Nach der Lesung

Von Monika Jarju

Altberliner Gründerzeitvilla, schäbiger Charme
mit Kerzenschimmer im Erkerfenster

das Publikum ist zur Lesung geladen
begibt sich in Grüppchen

von den Stühlen zum Wein
in den Abend hinein

Könnt ihr noch, fragt die Schweizer Autorin
und erntet Gelächter

während am Mehringdamm
der Mann mit Taschen & Tüten

an Straßencafés vorüberzieht
wo Leute sitzen, reden & trinken

keiner, an den sie noch denken werden
aber eine, die zuschaut und vielleicht hört:

  …der Geheimdienst muss die Schweine füttern….
redet er monoton vor sich hin

Wind trägt seine Stimme in die Bäume
kein schönes Geräusch

*

©2021 Monika Jarju
Alle Rechte vorbehalten

Sackerkör

Von Ellen Marion Maybell

Was ist schon Pari?
Der eine sagt so.
Der andre „Mä wie“.
Ich sag dazu nur:
Non, non, non – non, merci.
Was ist schon L’AMUUR
unter die Eiffel La TUUUR.
Tutte Ferro in Rost.
Und was PARI kost.

Auch in die Sackerkör
war die KÖR mir so schwör.
Dass meine Kör ich verlör,
wenn ich köme hierhör,
sagte man mör.
Doch brach mir die KÖR
nur eine schwule FRISÖR.
Ohne ANGTERRIÖR
in die Duft von die FLÖR.
GRANDE MALÖR
in die Stadt de PASTÖR.

Und so viele TRA-FIC.
Malade – MALICK.
Noch net mal n Fick.
Aanfach keen Glück.
Komme lö TOMP,
dass i schick mi vadrick.

Auch die SCHAMPS ELYSEES,
seid’s mir net bees,
sind es gewees
ebenso net.
Nix drin in mei Lit,
die französische Bett.
In die PRICKL DÖ SCHEES,
Ich komm nit mer mit.
Keen Tette-a-Tett.
Keen Fett, keen Sonett.
Nur trockne Baguette.
Des is doch net nett.
Nix Nett’s war dabei.
in die Trist-Litanei.

Und in die KARTJEE LATENG.
An die Laterne – peng
bin isch geknallt,
ganz ohne Halt,
trotz die Schuh von La FENG
in mei TRISTESS-Gestalt.

Voll uff de Konde
bei volle de Monde.
LA LÜNE de Sonde,
sur la Pronde la Pronde.
So hots gestonde
in der LÖ Monde.

Und dann AB in de SÄHNE.
Schlapp mir de Beene.
Das nennt mer scheene
Vacance de bene.
Was für ne Szene.
Doch nur nota bene.

Mann, was für’n Strass.
Und isch dacht, isch hätt Spass.
Uff de MOMPE PARNASS.
MON DIEU – KUH de GRASS.
Denn ich stand solitär
ganz allee uff die Strass.
Alllez hopp. AVENÜ.
Salü. MOMPARNASS.

Nix war im Busch.
Alles verpfusch.
Da kriegste nen Wusch.
PARI. Husch, husch, husch.
Da brauchste keen Tusch
in der MULLA de RUSCH.
Un aach keen SOAREE
Da biste komplee
de LETZTE PINGSTOCHSE – LA DERNIJEE.

Und am PLACE de VONGDOME.
Sach ich: Nee, I go HOME.
In meine PETITTE
bescheidene Hütte.
Drunne in ROM.
Und krisch wieder Strom
vom heilischen Peter,
meim PIERO im Dom.

So also: COMMO.
COMMO SA VA.
Lass knacken AMIGO.
Lass knicken JA JAAA.
Nie wieder PARI.
For ever SALÜ

*

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Affenzahn

Von Ellen Marion Maybell

Da laust mich doch der Affe.
Da macht der sich
mit einem Affenzahn
affenscharf an die Giraffe ran.
Der macht sich doch zum Affen, Mann.
Ob das die Giraffe raffen kann.

