Immer schlimmer

Von Markus Katzenmeier

Oben und unten
Links und rechts
Dazwischen fast nichts

Statt Wahrheitsliebe Selbstliebe
Statt Nachdenken Überzeugungen

Meinungsblasen, Medien, Milieus, Manipulationen, Meute
Feindbilder überall

Die Aufklärung hat unbeweint abgedankt
Nur wenige Stufen konnte sie erklimmen

Wenn du in eine Blase stichst, geh schnell in Deckung
Viel Blut wird dich sonst besudeln
Vielleicht hättest gerade du das nicht verdient

*

© 2022 Markus Katzenmeier
Alle Rechte vorbehalten

Am Mühlbach

Von Niklas Götz

Ein Laubblatt folgt
den strömenden Schnellen
in ungewisse Ferne
tanzt mit tausend Tropfen
von Stein zu Stein
Entflieht knapp dem Versinken

Bald ists entschwunden
hinab an den Kaskaden

Dort springt es weiter umher
oder findet Ruhe
an einem grünen Ufer

*

© 2022 Niklas Götz
Alle Rechte vorbehalten

Staubsauger heben

Von Heidi Ehrnböck

keiner kauft meinen Staubsauger
nicht mal der Chemie-Pauker
deswegen werde ich mich
so nicht mehr bewegen
vergiss doch das Fegen
ich werde bis in die Nacht
hier bleiben – echt
denn das ist mein Persönlichkeitsrecht

Mein Haar und mein Anzug
sitzt exzellent
das Auto ist nicht aus Papier
deswegen affirmiere ich
so jeden Cent
und so bezahle ich später die Hater

du kannst dich
in deiner Wohnung verstecken
ich bleibe hier bis zum verrecken
du denkst du bist sicher auf deiner Couch
warte bald ist meine Facebook Werbung
auf dem Handy drauf

in ferner Zukunft
kannst du mir glauben
werde ich auch deine Wohnung saugen
denn ich weiß was ich tu und winke dir zu
werde wie ich und mache es mir gleich
glaube mir so wirst du reich

sehe ich dich schon im Luxus schwimmen
aber du weißt der Preis
der wird bei mir stimmen
lerne nur bei mir
das ist nicht egal
so hast du stets viel Geld im Regal
und wenn du die Summe nicht zahlen kannst
frag nach dem Kredit
54 22 11
und investier‘ doch gleich in dich selbst

denn ich weiß du möchtest
den Staubsauger heben
und deswegen
werde ich mich hier nicht bewegen

*

© 2022 Heidi Ehrnböck
Alle Rechte vorbehalten

Am Fluss

Von Jens Kotowski

Stehst auf dem Steg und um dich her
Fließt die Treene, unaufgeregt und schwer
Feine Nebelschwaden am jenseitigen Ufer
In der Ferne ein ganz besonderer Rufer
Kuckkuck schallt es rüber
Sonne, tief im Osten, sie wärmt schon wieder
Schau, wie feine Schwaden dem Wasser entfliehen
Und jagend die Schwalben ihre Bahnen ziehen
Nur eine sehr kurze Spanne der Zeit
Dir da gebotene Welt nicht bleibt für Ewigkeit
Auch schon dein Blick wieder schweift
Das Antlitz der Welt dich nun weit weniger ergreift

*

© 2022 Jens Kotowski
Alle Rechte vorbehalten

Texte

Von Jens Kotowski

Verse auf Papier
Worte wie am Band
Das Gedachte wird Geschriebenes
Verse zum eigenen Takt
Verse zur inneren Musik
Das neu Verfasste wird Bleibenden

*

© 2022 Jens Kotowski
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Begegnungen

Von Jens Kotowski

Sitzt wohlig unterm großen Blätterdach
Sitzt am Graben des Schlosses mit Bäumen
Den grünen Riesen, die den Weg hier säumen
Hintan stilles Gewässer
Ein Barde kommt des Wegs sehr galant
Mit Flöte im Mund und Laute geschultert
Eine Kinderschar dabei, die er sehr begeistert
Jener Barde im hiesigen Städtchen wohl bekannt
Die kleine Schar zieht dahin, auch du musst weiter
Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht
Sonne, Kinderschar und Barde haben dies geschafft
Solch ungeahnten Begegnungen stimmen heiter

*

© 2022 Jens Kotowski
Alle Rechte vorbehalten

Ich bin im Jahr 1966 geboren und lebe in Detmold. Lange Zeit schlummerte das Interesse an Lyrik/ an der Versdichtung im Verborgenen. Das ist nun vorbei.

Du

Von Jens Kotowski

Dich dort zu wissen
Das werde ich sehr vermissen
Auch wenn wir beide uns selten trafen
Jede Nähe zu dir war mir ein sicherer Hafen
Nun bald gehst du fort
Dahin, wo deine Wurzeln, hin zu deinem Sehnsuchtsort
Dann werde ich dich am anderen Orte wissen
Und will verwehren, dass meine Erinnerungen verblassen
Etwas Verliebtheit ist wohl erlaubt?
Und meines Glücks fühle ich mich nicht beraubt
Selbst wenn ich es dir nie gestehe
Es reichte, dich zu wissen in meiner Nähe

*

© 2022 Jens Kotowski
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Mit dem Rad

Von Jens Kotowski

Mit dem Rad auf Tour
Dies aber nicht nur
Weil ein Ziel zu erreichen ist
Vielmehr Radeln dich Dinge spüren lässt
Der Tretkurbel zeitweiligen Widerstand
Den Luftzug, der berührt, wie eine zarte Hand
Die Muskulatur, die den Brennstoff verbrennt
Die Haut, die bei Fahrt zu schwitzen beginnt
Mit dem Rad auf Tour
Noch namenlose Strecke nimmst du dir
Egal, welches Rad und wie dein Stil
Wenn’s wohl stimmt, dass doch der Weg das Ziel

*

© 2022 Jens Kotowski
Alle Rechte vorbehalten

Sein und Bleiben

Von Jens Kotowski

Und es trügt der Schein
Denn unter der friedvollen und reinen Oberfläche
Tobt der Kampf, ein Kampf ums Sein
Und für das Bleiben wird geschlagen, getreten, gebissen
Schützengräben ausgehoben, Armeen an Fronten gestellt
Geschossen und Bomben geschmissen
Und wie weiter in einer humanen Welt?
Ist sie möglich ohne wilde Wut und tiefem Hass?
Zählt nur Reichtum und Herrschen?
Regiert nur das Geld?
Und dann geht`s hier nicht weiter, verlasse diesen Raum
Von unter über die Oberfläche
Hier schwimmst du nun, flüchtest hin zum Schein
Flüchtest dich in einen harmonischen Traum

*

© 2022 Jens Kotowski
Alle Rechte vorbehalten

14.6.98/10:20

Von Peter Lexa

das streben
nach ekstatischem
augenblick

dem blau
der tiefen see
der weite
des horizonts

auflösung
in wohlbefinden
suhlen
in bodenloser trauer

unerfüllter wunsch
nicht gesättigte
sehn-sucht

*

© 2022 Peter Lexa
Alle Rechte vorbehalten