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Textmanege
das unabhängige Literaturmagazin.

Januar 2021:

Das Wunder des Lebens

Von Rolf Jungklaus Das ist doch irre: Da rast unsere Galaxie, die Milchstraße, mit etwa 550 km pro Sekunde (im Verhältnis zur Mikrowellenhintergrundstrahlung) durch das Universum, wobei sich unser Sonnensystem mit einer Geschwindigkeit von 220 km pro Sekunde um deren Zentrum rotiert. Und, als würde das nicht schon reichen, fliegen wir auf der Erde mit…Mehr

Am Arsch

Von Burkhard Bartsch Am Arsch sind die Raketen blauUnd abends wieder heiter.Er denkt so laut stillschweigtUnd vollends wieder weiter. Rennt und rennt zum HorizontUnd kommt doch nirgends an.Und schimpft und tobt gen HimmelVerflucht sei dies Gewimmel. Er weiß so viel und doch so wenig.Er nimmt sein Buch, die Lupe her.Dazu sein Fernrohr, Laptop und dergleichenDa…Mehr

Fleisch

Von Michael Wiedorn Im Schaufenster liegt Fleisch aufgebahrt. Aufgeschnittene Würste, deren offene Schnittflächen rotes Rindfleisch mit weissen Fettkügelchen durchsetzt zeigen, von weisser oder rot-brauner Haut überzogen. Das Rot geht an einigen Stellen ins Violett über. Ein grosses, formloses Stück Rinderkadaver. Scharlach wie ein Gesicht nach einem Faustschlag – durchzogen von Kanälen und Flüssen mit Fett…Mehr

Ein Totgeborener kommt zur Welt.

Von Michael Wiedorn Er geht auf dem weißen Streifen in der Mitte der Straße aufwärts und abwärts und aufwärts. Seit Stunden scheint er so auf und ab zu laufen. Er trägt leicht schwingend eine Plus-Plastiktüte in der Hand. Der Aufdruck ist verwittert. Der Junge ist mit einer ärmellosen, wattierten Jacke und darunter einem karierten Hemd…Mehr

Man sieht durch Luft hindurch

Von Michael Wiedorn Niemand glaubt an meine Existenz. Niemand nimmt meine Gestalt wahr. Ich selbst weiß nichts von mir. Wo sollte man hinblicken um mich zu sehen? Richtet sich ein Blick auf meine Nichterscheinung, sieht der Betrachter auf den Gegenstand hinter mir. Ich bin so durchsichtig wie Wasser oder Glas.Seine bloße Gegenwart ist für andere…Mehr

Spinnennetz

Von Eva Radon SpinnennetzSoziales NetzNetzwerkStromnetzU-BahnnetzHaarnetzEinkaufsnetzFangnetzNetzhautablösungNetzstrumpfhoseVernetztVerbundenVerstricktJeder braucht NetzeJede braucht Verbindungen    Netzverbindungen Meine Netzverbindung ist in Zeiten wie diesen das Radio.Das ist berauschend, informativ, lehrreich, wissenserweiternd, beruhigend, entspannend, melodisch in Musik und Sprache.Ich liebe diese Verbindung. Meist klar, manchmal rauschend. Diese Verbindung führt in Welten verschiedener, mir unbekannten Gebiete.Schöne Biographien, tragische, vom Leben geschriebene,Musik von mir unbekannten Komponisten.…Mehr

Doktorvater

Von Ellen Marion Maybell Na klar hat der Doktorvatereine Doktormutter.Die, die ihn gebar,auch wenn er damals längst noch nichteiner werden würde oder war.Sonst wär er da nicht und nicht wahr.Und auch nicht ohne Herrnbesuchso nebenbei – was da geschah.Und wenn da nichts geschehen wär,wär er bei Fuß nicht und GEWEHR,nicht im Gemetzel des Gebär.Einst wohnte…Mehr

