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In eigener Sache

Von Redaktion textmanege.com Die offene Lesebühne textmanege.com macht auf Grund von Umstellungen eine Pause. Sie wird im März und April 2023 nicht stattfinden, sondern erst wieder im Mai 2023.

Anmerkungen zum literarischen Schreiben

Von Johannes Morschl Hier geht es nicht um praktische Vorschläge zum literarischen Schreiben, das so wie jedes künstlerische Schaffen ein Akt der Selbstverwirklichung und Selbstbehauptung ist, sondern um einige Anmerkungen dazu und ein wenig Wissen darüber. So wie bei jeder selbstständigen künstlerischen Tätigkeit tritt man beim literarischen Schreiben mit sich selbst in Begegnung. Dazu braucht…

Die Vernissage

Von Johannes Morschl An einem Freitagabend im Februar 2002 stand der junge Wiener Dichter Franz Gerstl vor der Galerie Mai in Berlin-Mitte. (1) Er zitterte vor Erregung. Nach fast zwei Jahren würde er Anna wiedersehen. Sie wusste jedoch nichts von seinem Kommen, er war unangekündigt gekommen. In den fast zwei Jahren hatte er an kaum…

Ödipus

Von Johannes Morschl Der Name des Mannes, der hier seine Geschichte erzählt, könnte Ödipus sein, denn seine Geschichte ist jener von Ödipus, wie sie von Homer, Sophokles und anderen erzählt wurde, in gewisser Weise ähnlich, auch wenn es einige nicht unwesentliche Unterschiede gibt. Ich wurde im Jänner 1941 in Wien geboren. Österreich gehörte damals seit…

WARUM?

Von Anna B. Nach Ende des II. Weltkriegs zog die Familie von Susanne aufs Land in den Osten Österreichs. Das Mädchen war gerade neun Jahre alt geworden. Sie ist ungetauft, die Eltern Kommunisten. In der Stadt war das nicht so besonders ungewöhnlich gewesen, es wurde kaum darüber gesprochen; die Genossen gingen ein und aus, in…

Glühwürmchen

Von Ani Nersesyan -Schau mich an, verdammt! Mitten auf der Straße bleibe ich stehen, die Hände zu Fäusten geballt. Deine herannahenden schweren Schritte hallen laut auf dem Betonboden inmitten dieser Totenstille. -Schau mich an. Ich spüre deine Wärme auf meinem Rücken. Deine Hände ruhen schwer auf meinen Schultern und versuchen mich zu dir zu drehen.…

Try Me

Von Ani Nersesyan Neige deinen Kopf nach hinten und schau in den Himmel: Kleine Feuerzeuge, die über den Nachthimmel verstreut sind, erhellen die dunklen Straßen der Stadt. Schau dir diese kleinen hellen Laternen an, sie sind wie Streichhölzer, bereit, mitten am Himmel ein Feuer zu entfachen – zünde einfach mindestens eines an und du wirst…

Erlöst

Von Lena Kelm Während eines sonntäglichen Mittagessens bei Tante Lotte in Berlin erlebte ich eine Situation, die sich genauso in mein Gedächtnis einprägte wie die mit der Mettschrippe.Der Sonntag begann wunderbar, ohne Mettschrippe zum Frühstück. Ich hatte die Peinlichkeit der Situation noch nicht ganz überwunden.Die Julisonne sendete freundlich ihre Strahlen vom blauen Himmel in Tante…

Unbekanntes Berlin

Von Lena Kelm Bestimmt hat jeder Berliner im Laufe des Lebens irgendwann die Entdeckung gemacht: Berlin gibt es überall auf der Welt. Kleinere und größere Orte unter dem Namen. Die Namensvetter unserer Hauptstadt. In der heutigen Ära der medialen Informanten wie Google Wikipedia und Co kein Wunder.Mich hat auf die Idee, über Berlin zu schreiben,…

Langes dünnes Rot

Von Regine Wendt Langes dünnes RotKalte NachtGesprungener Eisfilm über der PfützeSchneeregen füllt Wasser aufLegt Schlamm frei, DreckMondlicht wassergespiegeltVogelschreiRuhe ohne SinnDu hattest rechtEs ist zu spät Langes dünnes RotWir hatten den Winter nicht so früh erwartetWir hatten die Richtung verlorenAußen und innen kaltEs fließt und wärmt nicht mehrDas BlutDu hattest recht es war zu spätFür dich…

Füße

Von Regine Wendt Meine Freundin Martina ist zu Besuch. Seitdem ich diesen Riesenfernseher habe, sehen wir uns gelegentlich zusammen einen Film an, machen es uns dabei gemütlich. Heute -Pulp Fiction- von Quentin Tarantino. Sie hat ihn ausgesucht wegen der Füße.Nach einigem Zögern erklärt sie mir warum. Ich beschäftige mich mit Füßen. Mit Schuhen und auch…

