sie wildert aus

Von Jutta v. Ochsenstein

sie wildert aus

den Gerüchen folgt sie
den Fragen
und Wortwechseln
zwischen Aufklärung
Endzeit und
dem Licht
das hier erwacht
an jeder Kreuzung
wechselt sie ihre Haut
lacht
unerkannt

© 2021 Jutta v. Ochsenstein
Alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht Lyrik auf Lesungen, in Literatur-Zeitschriften und Anthologien, französische Übersetzung von Texten G. Trakls, Verlag Voix d‘encre 2018 + 2020

https://juttav-ochsenstein.jimdo.com

zwei gedichte aus tz

Von Peter Lexa

di, 31.8.11, ~ 08:30, tz

DERSTRUDLISNUREINGEBÄCK

mich ziehts wo hin
im augenblick hinunter
trink meinen kaffe
schlucke das morgengrau
u
nom dvjpm, imzrt
(Übersetzung: schon bin i munter)

*

sa, 6.2.16, 07:08, tz

MENSCHENKINDER

rosarosa
rot
weit besser als tot
braun am saum
na, ihr wißt schon!

alles früchte vom
selben baum

gewachsen
aus licht
und lehm

manches faul
das meiste
schön?

*

© 2021 Peter Lexa
Alle Rechte vorbehalten

Zwanzig Quadratmeter Freiheit

Von Niklas Goetz

Es wurde fast fürs Klopapier geschossen,
Die Bars und Kneipen sind schon längst geschlossen,
Die wilden Partys dort sind jetzt vergessen,
Und selbst auf Leichenschmäusen fehlt das Essen.
Die Flurfunkkaffeepausen gibt’s nicht mehr,
Die Stühle im Büro sind alle leer,
Am Wochenende gibt’s statt Sonntagsbrunch
In meinem Bett ab jetzt nur Sololunch!

Die Freunde sah ich kaum, in ihren Gesichtern sprießen wohl schon Bärte
Und heute ängstigt mich der Klang, wenn jemand ohne Maske lacht.
Im Lockdown ist das Spiegelbild allein der einzig treue Gefährte
Und Stille legt sich über mich wie eine warme Decke bei Nacht.

Sie schützt vor Schmerz und Wut in kalten Zeiten
Die etliche Kollegen mir sonst bereiten.
An ihnen müssen endlich nur noch leiden
Die Partner, bis sie sich von ihnen scheiden.
Ja, niemand kann mehr etwas Freches sagen
Und ich kann ständig Jogginghosen tragen.
Die Einzelkapsel macht mich freier denn je
Nun, da ich meine Kritiker nicht mehr seh!

Die Häscher eurer hohen Erwartung können mich hier niemals fassen,
Ich steh auf oder nicht und tue, was und wann es mir gefällt!
Ich kann nun endlich sein, wer ich bin, ohne in Schablonen zu passen,
Ich bin der Herr und Meister meiner kleinen Mietskasernenwelt!

© 2021 Niklas Goetz
Alle Rechte vorbehalten

Profil Ellen Marion Maybell

Von Ellen Marion Maybell

Ellen Marion Maybell

Die satirisch tierische Voll-Maul-Heldin,
die nicht kleckert, sondern klotzt,
wird im Gemüse wenig gelten,
wenn die Sülzigkeit schon kotzt. 

Und solltt’s kein Scherz am ERSTEN sein,
dann scherze und zieh Schmerz dir rein. 
Und geht dir Schmerz-Scherz auf den Keks,
dann schick die zwei NACH UNTERWEGS. 

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Ellen Marion Maybell
Sängerin, Cartoonistin und Dichterin
der FABELHAFTEN SATI(E)RE
und des piek-schwarzen Humors
Tel.: 030/61 65 68 33
Mobil: 01520/4923459
maybell.poetik@gmail.com
marion.ellen@online.de
Facebook: Marion Maybell

Schorsch der Dorsch

Von Ellen Marion Maybell

Schorsch, der Dorsch
fuhr viel zu forsch
nen alten Porsch,
schon ziemlich dorsch
zu forsch in eine Ackerforsch.

So riss es ihm nicht nur den Porsch,
es riss ihm auch sein Herze dorsch.

Drum fahre niemals nie
nen Porsch,
der schon mittendrin und dorsch,
zu forsch in eine Ackerforsch.

