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Lotterschreck

Von Johannes Morschl An einem Freitagmorgen im Juli stand der Berliner Schriftsteller Fritz Lotterschreck, ein auffallend langer dünner älterer Mann, nackt vor dem Spiegel in seinem Badezimmer. Er fragte sich: „Kann es tatsächlich sein, dass ich existiere, oder bilde ich mir das nur ein?“ Die Antwort folgte prompt: „So ein Quatsch! Du solltest mal wieder…Mehr

Haderer 3

Von Johannes Morschl Berlin, Mittwoch 15.07. 2020, nach 22 Uhr. Haderer sitzt an seinem Laptop, raucht eine selbstgedrehte Zigarette und trinkt ein Gläschen Wodka. Er spricht in das Zimmer, in dem sich außer ihm niemand befindet: „Verkehrtes, nein, verehrtes nicht vorhandenes Publikum! Ich habe mein Leben lang damit gehadert, in dieses Tollhaus, das sich Menschenwelt…Mehr

Der Mensch in den unendlichen Weiten des Weltalls – Anmerkungen zu Blaise Pascal

Von Johannes Morschl „Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume erschreckt mich.“ (1) Die Pensées (Gedanken), jene Sammlung von fragmentarischen Aufzeichnungen des französischen Physikers, Mathematikers, Erfinders, Philosophen und Laientheologen Blaise Pascal (1623 – 1662), berühren uns noch heute durch ihre die Existenz des Menschen in der Welt erhellenden Aussagen. Darunter befinden sich Abschnitte über die Natur…Mehr

Ich bin ein Fritz

Von Claudia Dvoracek-Iby Es war eine gewöhnliche Samstagnacht. Niemand von uns wusste in dieser Nacht, dass es die letzte gewöhnliche Samstagnacht war. Für unbestimmte Zeit. Und darum, sagt Inka, verklären wir sie im Nachhinein.Inka hat damals ausgesehen wie immer, wenn wir ausgehen. Nämlich: Ungewöhnlich. Sie hat einen Hang zum Auffallen. Manchmal, zum Beispiel, hat sie…Mehr

Der Gefühlswalzer

Von Lena Kelm Mein Blick fällt auf die Uhr, es ist zehn. Zeit, das Radio einzuschalten. Sonnabends um diese Zeit sendet Deutschlandfunk „Klassik-Pop et cetera.“ Bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, Maler moderieren die Sendung, stellen dem Hörer ihre Lieblingsmusikstücke vor. Ich mache dabei erstaunliche Entdeckungen.Der Moderator sagt eben einen Walzer von Schostakowitsch…Mehr

Tücke der Materie

Von Monika Jarju Jedes Mal, wenn ein Zug einfuhr, war der Mann, mit dem ich unterwegs war, so beschäftigt, dass wir den Zug verpassten. Irgendwann riss mir der Geduldsfaden. Ich wollte gerade alleine einsteigen, als mir einfiel, dass ich ein Ticket lösen muss. Der Fahrkartenautomat hatte eine Macke, immer wieder fielen die Münzen heraus, hinter…Mehr

Monokultur

Von Monika Jarju Endlich ist es soweit, das deutsche Kulturinstitut in Westafrika widmet Gebrauchsgegenständen aus Deutschland die erste Retrospektive. Als ich sehe, dass etliche Afrikaner in das Gebäude hineingehen, verspüre auch ich den Wunsch, die Ausstellung anzuschauen. Drinnen begegnen mir einige afrikanische Kollegen, gemeinsam gehen wir durch die Räume. Heiter gestimmt schlendere ich vor den…Mehr

Feuer & Flamme

Von Monika Jarju An einem See entdecken meine Kollegen und ich ein verlassenes Schreibwarengeschäft. Unser Kollege ist nicht zu bremsen, sogleich krempelt er die Ärmel hoch und fängt an zu arbeiten, ohne Vertrag. Während meine Kollegin und ich uns zögernd umschauen, schuftet er, bis der Papierkorb qualmt. Im Nebenraum tritt uns die Geschäftsführerin entgegen und…Mehr

unterwelt

Von Marion Kannen schimmer unteralltags bricht an stellengoldenquillt verbreitet innig an kaltflächeschwimmt, schwirrt&brodelt allyouneedisda:indiemilch säure&allesstocktbleiverklumptief ziehtsich er/satzkontrollmachtverfügewähr willigkeits&materialbetäubungskanonadenunzureichende ersatzbestätigungsautomatenentlassen dauermangelware schlechtimitatezeugervon dauerdürfnis&grundzurdeckungwosich katzindenschwanzgefahrdauermachtmuss&verteidigwaffegewaltkatzspiralisiert sich lebendbedroht großwieklein, denkstdudennwenn jetzt alle katzstreich lösteinproblem träumweiterlassgut sein (haltdie klappe&schlafendlich ein) * © 2022 Marion KannenAlle Rechte vorbehaltenMehr

Seltsame Begegnung

Von Regine Wendt Felder und Wald, ich schaue durch das Fenster des Regionalzuges, der mich nach der kleinen Stadt Betzow bringen soll. Historischer Stadtkern mit guterhaltender Stadtmauer, das hatte mich gereizt. Mein Minirock rutscht ständig hoch und die roten Stiefel zu den pinkfarbenen Strümpfen gefallen mir plötzlich auch nicht mehr. Aber, was soll es, ich…Mehr

Schiffbrüchig

Von Regine Wendt Erzähl mir noch eine Geschichte. Er liegt neben mir mit bittenden Augen. Jan , ich blinzel ihn an, andere Männer geben sich zufrieden, manche schlafen sogar hinterher ein, aber du? Ich bin halt anders, sagt er und zieht die Decke über uns. Also gut, insgeheim freudig.Schiffbrüchig.Geraldine, allein auf dem großen Schiff, ihre…Mehr

