Rote Sterne

Von Valérie Baum

Der Tag der einsam und im Grau verrinnt
Schlägt in dem wunden Herzen eine Wunde
So wie ein schlurfender Wurm vergeht die Stunde
Wenn Freundes Freunde nicht beisammen sind

Das Jahr ist neu, der Tag schon alt mit Bart
In allem webt der Sinn der Traurigkeit
In einem Wipfel eine Dohle schreit
Die Schneefrau ist von selten edler Art

In großen Fenstern kleine Sterne glühen
Man hat gehofft die Seele zu erfreuen
Die Sterne in dem trüben Inneren vergehen

Mensch liebt die Sterne doch bei Nacht von Neuem
Und möchte sie als kleinen Spiegel sehen
Als Zeichen der Lebendigkeit im Treuen

© 2021 Valérie Baum
Alle Rechte vorbehalten

Heimkehr – Zwei Gedichte

Von Suzana Garic

Den Arunachala hinauf die Höhe,
wie die Knospen
reifer Blüten
fällt mein Ich ab.
Es ist an der Zeit,
nach Hause zu gehen.

Die Angst des Nichtfindens
bin ich nicht,

die Erschöpfung des Suchens
bin ich nicht,

die Freude des Findens
bin ich nicht.

Das Ich verliert an Bedeutung,
die Geräusche hörend
still ist der Wald.

*

Nach dem Moment,
wenn ich Dich in mir erkenne,
gibt es nur das was ich selber gebe.
Der Durst legt sich,
wenn ich mir erlaube
an Deiner Quelle zu trinken,
bis ich freudetrunken
nie mehr aufhöre
an meiner Seele Rast zu nehmen.

*

(Aus dem Gedichtband: HEIMKEHR – Fußspuren einer Reise nach Indien)

© 2021 Suzana Garic
Alle Rechte vorbehalten

Corona-Zeit

Von Monika Schotsch

Schonungslos!
So ist dieses Jetzt.
Was ist das Bild,
wie ist es gesetzt?

Gnadenlos!
So ist diese Zeit.
Was ist der Sinn,
was hält sie bereit?

Rücksichtslos!
So ist diese Tat.
Was ist der Grund,
woher kommt die Saat?

Herzenslos!
So ist diese Welt.
Was ist der Kitt,
der zusammenhält?

Liebevoll:
So sollen Menschen,
ab jetzt leben,
mit Konsequenzen!

Freudevoll:
So soll die Erde,
für dich und mich,
für alle werden!

© 2021 Monika Schotsch
Alle Rechte vorbehalten

Dieses Gedicht wurde vom Musiker Heiko Stöckelmaier professionell vertont: https://www.schotsch.de/downloads.d/Corona-Zeit

WinterWeißePracht

Von Monika Schotsch

Die Welt erwacht
in weißer Pracht,
Zeigt sich in ihrer Schönheit.

Ein Mäntelein:
So rein, so fein,
ist ihre Garderobe.

Ein Hauch von Weiß,
ein Klang von Leis‘ –
so will sie uns betören.

Sie glänzt und gleißt!
Frieden verheißt
die Schönheit und die Wonne.

Sie macht uns Mut,
bedeckt das Blut,
das andre hinterließen!

Gebt auf sie Acht,
bewahrt die Pracht:
’ne andre wird’s nicht geben!

© Monika Schotsch, 2021
Alle Rechte vorbehalten
(Text & Bild)

Zwei Gedichte

Von Peter Lexa

di., 6.4.10, 19:45, berlin-wedding via reinickendorf

zu ende!
versunken im orange
des abendhimmels
über’n wedding

die wände
um dich
sind zu dick

in mei’m bauch:
ein sorgfältig
geknüpfter
strick

*

ich bin so blau und pleite
ein blatt fällt in den see
ein kohlenschlepper fährt vorbei

komm nicht in meine näh‘
ich blute

© 2021 Peter Lexa
Alle Rechte vorbehalten

Am Arsch

Von Burkhard Bartsch

Am Arsch sind die Raketen blau
Und abends wieder heiter.
Er denkt so laut stillschweigt
Und vollends wieder weiter.

Rennt und rennt zum Horizont
Und kommt doch nirgends an.
Und schimpft und tobt gen Himmel
Verflucht sei dies Gewimmel.

Er weiß so viel und doch so wenig.
Er nimmt sein Buch, die Lupe her.
Dazu sein Fernrohr, Laptop und dergleichen
Da kann ihm nichts entweichen.

Er liebt die Stille und den Lärm
Am liebsten seinen Schmerz.
Er kann nicht mehr und will nicht mehr
Zu groß die Wucht in seinem Herz.

Der Unverstand von ihm und ihr
Das kann er nicht verknusen.
Drum will er fort von diesem Ort
Rasch weg vom Ostseebusen.

