Vollendete Tatsachen

Von Monika Jarju

Hinter dem Leerraum des Traums nehme ich ein Wesen wahr –
nähernd oder entfernend, nicht weiß nicht schwarz oder
auf allen Vieren – noch bin ich nicht soweit,
das vertraute Bild einer Katze, pechschwarz,
wohin soll das führen – ins Unvermeidliche
der Begegnung, muss weitersehen wovon ich nichts weiß,
stoße eine Schüssel Sand ihr ins Gesicht – Staub
bis unters Fell vor den Augen unabwendbar ihr Sprung
trifft mich – was hilfts, wenn ich mir sage:
zu Recht. Nicht tun, als wäre nichts geschehen.

*

© 2022 Monika Jarju
Alle Rechte vorbehalten

gehdichte

Von Alexander Reisenbichler

jedes wort das ueber seine funktional-semantische unmoeblierte welt nicht hinausblickt ist ein totes wort

  1. selbsterlebensreisebeschreibung

verliebt in gesichtslose wolkengedanken
kroch ein kunterbunter kaefer
der lgbt community in einem vishnu tempel
in assam
auf mich zu obwohl ich offen war
leider biss mich dieser alltagsgraue mistkaefer
in meinem ihm dargebotenen finger

aus buechern in gehdichte traeumend
verlor ich vokalisierende nebengeraeusche
in prosaischen nebengedanken
realitaet war nie mein alltagsanspruch

  1. tief in einem gehdicht verschneit entdeckt man die vollendete versklavung

gedanken kolonisieren – kein platz zum atmen
nichts haelt zusammen – keinenormaleluft
horizonte besetzen tief in gedichtbaenden
undomestizierte woerter in verschneiten weiten geographischer inseln
suchen sich wege
und fand wege die nur auf einer seite mit haeusern besaeumt waren
welche metapher sich wohl hier versteckt fragte sich das eichhoernchen nach der entziehungskur
und lief einfach wieder weiter dem verkleideten leben unverbluemt in die sklavenhaende

vers sklaven spielen
kla vier ohne zu zaehlen /
alltaege erschlagen sich unmusikalisch in minutentakten /
schlucken woerter /
vertagen verdauungen vergewaltigter gedanken /
grammatiklose woerter legen sich ungezaehmt auf fakir nagel
bett liegen tot
komma leben/

geh dichte unmobiler auslassungen /
verse befreien fusslose woerter von alltagswurzeln /
freie heiden beten woerter aus engen korsetten ungeographischer inseln /
liegengebliebene woerter kreieren aus sich selbst in andere hinein landlaeufige verben stadt nominale possesivgedanken /
ohne freiheit – kein wort – noch buch – stabe knabe – matura reif – freien um – leerraeume die man sich ins leben zimmert

  1. high cow fressen gras

hi ku
haiku hai ku
cows don’t hike
das alter bezwingt das ego – den rest erledigt der prostatakrebs ohne tam tam

  1. kulturen umleben

rassis tisch un moebliert
zwaengt man sich in grenzraeume universalen irrsinns
den man sich in handteller naeht /
in greifbarer naehe streichelt man
seine erfahrungen /
taetowiert sich traumrueckstaende in erinnerungen

*

das verwirrte eichhoernchen der dezemberausgabe meldet sich in der jaennerausgabe (januarausgabe fuer unsere freunde aus dem deutschen grammatikparallelluniversum) zurueck, sein auftritt in gehdicht nummer zwei ist souveraener, aber auch fragwuerdig / gefuehlsregungen rex sine potentia sine potestas an reisi77@hotmail.com

© 2022 Alexander Reisenbichler
Alle Rechte vorbehalten

Ich hatte viele Männer

Von Ellen Marion Maybell

Ich hatte viele Männer.
Unter meinen Vorfahren
Sind alle bei mir vorgefahren.
Alle auf mich abgefahren.
Alles abgefahrene Typen.
.
Haben mich alle eingefahren.
Oder besser eingeführt.
Die Ahnen ahnten nix,
gab ja keine, war keiner gerührt.
Bei Mandarinen und Mondschein.
Müssen wohl eher Bananen gewesen sein.
.
Bisschen geruckelt, bisschen vibriert.
Mann, waren die witzig
und so schwitzig geschmiert.
Bis tropfnass auf die Brüste.
Wenn ich’s nur wüsste.