Der scharfe Blick

Von Regine Wendt ZugwindGeweht ins UnbetasteteÜberraschend berührt durch Worte und FarbenEingefangen in magischer BerührungverzaubertVermeintlich gesichert in der schmiegsamen ArenaAngstfreies Wohlfühlen ohne BedenkenSchlaftrunken glückselig ins Kampfspiel gestolpertIch brauch dichIch brauch dich nichtGedankenkarussell spielt Hass oder LiebeOder rührt doch nur MarmeladeNächtliche Hunde pissen anBlecken ihr Gebiss und beißen scharf zuDarunter das nackte KindIn EmbryohaltungVerletzt, verunsichert, schmetterlingszartEin aus…Mehr

Der Einzige

Von Michael Wiedorn Es war ein Bruch mit meiner Kindheit. Ich rückte Ende August in das Internat ein. Einrücken ist der richtige Ausdruck. Ein Rekrut, der in die Armee einrückt, ein Sträfling, der seine Haftstrafe antritt. Der Eintritt ins Kollektiv. Fremde, mir feindlich eingestellte Jungs. Der kalte Blick starker Junglöwen wird mich mustern und mich…Mehr

Man darf Wein trinken – aber bitte mit Maßen!

Von Michael Wiedorn Herr Doktor K. sitzt mit seinen Gästen bei einem Gläschen Weißwein. Er nippt in kleinen, ganz kleinen Schlückchen an seinem Glas und stellt es mit fast zeremonieller Geste wieder auf den Tisch. Er und sein Besuch haben schon längst ihr Glas ausgetrunken. Vorerst bleiben die Gläser leer. Der Kopf muß klar und…Mehr

Bretter, die die Welt bedeuten

Von Ellen Marion Maybell Ich weiß es auch nicht,was die bedeuten – soll’n,diese Bretter.Dies Geweseund Getöseum das bisschen Geschmetterund laugewärmte Donnergroll’n.Ist doch nur ne Bretter-Bude.Aber das ist das GUDE.Wenn die da nämlichnicht so doll läuten,die Glocken,da hörste’soder eben kaum,was die bedeuten.Vor allem DU.Da stehste,komplett in der Perplexionvon den Socken,und dämlichallein im Verschlag,in Zeit und im…Mehr

Allerlei Öschen

Von Ellen Marion Maybell Wer hat schon das richtige Nöschenund das beste Prognöschenfür den Weg zu den Döschen.Überall Häkchen und überall Öschen.Schwer ist der Weg, der Weg zu den Döschen. Es lauern Gefahren beim Drängeln ins Döschen.Es schlängeln sich neben infektiösen InfektiöschenMonster im Schößchen auf der Lust nach nem Stößchen.Oh, diese verwunschenen, verwunschenen Schlösschen. Liegen…Mehr

Toter Punkt

Von Ellen Marion Maybell Toter Punkt. Von wegen.Ich hab keinen toten Punkt.Der stellt sich manchmal nur leicht tot.Auch wenn so manche Unke unkt.Der braucht den Angriff wie das Brot.Der ist quicklebendig.Sehr behendig.Und sehr wendig.Sehr verwegen,der muss nicht lange überlegen.Der ist schweine-drauf.Drückste drauf, geht der auf.Sprüht nur so vor Energie.Brüllt ATTACKE.Aber wie. Ran an den Feind.Nur…Mehr

Tyrannus Rex

Von Ellen Marion Maybell Schon einst verbot der Pontifex:Tyrannus, du hast keinen Sex. Unbeschwerte Liebesfreudenkonnt ich nie, bis heut nicht leuden. Auch nicht mit dir, SAU-rier, alleine,ich duld nicht solchen Kram der Schweine. Mit wem denn, Ponti, siehst du welche.Es gibt nur mich, noch nicht mal Elche. Keine Sophie, keine Loren.Oh Heiß-Gerät. Ich bin verloren.…Mehr

Communication Breakdown

Von Marek Födisch Nie hörst du richtig zu, sagt sie. Darüber wurde doch gerade gesprochen. Ach ja? Gehört habe ich aber. Nur eben falsch, wie es scheint, denke ich. Als ob es Absicht von mir wäre! Vielleicht kann ich nichts dafür. Vielleicht liegt es an den Frequenzen. Vielleicht können wir uns einfach nicht mehr hören.…Mehr

dein hund

Von Marek Födisch bahnhofsbrücke und regengestern standst du noch dortwollte mich heut zu dir legenbist längst davon auf und fort gleise gefächert und zügestellwerk im kopf ist verwaistvenus sinniert dabei trübenachthimmel: zirpen im geist reue nistet im bierschaumtauche ab bis zum grund:worte aus zornigem abraumwünschte ich bliebe dein hund * © 2022 Marek FödischAlle Rechte…Mehr

John Lennon meinte einst (ein Aufhänger für eine kleine Gedankenfolge)

Von Marek Födisch John Lennon meinte einst: Leben ist das, was passiert, während du andere Pläne im Kopf hast. Ein Ja darauf kann wohl jede und jeder darauf erwidern, was nicht heißen soll, dass Wünsche, Träume und geschmiedete Pläne per se nicht aufgehen können. Dennoch scheint die Schmiede hinter der Stirn unablässig, mit Ausnahme beim…Mehr

Kind und Greis

Von Michael Metzger Das Kind gesellte sich zu dem Alten in die Stube. Im Kamin loderte ein Feuer, das an diesem kalten Wintertag die gemütliche Wohnung mit einer wohligen Wärme erfüllte. Der Alte lächelte das Kind freundlich an. Es fühlte sich willkommen und sicher. „Worüber denkst du nach?“, fragte das Kind den Alten neugierig. „Über…Mehr

Die Reling ist nass vom Regen

Von Mia Weinschenk Die Reling ist nass vom Regen. Ich habe mir ein Stückchen trocken gerieben, auf dem ich mich gerade mit den Armen abstütze. Die Nordsee schlägt meterhoch gegen die Außenwände des Schiffes, versucht es wütend hin und her zu drücken, versucht mit ihm zu spielen. Gischt spritzt. Aber das Schiff ist zu groß…Mehr