Verborgen eilends tief zum Sieg
Ins volle Meer das Blaue lief.
Vorbei das Ruckeln, Zuckeln ohne Sinn
Das Starten wie gewohnt – er schwieg.

© 2021 Burkhard Bartsch
Alle Rechte vorbehalten

Doktorvater

Von Ellen Marion Maybell

Na klar hat der Doktorvater
eine Doktormutter.
Die, die ihn gebar,
auch wenn er damals längst noch nicht
einer werden würde oder war.
Sonst wär er da nicht und nicht wahr.
Und auch nicht ohne Herrnbesuch
so nebenbei – was da geschah.
Und wenn da nichts geschehen wär,
wär er bei Fuß nicht und GEWEHR,
nicht im Gemetzel des Gebär.
Einst wohnte ihr ja einer bei,
der Doktormutter,
so kam’s ihr, glatt wie Butter,
erst der Schreihals, dann’s Geschrei.

Und dass er Doktor werden täte,
wer wusst das schon, du meine Gäte.
Hätt auch könn‘ sein Fliesenleger
oder gar ein Schürzenjäger
oder eine Depressiva,
schwer im Hang zur Fummel-Diva.
Zu komm‘ zu Ruhm und Titel-Ehre,
bleibt immer elitär
und immer nur das Ungefähre.

Ist immer Ungewisslichkeit
in dieser Uneinsichtlichkeit.
Gibt nie ne Abgesehbarkeit,
trotz altgeklug karrier-gescheit.
Erst mal nur ein Hosenscheißer
und Nervzermürber, Wadenbeißer.

Vielleicht ein Kringel-Lock-Gelockter.
Ein Dummsen-Bub, von wegen Doktor.
Ob seine Mutter einen hatte.
Man weiß es nicht.
Doch eins gewiss.
Sie hatte – Latte.

Gehalten von den Mutterbändern.
Väter können dran nix ändern.
Die halten rein und halten drauf,
so nimmt der Zell-Teil seinen Lauf.
Nur müssen wir das ändern.
Wir brauchen auch die Doktormütter,
um Rahm zu schöpfen in dem Glütter.
Und dieser heißt: die Pflicht zu GENDERN.

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Manege uff

Von Ellen Marion Maybell

Also dann,
ihr Sextanten und Textanten.
Manege uff.
Und feste druff.
Uff de Sägespäne.
Es geht rund,
die Blätter fliegen.
Nur kullert manche Kullerträne.
Grad denen,
die im Staube liegen,
wie nem alten steifen Hund.

Dem der Schweiß schon aus der Rute
tropft wie Blei. Das ist das Gute.
Denn es klatscht nicht eine Sau,
weil keine da ist. Ganz genau.

Solitär und leer vor Rängen
tun sich schwer die Wörtlein drängen
in die Watscheln, die nix hören.
So kann die kein Wort nicht stören.

Keine Bremse zischt ein BUH,
kein Ochs, kein Brüllaff hört den Schmu,
den die Schreibser hier verrummsen.
Oh lustigs Vöglein, was für’n Bummsen.

Feste uff’s Papier Gekritzel.
Oh Worteskunst mit Spaß-Gewitzel,
dass dem Schwein die Schwarte kracht.
Ist doch schön, wenn keiner lacht.

Weil ja keine Sau dies checkt.
Und wenn, dann nur komplett verdeckt
als im Nicht-Sein im Ermitteln.
So kann man jeden Scheiß betiteln.

Mit dem Stoßgebet: Los DRUFF!
Also auf: MANEGE UFF.
Uff den ZIRKUS für die Texte…….
Zum KUCKEN nur, ach Gott, verflexte…….

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Alles für die Katz

Von Ellen Marion Maybell

Es ist doch alles nur für die Katz.
Und nur für die eine.
Und die ist auch noch meine.
Wenn Sie verstehn,
was ich meine.
Man hat eben immer
nur eine –
zu haben –
für lüsterne Gaben.
Wir lüsternen Knaben

Dabei will ich doch alle Katzen der Welt.
Weil mir einfach jede Katze gefällt.
Beim Streunen – in der Nacht.
In der Dunkelheit sind sie schnell
um die scharfen Krallen gebracht.
Dabei seh ich sie nicht so genau.
Bei Nacht sind alle Katzen grau

Passiert auch am TACH,
auch da wird es schwach,
das schwache Geschlecht.
Na, mir ist es recht.

Und dann woll’n die auch
wieder nur die EINE – sein.
Scheiß auf die Königin.
Da sage ich: NÖ.
Da sage ich NEIN.

Die hab ich ja schon, die Eine.
Wenn Sie schon wieder mal verstehn,
was ich so meine.