Vor Gefahren hat mich keiner gewarnt.
Sonst hätt ich mich hinter der Schlange getarnt.
Ich hatte ja nur Männer
unter meinen Vorfahren.
Von Frau’n nix zu schaun.
Nee, bei mir war das’n anderes Verfahren.

Ich fiel nämlich vom Baum.
Von dem ich stamme.
Also vom Stamm-Baum.
Oder vom Baum-Stamm.
Obwohl ich so gesehen,
jede Menge Stämme,
aber selbst keinen Stamm
zum anbieten habe.
Sone Art Traum.
Was für ne Gabe.

Dafür Männer.
Viele.
Brötchen und Spiele.
Baumstämme
in Schwämme.
Ganz schön stämmig.
Stemmt.
Die stemmen was.
Die stemmen was weg.
Woher die stammten
Keine Ahnung.
Liefen mir nur über –
über den Weg,
die, die mich rammten.
Nahmen kein Blatt
vor den Mund.
Nur das der Feige,
das vor dem Stengel,
kurz mal gelüftet,
und dann ging es rund.
Nicht feige.
Die Schlängel.
Ich wusste ja nicht,
was es damit so auf sich hat….

Und dann dieses Stammeln
von Verlangen und Sehnsucht
nach der Mutter – Natur.
Bin ich das.
Natürlich.
Die ERSTE.
Für‘s RAMMELN.
Verflucht.
Das sei EVA –
EVA in PUR.
..
Wie aus’m Ei gepellt.
Leider nur für’n Appel.
Die dafür extra vom Stamme fällt.
Paradiesisch Gerappel.
Noch vor dem Huhn.
Weil son Kerl ist wie er ist.
und süßlich gerne aus der Obstschale frisst.

Ja, ich bin vom Baum gefallen
mit nem Riesen-Knall.
Aber den hatte ich schon immer.
Ich bin nämlich ein besonderer Fall.
Ich bin nicht nur leicht,
auch ein sinnlicher Ping-Pong-Ball.

Immer PING und PONG.
Und hin und her,
Von PLOP zu FLOP.
Das gefällt mir sehr.
Ist doch nett, dieses Rum-MÄH-andern.
Von einem Bockshorn zum blökenden andern.

Das gibt SCHWONG.
Dieses DING-DONG.
Übers Netz.
Das hält jong.
Hab ich immer so beibehalten.
Mehr ist auch nicht drin.
Mehr kann ich eh nicht behalten.

Und Bälle – hab ich immer dabei.
Zwei.
Da fahren die auch drauf ab.
Diese Spielbuben.
Da machen die schnapp.
Aber den Tanz
im Ball-Saal,
den bestimme ich.
Papp.

So bin ich immer verfahren.
Auch ohne Vorfahren.
BLING-BLING.
Blinkert so schön.
Dieses Kling-Kling.

Verlockung in Scharen.
So sind sie alle – bei mir vorgefahren.
Vor Gefahren ist man ja nie gefeit.
Aber für meine VERHÄLTNISSE
bin ich verhältnismäßig,
sagen wir mal so,
übermäßig überdimensional –
proportionsweise propper
unproportional
und daher durchaus
massenkompatibel
und Lob GROSSEN GOTTES
nicht allzu gescheit.
Und genau aus diesem Grunde
mehr als gründlich
zu diesem Gemetzel
allzeit bereit.

Ob ich mich dabei verfahre?
Ich denk ja nicht dran.
Ich denk nicht so weit.

So weit kommt‘s noch.
Mir gefällt das – DRUNTER und BRÜBER.
Bitte kein Neid.

Das hat doch Klasse.
Hauptsache: Masse.

Wie gesagt, ich hatte viele Männer……
ihr Penner….

*

© 2022 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Der Goldesel

Von Ellen Marion Maybell

Jetz kuck nich.
Kack.
Kack Dukaten.
Wie lange soll ich denn noch waten…………

Kack, so wie es dir gegeben,
Golddukaten in mein Leben.

Nicht Kaken oder sonstwie Laken.
Kacklaratschas, keine Schnaken.

Tut mir leid, so kack ich nicht.
Kack nur wie’n Esel, grün und schlicht.

Ich reiß mir doch den Arsch nicht auf
für Golddukaten: Scheiß ich drauf.