Blaue Stunde in Kavala*

Von Hans Peter Flückiger Anfangs Juni ist auch in Nordgriechenland der Vorsommer definitiv da. Es ist keine Seltenheit, dass die vom oft wolkenlosen Himmel scheinende – man ist schon beinahe geneigt zu sagen brennende – Sonne das Thermometer unerbittlich auf die über 30-Grad-Marke steigen lässt. Nach 20 Uhr ist der Sonnenuntergang aber nicht mehr fern.…Mehr

«Komm herüber nach Mazedonien»

Von Hans Peter Flückiger Golden schimmert das grosse Mosaik vor der Kirche Agios Nikolaos in Kavala* in der Morgensonne. Seit dem Jahr 2000 steht es dort und erinnert an den Apostel Paulus, der auf einer seiner Missionsreisen im Jahr 49 nach Christus hier zum ersten Mal europäischen Boden betreten haben soll. Der Heilige Paulus ist…Mehr

Auf der Egnatia Odos A2 Kavala – Thessaloniki

Von Hans Peter Flückiger Der Wecker ist auf sieben Uhr gestellt. Geweckt werde ich eine halbe Stunde vorher. Durch den Regen, der auf das Wellblechdach der Kiafas 14 niederprasselt. Dabei muss ich in einer Stunde los, um gegen zehn Uhr in Thessaloniki auf dem Makedonia Airport Claudias Bruder Res abzuholen. Plus/minus wird der jeden Augenblick…Mehr

Was könnte ich euch geben?

Von Marcus Nickel Ich bin keine Biene,ich bin kein Anführer,ich bin kein Schaf,ich bin kein Aufrührer. Ich bin kein Philosoph,ich bin kein Krieger,ich bin kein Vermittler,ich bin kein Politiker. Wieso kommt ihr zu mir,was könnte ich euch geben,ich bin nicht, was ihr glaubt,was soll ich euch denn geben? Ich bin kein Liedtexter,ich bin kein Satiriker,ich…Mehr

Splitter

Von Niklas Götz Mein SpiegelbildZerfälltVertausendfachtAls KristallhagelZum Seelenkaleidoskop Eine scharfe ScherbeGreife ichMein Blut trübt sieNur noch die SchattenScheinen hindurch Je nur ein BruchstückFassen sieAus FurchtVor dem SchnittDes Farbenspiels am BodenSo bleibt im DunklenWas es verbirgt Ein Teil fehlt Füg es hinzuErgänze esZum GanzenDamit SchimmerndesStrahltWie Diamantstaubim Feuer * © 2022 Niklas GötzAlle Rechte vorbehaltenMehr

Das Licht der Liebe

Von Markus Katzenmeier Ich bin umkränzt von der Liebe einer Frau,einer schönen FrauSie strahlt mich an, auch in Abwesenheit Ihr alle seht das LichtEs spiegelt sich in meinen AugenEs spiegelt sich in euren Augen Bescheiden bleibenVorsichtigDer Wind dreht oft so schnell * © 2022 Markus KatzenmeierAlle Rechte vorbehaltenMehr

Anthropozän

Von Henning Bruens Mutter zetert.Ihre Reue istunsere Pflicht, ihr Alter längstlegendär, ihrUrsprung fremd. Ihr Spiegel wirfteine verbrannteVisage ins Licht der Sterne, umeiniges angst-einflößender als jene kryptischeUngestalt derGorgone Medusa. Im irren Kreiselnlässig ruinierterJahreszeiten bringt das reine Zählenvon Falten undFlecken niemand einen Erlös, wasim Einmaleinsunkluger Zuhälter nicht von ungefährden Untergangihrer Natur besagt. * © 2022 Henning BrünsAlle…Mehr

mobile gehdichte

Von Alexander Reisenbichler mein halbes leben, nein, das ist keine metapher sondern numerisch, lebe ich in asien. kein aussteiger sondern ein einsteiger. hauptsaechlich ohne dinglich werden zu wollen indien und suedkorea. als privilegiertem unlegierten arischen reinbluetlerischen abendlandgewaechs geht es nicht um dazugehoeren das man nicht sieht und riecht und schmeckt. es ist einfach mein biotop.…Mehr

herbst.zeit.lose oder: der virale wahn (ein kurz-drama in 3 akten)

Von Heinz Erich Hengel 1.akt herbst.neurose sorge, weil der sommer vorüber ist.angst, weil der winter bevorsteht.unsicherheit, wie lange der winter dauern wird;und wie das wetter im frühling werden wird.der versuch, etwas zu sagen, was unbedingt gesagt werden muss.(der versuch aber darf kein experiment sein). aus nichts wird nichts:weder der herbst, noch die herbstzeitlose oder gar…Mehr

Scheidung

Von Max Schatz sie sprechen in Gedichten mit Reimen wenn wie aneinander Gepichte zusammen reiten sind als Geehelichte auf Reisen doch schon bald mit Gesichtern wie Reifen speisen schlichte Gerichte mit Reisen bis Gewichte lassen reißen sodass Gerichte die Hände reiben wo schnell gelichtete Stuhl-Reihen die Geschichte endet nicht im Reinen * © 2022 Max…Mehr

5 Sommer-Haiku

Von Walther Stonet  Zwei SchmetterlingeTanzen überm Lavendel –Die Amsel schimpft Eine SchweißperleVerirrt sichDie Hand folgt Das Täubchen ruftEin FlügelschlagenAntwortet Ein Grünspecht –Die Liebste legt den FingerAn die Lippen Badende AmselnSchlafende KatzenEin Dichter der schreibt * © 2022 Walther StonetAlle Rechte vorbehaltenMehr

Gewogen und für zu schwer befunden.