Der ist doch nicht affin.
Oder glaubt der,
son Hoch-Model schlügs affenartig
zu so nem Lause-Affen hin.
Mit welch einer Affinität
der aff-iniert
unter die Mädelsführer gerät.
Wie man sich so zum Affen machen kann.
Die kuckt den ja noch nicht mal von oben an.

So ein Affentheater.
Viel zu groß für ihn – der Giraffen-Krater.
Nicht, dass das Äffchen noch fällt
in das Riesenloch – der Hoch-Tier-Welt.
In seiner monumentalen Affenhitze,
brüllend nach Gir-Affen-Ritze.
Kaum noch im Zaum.
Immer ruff uffen GR-Affen-Brotbaum.
Oh Macchiato, welche Latte.
Wusst nur, dass jene Bisam-Ratte
sone schon am Morgen hatte.

Ist das nun affiziell oder affiniziös
oder prinzipiell affektiert
und affair-tendenziös.
Oder Affair schwer geFÄKT
und nur temporär
und längstens schon leer
auf ad acta GELÄKT.
So scheint daher alles sehr desaströs.
Desto welcher war wer, der Affe, nervös.
Wahrscheinlich affenbar sehr affensiv.
So oder so ähnlich,
so ungefähr.
Irgendwas lief da,
aber alles nur schief.
Kann man so sagen.
Definitiv.

Ein AFF-RONT.
Doch hat er’s gemacht,
wirklich gekonnt,
der AFFE in GIER.
Immer ran an die FRONT,
die Frau, sag ich dir.
Affektiv und affektvoll
und durchaus pointiert.
Nur war die BEGIERTE nicht involviert
und somit verschnupft und nicht reflektiert.

Verbat sich des kleinen Pinsels Knutschen.
„Blöder Affe.
Du kannst mir mal den Buckel runterrutschen.“

*

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Melancholie

Von Ellen Marion Maybell

Ich bin so melancholisch.
Ich muss mich alkoholisch
etwas peppen,
sonst kann ich nicht steppen,
sagte der Bär,
sonst geht‘s mir an den Kragen.
Ich bin nämlich ein verzagen-DER
Kragenbär.

Bin wahrlich nicht gestärkt.
Wie sollt ich da, unwohl bemerkt,
nen Tatzenmord frisch wagen.
Kann mich nur weiter mörderlus
als alter Schisser Hasenfuß
durch lichte Unterhölzer schlagen.
Elend zitternd.
So erbitternd.
Jeder glaubt, wär stark, der Bär.
Gebt mir doch mal’n Stark-BÄR her.
Nicht dieses Beeren-Honig-Naschen.
Her mit dem Zeugs, vergorn in Flaschen.

Gebt mir was zu zischen.
Ich brauche einen frischen
Schub in meinem Bärenmut,
damit’s mir wiieder rauscht
und bauscht
in meinem feigen Bären-Blut.
Sonst zisch ich ab.
Das kann ich gut.
Nur nicht zwischen
Zeilen lesen.
Das entspricht nicht meinem Wesen.
Schon gar nicht nüchtern.
Viel zu schüchtern.

Ach, ich bin so melancholisch,
du Retter mein, mein alkoholisch…..
Helfer-Seel in dunklen Stunden,
die ich sonst niemals überwunden…..
Ohne dich wär ich GESCHEITERT…..
Erleuchter mein, der mich erweitert…

In meiner süß Melancholie…
und tapsig Füß Silberfolie.

Sehet, wie gerührt ich bin.
Gebe mich dem Suffe hin.
Dem Bade-Stuffe, dem ich rief.
Bis zum Absturz, bis zum Schnief.

Sonst fing ich an zu klappern
und täte mich verplappern.
Wie ne alte falsche Schlange.
Natürlich ist die falsch,
sonst lebte die nicht lange.

Was heißt denn hier,
ich quängel.
Ich bin wie die.
Ich schlängel
mich genau wie die so durch
und fange an zu ottern.
Tät ich’s nicht,
dann tät ich Lurch
mich verheddern
und verstottern.
Dann würgt mich halt
und tut mich schreddern.
Ganz und gar und eiseskalt.