Auch wenn ich Goldner Esel heiße,
und fürwahr, das heißt, ich beiße

damit immer auf Granit.
Drück die mal raus. Das nimmt ein‘ mit.

Gut, die Dinger sind zwar rund,
doch hart im Kant , das reißt ein‘ wund.

Ich fress nur Gras im Sand und Sträucher,
was dabei rauskommt, macht nicht reicher.

Leck mich am Arsch und leck ihn hold,
es nützt dir nix, es wird kein Gold.

Gerne auch mit gold‘nen Zungen,
das juckt so schön – und wenn gelungen,

kommt dabei son Kribbeln raus
und Wind, so heiß, so sieht es aus.

Das kennst du doch, das an der Waage,
das Zünglein, das dir bringt, nicht vage

dies Jauchzen, Rattern Hoch-Genuss
das dir knattern lässt – AAAAH NUS.

Da bin und bleib ich Anarchist.
Versteh mich nicht als Alchimist.

Komm, nicht so stur, komm, lass es kacken.
Lass mich die gold‘nen Dinger packen.

Lass purzeln sie aus dem Rosettchen.
Ich mach dir auch’n gold‘nes Kettchen.

Komm, zeig dein goldig Esel-Herz,
du kannst das doch, ganz ohne Schmerz.

Gut, wenn du lösest MATT-MATHIK,
scheiß ich dir was zu deinem Glück.

Und reiß vielleicht mein Ärschlein auf.
Bring schon mal’s Gehirn in Lauf.

Weißt du, wie viel Suffköpp sprangen
über Schnäpsen-Zuckerstangen.

Wie viel Bolde danach trunkten,
bis im Rum sie LIRI wunkten.

Wie viel Fusel sie verschluckten,
bis im Dusel sie sich zuckten.

Wie viel Pullen sie enleerten
für‘n DElier, den so begehrten.

Wenn du’s weißt, sei’s dein Begehr,
dann pump ich’s Gold-Gelumpe her.

Aus mei’m blöden Eselsarsch.
Dann kack ich Gold dir, ab und Marsch.

Und du weißt, wer der Esel ist.
Der Voll-Horst du, voll Bockes Mist.

Als wenn ein Esel so was wollte,
so ein Pressing – Druck verschmollte.

Gold zu kacken, das tut weh.
Basta. Schluss aus, ich sag: Nee.

Auch wenn ich Goldner Esel heiße.
Aus mir kommt weiter nichts als Scheiße.

Glänzt auch schön, ist warm und stinkt.
Greif nicht nach Gold, sein Preis, der sinkt.

Auf Scheiße kannste prima schlafen,
du Schafskopf unter blöden Schafen.

*

© 2022 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Gedicht (ohne Titel)

Von Aaron Böhler

auf der Kommandobrücke,

im Licht zweier Lampen,

die den Raum so erhellen,
dass sich anstelle der Nacht

die nutzlos gewordenen Armaturen,
die Andenken an Vergessene,
die verschlossene Tür,
die alten Kinderzeichnungen,
der Stapel mit den ungelesenen Büchern,
ein paar aussortierte Batterien
und die Reste einer letzten Mahlzeit

im Fenster zeigen,

zwangsläufig den Verwandlungen nachspürend,
zu müde zum Senden,
leicht wiegend

um locker zu werden,
um trotzig vor der Finsternis des Jenseits zu posieren,
um die Möglichkeit von Neugier zu erkunden,
um trauern zu können,
um nicht steif stehen zu bleiben,

still…

ohne Kommando.

*

© 2022 Aaron Böhler
Alle Rechte vorbehalten

Zwischenklang

Von Nicole Schrepfer

Was ist, das war und wird nie wieder,
ist bloss noch ein Schatten auf Papier.
Ich schlage meine Augen nieder
und fühle verblassen mein „Jetzt“ und „Hier“.

Bereits fallen Blätter von den Bäumen,
erinnern mich, der Herbst ist nah.
Und doch beginne ich zu träumen,
vergessen ist, was unlängst geschah.

Wunder, die noch gestern sichtbar,
verlieren langsam ihren Glanz.
Lautlos die Grenze, vage und unklar,
verschwindet zaghaft, leise, ganz.