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Antialkoholiker

Von Ellen Marion Maybell

Wie beneide ich euch Säufer.
Schlürf, vom Rein-Zisch-Spaß befreit.
Ich bin ich nur noch Trocken-Träufer.
Sprudel-Voll-Suff – oh wie schreit.

Mir die Seele nach dem Schmodder,
nach dem Unflat, der mir brüllt,
raus die Angst auch vor dem Stodder,
schon wenn‘s Gurgel runterspült.

Ihr könnt sauen, rülpsen, brechen,
auf die Prall-Ärsch klatschen drauf.
Ihr könnt reißen, rotzen, stechen
auf die Beute oben drauf.

Ach, in tausend Zaubertranken
soff ich mir die Grau-Zell’n tot.
Ohne Suff dahinzukranken
seh ich doppelt öde rot.

Ihr greift flugs den Blubber-Becher,
voll des Zeugs, vom Dübel bracht,
auch wenn er als Viel-Versprecher
euch rotzfrech in die Fratze lacht.

Er lässt euch das Zünglein lallen,
bis das Hirn verzurrt sich schwapps,
um im Sturztrunk reinzufallen
in ein Fass von Brannte-Schnaps.

In ein Fass, ganz ohne Boden,
das euch sinken lässt ins Nichts.
Welch ein fassungsloses Loden
exzessiven Feix-Gesichts.

Wie im Traum als Eisensplitter
steckt euch rucks das Satans-Tier
den Stinkefinger ins Ge-Flitter
bis zum Voll-Verarsch-Delier.

Ihr könnt geifern, feixen, grölen,
grapschen nach dem Lockungsfleisch.
Ich nur noch Glucksen, nicht mehr ölen
nach dem Stoff, so birnenweich……

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Bedeutungsschwanger

Von Ellen Marion Maybell

Bedeutungsschwanger,
toll, gutes Bild.
Wär ich gern mit vollgefüllt.
Gerne auch bedeutungsvoll.
Weiß nur nicht,
wie das gehen soll.
Einfach so von Flöten
in der Nacht,
die mich zum Vollgefüllt gebracht.
Die ran mich pfiffen, ganz bestimmt.
Ach wie schön, ich wär berühmt.
Weil schließlich da ne Lücke klafft
für Bedeutungsschwangerschaft.

Nun gut.
Ich geb schon Acht,
das mir ne Pfeife das so macht.
Dass eine Flöte mich erfülle
und schriebe auf – ganz laut und stille
alles von Bedeutung,
na, das wäre doch ne Deutung.
Und ich setzt noch einen drauf.
Vielleicht hörts mit dem Leer-Kopf auf.
Da müsst doch was entspringen.
Ich könnt ja auch son Zeugs ersingen.
Oh, mein armer Wörterschatz
reicht nicht zum Reichsein, nur zum Schmatz,
um nichts Bedeutsam’s zu gewinnen.
Ich weiß, ich weiß, fang an zu spinnen.

Denn die Flöten
geh‘n schnell flöten,
ganz genauso wie die Kröten,
feste nageln schon, nie fest löten.
Wie die durch die Finger rutschen.
Diese Schwinger, wie sie flutschen.
Träumst nur von bedeutungsschwanger.
Nix von Dauer, nix von langer.
Ach Seufzer, ach bedeutungsvoll.
Wie Hall of Fame nur gehen soll.
Oh wie ist die NOTE groß.
Nie Nummer EINS.
Bedeutungslos.

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Bretter, die die Welt bedeuten

Von Ellen Marion Maybell

Bretter, die die Welt bedeuten.
Hört man ach so ofte läuten.
Ja, die sind‘s, die viel bedeuten.
Und das bedeutet,
wenn es läutet
und der Vorhang, der geht UFF,
stehste immerhin mal DRUFF.
Musst aber brettern, ziemlich schwer.
Sonst biste nicht mal IRGENDWER.
Kein Klettern in die obern Ränge.
Gewürgsgewelsch hat zu viel Länge.

Und ists ne Betterbude,
klein,
gehört man nicht dazu.
ehr nein.

Das Brett vorm Kopp,
so ganz salopp,
ist der Brenner nicht,
der TOP.

Wir sind ja alle nicht BRETT PITT,
Nicht alle schön. Das nimmt ein‘ mit.
Ermessen und für schön befunden
leucht‘ nicht jeder Sternenstunden.

Ganz deutlich,
wenn nix zu hör’n und nix zu sehn.
Nützt das nix.
Nur bretterschön.

