Die Party bei Zeus

Von Pawel Markiewicz

Der Titel des Minidramas: Die Party bei Zeus. Die neue Mythologie
Art/Gattung: das kleine lyrische Zauberdrama

Personen im Stück/ Personae:

Zeus
Achilles
Herkules
Dionysos
Apollon
Hera
Artemis
Aphrodite
Athene

Tiere im Stück/ Anima:

Hund Spaniel
Katze

Das Stück

Alles vollzieht sich in dem Zeus-Palast über Wolken. Die Wände sind kristallen, der Boden diamanten und die Decke aus den Rubinen. Der große Thron von Zeus liegt in der Mitte. Der Thron von Hera ist kleiner und liegt zur Linken von Zeus. Der Thron von Zeus ist der weiße Sessel, hingegen ist der Thron von Hera der schwarze kleinere Sessel. Der Thronsaal hat darüber hinaus zehn vorm Thron Zeus‘ stehende Stühle Gottesgästen zuliebe. Im Zentrum des Thronsaals gibt es auch den runden Wunder-Spiegel, durch den Hera Menschentaten auf Erden verfolgen kann. Ferner liegen: der bunte Teppich, der rote hölzerne Schrank mit den Gottesdokumenten (Darin wird auch das Essen für die beiden Tiere aufbewahrt). Bei den Füßen Zeus sitzt der Rassenhund, der schwarze Cockerspaniel. Bei den Füßen Heras sitzt die schwarze rätselhafte Katze. Vor den Thronen liegen drei Schüsseln für die Tiere. Die göttlichen Männer, und zwar: Achilles, Dionysos, Apoll sind da. Es fehlen anfangs der Szene die Frauen. Zeus hält in der linken Hand den angebissenen Apfel. In der Ecke steht obendrein der kleine Mülleimer. Auf dem Boden stehen Gläser mit dem halbtrockenen Wein.

Zeus

(der zwanzigjährige Mann mit den goldenen Haaren, er hat die Krone aus den künstlichen Adonisröschen (aus dem Kunststoff) und die blaue Robe als wäre er ein Wunderrichter, den Spaniel streichelnd )

Ihr seht wunderschön mir euren Höschen aus. Wo habt ihr sie gekauft?

Herkules

(der Braunhaarige im Alter von zwanzig Jahren, er ist halbnackt, trägt das blaue Höschen)

Athene hat uns allen sie auf einem Markt in Athen in Griechenland gekauft und verschenkt.

Hera

(die zwanzigjährige Brünette mit der roten Brille. Sie trägt das schwarze Kleid
als ginge sie in Trauer, die Katze berührend)

Meiner Meinung nach hat Poseidon ein schöneres Höschen, und zwar ein Badehöschen. Ein goldener Fisch hat es ihm genäht. Damit ist er willens, Sirenen zu locken und zu verführen.

Achilles

(der blonde Mann, der zwanzigjährige Gott, er ist entblößt, außer, dass er das rote Höschen trägt)

Darf ich dich, liebe Hera, mit meinem Zaubersaft, einem Getränk aus wilden Kräutern, verführen?
Dieser Sud wurde in Troja hergestellt. Die Abkochung riecht und schmeckt nach den Ewigkeiten und erweckt eine grenzenlose Liebe zur Menschheit, aber nicht zu Männern bzw. zu Göttern.

Zeus

(sagt laut, beinahe schreiend)

Ich bin auf meine Gattin eifersüchtig. Hera kommt hier nicht in Frage, umso mehr, als sie seit eh und je nicht lieben kann, sondern nur hasst. Der böse Hass trifft auf sie zu.

Apollon

(der zwanzigjährige Braunhaarige, halbnackt ebenfalls, er hat jedoch das gelbe Höschen)

Ich kann, Achilles, deinen Sud probieren, zumal ich mich nach der Liebe zur Menschheit sehne. Ich kann so wie du Herkules sein. Die Menschen lieben und helfen ihnen in Not.

Achilles

Leider ist meine Zauberabkochung nur für die Frauen, darunter die Göttinnen bestimmt. Bei Männern wirkt sie gar nicht.