Zartgrau

Von Monika Jarju Neben mir geht ein großer zartgrauer Mensch wie eine lebendige Idee von einem Mann, nach dem es mich immerzu verlangt die Arme auszustrecken, ihn zu umfangen, das Graue an ihm einzufärben. Meine Arme werden halbschwer vom Innehalten. Mit jedem Wort sagt er etwas, noch mehr und etwas anderes, während wir Straßen, Areale…

gehdichte

Von Alexander Reisenbichler 1. mendels vererbungsgesetze von meinem grossonkel habe ich nur die faehigkeit nicht pfeifen zu koennen geerbt 2. entbilderung geben sie sich mit den vokalen zufrieden wenn dieses wort keine andere berufung fuer sie bereithaelt 3. was liegt pickt, hat er beim schnapsen gesagt entlaestige mich von diesen fliegen woertern die sich nicht…

Schwere Reiter – immer weiter westwärts!

Von Michael Wiedorn An diesem sonnigen Januarsonntag ist es schon frühlingshaft warm. Ich bin voller trügerischer Hoffnung und laufe vom Hohenzollernplatz aus immer in Richtung Westen – immer westwärts, bis ich in unendlicher Zeit – ich bin schon längst beim Marsch verstorben – an der Atlantikküste ankomme. Mein vergehendes Leben hat ein klares Ziel. Ich…

Der Kanalräumer

Von Michael Wiedorn Er ist unten. Die Herren haben ihn hinunter in die Rohre verbannt. In den Gestank, den nur noch Ratten bewohnen. Ein kräftiges Tier springt aus dem Schritt des Arbeiters und eilt weg von dessen Körper. Das dicke, feste Gummi einer Watthose umschließt den schwitzenden Mann. Der Erniedrigte wird nie das fröhliche Leuchten…

Der Auftrag der Vögel

Von Michael Wiedorn Vögel fliegen am Himmel. Niemand sieht sie.Arbeitend in geheimer Mission.Der Himmel verschließt sich. Wolken toben.Die Mauer wird schwarz. Alles stirbt.Gestern habe ich alles beobachtet. Gestern ging noch alles.Der Fluss ist jetzt aus Glas.Das Blut stockt in den Venen. Purpurrotes, kaltes Glas klirrt.Ich bin kein Tier mehr.Ich stehe und warte.Sieben Jahre wird es…

Wie die Toten leben

Von Michael Wiedorn Es ist ein verschneiter Sonntagnachmittag in einem Altenheim in Moosach. Ich steige mit meiner sechsundachtzigjährigen Mutter aus dem Fahrstuhl. Ich öffne die verglaste Flügeltüre und wir betreten einen großen Saal, vollgestellt mit Tischen und Stühlen. Mehrere alte, allzu alte Menschen sitzen über den ganzen Raum verstreut. Haben sie den richtigen Zeitpunkt zum…

Ich schwimme, ich fließe

Von Michael Wiedorn Ich schwimme im Fluss, fließend aus der Badehose. Der Strom leuchtet azurn gegen die türkisenen Kacheln. Ich bin ein Fisch und tummle mich in der Flut. Wogend in den Wellen. Gischt spritzt und ein bleicher, steifer Körper treibt ins Meer. Hinaus ins Freie. Wogend im Tode. Leistungssportler grölen fröhlich und springen vom…

Und wenn nicht

Von Dorothea Lesche Dieser Schmerz in der Brust. Wie Krämpfe. Wie Schluchzen. Die Einsamkeit wie ein Schmerz in der Brust. Und um die Einsamkeit herum all die Menschen. Warum merkten sie nichts, all die Menschen.Von hier und von dort kamen die Menschen auf den Platz, aus der Septembersonne, aus der U-Bahn, von zu Hause, aus…

Der letzte Satz

Von Dorothea Lesche Meine Mutter fürchtete die Schlangen. So stand er auf dem Papier, der erste Satz. Für ihre Mutter wollte sie diesen Aufsatz schreiben. Thema „Ein Gefühl“, Abgabezeitpunkt 10:00 Uhr. Rechts oben an der Wandtafel lauerte die Zehn: eine Eins und eine Null, ein Doppelpunkt und zwei Nullen, eingekreist in Rot und Gelb und…

Wellen

Von Hannah Knaack-Völker Wellen. Wellen schaukeln. Wellen schwanken, schwanken wie das Leben. Das Leben ist nicht fest. Es steht nicht auf Granit. Es ist mehr wie eine Autobahn, die über Torf gebaut wurde. Nicht jeder, der darüber fährt, weiß um den Untergrund. Die, die Bescheid wissen, glauben vielleicht, dass das Bauwerk hält, dass es stabil…

