Poem nach einem Photo von Bettina Hex Engine

Von Regine Wendt

Die Frau im rotem Sessel

Samtrot der Sessel

Süß und rot der Wein

Frauenduft betört

Rote Lippen

Wie weiche Mohnblüten

Signale sendend rot

rotierend

Auf dem Boden

Entkleidungsstücke

Verstreut

Festweich locken Schenkel

Körpersprache wenig bedeckt

Sendet greifend

Direkte Signale, stummrufend

Augendunkel, aus Tiefen lockend

Erwartend, versprechend

Durst und Hunger

Verheißungsvoll stillend

Fließe in mein Blut

Schöpfe mich aus, trinke

Sei eins mit mir

Ich werde dein Garten sein

Vögel, Berge, Täler

Und meandernde Flüsse

Mein Körper wird

Dein Himmel sein

du und ich

Die Frau auf den roten Sessel

Lockt

*

© 2022 Regine Wendt
Alle Rechte vorbehalten

Tanz mit mir

Von Regine Wendt

Deine Augen lachen mich an

sprechen ich halt dich fest

Deine Hände auf meiner Schulter

gleiten hinab

umfassen mich

Love me tender

Zärtliche Musik

lässt und Eins werden

Körper an Körper geschmiegt

als wären wir immer

ein Ganzes gewesen

Fleisch in Töne getaucht

Vertrauen gegen Vertrauen

Gesprochene Worte in die Sicherheit

Ummantelt mit Liebe

Tanz mit mir

Gebieterisch hart greifst du mich

Ahnungslos folge ich dir

noch trällernd in die Falle

Heavy Metall nicht meine Musik

An meinem Rücken ein Messer

Kalt deine verletzende Stimme

Mitleidslos verachtend

sagst du mir

Produziere keine kranken Worte

Koch keinen Dreck mit Schwefel

Zieh dich in die Ecke zurück

Keine Kraft, keine Energie

rührst nur im Übel

Du bist nichts

Und stößt mich zurück

In zwei Welten zu Hause

richte ich mich ein

Weinen – Lachen

Oder einfach leben

Tanz mit mir

in meinem Garten

blühen jetzt die Rosen

Duften betörend

Wind streichelt

zärtlich die Bäume

Vögel zwitschern

Mein Spiegelbild

im Wasserbecken

ist schön

*

© 2022 Regine Wendt
Alle Rechte vorbehalten

Zeitzeuge

Von Henning Brüns

Die verzweifelten Sätze,
die ihm auf den Lippen schäumten,
er selbst konnte sie nicht bedeuten.

Wieder und wieder dachte er,
wie wohltuend es wäre,
zerschnitten auf dem Bett zu liegen
und auf ewig zu bluten.

Aber die Worte sprudelten,
als wäre sein Gedächtnis ein Wasserfall,
der ausgeliefert einem Schicksal
gravitätisch in die Apokalypse folgte.

Dort wo ausgeschlagene Zähne knirschten,
und das Gehaspel unter den stereotypen Masken
Mitgefühle faulig deklamierte.

*

© 2022 Henning Brüns
Alle Rechte vorbehalten

Gut und schlecht

Von Heidi Ehrnböck

du verteilst den richtigen Lohn
ich krieg ’ne neue Depression
sitzt da ganz schlank auf der Bank
das macht mich irgendwann krank

du gehst zwei-, dreimal joggen
mir fehlen immer noch Socken
machst dein Picknick auf der Wiese
ich glaub‘ davon kommt meine Krise

du hast ’nen Urlaub mit Sandstrand
ich mach für den Bank-er ’nen Handstand
fahre nur vorbei mit deinem
voll fetten Wohnwagen
ich gehe nur dabei
die Zeitung jetzt austragen

*

© 2022 Heidi Ehrnböck
Alle Rechte vorbehalten

erstes grün

Von Marek Födisch

erstes grün: die kastanien vorm balkon
wissen nichts von den trümmern mariupols
atme im wissen, dass hölle hier nur ein wort ist bisher

Kateryna, Bohdan, Oleksandra oder Yegor
kennte ich euch, würde jede zeile vor scham ins weiß verschwinden

das erste grün der kastanien bleibt (muss bleiben)
allegorisches hoffen

*

© 2022 Marek Födisch
Alle Rechte vorbehalten.

Blinde

Von Markus Katzenmeier

Allmählich verschüttet in
einem Meer aus Unvernunft und Natur
der immer gleichen Wogen

Eingedrungen noch in
die kleinsten Poren,
bis naive Reste verfaulter Kindheit
Augen bekamen

Augen, die nie mehr verloren zu sehen

Aufgeweicht das hoffend Fröhliche
im Erkennen des Realen,
in Ewigkeit Realen

Und ihr schwelgt nach wie vor in Utopien

*

© 2022 Markus Katzenmeier
Alle Rechte vorbehalten

20. März 2020

Von Anna W. von Huber

wie schön das wär
wärst du jetzt hier
bei mir

ein Stück weit Gemeinsam
die strahlen der sonne
hier zu genießen

im sonstigen rennen
nach nichts was man noch weiß
bleibt hier alles still

das drehende rad
es ruht

Das Außen unbegründbar
lebt sich´s nun schöner als
die zeit zuvor
lebt sich´s nun leichter
vielleicht wagt wer
den blick nach vorn?

im sonstigen rennen
wonach- ich habs vergessen
und hier bleibt alles still

*

© 2022 Anna W. von Huber
Alle Rechte vorbehalten

Zeig mir doch ein Lachen

Von Anna W. von Huber

Wie schön das ist,
wenn dein Mund sich erhebt.
Wie schön das ist,
wenn deine Augen sich verkleinern.

Ich habe entschlossen,
es zu versuchen.
Diesen Ausdruck
Unendlich zu wiederholen.

Dazu muss ich wohl,
üben und üben,
um dir zu zeigen,
wie schön das doch ist.

Wenn ich dich
Dabei sehe
Zeigst du die Wahrheit
Deines innersten Seins

Und du zeigst mir,
dass es sich lohnt,
wenn ich für dich
versuche zu sein.

*

© 2022 Anna W. von Huber
Alle Rechte vorbehalten

Alles Tiger

Von Ellen Marion Maybell

Was für ein Gewalt-TIGER…
Bär-TIGER
Mut-TIGER
BLUT-TIGER
Bär,
der den TIGER umkreist.
Doch der ist ein Rünst-TIGER,
äußerst inbrüns-TIGER
lüst-TIGER
WUT-TIGER,
der den Bären
in lust-TIGER
glutheißer,
günst-TIGER,
list-TIGER,
Hinterhält-TIGER
locker als BEUTCHEN
am Stückchen
zärtlich
und liebend
in ganz, ganz kleine Stückchen zerreißt.

Hoch heft-TIGER geht’s ja wohl nicht.
Ein DEFT-TIGER
ungemein läst-TIGER
Aber ein Roman-TIGER.
Er ist ein Gedicht.

*

© 2022 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten