Brenn supp

Von Walther Stonet

Es ruft sich in er
innerung was vergangen schien
sand der rann papier das rieb

Griffel spitzend wurde die
tafel gekratzt bis die
härchen auf stand probten:

Am hals am arm am rücken
das klassen buch gilbte vor der
zeit vor dem abend lobte sich

Der lehrer der nichts
wusste von not & pfennig
fuchsen vom hühner stehlen &

Kochen des eignen sehr
dünnen süppchens auf
dem er daher schwamm

Wie auf der brenn supp

*

© 2022 Walther Stonet
Alle Rechte vorbehalten

gehdichte

Von Alexander Reisenbichler

obwohl sich die literaturwissenschaft abmueht verschiedene kategorien zu bilden, epochen, die nur kruecken der eleganz blauer romantischer blumentoepfe sein koennen, hat die universale geschichte der literaturgeschichte nur eine epoche, von der liter arischen ersten verbuchstabung der welt bis heute, die veden und historischen reiseberichte des koenigs mu aus china bis ueber goethe und thomas bernhard und, so leid es mir auch tut, leider auch rosamunde pilcher, nun ja, jedes haus hat eben eine toilette, so ein arabisches sprichwort; der liter arische quanten sprung ist nur ein schritt, geschluepft aus einem traum einer muse. jeder autor, leider auch rosamunde pilcher, ist ein baustein der wendeltreppe literatur, wie universaler kann meine poesie sein, selbst schlegel haette seine universalpoesie nicht breiter anlegen koennen. die folgenden gehdichte versetzen woerter aus dem barock in mein heute getintetes gehdicht, sie werden einfach verpflanzt, herausgenommen und bekommen einen neuen sinn, dienen als sprungbretter fuer neue gedanken ohne den sinnreichtum des barock thematisch in unsere zeit zu holen.

das dritte gehdicht spiegelt eindruecke die ich nicht ausdruecken kann wider willen wieder die ich nach 20 jaehriger abwesenheit von der donaumonarchiestadt bei wiederbetreten hatte.

worte bedraengen, aus ihren bedeutungen draengen
metamorsche gedanken
erkand nuss erkenntnis
arminius ….
im ausland war ich immer daneben

  1. barock – oder wir bauen gar nichts

winter land schaft geht nicht unter
desertiert nicht
im opitz orbit meines horizonts werden woerter abgemessen
getichte mit tinte gewogen so dass sie es mir sein werden
poetereyen von reimflecken tilgen
worte bedraengen, aus ihren bedeutungen draengen
nach atmung ausgehauchter wortfetzen die inhalte mit schiefern im arm en haus mit perlen abrunden
metamorsche gedanken knittel vers uche unke nicht frosch
diese er kand nuss brechen wir auff recht
wandelnd in elenden buch stab schritten in waeld lein ohne baum wolle um geschichten zu weben

  1. das hohe lied auf kultur gekreuzigte bahnen

opaqu opaqu ovid ohne frosch kara wahn en
schwangere kroeten traeume auf ein bahnen trimmen

  1. in wien kuesst schubert die pixies – wiedersehen mit wien nach 20 jahren

ein schwer beladener esel mit erinnerungen und neuen ein oder mehr druecken
laeuft berge in den ebenen des wien tals
un end lich aus beul ende seiten taschen beginnen ihn in barocke seiten gassen abzudraengen
klassische ziel geraden verfaerben sich zu hunderten in wasser kurven
hagio graphische erd kunde
geo um rundungen roman ti sie ren
gon gora
luise aber immer laut
meta jung phern aus fernen realitaeten an den ufern der donau schluepfen lassen
rote kopf tuecher von jan van eyck in eine neue realitaet mastur bieren ohne wein zu verschuetten wenn frauen meine kindheit laut stillen

*

© 2022 Alexander Reisenbichler
Alle Rechte vorbehalten

kontakt mit dem autor: reisi77@hotmail.com
wenn ich nicht gleich ant worte, mit saetzen oder absaetzen, liegt das daran, dass ich packe, die nobelpreis verleihung steht bevor. literatur ist eine aus an leihe von vergangenem

ich trage in mir

Von Max Schatz

ich trage in mir statt der leber
ein implantat aus leder
ein holster
damit ich die pistole
nicht mehr verlieren kann

ich trage in mir wo das herz
ein implantat aus holz
damit ich überlebe
sollte ich zufällig
den abzug betätigen

*

© 2022 Max Schatz
Alle Rechte vorbehalten

Marktplatz

Von Jens Kotowski

Am Platz, auf dem die Kirche steht.
Wochenmarkt ist’s, dort setzt ich mich nieder.
Radiomusik von rechts wird an mein Ohr geweht.
Übertönt vom Organist, der nun übt hier Orgellieder.

Geräusche, Wochenmarkteigen, mal laut, mal leise.
Stimmen, mal quiekend hoch, mal brummend tief.
Gesagtes, dieses scherzend albern, jenes wohl recht weise.
Klangteppiche, Töne, schön, schaurigschön, schief.

