querulant

Von Peter Lexa

querulant
werd i genannt
komm
damit durchs ganze land
nur durch
’schland nich

dort glaubens
i bin österreicher
ganz ein weicher
schluchtenscheißer

irrtum, freunde!
ihr habt euren
ösi g’habt
1000 jahre lang
gelabt
boden gabt ihr ihm
u jede menge blut
auch das letzte
von eur’m mut
u jetzt kommt mir nur nicht
damit
wie es leid euch tut

i bin halb von eurem stamm
auch wenn ichs
nicht wahrhabn will
u verdamm
nutzt nix
schlesien
da komm i her

d’polen
gebens nimmer her
u
i wills nich mehr

*

© 2022 Peter Lexa
Alle Rechte vorbehalten

eine stimme

Von Franz Niemand

eine stimme,
sie schweigt noch, sie singt noch
zerrissen, ein stern
vom himmel gestürzt
in die erinnerungen der wellen,
seit mordgedenken in sich verloren,
die wiederauferstehung abgesagt

eine stimme,
sie blutet noch, sie blüht noch
aus versteinertem…

*

© 2022 Franz Niemand
Alle Rechte vorbehalten

BESTANDESAUFNAHME 

Von Nicole Schrepfer

Du fragtest mich nicht nur einmal;
„Wie war Dein Leben, sag“?
Ich stockte, mein Gesicht war fahl:
„Wie ein Schatten, den ich mag“.
 
Wie ein Ort der Relikte meiner Zeit,
so war mein Dasein meist.
Wie ein Bild aus der Vergangenheit,
das oft nur rückwärts weist.
 
Wie ein tiefes Meer aus scheuem Glück,
diffus in Licht und Farben.
Warm, doch kläglich manches Stück,
mit längst verheilten Narben.
 
Wie ein Bett, so duftend frisch und hell,
geduldig, sanft, verlässlich.
Wie ein Gefühl, das fordert, unwirsch, schnell,
nur selten wohl und pässlich.
 
Wie ein Spiegel, blank und ohne Sorgen,
mit klarem Blick, gar makellos.
Wie ein Lachen, das verstummt im Morgen,
oft laut, verzerrt und rigoros.
 
Wie ein Traum, verwunschen, sehnend, zart,
der niemals Ängste schürt

Doch sehenden Auges fällt man hart,

wenn das Leben seine Sieger kürt.

*

© 2022 Nicole Schrepfer
Alle Rechte vorbehalten

Aussichten

Von Monika Jarju

Ich verlasse
komme zurück
lebe da
werde verlassen
gehe fort
lebe überall außer
ich sterbe
hier oder anderswo
verlassen
oder in Erinnerung

*

© 2022 Text & Bild von Monika Jarju
Alle Rechte vorbehalten

Ukraine

Von Ellen Marion Maybell

Ukraine,
auch als Grenzland übersetzt,
in die der Kriegsverbrecher
seine Soldaten reinhetzt.

Als pöbelnde, schießende
Brutal-Invasion.
Alles niederzubrennen.
Was hat er davon.

Zerstörend
die gesamte Infrastruktur,
gnadenlos Leib und Leben
und die ganze Kultur.

Es liegt schon das meiste
in Asche und Schutt.
Eiskalte Gewalt.
Sie macht alles kaputt.

Und wieder mal wurde die Welt kalt belogen,
von einem Diktator, der wahnsinnig ist.
Und sie rannten um nichts als ihr Leben,
um dem Rest ihrer Kraft Mut zu geben.

Warum nur die Bomben,
warum nur der Hass.
Warum dieses Grauen,
das Herzen zerfraß.

Sie werden nie wieder
aufrichtig sein.
Niedergemetzelt zu werden
macht ja so klein.

Der einzige Weg
aus Feld und Beschuss
ist für Frauen und Kinder,
zu gehn ohne Gruß.

Und wieder mal wurde die Welt kalt belogen,
von einem Diktator, der wahnsinnig ist.
Und sie rannten um nichts als ihr Leben,
um dem Rest ihrer Kraft Mut zu geben.

Sie flüchteten schon,
Million um Million,
mit Hunger und Angst
und Not ohne Lohn.

Krieg, unvorstellbar,
nie wieder Krieg.
Diktatoren, die brüllen
erst Heil und dann Sieg.

Der Rest dieser Welt
hat’s vorher nicht geahnt,
dass ein Irrer wie der
neue Ordnung anbahnt.

Dass dieser Kaltblick
einen Ernst daraus macht,
darüber haben alle
schallend gelacht.

Und wieder mal wurde die Welt kalt belogen,
von einem Diktator, der wahnsinnig ist.
Und sie rannten um nichts als ihr Leben,
um dem Rest ihrer Kraft Mut zu geben.

Die treuen Vasallen
als Henker und Knecht
führ‘n aus die Befehle,
die der Eiskalte möcht‘.

