Am Arsch

Von Burkhard Bartsch

Am Arsch sind die Raketen blau
Und abends wieder heiter.
Er denkt so laut stillschweigt
Und vollends wieder weiter.

Rennt und rennt zum Horizont
Und kommt doch nirgends an.
Und schimpft und tobt gen Himmel
Verflucht sei dies Gewimmel.

Er weiß so viel und doch so wenig.
Er nimmt sein Buch, die Lupe her.
Dazu sein Fernrohr, Laptop und dergleichen
Da kann ihm nichts entweichen.

Er liebt die Stille und den Lärm
Am liebsten seinen Schmerz.
Er kann nicht mehr und will nicht mehr
Zu groß die Wucht in seinem Herz.

Der Unverstand von ihm und ihr
Das kann er nicht verknusen.
Drum will er fort von diesem Ort
Rasch weg vom Ostseebusen.

Verborgen eilends tief zum Sieg
Ins volle Meer das Blaue lief.
Vorbei das Ruckeln, Zuckeln ohne Sinn
Das Starten wie gewohnt – er schwieg.

© 2021 Burkhard Bartsch
Alle Rechte vorbehalten

Doktorvater

Von Ellen Marion Maybell

Na klar hat der Doktorvater
eine Doktormutter.
Die, die ihn gebar,
auch wenn er damals längst noch nicht
einer werden würde oder war.
Sonst wär er da nicht und nicht wahr.
Und auch nicht ohne Herrnbesuch
so nebenbei – was da geschah.
Und wenn da nichts geschehen wär,
wär er bei Fuß nicht und GEWEHR,
nicht im Gemetzel des Gebär.
Einst wohnte ihr ja einer bei,
der Doktormutter,
so kam’s ihr, glatt wie Butter,
erst der Schreihals, dann’s Geschrei.

Und dass er Doktor werden täte,
wer wusst das schon, du meine Gäte.
Hätt auch könn‘ sein Fliesenleger
oder gar ein Schürzenjäger
oder eine Depressiva,
schwer im Hang zur Fummel-Diva.
Zu komm‘ zu Ruhm und Titel-Ehre,
bleibt immer elitär
und immer nur das Ungefähre.

Ist immer Ungewisslichkeit
in dieser Uneinsichtlichkeit.
Gibt nie ne Abgesehbarkeit,
trotz altgeklug karrier-gescheit.
Erst mal nur ein Hosenscheißer
und Nervzermürber, Wadenbeißer.

Vielleicht ein Kringel-Lock-Gelockter.
Ein Dummsen-Bub, von wegen Doktor.
Ob seine Mutter einen hatte.
Man weiß es nicht.
Doch eins gewiss.
Sie hatte – Latte.

Gehalten von den Mutterbändern.
Väter können dran nix ändern.
Die halten rein und halten drauf,
so nimmt der Zell-Teil seinen Lauf.
Nur müssen wir das ändern.
Wir brauchen auch die Doktormütter,
um Rahm zu schöpfen in dem Glütter.
Und dieser heißt: die Pflicht zu GENDERN.

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Manege uff

Von Ellen Marion Maybell

Also dann,
ihr Sextanten und Textanten.
Manege uff.
Und feste druff.
Uff de Sägespäne.
Es geht rund,
die Blätter fliegen.
Nur kullert manche Kullerträne.
Grad denen,
die im Staube liegen,
wie nem alten steifen Hund.

Dem der Schweiß schon aus der Rute
tropft wie Blei. Das ist das Gute.
Denn es klatscht nicht eine Sau,
weil keine da ist. Ganz genau.

Solitär und leer vor Rängen
tun sich schwer die Wörtlein drängen
in die Watscheln, die nix hören.
So kann die kein Wort nicht stören.

Keine Bremse zischt ein BUH,
kein Ochs, kein Brüllaff hört den Schmu,
den die Schreibser hier verrummsen.
Oh lustigs Vöglein, was für’n Bummsen.

Feste uff’s Papier Gekritzel.
Oh Worteskunst mit Spaß-Gewitzel,
dass dem Schwein die Schwarte kracht.
Ist doch schön, wenn keiner lacht.

Weil ja keine Sau dies checkt.
Und wenn, dann nur komplett verdeckt
als im Nicht-Sein im Ermitteln.
So kann man jeden Scheiß betiteln.

Mit dem Stoßgebet: Los DRUFF!
Also auf: MANEGE UFF.
Uff den ZIRKUS für die Texte…….
Zum KUCKEN nur, ach Gott, verflexte…….