Ferne

Von Hannah Knaack-Völker Ferne. Berge. Wälder. Wolken. Regen. Wind. Keine Lichter. Nur Ferne. Was macht ein solcher Ausblick mit einem? Um in die Zukunft zu gucken, ist es wichtig, in die Ferne zu gucken? Muss ich etwas wie Weite mit meinen Augen sehen, um den Horizont in meinem Leben zu sehen? Was passiert, wenn man…

Die Synkope

Von Delia Kassi Die Synkopeist es doch, die interessiert.Das Stolpern, Innehalten aus Versehen,die feine kleine Irritation,die aufhorchen lässt, mindestensein Zucken macht sie innerlichein Wanken, Zaudern. Und der Wechsel Triole, Duole,immer wieder ein Spaß.Ein Torkeln macht’s wie auchdie Wechsel im Takt, aus der Laune. Und die kleine Sekunde,die lieben wir weil sie schneidet,ritzt und beißtein klein…

Das blaue Bild

Von Barbara Gase Ines lief ins Badezimmer und ließ sich eiskaltes Wasser über die Pulsadern laufen. Ihr dünnes Long-Shirt klebte am Körper. Sie atmete durch den Mund, wischte sich die Schweißperlen von der Stirn und wusch die Farbe ab, die sich auf ihren Händen und Armen verteilt hatte. Ein blauer Strudel strömte in den Abfluss.…

Mehr Sein als Schein

Von Alexander Zar Henry sass an seinem Schreibtisch und verharrte wie eine Säule; es war wieder einmal Weihnachtszeit, die ihm gar nicht behagte und so zog er sich in seine Kammer zurück und wollte möglichst allen Begegnungen aus dem Weg gehen. Er lebte in einem recht kargen Appartement, das er sich gerade noch so leisten…

Wissen, das die Welt nicht braucht

Von Michael Kothe »Liebe Zuschauer, wir melden uns zurück aus der Werbepause. Hier ist die beliebte Quiz-Sendung ‚Wissen, das sie Welt nicht braucht‘. Ich bin Jünter Gauch, und mir gegenüber sitzt Jan Sprockhövel, der sich bis zur 10.000-Euro-Frage vorgearbeitet hat. – Herr Sprockhövel, sind Sie bereit für die 10.000-Euro-Frage?«»Klar! Bereit wie immer.« Siegessicher grinst der…

Kunst und Krempel

Von Michael Kothe Düster reckte sich die Villa über die mannshohe Ligusterhecke, gerade so, als wolle sie beobachten, was auf der anderen Seite im Nachtdunkel vor sich ging. Unbeugsam streckte sie dem Novemberniesel ihren Giebel entgegen. Gerade wie aus Trotz, weil er das gedämpfte Licht, das sich durch die Lamellen der Fensterläden quälte, zur Gänze…

Menschen. Leben.

Von Walther Stonet Der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Nein, er muss handeln,Muss Gutes schaffen und dem Bösen wehren. Doch:Was immer er auch tut, er endet tief im Loch,Muss schließlich sich in jenen Lehm zurückverwandeln, Aus dem er einst gebacken durch sein Leben kroch.Er wird sich irgendwann mit irgendwem VerbandelnUnd liegt in Betten, fläzt…

Бахмут. Himmel. Blau.

Von Walther Stonet Der blaue Himmel spannt sich übers Land.Er segnet selbst die Hölle unter sich.Dort bomben sie sich tot, und der VerstandVerließ sie lange schon. Gelegentlich Fliegt eine Amsel durch den Fleischwolfschlund,Der sich hier aufgetan hat: FebruarWar’s, los ging’s ohne jeden guten Grund.Jetzt ist‘s ein Wintertag im Januar, Und keine kleine Wolke steht im…

Abschied im Anzug

Von Walther Stonet Der Anzug hängt zerknittert da. Wie ichIst er total und völlig durch den Wind.Ich weiß nicht, wie der letzte Satz beginnt.Ob sie‘s verzeiht? Ich bete flehentlich Zu allen Göttern, die mir gnädig sind:Ob’s einen gibt, das weiß ich leider nicht.Die Hände halte ich vor mein GesichtUnd weiß, dass im Moment mein Glück…

Zwiebelmania

Von Walther Stonet Herr Karl aus nem Vorort von ZossenHat kürzlich viel Tränen vergossen.Er schälte ne ZwiebelUnd die nahm das übel,Das hat beide ziemlich verdrossen. *  © 2023 Walther StonetAlle Rechte vorbehalten