Manege uff

Von Ellen Marion Maybell Also dann,ihr Sextanten und Textanten.Manege uff.Und feste druff.Uff de Sägespäne.Es geht rund,die Blätter fliegen.Nur kullert manche Kullerträne.Grad denen,die im Staube liegen,wie nem alten steifen Hund. Dem der Schweiß schon aus der Rutetropft wie Blei. Das ist das Gute.Denn es klatscht nicht eine Sau,weil keine da ist. Ganz genau. Solitär und leer…Mehr

Alles für die Katz

Von Ellen Marion Maybell Es ist doch alles nur für die Katz.Und nur für die eine.Und die ist auch noch meine.Wenn Sie verstehn,was ich meine.Man hat eben immernur eine –zu haben –für lüsterne Gaben.Wir lüsternen Knaben Dabei will ich doch alle Katzen der Welt.Weil mir einfach jede Katze gefällt.Beim Streunen – in der Nacht.In der…Mehr

Drei Gedichte

Von blume vexieren such dir eine scheibe aus schicht um schichtuebereinandergelagerten lebensgeschichtenmit dem richtigen licht durch alle hindurchsiehst du vielleicht eine art von verbindungoder den roten faden einer spannungskurvedie erklaerung warum die ganzen menschendir blosz noch als ein einziger vorkommender praktisch zur gleichen zeit an mehrerenorten das gleiche beziehungs=weise andereserledigen kann ohne sich dabei zu…Mehr

Die sichtbaren und die unsichtbaren Schatten

Von Stefan Walter Nach einem alten Volksglauben verliert der Mensch durch die Begegnung mit dem Bösen seinen Schatten. Dies könnte irriger kaum sein.*Ich traf sie das erste Mal in ihrer Lieblingspose, umringt wie eine Königin von ihren Zofen, alles überstrahlend wie die Sonne. Sie ließ sich auf Empfehlung freundlich herab, meine bescheidene Person zur Kenntnis…Mehr

Wildes Leben

Von Valérie Baum Wo für wen?Wölfe und BärenKehren zurückUmarmen die WälderLaub – ein köstliches Dessert Käfer und RaupenHumus und PilzeSchaufeln den Boden So scheu sind die LuchseHaben acht aufIhre Privatsphäre Belachen wenn sie könnenDies Hoffnungs-Wort:Nachhaltig © 2021 Valérie BaumAlle Rechte vorbehaltenMehr

Schönfließ

Von Valérie Baum Falsche KamillenblütenAuf krustiger Erde Sie lebenWeil sie niemandes Besitz sind Anders der AckerMit Mohn- und Kornblumen –Sie werden gemäht Auch wenn sie verstecktUnter hohem Raps –Der seine Blüte verlor –In die Welt leuchten Rot und Blau im Wind wiegendGrundton und Terz © 2021 Valérie BaumAlle Rechte vorbehaltenMehr

Zwei Gedichte

Von Peter Lexa MI, 1.1.14, 07:28, TZ ICH WILL NICHT!eine männliche ziege u eine weibliche fliegedas erste, was mir begegnete dies‘ jahrim traum im prinzip kein aberglaubeim detail anfällig für die laubeder dichtkunst, so steh‘ ich vor dirnacktdu neues jahr (stimmt nicht ganz, hab mein nachthemd an)noch immer mannnoch kein eunuchdas ist der fluchwenn mannnoch…Mehr

Major Tom

Von Michael Kothe Thomas legt die Füße auf die Konsole, schlägt die Beine übereinander, lehnt sich zurück und verschränkt die Hände hinter dem Nacken. Aus dem altmodischen MP3-Player, den er auf irgendeinem gottverlassenen intergalaktischen Flohmarkt aufgetrieben hat, gibt es die Neue Deutsche Welle auf die Ohren. So lässt sich´s aushalten! Zeit, in den Tag hineinzuträumen,…Mehr

Tod am Frühstückstisch

Von Michael Kothe Als Hedwig aus dem Badezimmer kam und in die Küche trat, hatte sie keinen Blick übrig für die Sauerei, die sich vor ihr ausbreitete. Mit den für ihr Alter typischen kurzen Schritten trippelte sie ohne Umweg zu der altmodischen Chaiselongue, auf der ihr Heinz ausgestreckt lag. Sein linker Unterarm hing schlaff über…Mehr