Und der schleuder ich
mein ganzes Innenleben
raus.
Oder besser: rein.
Und was sagt die Kleine, die eine, die meine.
Das Übliche: NEIN.
Kannste vergessen.
Du kommst mir nicht mehr aus dem Haus.
Zu Haus wird gegessen.

Wir Rumpelheinis
wollten ja ständig immer nur das EINE.
Na ja, Sie verstehn schon wieder,
was ich so meine.
Da ist man doch besser
gleich ganz alleine.
Ist doch alles Scheibenkleister.
Immer diese Lockungen
für uns Überrumpler,
Aufreißer- Meister.

Ich bin ja zu allem bereit.
Ja gut. Auch zu zweit.
Ich bin eh nicht gescheit.
Aber ständig diese Stoßseufzer
und diiiiiiiiese Müdigkeit.
Lange her – das Fell weit und breit.
Und zu allem bereit.
Getrenntes KATERKLO.
Ehe-Gedöns – WATER-LOO.
Was für ne Ewigkeit.

Mann, war die am Anfang scharf.
Ging ihr in die Falle.
Heute zeigt sie mir die Kralle
und faucht, dass ich nicht darf.

Nennt mich MICKER.
Und sie – Micker-Gräne
Was hatte die früher für Sammetpfoten
und – nota bene – sonne Beene.

Hätte auch keine Lust mehr
aufen großen Wurf.
Doch Kurven soll ich nicht kratzen.
Mensch, da könnste doch platzen.
Überdimensionierte Rolligkeit – Gottchen – schlurf.

Diese Knuffel-Knall-Charge.
Nix mehr drin in der Marge.
Nennt mich schnurrend
umstreichend: Schatz.
Heuchel-Trina.
Es ist doch alles nur für die Katz.

Die treiben einen doch um die Ecken
zum Lümmel-Verstecken.
Zum Trauma-Verschleudern.
Wie und wo und wann soll man denn – bitte –
seinen Stau-Raum
angestaut und
bis zum Ranzen versaut
anders vergeudern.

Nur an die richtige Eine?
Ja, ja, ich denk schon,
Sie verstehn,
was ich meine.

Jetzt kucken Sie doch nicht so entsetzt.
Wissen Sie denn immer,
wo Ihr EINER rumhängt
und sich die Tüte abwetzt……..

…hab ich gerne gemacht……
gerne gepetzt…..

© 2021 Ellen Marion Maybell
Alle Rechte vorbehalten

Drei Gedichte

Von blume

vexieren

such dir eine scheibe aus schicht um schicht
uebereinandergelagerten lebensgeschichten
mit dem richtigen licht durch alle hindurch
siehst du vielleicht eine art von verbindung
oder den roten faden einer spannungskurve
die erklaerung warum die ganzen menschen
dir blosz noch als ein einziger vorkommen
der praktisch zur gleichen zeit an mehreren
orten das gleiche beziehungs=weise anderes
erledigen kann ohne sich dabei zu verlieren
zumindest nicht sich seinen facetten jedoch
geht er wohl immer wieder verloren daher
suchst du ihn nun in jeder scheibe schicht &
merkst kaum wie die welt dich dir verschiebt

(blume 11/2020)

initium e(s)t finis terrae

lord ich werde weniger sein wenn du da bist simmernd
in der schwimmfluessigkeit die ersten phasen des babies
uebereinandergeschichtet abrufbereit lauernd auf exitus
nein auf exkursionen den bruch mit jener materia prima
von der alle erzaehlen aber gesehen haben will sie keiner
diese fahle eierschale aus der etwas nach innen schluepft
eine umgekehrte schlange vielleicht die ihren jadekoerper
abgestreift hat wie ein silbern schimmernder wer-mensch
dem seine eingefalteten haeute das gehirn bilden muessen
als versteinerung eines labyrinths aus ur-uralten alabaster-
traeumen jage ich den mondsonnen nie wieder hinterher

(blume 10/2020)

mut zu luecken

ein schnitt in die fruchtblase einer traechtigen kuh
bedeutet weltende fuer ein kaelbchen dessen leben
nicht auf den eigenen beinen steht quasi apokalypse
sofern dieser ausdruck individueen & gar noch tiere
beruecksichtigt & deshalb lieber mal etwas halblang
machen wir uns denn nichts vor wenn wir annehmen
wir existieren in einer art phase die unsren untergang
anvisiert vielleicht naemlich stecken wir laengst drin
& das licht am ende des dunkels unserer supermisere
waere das wunder das sich seit langem niemand mehr
auszusprechen wagt die heilung von allen starallueren
vom egowahn & vom konsumterror & von uns selbst

(blume 09/2020)

© 2021 blume
Alle Rechte vorbehalten