An betung

Von Walther Stonet Der bei trag des nachrichten sprechers zerfledderte im rauschen des tornados Elms feuer auf kirch turmspitzen brachen ab & fielenunter die un gläubigen die ins kirchenschiff strömten des betens wegen In den erhobnen zeige finger des predigersfuhr der blitz & hielteine donnernde predigt Im gesang buch tanztendie noten zu „Ein festeBurg ist…

Flugmodus

Von Anke Meer Ok Handy, ich habe es geschafft dich heute wenigstens eine Stunde auszuschalten und sechs Minuten Flugmodus. Obwohl mich das Plakat an der Eingangstür vom Kindergarten täglich erinnert. Warum zum Teufel schmeiße ich dich nicht endlich in die Spree. Weshalb tun Smileys wieder so weh? Aus jetzt! Digital Püree. Speicherkarte SD, morgen bist…

Freundschaft

Von Markus Katzenmeier Erst nach den Entdeckungsreisen lauern die GefahrenWorte, Themen, Taten – fast immer mit VerfallsdatumSehr klein gedruckt Und plötzlich bist du wegUnd duUnd du auch Schuldlos war ich nieDennoch bleibt die Frage:Freundschaft, was ist das eigentlich? * © 2023 Markus KatzenmeierAlle Rechte vorbehalten

überall liegen die scherben herum -Aphorismen II

Von Gerald Marten  DAS  UNIVERSUM  IST  DER  GELUNGENE  VERSUCHEINES  IRRTUMS EIN  HAUFEN  SEKUNDEN  MACHEN  EINE  MINUTEEIN  HAUFEN  MINUTEN  MACHEN  EINE  STUNDEEIN  HAUFEN ZEIT  MACHT  EIN  LEBENEIN  HAUFEN  LEBEN  MACHT  EINE  SEKUNDE DIE  GIRAFFE  IST  EIN  SAURIER  IM  SCHAFSPELZDER  MENSCH  IST  EIN  AFFE  MIT  NOBELPREIS IHR  SEHT, WAS  IHR  GLAUBTABER  GLAUBT  NICHT, WAS  IHR  SEHT PFLICHT  IST  DIE  FLUCHTVOR  DER …

Undeutsch

Von Achim Koch BerlinMitte Es war ein regnerischer Tag im Mai, und ich dachte noch, bei dem Wetter würden sich nur wenige ins Zentrum wagen. Doch auch damit hatte ich mich geirrt. In der letzten Zeit hatte ich mich häufig geirrt. Oder mich irren wollen.Wer kennt sich selbst schon wirklich gut, will sich wirklich gut…

Welt

Von Marcus Nickel Ist ein Schmerz, eine Krankheit oder ein Unfall die Folge für menschliche Verfehlungen, für Untaten oder gar Verbrechen? Und wie verwerflich wäre es, dies einem verletzten oder kranken Menschen an den Kopf zu werfen? Wie man es nennen will, ob Schicksal, Karma, Zufall, hängt von der persönlichen Einstellung ab. Ich sage jedenfalls,…

wirken lassen

Von Philip Bartetzko Wir müssen lebenUnd Leben wirken lassen.In uns seinUnd auch den Schmerz zulassen.Keine Furcht vor Selbsterkenntnis –Keine Zweifel an dunklen, scheinbar lichterlosen Tagen –Die Hoffnung, die im Inneren begründet ist –Die Faszination, die uns nicht loslässtKann uns durch den Nebel tragen. –Große, wilde Liebessagen – welche die Zeit anhaltenWährend andere Sterne auch den…

Common Blackbird

Von Jens Kotowski Obsidianschwarzes GefiederLeuchtend gelber SchnabelGelber Ring um AugenliderKräftig glänzen die Flügel Gerade noch leiser GesangSchon der Hahn zum Kampfe bereitGestern! Heute ohne BelangFür Braut und Brut wird es bald Zeit Weiterhin lenzfreie WochenIn einem noch jungen JahrWinterruh ist durchbrochenUnd Amsel hat ihr Revier längst klar * © 2023 Jens KotowskiAlle Rechte vorbehalten

Der grüne Gründer

Von Max Schatz Der hinter seinen Ohren grüne Gründerkann den omnipräsenten Bildschirmensich kaum noch widmen, stampft wie wild Firmenaus kargem Boden, stopft kritische Münder mitnichten, hat sich registriert bei Tinder,Papiere sich zu einem Schild türmenauf seinem Schreibtisch, Burnout killt Birnender Mitarbeiter, buhender wie Rinder. Die Flut von Daten, doch kein Daten; Lieben –komplett ein Märchen.…