Von Walther Stonet Am Samstagmorgen auf der WaageSteht Angstschweiß auf der Denkerstirn.Man stellt sich der Gewichtszulage:Die Ziffern, die da stehn, verwirrn, Verwirren ist das falsche Wort:Erschrecken! Nein, das kann nicht sein!Doch es steht da, sieh her, ja, dort,Ein zweites Mal macht sie nicht klein, Die Zahl wächst sogar weiter an.Die Luft wird angehalten, eingezogenDer Bauch,…Mehr

Streuner

Von Walther Stonet Er steht im halb dunkel desgroßen raums & es wallen wolkenaus seinen nüsternists ne fluppe hat er nen jointzwischen den fingern Dann saugt er wiedertief holt es ein & die zungespielt lüstern mit denringen die er bläster hustet & beugt sich & Lacht lacht dass es schmerztwas gäb ich er wie er…Mehr

Weiß. Blau.

Von Walther Stonet für Thomas Rackwitz Die Wolke schrieb ins Blau den Sonnenschatten.Der Wind verlegte tänzelnd Blatt um Blatt.Ich schwärmte von der Zeit, die wir nie hatten:Der Kater schlief im Sessel satt und matt. Was rief ich nach dem Glück in Mondscheinnächten!Und wen verschob ich schnell von gut nach schlecht!Als Kind da spielte ich in…Mehr

Traum. Angst. Angst. Traum.

Von Walther Stonet Ich spüre mein Atmen. Ich fühle mein Herz.Es will nach dir schlagen. Es will nicht verstehn.Mir trocknen die Tränen. Doch tief in mir SchmerzUnd höchste Verzweiflung: Erhöre mein Flehn! Vergaß ich die Liebe? Vergaß ich auch dich?Den Kopf in den Händen, den Windzug im Haar:Mich martern Gedanken, ich fühle nur michUnd spüre…Mehr

Schatten. Riss.

Von Walther Stonet Dem Weltgericht entflohen wär er gern.Es holte ihn am nächsten Tag schon ein.Er wollte nichts als einfach flüchtig sein –Vergeblich der Versuch, ihn einzusperrn. Das Festgehalten-Werden lag ihm fern.Das Leben war ein großes Buch, er kleinUnd fein, doch selbst in Gruppen oft allein:Er hasste es, das ewigliche Zerrn, Das Reißen an den…Mehr

Acht auf den Hund

Von Walther Stonet Ja, so ein armes Hundeleben –Das sollte man als Mensch erstreben.Man hieße faul, blöd oder dummUnd scherte sich nicht weiter drum.Der Futternapf wär immer voll.Man bellte nur, wenn man’s nicht soll,Und könnte seine Nase steckenIn alle, auch verbotne, Ecken. * © 2022 Walther StonetAlle Rechte vorbehalten  Walther StonetAutor, Publizist, Herausgeberwalther@gedankenlieder.dehttps://www.zugetextet.com/gedankenlieder.dehttps://batgenes.comMehr

traumtrümmer

Von Franz Niemand mondauge und fischflogen schreiend zum jenseitstorwar ein dicker harlekin der lachte krabbelte ein literat im wortsalatwährend flaschen und kleiderständerin modrigen gewässern schliefen las ein alter rauschebart die schriftdie nicht zu entziffern warin der wüste der traumtrümmer * © 2022 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

bloß nicht

Von Franz Niemand bloß nichtkonform gelulltim wortgepansche der ego-hülsen bloß nichtbefriedet in niederungenjahrelanger couchpartituren bloß nichteulenvergeudung in dämmerungverödeter hirnrinden unter zipfelmützen * © 2022 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

noch in deinem nackten kreis

Von Franz Niemand noch in deinem nackten kreismondherz und sternpupillenjemals gewesen sind ruht dein nachtleibsteinblock in meiner tagfremdungschwerelos illusionsbemoost selbstvergessenan einer weggabelung von irre zu irreflattert mein altes emigrantenhemd * © 2022 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

die ahnfrau

Von Franz Niemand misstrauendden masken derzeitgenossenverbirgst du dieverfemte ahnfrauin dir … das weiße ihrer angstim hohlen baum … hinter ihr führt eszum urgrund zurück ein pulsschlag nochvon dortin deinem traumüber alle gemetzelhinweg * © 2022 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

BEATE

Von Peter Lexa knackiger hinternstolzer ganggrosse brüste, nicht beunruhigend,eher mädchenhaft als weiblichaugen wie ein uhu,nicht gefährlich, eher klugund ein lachendass das leben selbsterfundenzähne – löwenhaft, was sonstu die mähne passt dazu der vorwurf:„nur die äusserlichkeit beschrieben“der trifft mich nichtich kenn nur daswas ich auch sehen kannnicht einmal das muss echt seinnackt will ich sieu selber…Mehr

WO BLEIBT DER SPASS(ein konzertmitschnitt)

Von Peter Lexa sonntagspäter vormittagdeine stimme des protest’shallt noch nachüber meine frauenfeindlichkeitnicht bös,doch durchaus b‘stämmigauf dein gutes recht pochend,mensch und frau zu sein ausm TVglotzt das dekolleté der sängerinenges, rotes kleidder ganze lymphbereich ist leicht gerötetihr kiefer starr zum kunstgesang,der ganze körper zu ein‘ fragezeichenschwer verrenkt der dirigentein alter ausgetrocknet‘ knackerhingerissen von der eigenen musikIHR…Mehr

Betreff: faliabt u fern der (wahl)-heimat

Von Peter Lexa 01.10.05 22:41:20 sobota, 1 paź dziernika 2004, 16:00 friseur in lot-gegend himmel wie bleiueber Warszawa die runde friseuseein russischer panzer beata scheint nicht zu kommen farbe u luftverdichten sichzu nebel * 18:00 renesansowa ich kratze wie eine katzeam gittervon wojteks (auf meinem) balkon das rosarote babyauf der strasse untenlaeuft schon davon jetzt…Mehr

Wertes Vergissmeinnicht

Von Pawel Markiewicz Wenn das mondesklare Nachtdunkel vorüber ist,und die Dämmerung beim Kometenfall bald entflieht, blüht doch pittoreskes Vergissmeinnicht zuhauf auf.Das ist eines Sternschlafenganges grazilste Zeit. Der Tau so wie eine charmant-gesinnte Perle,die Schönste auf der famos-zarten Blütenwiese. Das Vergissmeinnicht trägt echt urschöne Maienpracht,führend all Feenscharen wieder in das Märchenland. Sich in die Vergissmeinnichte vollauf…Mehr