Bushaltestelle

Von Walther Stonet Heiner Müller schreckt hoch. Es ist noch dunkel. Der Wecker zeigt 4 Uhr 30. Er schlägt die Bettdecke zurück. Steht auf. Hält inne. Er fühlt sich unwohl. In ihm ist eine große Unruhe. Er spürt eine Angst, die er nicht greifen kann. Er schwitzt und friert gleichzeitig. Plötzlich ist ihm klar, dass…Mehr

offenes Ende

Von Jutta v. Ochsenstein auf trockenes Laubfallende Tropfender Klang ist fraglich auch Winter haften nicht am Bodenfür nichts, weder Schneenoch Stille wie Zugvögel, Zeitgenossendünn ist das Brot der MagerjahreDurst streckt sich in alle Himmelsrichtungen Licht zu suchenWasserläufeschluchzen machtlos © 2021 Jutta v. OchsensteinAlle Rechte vorbehaltenMehr

Spätdran

Von Sofie Steinfest Wir sind (spät) dran!Lamento in hundert Wörtern Wir haben uns für eine unbestimmte Zeit verabredet. (Da es einerlei ist, worauf wir uns einigen, du wirst dich ohnehin nicht daran halten.)Anderntags kamst du auf einem Ball balancierend an. Seine Kappen schmolzen unter deinem Fußabdruck dahin (stetig). Du dazu: schulterzuckend.Es mag gute Gründe geben,…Mehr

thrakischer gesang

Von Hans-Joachim Kuhn dieses weite land hinter den bergensingen die vögel mit blauer kehle – schläft das begehrin olivenbäumen man ritzte dem blutmondbegierden ins fleisch … ich aber tanze jenseits der kreisein weißem feuer – grabe schächte ins unsichtbarewerfe flammen auf welkes laub … umarme den atemder wilden rosen … kriech ins versteinerte salz der…Mehr

spiegelgesang

Von Hans-Joachim Kuhn du sangst zum abschluss von meerund ferne, zum ende dernacht das rauschen der wellenvorm fenstersims, den atem letztmalig in wein getaucht;ist denn nicht alles tonund klang? warf meine lippenins dunkel desraums; noch einmal das lied aus den muschelschalen! still das segel, das ruder im wind,wie alles schwankt,lösche den mond im augen-licht, einer…Mehr

Adonis und die Erschießung der Aufständischen oder: Zweifel eines Dramatikers

Von Michail Oblomow Zu deskriptiv, das ist alles zu deskriptiv, ich bin doch kein Märchenerzähler. Und schon gar kein Drehbuchautor für Spielfilme, dieses Gesocks. Nein, ich mache Theater – und zwar echtes Theater. Nicht diese Roman-Adaptionen, die heutzutage nur noch gespielt werden. Das verstehe ich nicht. Es gibt so viele großartige Theaterstücke, die noch nicht…Mehr

Gründel

Von Johannes Morschl Ein Sonntagvormittag im Januar in Berlin. Ein alter Mann namens Georg Gründel kriecht auf allen Vieren auf dem Fußboden seines Wohnzimmers herum, eine Brille auf der Nasenspitze, und redet mit sich selbst. „Ja wo steckt er denn bloß, der Gründel? Er muss doch hier irgendwo stecken! Rieche es, dass er hier sein…Mehr

Schwarzer Froschsee

Von Madame Pavot Der See war schon dunkel. Ich trat auf einen heruntergefallenen Ast, er knackte laut, ich erschrak. Vielleicht lümmelten die Nachbarskinder auch herum und tranken fast heimlich Bier, der See gehörte nicht mir allein, auch, wenn er mir in der grauschwarzen Nacht das Gegenteil suggerierte. Hier war ich ruhig. Ich atmete aus, atmete…Mehr

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