9.4.00/12:15 grinzinger friedhof

Von Peter Lexa das frühlingserwachen schmerztist nicht mehr teilbardu liebtest alles, was wächst, so sehr grau die tageeinsam die nächtedu bist nicht mehr verdrängt ist, was uns trenntealler hader dahin hoffnung auf neues lieben? – der sportliche grauschopf der eben vorüberging! * © 2023 Peter LexaAlle Rechte vorbehalten

damals

Von Franz Niemand ganz ohne spracheim walzertaktmit glasaugenvoller sehnsuchtdurch abgründetraumatischer tiefgangzügellos poetischeseefahrtenmit schlingen um den traumdas gruftige jubiläum derbrüchigkeitdes aufrüttelnden kussesdes alptraums damals unendlichin vergessenheit gesunken * © 2023 Franz NiemandAlle Rechte vorbehalten

zerschredderungen

Von Heinz Erich Hengel schredderung I:im schredder-shop die maschinen surren oft es kracht, als würden knochen brechen auch wenn es noch vieles gäbe zu besprechen: das surren ist von kurzer dauer bis die festplatte ist zerhackt nicht aber ists das hacken > es ist das schreddern… und das zählt zerschredderte knochen in einem brei von…

Kleines Essay an Silvester

Von Pawel Markiewicz Ich spüre eine unendliche Wonne, die mir ein Geist des Silvesters schenkt. Ich kann einfach zärtlich den Engeln die Seele geben. Ein Zauber des Abendrotes erwacht in meinem Innern. Die Ewigkeit ruft nach einem Traum, der soanmutig glitzert. Der Flimmer der Sehnsucht offenbart eben pompöse Erfüllung, zu Silvester. An Silvester fließendie Gedanken…

Beide Pachamamas

Von Pawel Markiewicz Der Duft mehliger Äpfel bei Oma bestrickte jeden schlechthin. Meine Großmutter war die erste große Pachamama für unsere Familie und meine Träume. Sie pflegte einen zaubervollen Obstgarten, in dem viele Sorten von Apfelbäumen über den Lenz aufblühten und Früchte im Spätsommer oder im Frühherbst trugen. Und die Ontologie der Äpfel war der…

Drei Limericke

Von Pawel Markiewicz Wegen einer Betörung durch den Apfelzauber schrieben: die Oma (alte Pachamama) einen Limerick über die Philosophie, die Mutter (junge Pachamama) einen Limerick von der Dichtung sowie eine Made, der Spiegel von Pachamamas, einen Limerick über den Nationalismus in dem Apfel nieder. 1. Der Limerick über die Philosophie Die Ontologie tanzt mit Geistern.Mit…

Der Doppelgänger

Von Johannes Morschl Es war in einer verregneten Novembernacht in Berlin, als der 44-jährige Dichter Georg Wirre glaubte, von jemandem verfolgt zu werden. Er ging gerade vom Heidelberger Krug am Chamissoplatz, wo er mit sich selbst gezecht hatte, zur Nachtbus-Haltestelle am Platz der Luftbrücke. Zuerst fiel es ihm gar nicht auf, doch allmählich drang es…

Hoher Besuch

Von Johannes Morschl Eurydike lag auf einer Couch aus Omas Zeiten und rauchte eine lange, dicke, verdächtig riechende Zigarette. Auf dem fleckigen gelben Teppich vor der Couch lagen zerknüllte Papiertaschentücher, leere Bierdosen, eine achtlos abgestreifte Strumpfhose, ein Buch über Tantra-Sex und ein Plastiktütchen mit Marihuana. In einer Ecke saß Orpheus auf einem Stuhl, zupfte auf…

Bochum West

Von Madame Pavot Und ich laufe,ein sicheres Gefühl.Trotz der Nacht,der glatten Pflastersteine,und du bist immernoch meine Stadt,die singenden Bahnhofspennersind Heimat auf dem grauen,dem rissigen Asphalt. Und ich laufe,ein Blick zurückauf das Schwere,auf das Leichte,auf die Häuser,chaotisch aus dir ragend,an der Ampel,schlecht geschaltet,brüllt wieder jemand `rum. Und ich laufe,ein wohliges Gefühl,denn du bist Bochumund ich kehreimmer…

Blinde Flecken aufgehellt

Von Regine Wendt Gestern. Das Einkaufszentrum zerrte an meinen Nerven, verklebte das Gemüt. Nur raus hier. Abends war sie da, das Mädchen, wie es zärtlich seine Schätze begutachtete. Glitzersternchen, Federn, Märchenfestsachen. Es kniete auf dem Boden, suchte mit liebevollem Bedacht ein wenig Schmuck, versunken in all dem, was entzückte. Ein weiches Lächeln, ein kleines Wunder…

Vier Farben Weiß

Von Monika Jarju Ein milchig kalter Januartagfast eintönig weiß plötzlich stand er einfach daein stilles Licht im matten Weiß eine Farbe ohne Namenhauchdünn leuchtend unbestimmt zugleichich fühlte ihn irgendwo in mir drin fast greifbarim flüchtigen Augenblick waren wir vollkommen wirklichin einer Geschichte dann löste er sich aufim magisch diffusen Weiß mit der Liebetäuschte ich mich…