Der Sonettenkranz

1. Sonett: abba abba cdc dcd Verzaubertes Grün, das das Ewige grüßt.Pollen und Blüten tanzen traumvoll im Wind.Die Schwärmereien sind eines Zaubers Ding.Die Lenzfee beobachtet Bienen im Flug. Ich schenke mondwärts die Gedichte im Nu.Ich spüre Zartbesaitetes, das es gibt.Auf Erden wünsch‘ ich die Beseligung mir.Die Ewigkeit ist wegen des Frühlings süß. Der Frühling sei…Mehr

Elegie nach Tyrtaios

Von Pawel Markiewicz Wenn die griechische Heimat ist bedrohtvon wilden Truppen aus kaltem Iran.Wiesen und Auen in geiler Maipracht.Die Heimat voll Teufelskrallen ist fein. Man kämpft fürs muckelige Mutterland.Die Philosophen tanzen in Athen.Das Mädel aus Sparta pflückt manches Kraut,sowie eine Handvoll Teufelskrallen. Olympische Spiele finden doch statt,trotz einer Gefahr von dunklen Persern.Es ist für die…Mehr

Im Abseits

Von Johannes Morschl 1 Wie viele Menschen werden tagtäglich gewaltsam aus dem Leben gerissen?, fragte sich Kalle. Er sah die gefallenen Soldaten sämtlicher Kriegsparteien und die im Krieg von feindlichen Soldaten ermordeten oder durch Bomben- und Raketenangriffe getöteten Zivilisten in schier endlos langen Reihen auf einem schier endlos großen Feld liegen, das von aasfressenden Vögeln…Mehr

Träumer

Von Johannes Morschl 1 Er war wieder einmal völlig umstellt von den Figuren seiner Hirnparanoia. Er bildete sich ein, man beobachte ihn heimlich, man schnüffle ihm nach, was er da wohl wieder für ein verdächtig riechendes Zeug rauche. Ja, es schien ihm so, als hörte er hinter der Wand zur Nachbarwohnung, wie man über ihn…Mehr

Das Geschenk

Von Claudia Dvoracek-Iby Nachdem ich auch diese Nacht wieder von bösen Träumen gequält wurde, sitze ich nun dementsprechend gerädert Gustav gegenüber, dem frisch Rasierten, dem Munteren, der mir Marmelade auf den Toast streicht, der mich anlächelt, der nicht zu ahnen scheint, dass er die sechste Nacht in Folge umgebracht worden ist, und der leider nicht…Mehr

Vermutungen

Von Michael Wiedorn Die Schwarz-weiß-Fotos vor mir zeigen einen fremden, jungen Mann. Irgendjemanden. Er gilt rechtlich als mein Vater. Wer ist der Unbekannte? Das dunkle Haar ist ordentlich gescheitelt. Ist das Haar schwarz oder dunkelbraun? Ein unscheinbares Gesicht ohne Merkmale, die herausstechen. Wie jeder trägt er Augen, Mund, Nase auf seiner Gesichtsfläche. Trug er je…Mehr

Überraschung am frühen Morgen

Von Michael Wiedorn Zwei Herren im Trenchcoat klingeln um 5 Uhr früh bei mir. „Stellen Sie keine Fragen!Wir stellen jetzt die Fragen.“ Meine Zimmervermieterin steht wie Espenlaub zitterndim Türrahmen ihres Schlafzimmers. In ihrem Gesicht steht Angst – grauenhafte Angst.Die Augen weit aufgerissen und hellwach. Um 5 Uhr früh kommt nicht die regulärePolizei. Die zwei Beamten…Mehr

So far so good

Von Monika Jarju Kurz vor Ladenschluss betritt eine britische Familie das Geschäft. Sie wollen einen Leichenwagen bestellen.„Wie bitte?“, frage ich höflich zurück, ohne mir meine Entgeisterung anmerken zu lassen. Habe ich mich verhört oder sollte ich lieber meine Kollegin rufen, deren Englischkenntnisse perfekt sind?Wir verkaufen keine Autos. Das sage ich jedoch nicht. Die Geschäftsleitung erwartet…Mehr

Koordinaten von Klee

Von Monika Jarju Das Meer ist immer schon vor mir da, ruft –und ich gehe hin, den Atlantik im Rückensehe ich der Stadt ins Antlitzdas jedes Mal dichter vor mir stehtein steinerner Saum, weiße Geschlossenheitbis zum Hafen wild wucherndes Hinterlandeinst Koordinaten von Kleewiesendas Weiß frisst saftiges Grünleckt das Blau von den WellenFehlproportionen auf die Netzhaut…Mehr

BLAUMANN

Von Monika Jarju Wären sie mir im Traum erschienen, hätte ich sie auf Anhieb für eine Täuschung gehalten. Die beiden Unzertrennlichen hätten in meiner Fantasie als einer durchgehen können.Mir entgegen kamen zwei Männer, zwei Inder, die zunächst wie ein einziger wirkten. Einzeln wären sie mir nicht aufgefallen. Ich war perplex! Führten sie mich an der…Mehr

Schulschluss, rein in den Bus

Von Regine Wendt Einmal in der Woche fahre ich mit den Bus an der Solling-Schule vorbei. Die Schüler stürmen den Bus. Vorn, gleich neben dem Fahrer sitzt ein Junge. Ca. 13 bis 14 Jahre alt. Sein Haarschnitt fällt auf, hier hat sich ein grober Dilettant versucht. Wie eine Statue sitzt er, den Blick fest geradeaus,…Mehr

Nachtfetzen

Von Regine Wendt Sternig organzablauschimmerndÜbrig gebliebenEingebrannte ZeichenBedrängen am TagSchleichen sich einLassen taumelnFingrig gleitendSchweißnass glitschigFlüsternd lüsternSchamlosFreiTagwerkBlindblendendEntführendNachtfetzenTagsNistplatzErobernderSternenstaub * © Regine WendtAlle Rechte vorbehaltenMehr

