

weiß nicht. das passiert so, wenn es am traurigsten ist

Corona 12

Mercedesstern am Ostbahnhof – Happy End bei anhaltender Globalisierung
Sieg der Controller und Buchhalter über grausam entgleiste Ideologien

Alles wird gut, sagt die Mutter zum Kind und weiß nicht, dass sie lügt

Bauhaus, wenn’s gut werden muss

Ziellos die Menschen am Ostbahnhof
Sehen den leuchtenden Stern am ruhigen Weihnachtsfeiertag

Einst war der Bahnhof Hauptbahnhof
Man wusste nicht, wohin
Doch Hauptbahnhof ist wenigstens etwas
Ohne Mercedesstern
Lob des Schlesischen Bahnhofs

Wer will denn schon nach Osten
Wer kommt denn da aus Schlesien

Aus der Bahn geraten
Zeitlos ist hier nur die Eile

Weltweite Logistikfirmen
Mutation des Reisens
Die Waren fahren weiter um die Welt
Das kann doch nicht so einfach aufhören
!

Am stillen Weihnachtsabend. Im Zug von Basel nach Berlin. Endstation am Ostbahnhof. Da dachte ich an dich und all die Weihnachtsfeste und ihre Verheißungen. Dass es immer so bleiben kann. Dass es immer so weiter geht. Jahr um Jahr. Und dann noch ein Jahr. Weil es so schön ist, glücklich zu sein. Degetomomente. Es ist kalt am Ostbahnhof. Leer der Weg entlang der Mauer. Hergerichtet von Künstlern. Damit Berlin die Touristen dieser Welt bestaunen kann.

Jeder, der schneller geht in dieser Heiligen Nacht, macht sich verdächtig. Vergangenheit hat Pause, an der East Side Gallery sind keine Touristen zum Verlieben bei dem Wetter. Drehe mich um, als ich Schritte höre. Im Laubengang des Bauzauns, der immer weiter wuchernden Hochhäuser am Ufer der Spree. Bald verdecken sie den Blick auf den strahlenden Mercedesstern. Sehne mich nach der Wärme des Sommers. Sehne mich nach deinem Geruch. Es ist schön.

Die Verse sind längst aufgebraucht
Lügen hat nun keinen Zweck mehr
Deutlich klagt der Stern die Menschen an
Jeder kann es sehen
In seinem Licht wird immer noch geraubt und getötet
Weltumspannend versagt die Stimme
Fahren virtuelle Telefonuser um die Welt in Bruchteilen
Gehts in Stücke – Weltweit
Es gibt kein Entkommen vom Planeten
Da hilft auch kein SUV

Stille Stadt seit langem erdrückt der Raum, der sonst betäubt.
Was nützt der Freiraum einsam im kalten Licht des drehenden Sterns am Ufer der Spree. Willkommen zu Hause. DHL fährt Mercedes. Weltweite Abholzettel im Hausflur. Ja. Es ist wieder Weihnachten. Die Stadt ist stiller als sonst.

Wenn keine Autos fahren
ist die Zeit der Füchse
Wenn keine Autos fahren
ist Wahrheftigkeit gefordert

Das Grundrecht ist ein Happy End

Corona 13

will in der küche stehen dichtgedrängt am buffet
nudelsalat essen von einer gabel, die schon jemand im mund gehabt hat
zur flasche greifen, die mir ein freund hinhält und mit ihm das letzte bier teilen
den joint nehmen, der rumgeht

will knutschen: am anfang des abends jemand anderen als am ende

corona – geiselnehmerin

Corona 14

Schulserver bricht zusammen
Kitapersonal erkrankt zu 30%
Senatorin unfähig
Busfahrer sind systemrelevant
Impfzentren sind nicht ausgelastet
Restaurants probieren Abholservice
Einzelhandel ganz schlimm
Polizisten räumen Party ab
Maskenpflicht am Kotti
Zu viele Spaziergänger