Heuhaufen

Von Marion Kannen Ich renne zurück zur Lichtung. Das Gras steht sehr hoch -zuerst sehe ich das Haupthaus.Es ist mit Stroh gedeckt und kleiner als ich es in Erinnerung hatte.Dann sehe ich die beiden anderen Hütten.Menschen sehe ich nicht. Sie sind gegangen oder tot.Es wird keine Zuflucht geben. Ich muss weiter. * © 2023 Marion…

Katzenkonfekt 1

Von Marion Kannen Wir redenAntwortet sie mir, als ich sie, die in meinem Arm gemütlich auf dem Rücken liegt,zur Rede stelle : “ist halt die 2. deiner Alternativen!”Stimmt, – damit hat sie mich erwischt. Wieder einmal. * © 2023 Marion KannenAlle Rechte vorbehalten

Bethlehem 2.0

Von Hans Peter Flückiger Haben sich die Propheten geirrt?Auf dem Felde sind auch die Hirten verwirrt.Josef ist noch ganz benommen.Das Christkind ist nicht angekommen. Muss die Menschheit unerlöst bleiben?Himmel und Erde ins Chaos treiben?Es war doch alles so schön gedacht.Die Pfründe verteilt, und auch die Macht. Strahlend steht Josef erneut vor dem Stall.Kommet ihr Leute…

Weihnacht 2.0

Von Hans Peter Flückiger Leise rieselt’ s nicht mehrAuch die Schneekanonen schweigenDas Wetter ist zu warmUnd der Strom zu teuer Die WeihnachtskugelnNeu trittfest aus LederHängen nicht mehr an grünen TännchenSondern rollen über grüne Rasen Aber halt –Hört ihr nicht die Schalmeien schallen?Macht hoch die Tür, das Tor macht weitZu den Konsum- und Unterhaltungstempeln * ©…

Kauderwelsch*

Von Hans Peter Flückiger Lex Vögtli (*1972)Nreigärtserip sed Ausrpesugnlltseis red Tdats Solothurn 2022Lex Vögtli dirw siesed Rahj rüf irhe eingitargizen, ngotmorfassireg Nogallec tim med Ausrpesugnlltseis red Stadt Solothurn autnecheizges. Red Sreip dirw nov red Tdats auf Agrtan red Yurj red Ganlletaussseruhj nehlierev udn tsi tim 5000 Nkanref torietd. Neu dirw red Ausrpesugnlltseis um eine Augnlletuss…

SCHWERER ALS GEDACHT

Von Claudia Dvoracek-Iby Bei unserem allerletzten StreitFiel dir ein grauer SteinAus dem MundDu hast es nicht bemerktUnd ich habe nichts gesagtAls du gegangen bistHabe ich ihn aufgehobenWar schwerer als gedacht Seitdem trage ich ihn bei mirUnd verfluche dichDenn seitdem schimmert erSo schön dein SteinSchimmert in allen FacettenVon ozeantiefem BlauIhn einfach wegzulegenIst schwerer als gedacht *…

Fritz Gottschalk

Von Heidi Ehrnböck du warst mein Urgroßvaterals ich noch ein Baby warund du mich in der Stubein den Schlaf geschaukelt hast die Erinnerung an dichlange, weiße Haareein Lachen mit Zahnlückeschwarze, dicke Augenbrauenso unklar wie einSchwarz-Weiss-Foto du hast immer Postkartenabgemaltund hattest ein Hörgerätwarst immer gut draufund ich trank neben dirKinderkaffeeich habe auch mit dirgemaltso wie alle…

GRATWANDERUNG

Von Nicole Schrepfer Das Jahr ist um, man schaut zurück,auf Leichtes, Schweres, all den Rest.Man zaudert, zagt, das letzte Stück,beginnt von vorn, so manchen Test. Der Körper schmerzt, man ruht sich aus,pflegt und schützt, was wund uns scheint.Man gönnt sich Zeit, bricht ein und aus,steht wieder auf, lacht und weint. Der Kopf sinnt nach, spielt…

Weihnachten steht vor der Türe

Von Michael Wiedorn Blut strömt aus den Lungen in die U-Bahn, fahrend zum Hunde des Herrn.Weihnachten steht vor der Türe.Singend das Blut aus den Lungen in die Pfoten.Die Hunde laufen im Walde, bellend vor Erregung in der Erwartung der Bahn.Singend regt sich der Jäger im Walde, sich streckend auf dem Hochsitz.Er fährt im Dunklen.Das Wasser…

Wenn du nicht auf die Tiere hörst!

