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Textmanege
das unabhängige Literaturmagazin.

September 2022

Lotterschreck 3

Von Johannes Morschl Es sei ja geradezu erschreckend, welche durchgeknallten Egomanen, grauen herrschsüchtigen Apparatschiks, größenwahnsinnigen Witzfiguren, geistig und moralisch verkommenen Milliardäre, und die dazugehörigen, von der Macht profitierenden Cliquen die Menschheit beherrschen, dachte Lotterschreck. Spontan stimmte er die Internationale an, wobei er den ersten Satz leicht veränderte: „Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man…Mehr

O tempora, o mores!

Von Johannes Morschl Bin urlaubsreif, brauche eine Auszeit von der Welt. Mir sind die Frauen über den Kopf gewachsen, bin da viel zu blauäugig herangegangen. Die Welt ist ja für jeden anders. Brauche eine Auszeit speziell von meiner Welt, würde mich am liebsten vorübergehend in Luft auflösen. Man bräuchte ein Schaltgerät, mit dem man sich…Mehr

Documenta und ich

Von Sandra Engelbrecht Espresso in der Tasse, duftet aromatisch herb in der Nase, süsslich am Gaumen. Mann mit Teller in der Hand zur Frau: „ich hohl mir ein Ei.“ Sie antwortet nicht. Zähne putzen. Blick aus dem Fenster: Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. Meeresrauschen, der Wind bläst durch das Blattwerk der Eiche? Ulme? Linde? Ist Kunst tatsächlich ein…Mehr

PAROTIS

Von Eva Radon Wer kennt sie?Wer hat von ihr gehört? Obwohl sie jede/r hat.Wer weiß, wie sie mit „bürgerlichem namen“ heißt? Es ist die Ohrspeicheldrüse Ein kleiner knoten hinter dem ohr ergab die diagnose, die eine operation notwendig machte.Die ohrspeicheldrüse ist für speichelfluss zuständig.Auch wenn sie gutartige knoten beherbergt können diese böse werden, daher müssen…Mehr

FRIENDS NOT FOOD

Von Claudia Dvoracek-Iby Du siehst ihn an, nur kurz, wie er, verschwitzt zwischen der Mischmaschine und dem Thomas stehend, in die Leberkässemmel beißt, wie er schnell kaut, wie er mit Bier hinunterspült, siehst sekundenlang auf sein Uralt-T-Shirt mit der Aufschrift FRIENDS NOT FOOD, schwarz auf weiß steht es da geschrieben, siehst schnell wieder weg, weißt…Mehr

Toilettenwissenschaften

Von Alexander Reisenbichler Ein Zitat Goethes aus seiner Farbenlehre leitet diesen wissenschaftlichen Narrensaum ein, ein surrealer pseudo-wissenschaftlicher Text, während Goethes Farbenlehre durchaus ernst gemeint war, Goethe war immer sehr stolz auf seine wissenschaftliche Seite, die Entdeckung des Zwischenkieferknochens, den Menschen und Affen besaßen, und damit die Verwandtschaft von beiden bewiesen hätte.Schweinetoiletten sehen auf den ersten…Mehr

Das Gericht der Krabben

Von Michael Wiedorn Schwarzes Wasser klatscht gegen dunklen Stein. Ich stehe auf keinem festem Boden. Ich schaukle hin und her, aber nicht auf einer Schaukel, sondern auf einer Wasseroberfläche. Schwarzes Wasser flutet. Es ist alt und kalt wie der Stein. Es stammt aus lang vergangenen Jahrhunderten. Mein Herz zerreißt fast aus Angst. Ich habe keine…Mehr

Etwas in uns will raus

Von Michael Wiedorn Sind es Wespenschwärme, die im Körperinneren meiner Mutter herumschwirren? Durch die Herzkammern, durch die Eingeweide, durch die Hirnwindungen. Unter ihrer Gesichtshaut sehe ich mehrere sich ständig hin und her bewegende Blasen und Beulen. Sie sind eingesperrt und suchen verzweifelt einen Ausweg. Im stillen Zimmer hört man nur kaum hörbares Wespensummen. Meine Mutter…Mehr

In der Welt herumgekommen

Von Regine Wendt In der Welt herumgekommen lese ich, überlege. Geht es um Reisen? Geht es um Erfahrungen, Eindrücke fremder Länder, Begegnungen mit Menschen anderer Nationen? Was ist übrig geblieben von dem Herumkommen in der Welt? Es heißt ja immer – Der Weg ist das Ziel. Wenn ich mein Leben aus dieser Perspektive betrachte, bin…Mehr