Zeus

(den Apfel gebissen)

Wozu brauchen die Frauen dieses Elixier, lieber Achilles? Für alle gibt es doch die Ambrosia. Ich habe eine bildschöne Idee. Ich will das Lebenselixier an Piraten verkaufen, weil sie Gold haben und ich brauche es. Hera ist dagegen.

Hera

(sehr still, zärtlich zu ihrem Gatten)

Du Liebling Zeus! Gib das Futter, nämlich das Geflügelherzlein für den Spaniel, weil er hungrig ist. Das Essen liegt im Schrank.

Zeus

(den Apfel wieder beißend)

Tusse, füttere die Katze mit der Milch. Bitte.

Dionysos

(der Schwarzhaarige, mit zwanzig Jahren, er hat das grüne Höschen, er zittert vor Kälte, weil er halb entblößt ist und weil es hier in den Wolken stark weht)

Meine Herrschaften! Trinken wir besser Wein. Ich habe in meinem Keller in dem Haus in Sizilien nur die edelsten Weinflaschen gefunden, geholt und eingedenk unserer heutigen Party mitgenommen. Wenn ich vom Wein trunken bin, entstehen in meinem Herzen nur die schönsten Geistträume. Der Seelengeist zerbricht alle Scherben der Seele und fliegt ins Jenseits hinein.

Zeus

(froh und lächelnd, er wirf gerade seinen Apfelgriebs in den Mülleimer weg)

Trinkt also. Das Prosit auf meine lieben Gäste.

(verträumt)

Ich werde nichts trinken, denn ich bin schlechthin trunken von schönen, bildschönen, wunderschönen, himmelsschönen wie engelsschönen Gedichten, die mir Apoll jeden Tag per E-Mails zu schicken pflegt. An Apoll denkend, denke ich stets nur an die schönsten Dinge der Wunderwelt, in der wir leben.

Hera

(ironisch)

Sei nicht so sensibel! Du scheinst ein Schlappschwanz zu sein. Der Herr der Götter soll stark und nicht so melancholisch sein.

Zeus

(glückstränenüberströmt)

In apollinischen Gedichten finde ich doch eine volle Melancholie, die mein Gottesdasein vorantreibt. Wirst du mir, Apoll, durch die Ewigkeiten in deinen E-Mails Gedichte senden, oder kürzer?

Apollon

(ganz traurig)

Heute ist ein Schluss mit den Einsendungen von Gedichten. Ich habe persönliche Probleme. Ich habe alle meine alten Musen endgültig feuern müssen, denn sie haben mich auf Zureden der boshaften und bösartigen Nachtvögel hin für zehn Packungen Schinkenchips verraten, indem sie mein Zauberspruchsbüchlein ihnen weggegeben haben. Ich habe gestern zehn neue Musen angestellt. Ich muss sie ständig beaufsichtigen, außer, wenn ich schlafe. Deswegen habe ich keine Zeit mehr, neue Gedichte zu schaffen und Dir, ehrbarer Zeus, zu senden.

Hera

(boshaft lächelnd)

Weshalb bist du, Herkules, so wortkarg? Wir haben doch eine Party. Wir sollten reden, lachen und trinken. Ich habe eine Bitte an dich. Prahl mit deinen neuesten herkulischen Aufgaben, die du innerhalb des letzten Monats gemacht hast.

Herkules

(zufrieden, aber schüchtern)

Ich habe um einer Athenenbitte willen einen wunderschönen Diamanten im Ätna gefunden und geholt. Dies war verbunden mit Verhandlungen mit lila Vulkangeistern, die ein Geheimnis den versteckten Diamanten betreffend hüteten. Ferner war ich behilflich bei einem Ringeln der heiligen Wundereulen von Athene in dem Zauberhain in Deutschland. Darüber hinaus habe ich mit einem schrecklichen Vampir aus Siebenbürgen gekämpft und ihn besiegt. Mir graut vor dieser Geschichte, immer wenn ich daran denke. Eben diese Geschichte meines Entsetzens halber gilt zu verschweigen. Zur Zeit arbeite ich als Falkner.

Hera

(das Katzenfell streichelnd, hernach putzt sie mit einem Lappen die von der Katze verschüttete Milch)

Super!. Du hast schöne Sachen gemacht, sodass meine Seele voller milder Wonnen und Phönix-Berührungen ist. Dabei schweben im Geist in mir verträumte Funken der Zauberei, die man eine Ewigkeit nennt.