Als Schlange
wär ich hinterhältig,
schweinebacken und so nett.
Und wuppte euch
am Stück
zum Fraß auf nem silbernem Tablett….
Doch, euer Glück.
Ihr Mause-Racken.
Doch erst mal Pause.
Denn Bär ist zu und voll und fett.

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© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Die Schwalbe

Von Ellen Marion Maybell

Was ich nicht mach.
Ich mach keinen Sommer.
Sagte die Schwalbe.
Ist nur‘n Wunsch,
n frommer.
Also Leute gemach, gemach.
Nicht, weil ich den nicht mag.
Weil ich’s nicht kann.
Ich kenn auch keinen
aus uns Schwalbenkreisen.
An diese Art von Können
kommt keiner von uns ran.

Nur die Bordsteine,
nein, die mag ich nicht.
Da kommen sie alle an.
Wie man da anrüchig
über uns Schwalben spricht.
Na, wie wär’s denn, meine Eine,
Prollige, Dicke, Fette, Kleine.
Mann.
Gier und brüchig.
Alles dabei.
Im diffusen Trottoiren-Licht.
Elends-Gossen-Buhlerei.
Mehr isses doch nicht.
Knapp am Mindest-Lohn vorbei.

Da tapsen se rum,
die Schwalben-Schwänze
und japsen brüllkomische Schwalben-Tänze.
Wann werd ich von dir durchgeledert.
Wenn ich trocken bin hinterm Bürzel.
Von Mutti grade abgefedert.

Dann segel ich dir einen,
leg dich hin.
Schwalben-Nester – bis zum Kinn.
Her mit der KNETE –
Und dann bete,
dass ich keine Schwester – bin.
Im Kuh-Stall lass ich dich dann fallen,
im freien Fall – aus meinen Schwalben-Krallen.

Wie gesagt, das alles mach ich.
Nur keinen Sommer.
Weil ich’s nicht kann.
Bleibt nur’n Wunsch, n heil‘ger, frommer.
Es gibt ja immer mal den einen
oder andern.
Nun, dann ja, dann eben dann.

*

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Blamage

Von Ellen Mario Maybell

Ist ein Gesicht
kein Gedicht,
ist’s ne VISAGE.
Da hau ich dir rein.
Keine FRAASCHE.
Sone Visage
ist ne Blamage.
Nix als Fromage.
Alles Tournage.
Apanage?
Gibts nicht.
Nein.

Ab in die Garage
mit deiner Bagage –
aber zügig und schnell.
Es führt dich kein Page
mit Equipage
und deiner Frottage
auf die Etage,
die Etage so BEL.

Dies nur informell.
Ist nicht formidabell.
Bloß kein Gebell.
Ab ins Bordell.
Tu, was ich SAASCHE.
Und weg mit KUCK-DINGS,
dem KUCK-KLUCKS-Gestell.

*

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Kanthaken contra Windkanter* Zweite Stimme auf „Kantilene“ von Kai Pohl

Von Wolfgang Endler

anonyme Wiederholungstäter
drehen am Hamsterrad
du mittendrin im Getriebe
fortschrittslose Bewegung
moderne Zeiten 2.0 reloaded

Orientierungsschwäche deine einzige Stärke
Orient Okzident scheißegal
prä-demente Suche nach Ausgang
aus dem Welt-Dorf-Labyrinth
bist längst im Visier ihrer Drohnen

reibeiserne Gedanken Gefühle
abgeschabt abgeschliffen
Schlaglöcher abriebgefüllt
auf stillgelegter Lebensautobahn
steinbruchgesäumt schwere Brocken

hast vieles geschluckt ohne zu kauen
selbst zum Erbrechen fehlt oft die Kraft
Kassengebiss im Wasserglas
sprudelnde Träume von knackigen Äpfeln
und Wachstumsschmerz

*

* Kanthaken: Werkzeug für Holzernte, ggf. auch bei Hafenarbeit
Windkanter: vom Wind in charakteristischer Form geschliffene Steine

© 2021 Wolfgang Endler
Alle Rechte vorbehalten

Perspektiv-Wechsel

Von Wolfgang Endler

Genießen Sie den schönen Ausblick von hoch droben in Davos.
Unten in Lagos oder anderswo können Sie andere Berge sehn:
Aus Müll zwar nur, doch ebenfalls gigantisch, übermenschlich groß.
Definitionen sind verschieden oft, nicht nur von „schön“,
wohl auch von „Arbeit“, „Rechtsstaat“ oder auch „System“.