Das rote BandDes schönen Mädchens

Von Regine Wendt ZeitweiseSindGängeIn der WandLichtschattenKalt hierUnd feuchtHerztränenfrost VogelstimmenEingefrorenKrähen ElsternSchwarzvogelschwarmExistenziell zusammenGezogenKlumpenförmig Was ist esDass den SchmerzUnerträglich machtGehirn stößt an WandKlappmesser Einausfuhr HinweiseAuf Qual SchlachthausgeruchIgnoriertJe dunkler das RotWird es schwarzSchwarzblutrot In sinnloser RuheLärmende GespensterSchlafen umEndlichAufzuwachen Als sie das weiße Kleid sahDachte sie nicht anDas rote BandLiebe bedeuteteSchmerz * © 2022 Regine WendtAlle Rechte vorbehaltenMehr

Der Klügere…

Von Lena Kelm Sommer 1994. Täglich besuchte ich nach der Arbeit meine Mutter in der Charité. Als ich wie immer und wie es sich gehört auch ihre Zimmernachbarin begrüßte, sagte sie: „Sie kommen jeden Tag bei dieser Hitze, Sie haben bestimmt eine gute Mutter! – „Oh ja, meine weise Mutter erzog mich mit Sprichwörtern, gesammelten…Mehr

Blau gesprochen

Von Lena Kelm Er konnte so viel blau reden, dass einem blau vor Augen wurde.Man muss nicht blauäugig sein, um blau zu sehen.Um blaue Schlösser zu bauen, muss man nicht blauäugig sein.Wer blau ist, kann dir das Blaue vom Himmel versprechen.Schenkst du ihm Glauben, erlebst du das blaue Wunder. * Blaudie Blumevon Novalis. Blaudie Blume…Mehr

Eierschalensprech

Von Marion Kannen nogoodfornothing, hamsterradrennen, stillhalt, schockstarr, sekundentaktnewschecken, ruhezwingen, arbeiten, kopflosherumgerenne, demogeher, hilfsgütertransportgeldschicken, sachenspend, freiwilligmelder, strahlkotzer, verkriechen, strukturheucheln, mordandiewandhauer, rumschreier, nägelbeißer, steineschmeißheulen&zähneklappern, wutschreiangstscheißerei, outoforder selbstreparaturmodus tilt ukrainischefamilie, großmuttermutterkind im zimmer unten, im garten hilft ihr kleiner junge mit der plastikschaufel rasendüngen. * © 2022 Marion KannenAlle Rechte vorbehaltenMehr

Die Aare hat das Wort

Von Hans Peter Flückiger Blass scheint die Sonne durch die Fenster des Konzertsaals in Solothurn. Es ist noch nicht gewiss, ob sie sich an diesem Novembersamstag letztlich gegen den Nebel durchzusetzen vermag oder dieser ihr nur einen kurzen Blick auf das 16 000-Seelenstädtchen erlaubt. Auch im Saal ist eine Frage noch nicht endgültig beantwortet. Auf…Mehr

Der Aufstand der Vokale

Von Hans Peter Flückiger Es ist beruhigend, dass es Dinge gibt, welche felsenfest zu sein scheinen. Diese erleichtern das Leben. Dazu gehört das Alphabet. Aber was wäre, wenn die Vokale den Aufstand proben würden? Was dabei herauskommen könnte, habe ich mit Gedichten von Christian Denzler erprobt.Christian Denzler, Ach, ach war ich?, Gedichte, ISBN 978-3-85997-046-5 1us…Mehr

Schnipseljagd

Von Hans Peter Flückiger Die kursiv geschriebenen und in <spitze Klammern> gesetzten <Papierschnipsel> sind aus der Wegleitung zur Kunstausstellung «Réserve du Patron, Arbeiten auf Papier – Aus den Erwerbungen 1998–2021»* ausgeschnittene Textfragmente. Nach den Anweisungen für «ein dadaistisches Gedicht» von Tristan Tzara in «7 Dada Manifeste»** wurden diese zufällig aneinandergereiht und durch Ergänzungen von mir…Mehr

nach dem anfang

Von Marek Födisch nach dem anfangwar der mord, und der mord wuchs heran,im zentimeterschatten der feldfrüchte,als keim,als keim erfahrener abwendung:das bruder-los unterm gewicht lichten blutes mähender erstlinge.und der mord am mörder per dekret durch das mal verhindert. population der grund, denkt man, und es souffliertdas spiel mir das lied vom todim mark,im mark der nachkommenschaft.eifer…Mehr

Das

Von Marek Födisch Dasist ein tag im mai mit einem anderen gesichtals im jahr zuvor dassind der enthäuteten schrei und das trümmerherzvor dem panzerrohr dasist das dazu-mal: in den rauch gekerbtdie augen der entzogenen dassind fetzen aus biografie und blutiger wolleim bunker die betrogenen dasist ein kind ohne -heit wo erinnerter streit jetztzum wiegenlied geworden…Mehr

Neubeginn

Von Marek Födisch ich häute michaus alten zellenbrechen paladine an dünnen sohlenerste splitter * © 2022 Marek FödischAlle Rechte vorbehaltenMehr

LOSLASSEN 

Von Nicole Schrepfer Ich wage nicht, nochmals zu fragen,habe Furcht vor Deinem Wort.Traue mich bloß Weh zu klagen,mich fort zu denken von diesem Ort. Ich atme flach, die Stimme bricht,erahne Sturm in meinem Geist.Suche bang nach Kraft und Licht,nach jemandem, der trägt und weist. Ich halte an, mein Blick, er findet,wende mich dem Himmel zu.Fühle…Mehr

Azzura

Von Sandra Engelbrecht Dies ist ein Gedicht für meine Katz‘.Für unsre Katz‘.Azzura.Der ich schon tausendmal übers Fell gestrichen habe,deren elegante Bewegungen,in der aufblätternden Dämmerung,in die Umgebung gegossen werden. Still. Auf federweichen Pfoten,die Muskeln ein gespannter Bogen.Vibrierend bis in die aufgestellten Ohrenspitzen,sitzt Du da. Wartend, kauernd, lauernd.Wie ein Pfeil, der durch das flüchtende Licht schnellt,bohrst Du…Mehr