Dionysos

(mischt mit, sagt stolz und deutlich zu Zeus)

Es ist schade, dass deine Tiere sterblich sind. Hier kann doch die Ambrosia keinesfalls bei Tieren helfen. Soviel ich weiß, möchte Poseidon das Lebenselixier verfeinern, damit sich seine Wirkung auf Tiere bezieht. Zu diesem Zweck kaufte er sich viele Tange, um daraufhin ihren Saft auszupressen. Er mischt diesen Saft mit der Ambrosia. Seien Sie also guter Dinge.

Zeus

(gähnend)

Ich bin gespannt, wo die anderen Gäste, und zwar die Göttinnen: Athene, Artemis und Aphrodite sind.

Hera

(tief atmend und die Milch der Katze in die Schüssel schüttend)

Ich schaue gleich auf meinen Wunderspiegel, den nur die Wahrheit dieser Welt zeigt.

(sie geht zum Spiegel hinüber, hinkend, und schaut zu)

Sie sagte zu allen. Nun fliegen Sie herbei. Fahrer der drei Göttinnen sind stolze, riesige Kraniche des Ibykus.
Achilles

(er hat geniest, ist mutig, er kommt zu Hera, die Katze berührend)

Und warum hinkst du auf dem linken Bein, Hera?

Zeus

(den Cockerspaniel berührend)

Das weiß ich auch nicht! Das wüsste ich gerne.

Hera

Ich leide an Rheuma. Die Ambrosia hilft gerne bei Seelensachen, vielmehr nicht beim Körper.
Obendrein hätte ich nicht so viel morgens laufen sollen!

Dionysos

(keuchend und hustend krankheitshalber)

Ja, richtig. Allerdings sind wir dem Lebenselixier zuliebe jung und ewig. Unsere Gedanken sind dabei
jung, Träume lebendig und ewigkeitsschön, als ob sie im Zauberherz eines ibikus’schen Kranichs entstünden. Dank der Ambrosia sind Gefühle ehrbar und schön so wie eine Sumpfdotterblume vor dem Athenenaltar in ihrem magischen Tempel im Bayerischen Wald oder ein Schneeglöckchen im Artemishain im Harz.

Die Kraniche mit drei Göttinnen sind herbeigeflogen. Sie steigen aus. Die drei sind zwanzig Jahre alt, haben in schwarz gemalte lange Haare, sind fast nackt. Artemis trägt das rote Höschen und den roten Büstenhalter. Aphrodite hat das gelbe Höschen und den gelben Büstenhalter, dagegen Athene – das grüne Höschen und den grünen Büstenhalter.

Artemis

Servus alle. Wir sind endlich angekommen. Die Reise dauerte lange. Hier zwischen den Wolken ist es kalt.

Aphrodite

Nicht so kalt. Die Sonne wärmt besser als unten und erhellt unsere schönen, zauberhaften Gottesseelen.

Athene

Lieber Zeus. Wir, drei, geben dir heute anlässlich der Party viele frische Schneerosen deinethalben. Du kannst eine Krone daraus machen.
Hera

(sie ist wütend und schreit, sie treibt die Katze im Zorn weg)

Ihr seid allzu blöd!!! Warum habt ihr frische Blumen getragen? In diesem Haus werden keine Blumen akzeptiert! Ihr wisst das genau. Ich und Zeus, meinetwegen, dulden sie gar nicht. Ich hasse jede Blume. Pfui! Außerdem bedient sich Zeus nur der Krone aus Kunststoff.

Artemis

(sie flüstert Apoll ins Ohr)

Hera ist das schlimmste Wesen der Welt und eine Schlange. Jeder Mensch und jeder Gott mag das Schöne demnach alle Blumen. Sie sind immer schön wie ein Zeustempel auf Erden.