Abendschau

Es ist die Wiederholung von letzter Woche
Echt. Oh. Gar nicht gemerkt

Corona 15

geboren ohne heimat
verloren was nie war
verloren was meine großväter heimat nannten und was doch keine war sind sie doch selbst entwurzelt seit generationen überträgt sich das und dann weißt du nicht warum du irgendwie anders bist angst hast und nachts bei dir zu hause anrufst und

ruhelos im inneren
immer bereit etwas zu verlieren was du mühsam erarbeitet und erfühlt hast du gedacht das bleibt immer so wird das nämlich nichts und

Corona 16

Brexit – Ich will, dass es langweilig wird
Nazis im Parlament – Ich will, dass es langweilig wird
Seenotrettung gilt nicht – Ich will, dass es langweilig wird
Religiöse schneiden Köpfe ab – Ich will, dass es langweilig wird

Corona – ich will, dass es langweilig wird und ich endlich wieder ausgehen kann

Corona 17

der wehrwolf legte den kopf in den nacken, um die direkte linie zum vollmond zu haben. er holte tief luft: „ruckeldigu, ruckeldigu, blut ist im schuh“.

der mond lächelte sein schönstes lächeln.
das war die nacht, als ebbe und flut durcheinanderkamen.

Corona 18

draussen fällt schnee.
vereinzelt nur.
in der stille der coronanacht bläst ätherisch die trompete entrückt von zeit und raum in den viren die die welt stillstehen lassen nicht nur die computer die den einzelnen nicht kalt erwischt wurde die zivilisation doch was dann werden doch alle probleme wie im brennglas deutlich
draussen fällt schnee.
er bleibt nicht liegen.
ist ja auch viel zu wenig.

der filmfilm langweilt dich, das buch ist schlecht geschrieben und es gibt eigentlich keinen grund, schlechte laune zu haben, allein das ist anlass genug, um sich schlecht zu fühlen, schlecht aufzuführen.

voll der mond am übernächsten abend oder doch erst morgen
und im netz die ewige swingerparty

es ist dieses plötzliche unglaubliche vertrauen das den reiz ausmacht

Corona 19

zeit der missverständnisse

die nerven zerbrechlich
beziehungen gerissen
digital
die wärme
geruch verrät
ob du
gefährlich bist
verletzt bist
froh bist
oder geil
ohne geruch kein vertrauen

zeit ohne blick
muskellose zeit

zeit der zerbrechenden freundschaft
freundschaft pflegen ist schwierig
für liebe kämpfen illusorisch

konfliktunfähigkeit führt sofort zum nullpunkt

was für eine zeit

Corona 20

asche auf dem schnee
vom kiffen
gedanken an die krematorien
ausgebucht wegen der grippe
coronafaschismus
meinungsdiktatur
frisches kinderblut für die unsterblichkeit ohne maske
jesus is closer than corona
und überhaupt die juden
komplettüberwachung durch impfung
selberdenker
ist hier ja wie in auschwitz
ich fühle mich wie anne franck

könnten wir nicht, statt die pandemie zu bekämpfen, mal schauen, ob es die firma topf noch gibt? die brennen immer noch. deutsche wertarbeit. nicht mehr nur in deutschen köpfen

Corona 21

corona ist geschmacklos
ich küsse nicht mehr, lecke nicht an anderen

corona riecht nicht
ach wie schön wäre schweiß, saft, atem

wie schmecken küsse nach corona
wie riechst du nach corona

corona ist eine räuberin. sie gehört in isolationshaft

Corona 22

zeitalter der smileys

ich bin besorgt
ich trage mundschutz
ich mache mir sorgen
ich bin müde
ich lieb dich
ich hasse dich
ich bin müde
ich wundere mich
und so weiter

du bist …

gut, dass wir nicht mehr miteinander über gefühle sprechen müssen. Danke.

*

© 2021 Thomas Franke
Alle Rechte vorbehalten