Sprachdiktatur

Von Markus Katzenmeier In der Diktatur falscher Begriffeaggressiv lauernd die Gefahr.Begriffe werden zu Inhalten,Inhalte zu Ideologien.Gezimmert und zermürbt wird der Feind. Bis die Bewahrer der Redlichkeitvom Pöbelschwamm,der selbstvergiftend alles aufsaugt,ausgespuckt werden. * © 2022 Markus KatzenmeierAlle Rechte vorbehaltenMehr

Tiefer Schlaf und Erwachen

Von Florian Meurer Als ich noch tiefer schlief und lauschte –Im grünen Wald, wo still, bis auf den Regen,Hinter den tönenden Tropfen, dieAuf dünnen Blättern meine Hörgrenze berühren,Unter dem fauligen Laub, erdgebunden, im SchlammSo fern von allem ist, was Du noch suchst. Als ich noch wacher saß und spürte –Den weichen Druck nur, Deiner Hand.So…Mehr

Schnee

Von Florian Meurer Wie lange schon glitzertDie andere Seite der WahrheitUnd zwischen uns der Schnee?Polare Winde fallen,Um uns Flocken weißen Firns. Im Dämmerlicht wollen wirDie Winde anhören.Zwiegesprochene Worte,Fernste Gedanken.In erstarrten Kristallen verwehenBotschaften eines neuen Gestirns. * © 2022 Florian MeurerAlle Rechte vorbehaltenMehr

Altes Papier

Von Florian Meurer Und die Zeit ist vorüber –Eingemauert hab ich Deinen Brief,Die Tagebuchseiten zerrissen.Mein Trauerflor liegt schon im Brunnen, so tiefUm tausend Jahre und längerBei unseren bleichen Knochen zu ruhen. Doch manchmal, wenn ich fast schlafDann kriech ich hervor, bin noch wach.Stoß müde an, mit mir selbstWie damals, eh‘ ich Dich traf.Und sitz ich…Mehr

Im Wald

Von Florian Meurer Bäume, sprecht zu mir,Wildwachsend, sagt, wenn ich flehe,Ich höre so gerne alte GeschichtenVon Eichen und Ahornen,Wenn es grünt,Und ich durch die Wälder gehe. Manch Buche spottet nur auf die Menschen,Wie wir das Leben nicht fassen,Vor uns selbst und den andern nur fliehen.Das Wirrsal der Städte und ihre HastVerstehen sie nicht.Im Winde biegen…Mehr

Die Scholle

Von Ellen Marion Maybell Die Scholle.Völlig von der Rolle.Sekündchen nur nicht aufgepasst,frech – wurd ihr ein Ding verpasst.Und nach dem Schreck – sie aufgequollen.Und der Aal – glatt weg – verschollen. Doch’s war kein Aal,war nur’n Hering,dünn und schmalund ohne Eh’ring,der da grad vorüberschwammund sie NAMMmit seinem noch viel dünn‘renausgebufften Beute-Stamm. Gott, war sie platt.Ließ…Mehr

Der PinguWien

Von Ellen Marion Maybell Der Pingu-Wienwollt raus aus Wien.Einfach mal woanders hin.Net Immer Wien, nur du allein.Net immer nur in Wien nur sein.Verließ voll Wutmit Frack und Hutden ew’gen Schmähim Über-Mutund landete,das war nicht gutin Schneeund Eis in tiefer Glut.Ziemlich restlos durchgefror’n,so hatt‘ er sich’s nicht auserkor’n. War – wie gesagt – ne Fehl-Entscheidung.Doch spät,…Mehr

Die Wanderratte

Von Ellen Marion Maybell Was die Wanderrattenoch zu sagen hatte.Natürlich bin ich eine Ratte.Und ich bin auch rattenscharf.Nö, ich frag nicht, ob ich darf. Nie hat eine mich geschasst,wenn ich röhre im Morast.Wenn ich wühle in Kanälenkönn‘ se auf mich Platz-Hirsch zählen,weil sie eh nix andres wählen. Hört ihr nicht das heiße Quiekennach der Ratten-Schärfe-Fieken.Wenn…Mehr

Roman mit Todesfolge – Leseprobe

Von Michael Kothe Kapitel 2 Wer ist Valentina Nightingale?Er wusste es, schließlich räkelte sie sich vor ihm auf der Couch. Achtlos hingeworfen lag ihr eleganter Hosenanzug, in dem sie eben noch ihrem Publikum gegenübersaß, auf seinem Seidenteppich. Daneben bedeckte ihre Bluse ihre hochhackigen Schuhe und seine eigenen Treter nur zum Teil. Er selbst stand mit…Mehr

Moral

Von Henning Brüns Zerrieben mein Herz vonLieblosigkeit,hinterlassen alseinziges Vermögen der Eltern,winzige Leute,abgedroschen,zeit ihres Lebens umdie Moral betrogen. Das stille Fingern ausHaut und Knochen,ein feuchtes Fummeln ander Unterhose. Alle Tagelegt er Hand andieses Feuer. Legionenumnachteter Augenbrennen im Antlitz desparasitären Mitbewohnersmeiner verängstigtenÖffnungen. Ausgestorben seinerentstellten Menschenseeleelend treuverduftet meine Scham indie Ignoranz. * © 2022 Henning BrünsAlle Rechte vorbehaltenMehr