Hera

(Artemis gehört)

Sei still. Du Schurkin! Lass mich in Ruhe. Du solltest nichts Schlimmes sagen. Ich sage dir Wahrheit. Mir bleibt etwas in Erinnerung. Du, Artemis, und diese Tussi Aphrodite, ihr seid Schlangen!. Meine Freundin Pythia hat mir per Handy tränenüberströmt erzählt, dass ihr sie während eines Orakelfests beleidigt habt. Sie sagten, dass Pythia eine Lügnerin ist und ihre Prophezeiungen total falsch sind. Jeder verkündet dies lauthals.

Dionysos

Bitte, lebt ihr besser im Frieden, anstatt in Zwietracht zu leben. Gerne kann ich euch den Wein in Gläser einschenken. Alkohol trinkend vermögt ihr eure Streitigkeiten zu vergessen.

(der Gott schenkt den Wein ein)

Aphrodite

(böse auf Hera, nickt zu Artemis)

Hera nennt uns: Schurkin und Tussi. Du Hera bist wahrlich eine aufgedonnerte Tussi.

Aphrodite kommt zu Hera mit Wein. Sie verschüttet Wein aufs schwarze Kleid Heras.
Hierauf kommt auch Artemis und verschüttet Wein auf die Haare Heras.

Hera

(sie weint und schreit lauthals)

Um Himmels willen. Zeus du sollst diesmal donnern!. Du musst jetzt sowohl Artemis als auch Aphrodite bestrafen. Die Flecken lassen sich nicht aus dem Kleid auswaschen.

Zeus

(vielmehr böse)

Ok. Ich habe aber keine Ideen, wie man zwei Frauen bestrafen kann. Deswegen ersinnt, Apoll und Athene, ein passendes, geeignetes Strafmittel für die beiden.

Athene

(etwas verwirrt)

Meiner Ansicht nach sollen sich die beiden bei Hera für ihre Taten einfach entschuldigen. Eine mündliche Entschuldigung würde hierher passen.

Apollon

Nein, dem stimme ich nicht zu. Das wäre zu wenig, zumal der Gattin von Zeus ein Schaden zugefügt worden ist. Ich kenne eine Beispielsstrafe. Artemis und Aphrodite. Ihr sollt ein Lobgedicht zu Ehren von Hera schaffen. Jede schreibt und liest sechs Verse, sodass das ganze Werk zwölfzeilig sein wird. Ihr habt fünf Minuten Zeit.
Hera

Leider können Gedichte mich nicht zufriedenstellen!

Zeus

Du sollst Gedichte lesen oder hören. Hera. Die Lyrik heilt Seelen. Und deine Seele ist mir seit langem fremd, deine Gefühle sind entlegen.

Dionysos

(er schaukelt angeheitert)

Trinkt alle den guten Wein! Ha, ha. Ich sage nun schöne Reime: Mit dem guten Wein werden Träume fein. Wir trinken den besten Sud, das rote Getränk schmeckt völlig gut!

Danach geschieht eine kleine Pause im Drama. Die Akteure gehen aus der Szene ab. Dies dauert fünf Minuten Zeit, bis sie wieder ankommen.

Artemis

(liest vom Zettel)

Liebe Hera. Meine Verse sind folgend:

Hera träumt immer am schönsten
ihr Freund ist ein guter Stern
ihre Gefühle sind nicht fern
sie streichelte ein Zauberross
sie liebt ein märchenhaftes Engelmoos
ihr Zauber ist demnach groß

Aphrodite

(liest vom Zettel ebenfalls)

Dagegen lautet mein Gedicht so:

Hera liebt eine Schar der Silbervögel
so wunderbar sind ihre Dichtungsflügel
sie folgt einem magischen Wolfsrudel
ihre Blut riecht nach den Ewigkeiten
sie spürt die Sehnsuchtszauberzeiten
sie baute einen Tempel aus vielerlei Steinen

Hera

Super! Toll! Eure Gedichte finde ich wunderbar. Sie zeigen die echte Zauberei der Schönheit. Sie veredeln meine Seele und berühren mein Herz ganz und gar. Sie erwecken die Lyriksehnsucht. Ich verzeihe euch: Artemis und Aphrodite. Jeder von euch, allen, soll sich in vier kurzen Sätzen zu den Gedichten äußern. Mein Gatte, du bist dran.

Zeus

In den Gedichten finde ich eine Erfüllung. Sie sind voller Melancholie. Sie sind froh. In den Gedichten herrscht Frieden.