Sie zielen auf alles,
was sich noch bewegt,
ohne jedes Gefühl
und unüberlegt.

Sie knallen alles ab
und halten fest drauf.
Ungerührt nehm‘n sie hunderte
Leichen in Kauf.

Sie bomben Theater
und Bahnhöfe zu.
Nein, dieser Schwachkopf,
der gibt keine Ruh.

Und wieder mal wurde die Welt kalt belogen,
von einem Diktator, der wahnsinnig ist.
Und sie rannten um nichts als ihr Leben,
um dem Rest ihrer Kraft Mut zu geben.

Was ist nur geschehn,
die Welt ist entsetzt,
dass so ein Kleinauge
den Frieden verletzt.

Sie haben ihn alle
völlig verkannt.
Den Mörder, der eintritt
für sein Vaterland.

Das glaubt er zumindest
in seiner Energie,
dass alle ihn brauchen
do dringlich wie nie.

Er hat nicht nur Europa
den Dolchstoß verpasst,
die Wirtschaft am Arsch
und nun wird er geschasst.

Jetzt liegt er brach
und ist isoliert.
Doch hoch ist der Preis
und die Welt abgeschmiert.

Denn wieder mal wurde die Welt kalt belogen,
von einem Diktator, der wahnsinnig ist.
Und sie rannten um nichts als ihr Leben,
um dem Rest ihrer Kraft Mut zu geben.

Wer bitte wer
ist jetzt bereit,
dem Schweins-Hund zu geben
sein letztes Geleit.

Wer rammt ihn jetzt
in die Erde hinein
und wer hat den Mumm,
tief zu buddeln ein.

Wer gibt dem Arschloch
den Trittt ins Geläut
und voll in die Eier,
die niemandes Freud.

So würde ich sagen,
wenn man mich ließ.
Ich würde es wagen
aus Rache, so süß.

So weit ging‘ ich gerne
nach Russland – so weit
Frei nach Hannes Wader:
ES IST AN DER ZEIT.

*

ALFA die 15. im Terzo Mondo

© Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Pushback

Von Ellen Marion Maybell

Pushback.
Husch, husch,
husch, husch, husch – weg.
Weg mit euch,
husch, husch,
weg mit dem Dreck.

Husch, husch,
das klingt so süß und so fein,
meint aber: verpisst euch,
ihr kommt hier nicht rein.

Ruckzuck zurück
auf das weite Meer.
Von wo ihr gekommen
und kamet hierher.

Was kamt ihr mit Bötchen
aus Gummi so voll.
Ihr Dummi-Genötchen
wisst nicht, was das soll.

Ab in die Puschen
und puscht euch zack ab.
Wollt ihr wohl, Luschen,
sonst machen wir knapp

euch eine HALT-STOP
Schilder-Aktion.
Und die ist kein FLOP,
das wisst ihr doch schon.

Oder hat euch sowas
keiner gesagt.
Oder hat euer Anwalt
dagegen geklagt.

Mal eben so huschen
nach ner Bootsfahrt an Land,
das euch nicht gehört,
auch kein SWIMMING zum Strand.

Wir sind doch kein Schwimmbad,
wir sind kein auch Pool.
Klingt schlimm, in der Tat,
doch da bleiben wir cool.

Wehe, es tritt
nur ein einer mit Fuß
auf unser Gestade,
dann machen wir Schluss

mit eurer „ver-flüchtigten“
Einreisigkeit
mit der uns berüchtigten
Eingleisigkeit.

Da sind wir sehr willig.
Da bleiben wir hart.
Mit Human of rights.
wird mächtig gespart.

Macht’s euch doch gemütlich
in eurer Heimat da draus’.
Da sind wir nicht gütlich.
Wir schmeißen euch raus.

Natürlich nicht raus,
nein, gar nicht erst rein.
REFFE-REF-JUTSCHIS,
das muss doch nicht sein.

Wenn alle meinen,
es geh‘ ihnen schlecht.
Bei uns geht’s noch schlechter.
Wenn ihr hier seid, erst recht.

Woll’n damit sagen,
wenn ihr würdet sein hier.
Also ab und PUSHBACK.
Ver-CLOSED ist die Tür.

Ja, so geht’s HUSCH.
Auf NEVER-Zurück.
Versucht doch den KICK-PUSH
zu Hause im Glück.

Also, weg mit euch, weg,
ohne Comeback.
Beim nächsten RETURN
gibt’s wieder PUSHBACK.

*

ALFA die 15. im Terzo Mondo

© Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Echo der Sehnsucht

Von Sandra Engelbrecht

Wenn weisse Federn vom Himmel schweben
und das Echo der Stadt ruht.
Die Eiskristalle meine Kapillaren zukleben,
nach Ruanda zurück will ich, doch fehlt der Mut.