*

© Jens Kotowski 2022
Alle Rechte vorbehalten

Ein Morgen

Von Jens Kotowski

Ein Morgen, den ganzen Tag könnte er währen.
Schon rosarote Farben sich im Blick gen Osten mehren.
Lieblingszeit, die längst die Nacht in die Nacht entließ.
Wo bereits die blaue Dämmerung die Frühe verließ.
Reine Luft hat sich in den Morgen gerettet.
Tiefes Atmen und sie sich kühl in der Lunge bettet.
Und zwischen Horizont und Gewölk, spinnwebenfein.
Abrupt ein Stück Sonne mit rotglühendem Schein.
Strahlen streicheln zart das Dünenland.
Streicheln auch Watt und Nordseestrand.
Seele mit wohltuendem Elixier versorgen.
Den ganzen Tag könnte er währen, dieser Morgen.

*

© Jens Kotowski 2022
Alle Rechte vorbehalten

wahnititis

Von Franz Niemand

wirres gedankengestrüpp
in hirndunkelkammer

unter glühender sonne über versteinerte
drachen stolpernd

unten am strand der schwulen
muskulöse dicke bären
an bierflaschen nuckelnd

das besoffene meer rauscht
seinen rausch aus

aus der ferne das glockengeläute
uralter von kreuzen überwucherter kirchen

im hintergrund eine pfeifende eisenbahn
verschwindet für immer
im schwarzen loch des berges

kurz vor dem ziel dem unbekannten
zusammenbrechend

ameisenvölker machen sich
über einen her
mit blinder gewissenhaftigkeit
einen auffressend

das hinterbliebene gebein verbleicht
in der hitze der ewigen nacht

nein
wir wollen nicht wiedergeboren werden
nicht einmal als possierliche
grüne papageien
die sich in den parks mit anderen
schrägen vögeln
um das tägliche brot streiten

bloß keine wiedergeburt
sind militante
wiedergeburtsverweigerer

im namen der mutterbrust
des unbekannten vaters
(war es „onkel“ willi?)
und der angeborenen wahnititis

so sei es
(man kann es sowieso nicht mehr ändern)

*

© 2022 Franz Niemand
Alle Rechte vorbehalten

kraa kraa

Von Franz Niemand

kraa kraa
kraawudl lobhudl plumpspudl
schreibwischlings schreibfischlings
morchschnorchlings
schnorchmorchlings untergängigst
überhüpflings
kraaschnauzlings schabernacklings
schnawuzlings
tintklecklings drustwiderlings
kraa kraa
wudlwischlings unterplumpslings
schnamorchlings
tintgipflings wudlfischlings
schnorchhudlings
pudlschnacklings schaberklecklings
schnahüpflings
wuzlschreiblings pfuschpischlings
drustesslings
kraa kraa

*

© 2022 Franz Niemand
Alle Rechte vorbehalten

gahns; olga

Von Peter Lexa

i waissnix
was mir der berg antan hat
altenberg, schnitzler
thalhof und knofleben
das bodenwiesenmeer

literarischer mystizismus
allerarten

i waissnix
was die weiba
mir antan haben
monika und gerda
barbara und olga?
die alten dichter falln stückweis auf mich
und tun so weh

i waisswas:
schaissdrauf und
hauab
und bleib ganz beschaiden

*

© 2022 Peter Lexa
Alle Rechte vorbehalten

Herbst

Von Pawel Markiewicz

Die Windin zaubert das ganze Dasein mirakulös.
Die Anheimelung mancher Gestirne ist herbstverträumt.
Die Holdschaft allerhand Mondritter herbstwärts ist pompös.
Die Verheimelung der Sternschnuppe ist unendlich klar.

Die Bezirzung sei bar arger Kälte holdseliglich!
Der Arg des Windes heg eine Musenkraft fabulös!
Die Bezauberung bleib fürderhin träumerisch magisch!
Das Himmelsdüstere träumle ewig und tadellos!

Der Regen verträumten Wandrers herzigt so magnifik.
Himmelstränen, wohlan! Seid herbstklar und phänomenal!
Himmelsnass und zärtliches Schmachten sind glutvoll-splendid.
Die Himmelswasser glühen träumlings echt spektakulär.

Lunna hat türkis Fittiche. Sie sind ja herbststürmend.
Selene hat indigo Flügel. Sie sind herbsttröstend.

die Windin – weiblicher Windgeist
die Holdschaft – etwas in Eigenschaft des Holden
herzigen – zu Herzen gehen laut Grimms
wohlan! – eine Aufforderung, oder wie: nun gut, nun denn
träumeln – ein bisschen träumen

*

© 2022 Pawel Markiewicz
Alle Rechte vorbehalten

Der Vogelschwarm – Sonett

Von Pawel Markiewicz

Die Hopliten besinnen sich auf super Song vom Bussard.
Die Götter erinnern sich an mega Lied vom Auerhahn.
Die Göttinnen schwelgen an pittoresker Sage vom Kauz.
Die Sklaven entsinnen sich an feines Gedicht vom Fasan.

Die Ritter kämpfen für aparte Dämmerung der Lerche.
Die Adligen tun elysischen Morgenstern der Drossel.
Die Bauern schaffen arkadisches Abendrot der Elster.
Die Herren brauchen wohliges Morgenrot von der Amsel.

Die Philosophen denken an lindes Gestirn der Taube.
Die Druiden zaubern brillanten Sternenstaub vom Kranich.
Die Barden besingen den fulminanten Mars der Krähe.
Die Minnesänger beschreiben den geilen Stern vom Ibis.

Die Dichter schreiben vom adonischen Zauber vom Stieglitz.
Die Träumer schwärmen vom junonischen Wunder vom Sperling.

*

© 2022 Pawel Markiewicz
Alle Rechte vorbehalten