Wohin bloss, floh mein Seelenheil,
die Klänge schwach, ich höre sie noch.
Flüchtige Gleichmut, schneidendes Beil,
verzerrt das Bild schlussendlich doch.

In nächtlichem Schwarz davongestohlen,
weggeschlichen, stumm und eilend.
Achtlos vergass ich den Zauber zu holen,
gebrochener Stolz am Wegrand weilend.

Was auch immer kommt, wird mich erheben,
mein Haupt gerichtet, ich lache zurück.
Das Herz so müde, doch trotzt dem Leben,
ich beginne erneut zu träumen vom Glück.

*

© 2022 Nicole Schrepfer
Alle Rechte vorbehalten

ANGST

Von Paula Leutner

Ich habe Angst vor dir,
davor dass du mir die Liebsten nimmst,
oder ist es nur ein Hirngespinst?
Ich habe Angst vor dem Tod,
vor Schmerz, Qual und Leid,
ich bin dafür einfach nicht bereit.
Ich habe Angst dass die Menschen sich entfremden,
sich spalten und hetzen,
einander zerfetzen.
Ich habe Angst um unsere Freiheit,
Solidarität, Empathie und Vernunft,
dass gesunder Menschenverstand schrumpft.
Ich habe Angst dass die Geschichte sich wiederholt,
dass eine laute Minderheit
Lügen und rechte Parolen johlt.
Ich habe Angst dass sich jene radikalisieren,
die glauben sie hätten nichts mehr zu verlieren,
nicht mal sich selbst.
Ich habe Angst vor der Einsamkeit,
davor etwas zu verpassen,
heißt es nicht leben und leben lassen?
Ich habe Angst dass du uns die Menschlichkeit nimmst,
dass du am Ende doch noch gewinnst,
Corona.

*

© 2022 Paula Leutner
Alle Rechte vorbehalten

Späte Reife

Von Markus Katzenmeier

Den Weg zur Liebe hatte ich sorgsam verbaut –
ein schrecklich hoher Bretterzaun, verziert gar mit hässlichen Fratzen

Dahinter nahm ich lustvoll meine Schaumbäder,
doch das Wasser wurde kälter, Jahr für Jahr

Verzweifelt schlotternd schlug ich schließlich Löcher in das Holz,
doch von Dir nicht mal mehr ein Schatten

Seitdem tropfen Tränen auf die rostigen Nägel,
die Du auf allen Wegen ins Nirgendwo gestreut hattest

*

© 2022 Markus Katzenmeier
Alle Rechte vorbehalten

Zulenkung

Von Niklas Götz

Aus der grellen Bilderapp da winkt ein Beitrag frech heraus.
Er erinnert mich mit stolzer Weisheit pflichtbewusst daran
Dass ja “nur wer immer alles gibt sein Ziel erreichen kann”
Und geheime Toilettendaddler arm und einsam sterben
Oder gar zu Kunden dieser ominösen Seiten werden.
Solch Gedanken sind mir, wenn auch wohl bekannt, ein bitterer Graus!

Wer will sich von blinkender Zerstreuung schon versklaven lassen,
Nach Verwirrung ohne Ende lechzen und nichts anderes kennen
Als niemals rasten, ewig rennen, im Bilderschwalle Zeit verbrennen?
Ich will mich nicht berieseln lassen, nein, ich will lenken,
Deshalb möchte ich mit festem Griff beherrschen mein Denken.
So werf ich hinweg das Handy, Füllhorn fremder Ideen, um eigene zu fassen.

Frisch setz ich mich wieder an den Schreibtisch, auf ihm endlose Daten.
Artig mach ich mich ans Werk, produktiv, nützlich, nett zu sein,
Tippe wild und blind die leeren Zeichen ins Lichtpapier hinein,
Lass nicht locker, will beweisen: unermüdlich ist meine Hand.
Wie der Reiter zähmt sein Pferd, so führe ich den hektischen Verstand.
Wird doch der Wert meines Lebens gemessen an gewinnbringenden Taten.

Wenn du mehr sein willst als eine von tausend stummen Tippmaschinen
Musst du mehr vollbringen als jedes Tarifgespenst im Großraumbüro.
Denn wer folgt hat auch Erfolg, was sonst macht einen denn noch froh?
Ich will niemals still stehen und häng mich täglich heftig rein
Das beste Zahnrad im glühenden Profitgetriebe will ich sein,
Bis sich alles um mich dreht und alle anderen mir dienen.