Von Michael Wiedorn Der Hase springt. Sanfter Blick aus runden Augen. Das weiche Fell. Der Hase springt weit in den Himmel. Der Jäger konnte das Tier nicht erlegen und häuten. Die Kinder streichelten vor der Jagd das Fell. Ihr Liebling zitterte wie Espenlaub. Der ins Weiteste und Fernste hoch wachsende Hase verzehrt immer größere Teile…

Von drüben

Von Michael Wiedorn In der Amerika-Gedenkbibliothek sitzt gelegentlich an einem der vielen Tische vor dem großen Fenster zum Halleschen Tor hin ein altes Pärchen. Ein Mann in den Fünfzigern mit Hornbrille und einem grauen Haarkranz um die Altersglatze. Seine Gesichtshaut ist rot. Die zwergenhafte Greisin an seiner Seite ist vielleicht schon weit über hundert. Ihre…

Wenn die Bilder der Erinnerung festgehalten werden, erlöschen sie

Von Michael Wiedorn Ich sitze in meinem Zimmer, ich laufe durch die Straßen und in meinen Gedanken ziehen schemenhaft Gesichter und Orte vorbei. Ich bin zerstreut und verfließe in Tagträume und Grübeleien. Aus den Fluten der Erinnerungen – der abgespeicherten Bilder und Bildbruchstücke – taucht eine weiße Mauer auf. Ich stehe unmittelbar davor. Der Traum…

Selbständig

Von Michael Wiedorn Er ist frei. Er liebt seine Freiheit. Keine Bindungen schnüren ihn ein. Früher hätte man ihn als Junggesellen bezeichnet. Er nennt sich lieber einen Single. Unter Junggesellen stellt man sich traurige, ältliche Knaben in billigen, altmodischen Anzügen vor. Unter der Woche buckelten sie zu festen Bürozeiten vor dem Chef. Punkt acht Uhr…

Winter. Acht.

Von Walther Stonet Der Winter bricht sich gerne Beine.Auch Arme, Hände, Rippen, Füße.Wenn’s hart auf hart kommt, auch den Hals,Die Beckenschaufel ebenfalls.Er sendet dazu WeihnachtsgrüßeUnd häufig Flöckchen, süße, kleine:Sie lässt er hoch vom Himmel drobenDurch Stadt und Land ein wenig toben. * © 2023 Walther StonetAlle Rechte vorbehalten

Eben.

Von Walther Stonet Der letzte Schritt ins Abseits, der letzte Blick ins Nichts:Es sprang sich leicht ins Weite, man flog kurz schwerelos,Man denkt sich: Wow, ich gleite, und fühlt sich riesengroß.Ein Schlag, ein letzter Brechreiz, Verlöschen allen Lichts. Was bleibt, ist nur ein Haufen von Fleisch und Knochenschrott:Vergeben sind die Chancen, vorbei sind Wunsch und…

Herbst. Elegisch.

Von Walther Stonet Es tanzt der Herbstwind laut in allen EckenUnd bläst dazu zum Spaß die Flötentöne.Wenn’s Blütenträume gab, hey, sie verrecken.In Grau gewandet altert selbst das Schöne. Die Tropfen zählen auf den kalten Schreiben,Die Atemfahne nach den Winden hissen,Mit Schwermut sich die Lebenszeit vertreiben:Gedichte dieser Art sind so beschissen. Man möchte dieses Blatt sofort…

Mein Glück

Von Walther Stonet Mit Winterwonderland wird’s diesmal nichts.Der Schnee ist längst im Gully abgeflossen.Der Weihnachtsmann schiebt grade sehr verdrossenDen Schlitten durch die Straßen. Ihm gebricht’s An Eis und Schnee, dass Kufen sauber rutschen.Das Rentier Rudi hat ne rote Nase,Das Christkind hat es böse an der Blase,Knecht Ruprecht sollte Hustenbonbons lutschen. Das Weihnachtsfest ist richtig aus…

Sonnet. Klingt gut.

Von Walther Stonet Ich leere mich in diese kalte Schale.Als Suppenhuhn und -hahn bin ich gesund.Und wie ich mich in dieser Brühe aale!Mir läuft schon Wasser in den trocknen Mund. Warum auch nicht: Ich liebe das BanaleUnd mal es an – so richtig kunterbunt.Ich feire mich als woke Biennale.Da steht doch sowieso nur Kitsch und…

falternacht

Von Franz Niemand o falternacht der verwunschenen poetenan wodkaüberschwemmten gestaden bleichdelirieren sie ihre minnegesängean die holden kellnerinnenund als du sternübersätehinter der theke hervortratstund dein leidgespurtes antlitzden schatten den verkrüppeltenden ausgespieenen zuwandtestund das silbrige licht deiner auradie eiterwunden ihrer herzenund hirne milderteda erwärmten sich sogar dieklapprigen lenden der alten poetendie in die himmel deiner augen abstürztensich…