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Alles für die Katz

Von Ellen Marion Maybell

Es ist doch alles nur für die Katz.
Und nur für die eine.
Und die ist auch noch meine.
Wenn Sie verstehn,
was ich meine.
Man hat eben immer
nur eine –
zu haben –
für lüsterne Gaben.
Wir lüsternen Knaben

Dabei will ich doch alle Katzen der Welt.
Weil mir einfach jede Katze gefällt.
Beim Streunen – in der Nacht.
In der Dunkelheit sind sie schnell
um die scharfen Krallen gebracht.
Dabei seh ich sie nicht so genau.
Bei Nacht sind alle Katzen grau

Passiert auch am TACH,
auch da wird es schwach,
das schwache Geschlecht.
Na, mir ist es recht.

Und dann woll’n die auch
wieder nur die EINE – sein.
Scheiß auf die Königin.
Da sage ich: NÖ.
Da sage ich NEIN.

Die hab ich ja schon, die Eine.
Wenn Sie schon wieder mal verstehn,
was ich so meine.

Und der schleuder ich
mein ganzes Innenleben
raus.
Oder besser: rein.
Und was sagt die Kleine, die eine, die meine.
Das Übliche: NEIN.
Kannste vergessen.
Du kommst mir nicht mehr aus dem Haus.
Zu Haus wird gegessen.

Wir Rumpelheinis
wollten ja ständig immer nur das EINE.
Na ja, Sie verstehn schon wieder,
was ich so meine.
Da ist man doch besser
gleich ganz alleine.
Ist doch alles Scheibenkleister.
Immer diese Lockungen
für uns Überrumpler,
Aufreißer- Meister.

Ich bin ja zu allem bereit.
Ja gut. Auch zu zweit.
Ich bin eh nicht gescheit.
Aber ständig diese Stoßseufzer
und diiiiiiiiese Müdigkeit.
Lange her – das Fell weit und breit.
Und zu allem bereit.
Getrenntes KATERKLO.
Ehe-Gedöns – WATER-LOO.
Was für ne Ewigkeit.

Mann, war die am Anfang scharf.
Ging ihr in die Falle.
Heute zeigt sie mir die Kralle
und faucht, dass ich nicht darf.

Nennt mich MICKER.
Und sie – Micker-Gräne
Was hatte die früher für Sammetpfoten
und – nota bene – sonne Beene.

Hätte auch keine Lust mehr
aufen großen Wurf.
Doch Kurven soll ich nicht kratzen.
Mensch, da könnste doch platzen.
Überdimensionierte Rolligkeit – Gottchen – schlurf.

Diese Knuffel-Knall-Charge.
Nix mehr drin in der Marge.
Nennt mich schnurrend
umstreichend: Schatz.
Heuchel-Trina.
Es ist doch alles nur für die Katz.

Die treiben einen doch um die Ecken
zum Lümmel-Verstecken.
Zum Trauma-Verschleudern.
Wie und wo und wann soll man denn – bitte –
seinen Stau-Raum
angestaut und
bis zum Ranzen versaut
anders vergeudern.

Nur an die richtige Eine?
Ja, ja, ich denk schon,
Sie verstehn,
was ich meine.

Jetzt kucken Sie doch nicht so entsetzt.
Wissen Sie denn immer,
wo Ihr EINER rumhängt
und sich die Tüte abwetzt……..

…hab ich gerne gemacht……
gerne gepetzt…..

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Drei Gedichte

Von blume

vexieren

such dir eine scheibe aus schicht um schicht
uebereinandergelagerten lebensgeschichten
mit dem richtigen licht durch alle hindurch
siehst du vielleicht eine art von verbindung
oder den roten faden einer spannungskurve
die erklaerung warum die ganzen menschen
dir blosz noch als ein einziger vorkommen
der praktisch zur gleichen zeit an mehreren
orten das gleiche beziehungs=weise anderes
erledigen kann ohne sich dabei zu verlieren
zumindest nicht sich seinen facetten jedoch
geht er wohl immer wieder verloren daher
suchst du ihn nun in jeder scheibe schicht &
merkst kaum wie die welt dich dir verschiebt

(blume 11/2020)

initium e(s)t finis terrae

lord ich werde weniger sein wenn du da bist simmernd
in der schwimmfluessigkeit die ersten phasen des babies
uebereinandergeschichtet abrufbereit lauernd auf exitus
nein auf exkursionen den bruch mit jener materia prima
von der alle erzaehlen aber gesehen haben will sie keiner
diese fahle eierschale aus der etwas nach innen schluepft
eine umgekehrte schlange vielleicht die ihren jadekoerper
abgestreift hat wie ein silbern schimmernder wer-mensch
dem seine eingefalteten haeute das gehirn bilden muessen
als versteinerung eines labyrinths aus ur-uralten alabaster-
traeumen jage ich den mondsonnen nie wieder hinterher