Bitte ein Lächeln

Von Carmen Schmidt Seit einiger Zeit hatte Detlef Baumann seine Liebe zum Bürgerpark, speziell zur Minigolfanlage, entdeckt. „Bewegung in frischer Luft ist doch ein schöner Ausgleich für unsere sitzende Tätigkeit“, erzählte er seinen Arbeitskollegen, die ihn verwundert ansahen, wenn er strahlend von seinen sportlichen Wochenenden am Montag ins Büro kam. Bisher hatte er sich an…Mehr

caesars ritt nach uxellodunum

Von Heinz Erich Hengel eigentlich sind die aduatucer keine großen krieger. sie kämpfen nur, weil sie gegen caesar kämpfen müssen. auf seinem kriegszug gegen die aduatucer muss sich der imperator vorher noch um die treverer kümmern. und kümmern heißt bei caesar kämpfen. den treverern eilt der ruf großer tapferkeit voraus. in der tat bringen sie…Mehr

Keine kleine Nachtmusik

Von Walther Stonet In seiner Linken hält er die Granate,In seiner Rechten schwingt ein Schießgewehr.Sein linkes Auge, blau einst, gibt’s nicht mehr.Was braucht der Mensch für eine Bachkantate? Zehn ganze Finger. Das sind die Geräte,Die G?tt, der Herr, dem Menschen wachsen ließ,Als er noch träumte, nackt, im Paradies.Jetzt haut er sich Granaten in die Gräte…Mehr

Am Himmel keine Geigen

Von Walther Stonet Die Welt verbrennt nicht nur die letzte Kohle.Es fackelt auch das letzte Gas, und langWird nicht gefackelt: Bombe und Pistole,Rakete und Gewehr. Bekannter Klang Für die, die schon den heißen Krieg erlitten –Nicht nur den Kalten. Deine Hand zu halten,Das möchte ich erbitten und inmittenDer wilden Zeit, in tosenden Gewalten Möcht ich…Mehr

This is how it’s gonna be.

Von Walther Stonet Die Welt ist mörderschwarz, und tief im DunkelZerplatzt in dieser Hölle ein Furunkel,Das lilaekelgrün den Grund bedeckt.Ein Wesen, das sich seine Eiterwunde leckt, Es schmollt mit sich und dieser ZombieerdeUnd ruft nach Mord und Krieg und Gier: Es werde,Hört man es wütend schrein, nie wieder Licht.Und wenn, dann sei’s der Blutmond. Und…Mehr

Juchhe.

Von Walther Stonet Da droben auf dem Berg, juchhe,Liegt noch ein kleines bisschen Schnee.Ein kleines Murmeltier fährt Ski.Ich sinke müde auf die Knie. Die Luft ist dünn, dünn auch der Tee,Doch droben auf dem Berg, juchhe,Geht ja der Blick so weit, so weit,Doch wölkt es sich recht stark zurzeit. Ich habe nichts im Blick als…Mehr

Vorbemerkung zu den vier folgenden Texten

Von Alexander Reisenbichler gewalt, krieg, mord, vergewaltigung schon am morgen zum fruehstueck als grosser leckerbissen. fast muesste man diese sahnehaeubchen des lebens als motor der evolution feiern, das aelteste gewerbe ist nicht prostitution sondern der als fortschritt getarnte mord von ideen in den iden des maerzens. die menschheit ist das einzige lebewesen das aufgrund von…Mehr

Text 1

Von Alexander Reisenbichler wieder sprechen napalm oder suesse schoki hasendie dann im wald auf minen tretenselbstbewusst auftreten wurde ihnen ja eingeblaeut wenn unsere waisenhaeuser leer sindsorgen wir fuer humanitaeren nachschubwas wir ihnen nicht alles hinten rein schieben wie die kirche die ja auch so viel in die jugend und kleine menschen stecktleider aber auch strafrechtlich…Mehr

Text 2

Von Alexander Reisenbichler kunst beruhigt laute malerei beruhigt stuermische suempfegedankenversunken erheben sich stille leben woerter werden uebermalt und bedeutungentrans zen diert nicht aus ra diert ohne aegyptische goetter und gertrude steinuebrig bleibt die grammatik als teutscher verbindungskleister mit klezmeerischer strandbegleitung mit seeblick grammatik bereitet den grundelnden konsens menschlicher kommunikation aufgrammatik ist neutraler kitt der sinnige…Mehr

Text 3

Von Alexander Reisenbichler wenn die realitaet gedanken in traeume zurueckdraengt andere kulturen zeitlos einverleiben langsam die fuehler in das zarte fleisch der zwetschke nasen in nischen feste tribaler faltengebirge feiern ohren an baumstamm hautfetzen legen fleckerlteppiche kultureller faeden verflechten sich in busch flaechen straenden * © 2022 Alexander ReisenbichlerAlle Rechte vorbehaltenMehr

Text 4

Von Alexander Reisenbichler enten warten in kolonnen kolonisten veraendern das leben der kolonisiertendie kolonisierten veraendern das leben der nachfahren von kolonistendie gedanken der kolonisierten nisten sich in die gedanken der nachfahren von kolonistender nachfahre von kolonisten faehrt wieder zurueck in das land der kolonisten und nistet sich dort wieder einund fragt sich ob er durch…Mehr

THERAPIE

Von Peter Lexa SCHIRMIST MITGENOMMEN– ES WIRD REGNEN SCHIRMNÜTZT NIX– REGEN KOMMTVON INNEN– BLEIBT AUCH DORT SCHIRMIST VÖLLIG SINNLOS * © 2022 Peter LexaAlle Rechte vorbehaltenMehr

nein-moll

Von Franz Niemand in nein-mollder seele erklingendie vorüberfliehenden schattenvon den denen einerauch du nur ein hauchwirst gewesen sein in mondstiller nachtnur ab und zuvom quaken aus verhirntembelästigtflatterst du dichins absichtslose frei * © 2022 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

Der Briefwechsel zwischen dem Gelehrten und dem Maler

Von Pawel Markiewicz Brief Nr. 1Der 5. Mai 2022. Bei der pittoresksten Morgenröte. Lieber Maler!Ich bin in aller Frühe erwacht und ich denke immer an einen erfüllten Tag, den mir ein Engel bringt. Ich habe Ihr abstraktes Bild gesehen und bin davon verzaubert. So ein superbes Ding! Ich will dich grüßen. Mag dein Gemälde die…Mehr

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