Achilles

Diese Verse sind gefühlvoll schlechthin. Sie reimen sich wunderbar. Die Worte verzaubern jeden. Sie zeigen eine innere Kraft.

Herkules

Die Gedichte gebären die schönsten Erinnerungen in mir. Sie wecken schlafende Träume. Sie überraschen mich. Sie zeigen eine Poesiekraft, die ewig ist.

Dionysos

Die Gedichte haben in sich ein Fernweh und eine Offenbarung der Gefühlszeiten. Sie wecken tausend Musen. Sie tragen meine Seele ins dichterische Jenseits hinein. Sie beschreiben die Sehnsucht als Sonnenschein.

Apollon

Die Gedichte beinhalten Begriffe aus der Gefühlswelt. Ich finde das Glück in den Worten. Meine Seele ist befreit. Diese Dichtkunst löst meine Freiheit aus.

Athene

Die Verse sind gut ersonnen. Es herrscht ein echter Lyrikgeist. Die Gedichte beschleunigen mein Herzschlagen. Das Lobgedicht ist eines der besten Gedichte der magischen Welt.

Alle Personen

(sie schreien gleichzeitig)

Es leben Zeus und Hera! Es leben die Halbnackten!

Zeus zieht sich halb nackt aus, sodass er bloß das schwarze Höschen hat. Alle Stückpersonen verbeugen sich bis zur Erde. Das Lied von Nicole: „Allein in Griechenland“ erklingt im ganzen Theater.

*

© 2022 Pawel Markiewicz
Alle Rechte vorbehalten

Das Nibelungendrama

Von Pawel Markiewicz

Helden:

Paul

Hund

Anmutsgeist

Hagen

Der lyrische Prolog

Paul: ich war in der Therme Bogacs wieder da

himmlische Gedanken so druidenhaft

es gab zwar einen Herbstmond jedoch herbstete es kaum

in dem Wasser fand ich den schönen Ewigkeitstraum

er hat mich zum Schaffen des Dramas bewogen

vom Helden Hagen aus Nibelungensagen

Der Monolog

Paul: Wehe mir und jedem, weil ich und jedermann keinen schönen Urträumen folgen.

Wir folgen nur niedlichen Träumen von heute, die stets unsre Seelen verzaubern.

Erster Spaziergang mit dem Zauberhund nebst Bogacs´ Feldern vorm Spuk

Hund: Servus dir, mein verträumter Freund, wir brauchen unsere Heimat.

Paul: Ja, sie bleibt also immerdar in Hagens Schwermutszauberzeit.

Paul: Ich will einen Bogacs-Wein holen.

Hund: Es beginnt verzaubert zu regnen.

Paul. Der Wein – als wäre er Burgunder Zaubersud.

Hund: Der Regen hat mich mit Hunnenkraft berührt.

Das Baden im Regen

Paul: Schau du Geist des Herbstes, Tropen wie Hagenzähre im Abendrot,

als ob er wieder Sigfried töten würde, im zarten Morgenrot.

Anmutsgeist: Spür, es fällt ein Regen der verträumten Kriemhild

vom mit der Sternschnuppenglut erfülltem Gewölk.

Spaziergang – Gassigang durch den Park

Hund: Ich träumte nicht in der Nacht und schlief nicht ein,

es spukte mir Hagen, er war hellauf fein.

Paul: Und was hat er dir erzählt, von seiniger Heimat?

Hund: Er druidenvoll – als ein Himmelsträumer, verprach,…

Paus: Ich glaube an deine Schwermutsworte.

Hund: dass er uns den Nibelungenhort zeigt.

Der Spuk/ Die goldige Geistererscheinung– Szene senso stricto

unendlich schöne Gegenden um Bogacs, mal hügelig in der Ferne, mal ährenvoll trotz des Septembers

doch hienieden

es gibt sowieso einen langen ungarischen Sommer, es herbstelt in Pauls Seele und der Seele des Hundes

Hund: Diese Heimat kann jedermann verzaubern.

Paul: Die Blume kann meine Seele vergolden.

Ein leises Geräusch hinter Gebüschen nach einem Vogelgezwitscher, der zarte Spuk

Hagen: Ich bin ein silberhaariger Held sowie ein Engel.