Jagdfieber – One Night Stand

Von Regine Wendt Was bringt dir schon ein One Night Stand? fragst du. Kennst du alle Wege des Lebens? frage ich zurück. In meinem Kopf breitet sich eine Geschichte aus, wallt sinnlich in meinen Schoß. Ich erzähle sie dir.Ein Jäger auf der Pirsch. Ruhig in seinem Hochstand. Er jagt die Rehe, kennt und pflegt sie,…Mehr

Mein Kaffeeunser oder nicht (nur) die Bohne

Von Lena Kelm Andere shoppen bei GUCCI, ARMANI, ESCADA und wie sie alle heißen, ich bei TCHIBO, SEGAFREDO und MÖVENPICK. Kleider machen Leute, sagt man. Mich hat Kaffee zweifellos zum besseren Menschen gemacht, schon allein wegen seiner siebenundzwanzig Aromen. Dank Koffein bin ich kommunikativer, genussfreudiger und genießbarer, vielleicht auch etwas schöner. Doch dafür müsste ich…Mehr

Begegnung mit dem besten Freund

Von Lena Kelm Plötzlich stand ich davor. Ich staunte und freute mich. Jemand hatte sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: eine Bücherbox. Ein Beweis dafür, auf dem guten Alten basiert das Neue. Über die Bücher freute ich mich wie auf ein Treffen mit meinen besten Freunden. Begegnungen mit Freunden sind für mich – nach japanischer…Mehr

Tohuwabohu

Von Monika Jarju Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht! Möbel verstellen die Zimmer und im Bad montiert endlos ein Klempner. Wie werde ich den bloß los? Da dringt rigoros eine ältere Dame in meine Wohnung, gefolgt von einer zweiten. Sie nehmen die Sessel in Beschlag und verlangen Kaffee. Sollte ich zuerst die beiden…Mehr

Austragen

Von Monika Jarju Als ich nach der Ausstellung zur Haltestelle gehe, warten dort schon viele Leute. Der Bus kommt nicht. Plötzlich rennen alle los. Ein schwangerer Mann springt auf meinen Rücken und lässt sich von mir tragen. Man hat ihn entlassen, als er schwanger wurde und das Arbeitsamt zahlt ihm kein Geld, erzählt er mir.…Mehr

Dill & Düne

Von Monika Jarju Ich ging zurück zu jener Kreuzung, und tatsächlich stand dort immer noch der Wegweiser. Er zeigte in alle Richtungen. Verwirrt schaute ich mich um. Da fielen mir die beiden Frauen in den weißgepunkteten grünen Shirts auf. Wie angenehm, dachte ich und schlenderte auf sie zu. Und plötzlich stand sie da, eine prachtvolle…Mehr

Zwei Schlangen

Von Marek Födisch Mock on, mock on, Voltaire, Rousseau.Mock on, mock on — ‚tis all in vain!You throw the sand against the wind,And the wind blows it back again. (1) William Blake Kopf und Rückgrat wie im FeuerUm die Wirbel: zwei SchlangenIneinander verbissenNachdem Hermes es diesmal verpasst hatteBeide zu befriedenVernunft die eine Ursprünglichkeit die andereZeitenwechsel…Mehr

Da war

Von Marek Födisch Ein Grund und ein Stück kleine Wiese mit zwei Birnbäumen undEin Steingarten mit Wollziest und Arnika undDieser kleine Junge der mit den Bienen sprach undZwischen den Beeten marschierte ohne zu wissen was er dabei sangIm Schatten des Hauses wo – später wusste er´s – zitterten die morschen Knochen* Da waren die Witwen…Mehr

sonntagmorgen 1981

Von Marek Födisch der internatskoffer bereits im gedankenschachtdeine beine angewinkelt auf dem warmen lakenund scharf schärfer: der lederne kofferkorrigierte kackbraune narben groß größer unddein augenzucken hinter geschlossenen liderndie fadenstärke dein „gespinne“ nimmt zu du siehst dich bereits angegurtethinterm vater im alten f9 undfelder scheunen häuserzeilen ställedie im blauen rauch verschwindendu (womöglich) auch – er spricht…Mehr

Ins Nichts

Von Markus Katzenmeier Reden ins NichtsSchreiben ins NichtsLeben ins Nichts Nur Wille und SelbstbetrugGeier lachen sich totFallen vom Himmel Könnte die Liebe heilen? * © 2022 Markus KatzenmeierAlle Rechte vorbehaltenMehr