(blume 10/2020)

mut zu luecken

ein schnitt in die fruchtblase einer traechtigen kuh
bedeutet weltende fuer ein kaelbchen dessen leben
nicht auf den eigenen beinen steht quasi apokalypse
sofern dieser ausdruck individueen & gar noch tiere
beruecksichtigt & deshalb lieber mal etwas halblang
machen wir uns denn nichts vor wenn wir annehmen
wir existieren in einer art phase die unsren untergang
anvisiert vielleicht naemlich stecken wir laengst drin
& das licht am ende des dunkels unserer supermisere
waere das wunder das sich seit langem niemand mehr
auszusprechen wagt die heilung von allen starallueren
vom egowahn & vom konsumterror & von uns selbst

(blume 09/2020)

© 2021 blume
Alle Rechte vorbehalten

Wildes Leben

Von Valérie Baum

Wo für wen?
Wölfe und Bären
Kehren zurück
Umarmen die Wälder
Laub – ein köstliches Dessert

Käfer und Raupen
Humus und Pilze
Schaufeln den Boden

So scheu sind die Luchse
Haben acht auf
Ihre Privatsphäre

Belachen wenn sie können
Dies Hoffnungs-Wort:
Nachhaltig

© 2021 Valérie Baum
Alle Rechte vorbehalten

Schönfließ

Von Valérie Baum

Falsche Kamillenblüten
Auf krustiger Erde

Sie leben
Weil sie niemandes Besitz sind

Anders der Acker
Mit Mohn- und Kornblumen –
Sie werden gemäht

Auch wenn sie versteckt
Unter hohem Raps –
Der seine Blüte verlor –
In die Welt leuchten

Rot und Blau im Wind wiegend
Grundton und Terz

© 2021 Valérie Baum
Alle Rechte vorbehalten

Zwei Gedichte

Von Peter Lexa

MI, 1.1.14, 07:28, TZ

ICH WILL NICHT!
eine männliche ziege u eine weibliche fliege
das erste, was mir begegnete dies‘ jahr
im traum

im prinzip kein aberglaube
im detail anfällig für die laube
der dichtkunst, so steh‘ ich vor dir
nackt
du neues jahr

(stimmt nicht ganz, hab mein nachthemd an)
noch immer mann
noch kein eunuch
das ist der fluch
wenn mann
noch kann
aber oft nimmer
: ganz schlimm?
schlimmer geht‘s immer

heisst das jetzt
ich soll mich mit ‘ner fliege paaren
oder auf ‘nen geissbart sparen
u mit der körperpflege warten
bis sich DIE fliege auf mich setzt
die mir das herz zerfetzt?

eines ist klar
das jahr der dichtkunst wird das nimmer

*

THUNFISCH AM STRASSENRAND

wie ein vergammeltes holzstück augenhöhlen
und das maul mit kiemen
wasserabschlagend betracht‘ ich dich

die ameisen waren schon über dir
grauschwarzbrauntot

paar kilometer dahinter
biograd
ein dachs auf der straße
groß u fast noch lebendig
rührt sich nimmer

soll ich weiterfahren?

24.9.11, kaka

© 2021 Peter Lexa
Alle Rechte vorbehalten

offenes Ende

Von Jutta v. Ochsenstein

auf trockenes Laub
fallende Tropfen
der Klang ist fraglich

auch Winter haften nicht am Boden
für nichts, weder Schnee
noch Stille

wie Zugvögel, Zeitgenossen
dünn ist das Brot der Magerjahre
Durst streckt sich in alle Himmelsrichtungen

Licht zu suchen
Wasserläufe
schluchzen machtlos

© 2021 Jutta v. Ochsenstein
Alle Rechte vorbehalten

thrakischer gesang

Von Hans-Joachim Kuhn

dieses weite land hinter den bergen
singen die vögel mit blauer kehle – schläft das begehr
in olivenbäumen

man ritzte dem blutmond
begierden ins fleisch … ich aber tanze jenseits der kreise
in weißem feuer – grabe schächte ins unsichtbare
werfe flammen auf welkes laub … umarme den atem
der wilden rosen … kriech ins versteinerte salz der geliebten
tragen einander auf schwankendem grund –

zerschlage die fenster zur endlichkeit
aus rost des schicksals die nächte rot – du aber trinkst dich
am tode satt …

riss dir den schweiß von der schalen haut
schlürfte dich aus bis auf den grund … du warst wie die andren
ein flüchtiges lied vorübergehend wie wind
in den zweigen … fraßest dich satt an vergänglichkeit
erzittertest nicht beim flügelschlag … dein kleid aus federn
der wiederkehr

© 2021 Hans-Joachim Kuhn
Alle Rechte vorbehalten