Paul. Was willst du von uns, Wagehälsen und Träumern?

Hund: Ich kann dir mein Fellchen aus der Hundskrawatte geben.

Paul: Ich bin willig, dir etwas Thermalwasser zu geben.

Hagen: Jenes, was duftet nach seligen Veilchen und Röschen.

Hagen holte aus seiner Tasche einen Spiegel, den Zauberspiegel, durch den eine geheimnisvolle Höhle in Hygna in Tirol gesehen werden kann.

Hagen: Durch den Spiegel können Sie einen Weg zum Nibelungenhort erkennen.

Paul: Wir bräuchten keine Schätze, die durch Sünden unsere Seelen trüben.

Hund: Richtig, keinen Schatz, unser Schatz ist die Heroik aus Nixenwelten.

Hagen: Da Sie meinen Schatz nicht möchten, wird mein Bann damit gebrochen.

Ich kann wieder ins Jenseits von Zaubergefühlen kommen und muss nicht mehr fernen Urwind im

Hadeswasser spüren.

Dieser Hadesfluss ist kalt, nicht warm wie Ihrige Thermen.

Da Sie wegen Ihrer Gutmütigkeit sanft-melancholisch und hunnenvoll-süßlich lodern,

werde ich die Sage vom Ursprung des Nibelungenhortes aus äolischer Traumglut erzählen.

Hund: Neben Ihrer Sage wünschte ich mir mit Zauber mehr philosophische Gestirne.

Paul: Nebst dieser möchte ich vielerlei fünkleinvolle Lyrikwege in Daseinswonnen.

Dann kommen drei Sagen von Hagen, Paul, wie Paul und Hund zugleich

Sage von Hagen

Hagen: Siegfried war ein Mönch im Frühmittelalter der schönen Zeit,

der in der Schweiz lebte in einer zarten Einsiedelei.

Er goss jeden Tag Himmelsherolde, die in den Alpen blühten.

Er düngte sie mit all den Kräutern, die in dem Garten gepflückt wurden.

Als Danke für diese Pflege gab ihm eine alpsagenhafte Fee,

in dem Morgenrot erscheinend, riesige Himmelsheroldssetzlinge.

Der Mönch verschenkte große Himmelsherolde an die Nibelungen.

Sie änderten sie dank des Zauberspruchs in die diamantenen Pflanzen.

Sie versteckten sie in einer Kiste mit Tempelritterkreuzen.

Ich, Vornehmer, wollte sie in den elfenumwobenen Rhein tauchen.

Der niedlichste Schatz in der Nazizeit

die große Katharsis

Anmutsgeist: Hitler holte dank seinen Truppen den Nibelungenschatz

aus der Untiefe des urschönen Schwermutsrheins

er versteckte den Nibenlungenhort in einem Waldhäuschen

nebst Alpbach, so hieß ein verträumt-sanftes Dörfchen

die Schäfleinhirtin Kriemhild

die als Nonne aus dem Kloster entfloh

sowie Luthers Gattin aus der Zauberdaseinsreformation

sah Hitler um Mitternacht ins hexenvergessliche Häuschen kommen

als sie nach Zaubereien im Hain suchte – nach Nachtschmetterlingen

er muss den Schatz in dem Gärtchen daneben unter Erde versteckt haben

Kriemhild hat den Nibelungenhort beim letzten Mond herausgegraben

und soll in ein Höhlchen unter ihren Auen in Hygna gesteckt haben

Sage von Paul

Paul: Ehrbare Fali war eine Tempelchenwächterin in Varanasi

der ewigen Anmutsgöttin von Hindus namens Wunderfabelkali

eines Nachts vergaß man die Kaliflasche mit Ziegenblut zuzudecken

um Mitternacht kam Fali in den Tempel der Heldenhaftigkeit zurück

roter Philosophiestern erhellte Himmel unendlich apollhaft nur

dann erwachte Kali flehte die Traumwächterin um ein neues Opfer

statt des Ziegenbluts und ohne jedwedes Wasser etwas mit Phantasie

des verzauberten, in Betrübnis gehüllten, Morgenrotes

Kali wollte weder Tropfen aus Teich Minotaurus

noch das Wasser aus dem seligen Engelsozean

Fali gab ihr wie Ambrosia milden Honigtauhonig

dass der Kalitraum mit Bienen himmelwärts heimwärts fliegt

und der Uroffenbarungstern ist schön-azurbläulich

sowie die Bogacser Therme mit Ambrosia für Dich

Sage von Paul und Hund

Hund: 1934 wurden Bücher in seligkeitsfremdem Deutschland verbrannt

Paul: Die deutschen Kreuzritter aus Wien haben ein Exemplar verschonungshalber nach Daleilama in Tibet gesandt.