Abschluss

Von Niklas Götz Die Hörsaaltür geht aufDie selben Gesichter jeden TagJeder ist an seinem PlatzAlltag Die Hörsaaltür geht zuWir erinnern uns dunkelAn die Freunde von damalsNostalgie * © 2022 Niklas GötzAlle Rechte vorbehaltenMehr

Mit spöttischer Gelassenheit

Von Marcus Nickel Wirf deine Knallfrösche,entfache das Strohfeuer,brich Wolken, lass es hageln,ob Flut oder Flammenmeer,ich lächle ganz gelassen. Ich schreibe, zumindest meist,mit spöttischer Gelassenheit,stelle dir den Tonfall vor,während du dies reinziehst,du Leser, ich Dichtertor,ich schreibe – und du liest! Dein Zorn oder was immerist alleine dein Schwelbrand,lass den Schimmel wachsen,hau Blitze ins Wasser,ich bleibe ganz…Mehr

Roman mit Todesfolge

Von Michael Kothe Kapitel 9 Nicht nur die nächtliche Dunkelheit schützte Leberecht vor einer Entdeckung. Das Fenster, auf dessen Sims im Hochparterre er sich hochgehangelt hatte, blickte von der Rückseite des Verlagsgebäudes auf eine mannshohe Hecke, die den kleinen Park zum Haus hin abschloss. Bereit, sofort hinabzuspringen und sich nah an der Hauswand auf dem…Mehr

Die Erde als Würfel

Von Andreas Rüdig Der Deutsche Verein für mögliche Alternativwelten lädt für den morgigen Donnerstag zu einem Vortrag ein. Arvid Freiherr vom Samland geht der Frage nach: „Ist die Erde ein Würfel?“ Ort des Geschehens wird das Institut für Exogeologie an der Alternativwissenschaftlichen Universität in Mönchengladbach sein.Freiherr vom Samland? Freiherr vom Samland? Ist das dieser landadelige…Mehr

Im Garten

Von Jens Kotowski Ruhig geworden im Garten, Sommer ist’s, schon JuliSo mancher Vogel, ein Rotkehlchen malEin Gimpel, mal ein Fink, nur Spatzen im Schwarm von großer ZahlBrutkästen leer, Meisen haben hier Sprösslinge groß gezogenNun noch Schwalben, wendig, flink, kreisen und fliegen drobenRuhig geworden, im Garten Sommer ist’s, schon JuliDoch nur für ein schwaches Ohr ist`s…Mehr

Donnerwetter

Von Jens Kotowski Eben noch riesige RegenwolkenGebirgengleich Nun das Nass ergießt sichSturzflutengleich Zum reißenden Strom wurd der Quell Das Licht am Tage nur graubleiern hell Die einst frühe Brise wuchs zum Sturm irgendwann Blitze zu Hauf und Donnergrollen dann Ob Zeus oder Thor sind grad wohl grantig? Einerlei! Das Wettertheater rührt an g’waltig * ©…Mehr

Haibun

Pawel Markiewicz verträumte Nixeverzaubert bei der Donauder Stern über Wien Eine Nixe ist eine Bewohnerin einer Donautiefe. Sie ist von heute an sehr verträumt, weil es ihr gelang, ein schönes Gedicht zu Ende zu erdenken. Das ist ein zart besaitetes Gedicht von der Ewigkeit. Die Nixe schläft tagsüber in einer Grube unter der Donau. Sie…Mehr

Zartbesaitetes Haibun (2)

Von Pawel Markiewicz Denker lobt DonauDichter schätzt UrloreleyTräumer ehrt Zauber Eines Tages, in dem träumerischen Mittelalter, lebten in Mähren drei junge Freude, und zwar: ein Denker, Dichter und Träumer. Sie haben sich vorgenommen, Wien zu besuchen, um dort einen Schmuck zu kaufen. Sie gingen an dem Fluss Donau vorbei und es geschah ein Wunder. In…Mehr

lockdown – reminiszenzen (szenarien zwischen pandemie & paranoia)

Von Heinz Erich Hengel alle macht dem volke: doch das volk steht alledem macht- & hilflos gegenüber. volks-aufstände enden in auflaufformen. und erst recht das ablaufdatum. die menschen sind in ihren widersprüchen gefangen. stellt keine fragen und gehorcht! jahrzehnte- lang wird man getrimmt, verrückt zu werden. man muss entschlossen sein, offen gegen regeln zu verstoßen;…Mehr

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