Weit oben schweben Sprechblasen, schillernder Seifenschaum:
„Wir haben von den Menschen uns total entfremdet!“
Das klingt für mich, als redete ein alter Baum
zu einem Regenwurm, der fast verendet´,
weil ihm die Krone hoch da droben keinen Segen spendet.

Was unterscheidet Menschen wohl von Top-Managern?
Die Anzahl ihrer Chromosomensätze oder der IQ?
Ist es die Differenz von Zupackenden und Schwätzern?
Oder gehören Aktien und Boni auch dazu?
Berührt die Frage vielleicht sogar ein Tabu?

Wie Kapital kennen auch Viren keine Grenzen
und ignorieren Religionen, Hautfarben und auch Gesetze.
Doch in der Praxis gibt´s verschiedene Konsequenzen,
geht es in Intensivstationen um die letzten freien Plätze,
die unerreichbar sind für viele, märchenhafte Schätze.

Nach offiziellem Ende dieser Pandemie
– ich höre längst das Scharren harter Hufe –
führ´n manche Macher gerne wieder die Regie
im Drama „Weiter so“, doch jetzt auf höh´rer Stufe.
Wie relevant sind eigentlich Polit-Berufe?

Dass Reiche nach der Krise Superreiche werden,
ist weder gottgewollt noch ein Naturgesetz.
Ihr Viel-Fern-Flieger, Viel-Verdiener hier auf Erden,
verschluckt euch doch am eigenen Geschwätz,
verfangt euch bald im selbst gesponnenen Netz!

Tatsächliche Distanz der asozialen Art
bemisst sich nicht in Metern oder Ellen.
Sicherheitszäune wirken recht apart,
weil sie den Blick auf Wirklichkeit verstellen:
gut integriert der Schallschutz gegen Wachhundbellen.

Schon sitzt manch Milliardär in einer Testkabine
für künftige Weltraumexpeditionen.
Mars steht recht hoch im Kurs. Und selbst ich diene
im Traum mich an als kompetenter Flugbegleiter.
Wär gern ein lichtstrahlschneller Wellenreiter.

Ich würd´ die ersten Kolonisten alle impfen
gegen Profitgier – lebenslang immun.
Sobald sie neu Symptome zeigten oder schimpften,
könnten sie hoch da droben reichlich Gutes tun
und sich von früh´ren Fehlern gern ausruhn.

Statt warten auf SARS Premium oder COVID-20
ist schleunigst durchzuprüfen das Profitsystem.
Ich recherchiere, tausch mich aus, dann tanz ich
auf Schrott aus abgelaufenen Uhren. Lass uns sehn,
dass wir die Zeiger in die richt´ge Richtung drehn.

*

© 2021 Wolfgang Endler
Alle Rechte vorbehalten

Preußische Trauer

Von Wolfgang Endler

sentimentales Lied
im Frühprogramm
Tränen tropfen
auf leeren Teller
bekomme mich
in den Griff
nehme Messer
und Gabel
gegessen wird                                  
was auf
den Tisch
kommt

*

© 2021 Wolfgang Endler
Alle Rechte vorbehalten

Auf_schluss_reich

Von Wolfgang Endler

Traumschloss gebaut aus seidiger Haut
sehenden Fenstern offenen Türen
Stimmen vom Flüstern angeraut
Soulmusik unhörbar fast doch zu spüren

neugierig blindfliegend manchmal taumelnd
auch durch vergessene Räume schwirren
jeder am Fädchen des anderen baumelnd
suchen _ finden _ versuchen _ irren

*

© 2021 Wolfgang Endler 2021
Alle Rechte vorbehalten