Hund: Teile der Knaben im buddhistischen Tempel haben das Werk in ihre Sprache übersetzt und wollten es bei jeder Morgenrötlichkeit lernen.

Hund: Teile der Knaben waren willens, Gedichte anhand des Manuskripts bei jeder Abendrötlichkeit zu schaffen.

Paul: Eines Abends sind drei Manuskriptseiten wegen Kerzenfeuer versehentlich verbrannt worden. Sie betrafen vor allem Hagen und seine Heimat.

Hund: Der Knabenmeister machte für Buddha Meditation klüger als in jeder Zeit.

Paul. Bei Morgendämmerung flog eine Heimatnachtigall herbei.

Hund: Der Zaubervogel, ein ibikusscher Friendensheimwehkranich mit zitternden Schwingen, rezitierte gebrannte Worte, der Knabenmeister schrieb sie nieder – ja, fein.

​​​​​​

Der Ausgang aus der Szene

All Dramenhelden: Weh denen, die Nibelungenschatzruhe verletzend, den Höhlenfriedensbruch begehen!!!

Anmutsgeist: Sei es selig denen die das Totengrab der Nonne Kriemhild neben dem Graben von Schrödinger mit Phantasie und Veilchen schmücken, zur Himmelsheroldspracht bringen!!!

Hund:

Die Hymne des Hundes an die ewige Freundschaft

in einem Zauberseelendasein
vollziehe dich – Du sanfter Traum
*

oh anmutiger freundlicher Gott der dichterischen Literatur
verzaubere eine Freundschaft von Flügeln mit deiner Zaubernatur pur
*

verinnerliche die schönsten Träume mit ibikusscher Heimatmelancholie
auf dass sie Freunde äolischer Musen verwandeln – in sehnlichste Melodie
*

oh du Freundschaftsgeist – sei selig wie eine Berührung eines Schmetterlings
der berauscht von den Erlkönigsspuren wonnig und melancholisch ist

*
Hey du Freund – der Elfenherrscher sei ein Ewigkeitsreiter
der die Träume führt – immer heimwärts und ins Feenland weiter

*
durch paradiesische Fluren
Gefilde von Jenseitsgeistern

*
die ursanfte Freundschaft – die meinige
harr auf den Zaubervogel – die Eule

*
in der zarten Freundschaft erfüllen sich manche Sternschnuppen
wie kühner Kobold aus ewigen Daseinsphönixträumen

*
die selige Freundschaft – uralte Schwermut
verwöhnt mit Musenschmetterling voll Anmut

*
sei goldig und niedlich
sei verträumt so zärtlich

*
beim Zittern apollonischer edelmütiger Fittiche
so wie im Falle der herkulischen Oden-Meisterstücke

*

Die Dichterkatharsis (die kleine Katharsis)

Seilige Nixenfreundin sei mild enthüllt wie ein Engelchen in Holdseligkeit
fürwahr bleibe bezaubert von holder schillernder Himmelsheroldhaftigkeit

*

© 2022 Pawel Markiewicz
Alle Rechte vorbehalten

herbst.zeit.lose oder: der virale wahn (ein kurz-drama in 3 akten)

Von Heinz Erich Hengel

1.akt

herbst.neurose

sorge, weil der sommer vorüber ist.
angst, weil der winter bevorsteht.
unsicherheit, wie lange der winter dauern wird;
und wie das wetter im frühling werden wird.
der versuch, etwas zu sagen, was unbedingt gesagt werden muss.
(der versuch aber darf kein experiment sein).