Das Echo der Stadt ruht.
Meine Wurzeln weder hier noch dort.
Pocht in mir das Verlangen, nach einem lächelnden Ort.

Verkümmerte Wurzeln hier und dort,
die Sehnsucht im Herzen dann schwillt.
Nach einem behaglichen Nest ganz still.

Die Sehnsucht im Herzen, ein klaffender Schmerz,
bis ein Mensch schenkt mir ein nettes Wort.
Versüsst mit Lächeln ohne bitteren Scherz.
Dann weiss ich: Hier könnte sein mein Ort.

Die Sehnsucht nach Dir,
liegend im Sternenmeer,
schlummert fernab von hier,
zubetoniert vom Soldatenheer.

Gar selig eingebettet hier das Leben.
Wenn weisse Federn vom Himmel schweben.

*

© 2022 Sandra Engelbrecht
Alle Rechte vorbehalten

http://www.engelbrecht.li

#Insta-Chick#

Von Sandra Engelbrecht

Brillant sei ich, twittern die Meisten.
Purer Abschaum, keifen die Dreisten.
Wie grell entfaltet sich mein Anderssein.

So selbstverloren im Grunde,
sitze ich hier in einsamer Runde.
Der Zweifel schenkt mir ein: Glas um Glas roten Wein.

Und öffnet sich mir dabei eine Pforte,
frage ich: Verbreite ich die wahren Worte?
Oder bin ich entstiegen einem Gruselbuch?

Vielleicht irrt sich mein Kopf, der stets so Weise.
Vielleicht verwehen meine Töne still und leise,
wie ein blass flatterndes Leichentuch.

Prostituiere mein Leben für Insta-Chick,
versteht doch, ich brauch‘ jeden einz’gen Klick.
Und wenn’s sein muss, geh ich auch mit nem Nashorn saufen.

Bin die Eintagsfliege in eurem Flashback.
Sollt ich nicht die Finger lassen vom Hashtag?
Lautlos im dichten Nebel untertauchen?

Werd ich nicht abgelöst von einem neuen Stern?
Bald schon daumt‘ hoch man mich nicht mehr gern.
Kein Fähnchen im Wind wird sich nach mir drehen.

Auf TikTok hab ich abgestunken.
Bis zum Halse in der Scham versunken,
Amygdala krümmte sich vor Eröffnungswehen.

Mich vom synthetischen Fangnetz entmagnetisieren.
Trieb mich dazu einen Sitz im Nachtzug nach Berlin zu reservieren.
Freund, schenk mir ein,
ein weiteres Glas Rotwein!

In meinem Kopf klebt eine Prothese,
die mir blockiert die algorithmische Synthese.
Mein Hirn dampft wie eine Lokomotive.

Und da krieg ich auch schon den Kick,
für den nächsten Shot auf Insta-Chick.
Die Promille zwingen mich in die Offensive.

Die Lippen geschürzt, der Ausschnitt rutscht tief,
weg mit phlegmatischem Alltagsmief,
post ich ein Selfie von Charly and me.

Anmerkung: Charly ist ein Wellensittich im Nilpferd-Kostüm. Mein Sitznachbar, im Nachtzug nach Berlin.

*

© 2022 Sandra Engelbrecht
Alle Rechte vorbehalten

http://www.engelbrecht.li

Ode an den Löwenzahn

Von Hans Peter Flückiger

Du bist stets einer der Ersten
der frühjahrs zu spriessen beginnt.
Auf Wiesen und an Wegrändern,
aus Mauerritzen und zwischen Pflastersteinen
streckst du dein goldenes Haupt empor,
gemeiner Löwenzahn

Du gefällst nicht nur,
vielen schmeckst du auch.
Du sollst eine wahre Vitaminbombe sein,
und reich an Eisen und Magnesium,
Du bist ein wahres Zauberkraut,
gesunder Löwenzahn.

Alle mögen dich aber nicht.
Du machst dich gerne breit,
sollst Mitpflanzen be- und gar verdrängen.
Was dich nicht schert.
Im Juni fliegst du davon, als
lustige Pusteblume.

*

© 2022 Hans Peter Flückiger
Alle Rechte vorbehalten

http://www.geschichten-gegen-langeweile.com

Krähen füttern im Schnee

Von Hans Peter Flückiger

Wollt ihr oder wollt ihr nicht?
Errötet ist des Jungen Angesicht.
Eine will, heischend sie krächzt,
während eine and’re sich ziert
und die Dritte von dannen fliegt.

Dann lasst es sein.
Und du komm, alles ist dein.

Allen Krähen recht getan,
ist eine Kunst, die niemand kann.

*

© 2022 Hans Peter Flückiger
Alle Rechte vorbehalten

Quelle Bild: Gemälde Vögel fütternder Knabe, 1942
Hans Jauslin, 1909-1958, Josef Müller-Stiftung 1977
Kunstmuseum Solothurn

http://www.geschichten-gegen-langeweile.com