Oder Mary, die Monroe
So geht das auch nicht. No, no go.

Keinen Deut von dem Geläut.
Bedeutungshoheit
sehn die Leut.

Da hört dann keine Sau was läuten.
Da könn‘ auch Bretter nix bedeuten.
Wie das geht, das kann man hören
bei deutungslosen Schwadroneuren.

Ich sags in aller Deutlichkeit.
Deutlich reden.
Das bringt weit.
Nicht nur angehaucht gedeutet,
man ist schnell RUMMS und ausgeläutet.

Und nicht gestikulativ.
So was geht genauso schief.
Und kein Rudern mit den Armen.
Oh Untergang, oh Gott Erbarmen.
Erbarmungslos und schief-gelacht.
So was nennt man dann: Gut Nacht.

Stehn Sie drin nicht in der Zeitung.
Sind Sie eins nur: Un-Bedeutung.
Sind Sie nicht bedeutungsschwer.
Sind Sie keiner.
Nimmermehr.

Sagen auch die Sternendeuter,
Brettern kann nicht jeder Kräuter.
Sagen die: Sie werd‘n kein Star.
Sie funkeln nicht.
Dann isses wahr.

So deutet alles darauf hin,
sich zu heben Doppel-Gin.
Und nicht zu dünn. Sie sind’s ja schon.
Sie krieg’n s nicht hin. Sie leerlauflufter Luft-Ballon.

Was es bedeutet,
bedeutend zu sein.
Ach was. Bedeutungslos
ist auch sehr fein.

Dann hört man auch das Fies nicht läuten.
Ich weiß es doch nicht:
Was soll es bedeuten.

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Zwei Worte

Von Valérie Baum

Ich sagte Ja und meinte Nein
Das wird der Grund für Wirrsal sein
Es war ein Unsinn im Gemüte
Und die Verwirrung ging in Blüte

Ich sagte Ja und meinte Ja
Die Morgenröte schien so nah
Die Sonne wollte das bescheinen
Ich wollte diesmal nichts verneinen

Ich sagte Nein und meinte Ja
Ein großes schwarzes Loch war da
Darin Gefühle sich versenken
Daran will ich gar nicht denken

Ich sagte Nein und meinte Nein
Zu staunen welche Kraft kann sein
Kam mir zuvor nicht in den Sinn
Nun kräftig und integer bin

© Valérie Baum
Alle Rechte vorbehalten

Verseschmied

Von Valérie Baum

Wer ist der Verseschmied, was tut er?
Kann es eine Frau sein, eine Schmiedin?
Er nimmt die Worte und dichtet sie,
durch Weglassen und Dazufinden

Er wirft sie in die Glut und
arbeitet mit dem Hammer
von allen Seiten werden sie
gedroschen gequetscht und abgeklopft

Die Glut nahm er aus seinem Herzen
um dort den Druck zu lindern
er trug sie mit bloßen Händen
an den Ort wo die Schmiede steht

An einer Wegkreuzung mit Blick nach
Osten Westen Norden Süden
mit einem Strauch und keiner Blume
wo frisch der Wind weht und zaust

da steht die Schmiede der Verse
im Freien mitten auf dem Felde
doch einen Unterschied gibt’s zum Eisenschmied
denn Verse werden Tag und Nacht geschmiedet

ob der Verseschmied gesund ist oder krank
immer muss geschmiedet werden
niemals darf die Glut erkalten
die Verse wollen frisch gehämmert sein

Schmieden, immer nur schmieden?
Nein, auch tröpfeln lassen, setzen,
wachsen lassen, gebären, formen
und verwerfen kann man Verse

Sie akzeptieren und stehenlassen
sie aus der Form oder in diese bringen
Verse bauen, basteln, kreieren oder
mühsam aus dem Boden kratzen

Verseschmieden ist eine Arbeit unter vielen
auch Verse wollen in der Welt sein
Sie erzählen, dass frei sein einsam macht
oder was ein Strauch so für ein Leben hat

Sie sagen Dir, was Du schon weißt
aber so noch nicht bedacht hast
Sie geben eine Antwort auf Deine
brennendste Frage, die Dir den Schlaf raubt

Sie sagen: Lebe und sei einsam
ohne Dich einsam zu fühlen
mit Versen sprechen ist so ein anderes Gespräch
so ein universelles

© Valérie Baum
Alle Rechte vorbehalten