Fleißig brummt das Handy im Hintergrund, die Verführung ist präsent,
Doch ich bleibe eisern bei der Stange, gönn mir keine Auszeiten.
Ich quäle mich durch jedes Formular, statt schnell mal rumzuswipen,
Wissend, dass Aufschiebung letztlich doch nur wieder zum Schuften führt
Und dass man nur nach getaner Arbeit letzlich Erlösung verspürt
Wenn am Abend endlich die Finger ruhen und das Hirn wegpennt.

Fast ein kleiner Haufen ist bald schon getan nach etwas Plagen,
Bin wohlig warm erfüllt vom guten Gefühl, dass meine knappen Stunden
Nicht in schlaffer Muse sondern hartem Schuften sind entschwunden.
Als Held der Arbeit, jeder Faulheit erhaben, entspann ich meine Glieder,
Falle in den Stuhl und schöpfe Kraft und lege die Stifte nieder
Um mich zu belohnen und bald mit doppeltem Eifer zuzuschlagen.

Bald schon rennen mir hinfort die rastlos-suchenden Gedanken,
Kreisen umher wie verschreckte Vögel, leicht und flüchtig wie Luft
Nicht zu fassen, kaum zu kriegen, denn beim Anblick sind sie schon verpufft.
Wie Ratten jag ich sie blutverschmiert durchs Unterholz aus Schall und Schatten
Doch die wahre Beute, die bin ich, schon ging es vonstatten
Dass ich E-Mails checkend in die Falle tappe, in Schlingen von Ablenkungsranken.

Kaum noch wehre ich mich, entflieh dem engen Griff der Gedankenmühlen.
Mein Geist will sich nicht vor fremder Herren Wagen spannen lassen,
Weigert sich vehement, seine eigene Unstetigkeit zu hassen
Und verfällt dem giftig-süßen Nektar von unzähligen Reizen
Welche ihn in Bilderstürme locken um ihn zu verheizen,
Sanft erstickt von angenehmen Lügen und künstlichen Gefühlen.

Traumwelten sind das Ziel der Flucht hinaus dem Reich der Uhr.
Ich such Oasen in der Wüste der Produktivität.
Trunken macht die endlose Timeline mich, nach kurzer Pause ist es schon zu spät –
Wo auch immer mein Hirn der Boden ist, nicht Pflug, dort will es sein,
Stopft sich deshalb tausend Tonnen leeren Inhalts freudig glucksend hinein.
Sind die Zügel locker einmal nur, da verlässt es schon die Spur!

Der Körper sitzt hier im Büro, im Dienste von Konglomeraten,
Doch alle Fesseln sind gelöst, der Geist fliegt durch die Lichterwelt.
Wie die Nacht durch Sternenglitzern wird sie von Geschichten erhellt.
Jede hilft der Flucht, führt auf neue Pfade mit ihrem Bilderfluss
Damit ich weiter nicht tun muss, was ich will, weil ich es muss.
Eine aber schaut streng, mahnt und richtet über meine Taten:

Aus der grellen Bilderapp da winkt ein Beitrag frech heraus.
Er erinnert mich mit stolzer Weisheit pflichtbewusst daran
Dass ja “nur wer immer alles gibt sein Ziel erreichen kann”
Und geheime Toilettendaddler arm und einsam sterben
Oder gar zu Kunden dieser ominösen Seiten werden.
Solch Gedanken sind mir, wenn auch wohl bekannt, ein bitterer Graus! –
Verdammt, ich muss mal wieder raus

Aus dem Wahn zu erreichen was andere mir zum Ziele setzen.
Aus der Sucht mich zu vergleichen und mich durch den Tag zu hetzen.
Aus der Welt endloser Inspiration die meine Stimme übertönt.
Aus dem Sog von Optimierungsobsession der mein Leben verhöhnt.

Es ist Zeit loszulassen.

*

© 2022 Niklas Götz
Alle Rechte vorbehalten

geburtstag

Von Franz Niemand

geburtstag

wie üblich traumeinwärts geklappt
und den schwermutbrocken
in der galle

draußen ein lasziver regen
hastig entkleidet sich die nacht

nicht mehr fern das licht
dem niemand entrinnen kann

*

© 2022 Franz Niemand
Alle Rechte vorbehalten