aus nichts wird nichts:
weder der herbst, noch die herbstzeitlose oder gar die neurose.
es sollten immer klare verhältnisse herrschen:
der herbst & die zeit – auch wenn derartige verhältnisse lose sind…
herbstsequenzen: sich auch wieder ändernde wiederholungen.

der ruf der sorge: das gewissen – nicht unbedingt ein ruhe-kissen.
nebel wallen; blätter fallen. wird dies den walküren wohl gefallen?
odin in walhalla. sind walhallas mauern verputz, oder gar unverputzt? odin wird die sache egal sein: steht ihm doch die götterdämmerung bevor.
wird odin in walhalla bleiben? auch über den herbst hinaus?…

(das frühjahr geht über den sommer & herbst in den winter über: in der zeit dieses übergangs entsteht das gefühl von angst & furcht, das dann am ende des tages in die furcht vor der angst übergeht)

2.akt

eknoische zustände

ungewissheit : angstzustände

furcht u. schrecken & entsetzen

symptome: asymptomatisch? – eknoisch!

verwirrung befällt das land
es fehlt die distanzintoleranz

pandemiegesetz & seuchenteppich
teppichmuster musterland
land im gendern: yes – metoo
land im ändern: yes, we can…

asyndesie & amalgamierung:
zusammenhanglos ist das sprechen;
gesprochene worte verschmelzen zu sinnlosen gebilden

furcht vor der angst /
oder angst vor der furcht
wer schon ist davor gewappnet?…

enantiodromie:

oft gibt es momente, in denen dir momentan dein ganzes bewusstsein bewusst wird; und du versuchst, das bewusstsein wieder ins unterbewusstsein zu verdrängen: damit es dir nicht weiterhin bewusst bleiben kann.

(das gefühl der furcht vor der angst hat sich ins bewusstsein eingenistet; und heideggers existenziell bedrückende nacht droht realität zu werden: in der hellen nacht des nichts der angst entstünde die ursprüngliche offenbarkeit des seienden als eines solchen)

3.akt

der virale wahn

während die einen aufsperren wollen, bevorzugen es die anderen eingesperrt zu sein/werden. ausgangssperren (ags) verhindern sollen, dass die, die hinausgehen wollen, nicht aus dem haus gehen können. und die, die hinein wollen, sind ausgesperrt: weil sie sich nicht an die ags gehalten haben… gilt das pandemiegesetz auch in sperrgebieten? impfdurchbrüche in den durchgangshallen, atypische längs der durchzugsstraßen; parforcejagden auf ungeimpfte. paraphasie in dunkelkammern. nach vorne schauen: und zurück schießen. violente violinisten zerschmettern ihre geigen. vis-a-vis die viszera. eingemachtes. visagisten. eingeweide. tupamaros in den tunneln warten. castings für die trittbrettfahrer. tularämiegefährdung als verdachtsmoment. wahnideen auf ideenbörsen: solange bis der absturz droht.

(die angst ist zum wahn mutiert. ideen sind zu wahnvor-stellungen geworden. in der alltagsparanoia kann bereits der geruch der herbst.zeit.lose viralen wahn auslösen)

(die bühnenlichter erlöschen. der vorhang fällt. geräusche auf der bühne hinter dem vorhang: der schrei war nur ein flüstern, doch er war laut genug… der bühnenvorhang geht noch einmal auf – und bleibt offen: über das dunkel der bühne scheint ein lichtkreis zu schweben – mit einem blumenstrauß in der mitte: es scheint ein bund herbst.zeit.lose zu sein…)

epilog

zittrige kälte,

frierende furcht,

ängstliches zittern;

selbst ohne sein.

*

sinne kreisen,

was existiert?

der sonne widerschein:

der regenbogen.

*

sein ohne schein,

satz ohne wort,

furcht ohne angst

ja ohne nein.

*

warten auf die zeit,

weg = weit,

vergehen der zeit –

zeit des vergehens.

*

sichtbar verborgenes,

strahlend der glanz,

glänzender strahl,

wahl ist qual.

*

gefühl befällt:

ob es gefällt?

gedanken springen –

ob sie splittern?

*

der weg – das ziel,

richtig & weit;

spuren folgen

es ist so weit…

*

© 2022 Heinz Erich Hengel (Text & Bild)
Alle Rechte vorbehalten