Niemand mehr da

Von Markus Katzenmeier Ermuntert, kritisch zu seinStudiumNeue HorizonteAufbruchAndere MenschenLesen als magische HandlungEine bessere Welt des GeistesDie man vorgefühlt, ersehnt hatteEndlich war sie daSchön und wichtig Doch in der Lebensschule nur verirrtSo viele Chancen vergebenNicht eine einzige Prüfung bestanden Nun ist alles längst vorbeiNun endlich verstehe ich viel mehr vom LebenVon dem, was wirklich zählt Aber…

titelsucht oder titelsuche: teutscher war nicht einmal horribilicribrifax

Von Alexander Reisenbichler das grimmsche woerterbuch konnte sich gegen den duden nicht durchsetzen. das romantische projekt das dem barock in der linguistischen nachspielzeit eine renaissance widmete und goethe aus den untiefen von weim arischen suempfen in die enzy klo paedische ewigkeit verhalf wird hier in einigen geh dichten hinunter gespuelt. wir wollen hier als augendiener…

Toastermord

Von Michael Kothe »Ja verdammt, dann hab ´ ich ihn halt umgebracht. Ich habe mich von hinten an ihn herangeschlichen und ihm das Kabel um den Hals gewickelt. Zweimal. Dann habe ich zugezogen. Mit aller Kraft.« Meine Hände vollführten die Bewegung nach. Ich sank in mich zusammen. Was mein Gegenüber auf der anderen Seite des…

Zwei alte Männer

Von Michael Kothe Ungewohnt langsam stapft er den Hügel hinauf. Am Alter kann es nicht liegen, normalerweise marschiert er recht flott. Sein Gang scheint gebeugt, nicht aufrecht wie sonst. Aber da bin ich mir nicht sicher, es mag an der Steigung liegen, denn nur die letzte Strecke schaue ich ihm entgegen. Wäre ich aufmerksamer gewesen,…

Liebesachterbahn

Von Nakimuli Spieler Kapitel 1 Die Kerzen brennen, das kann ich von meinem Standort aus sehen. Ich nehme seine Stimme in der Küche wahr. Mein Bauch gibt einen aufgeregten Ruck. Kocht er etwa für mich? Ich ziehe die Jacke aus und hänge sie auf. Das Zimmer ist warm und ich freue mich darüber, denn ich…

Aphorismen

Von Gerald Marten ZU DEINER GEBURT SCHENKT MAN DIREINE HEUGABELDAMIT DIE SUPPE DEINES LEBENSAUSZULÖFFELN WEIN  IST  NUR  DAS  POETISCHE  WORTFÜR  SCHNAPS. UND SCHNAPS IST DER  KLAPSAUF  DEN  ARSCH  DES  LEBENS AUCH  DAS  WORT  IST  EINE  TATES  TUT  SICH  ÄUSSERN DIE  UNERTRÄGLICHEN  HABENDREI  MÜNDER. SIE REDEN  NOCHZU  DEN  OHREN  RAUS ES  IST  DAS  SCHLIMMSTE  SCHLIMMEDES  MENSCHEN …

Die Clownin

Von Jens-Philipp Gründler Wärmeschauer durchfuhren Margret, als sie ihrer über alle Maßen geliebten Frau Roberta dabei zusah, wie sie die Hunde fütterte, auf der ausladenden Wiesenfläche ihres Gartens. Sie bedeutet mir immer noch alles, dachte Margret und setzte ihren Gedankengang fort. Meine Liebe zu Roberta wächst sogar weiter und weiter, das kann ich mir kaum…

Eine kalte Sünde

Von Jens Philipp Gründler Infolge der Tet-Offensive war Walecki einst aus der US-Armee desertiert. Am Tag des Neujahrsfests im Jahre 1968 hatten die nordvietnamesische Armee und der Vietcong einen Überraschungsangriff gestartet. Walecki war zu dieser Zeit in Saigon stationiert gewesen. Die dichten, weißgrauen Rauchwolken über der Stadt kann er nicht vergessen. Damals ergab sich der…

Der Poet der Schlachthöfe

Von Jens-Philipp Gründler Zartfühlend möchte ich sein, freundlich und liebevoll, dachte Paul Botticher wieder einmal. Die Nächte waren die Hölle, da sie von der allabendlichen, medikamentösen Vergiftung eingeleitet wurden und nicht vergehen wollten. Am Morgen, sagte sich Botticher, wenn im Mai die Blau- und Kohlmeisen vor meinem halb geöffneten Dachfenster tschirpen, dann geht es mir…

die konferenz der konzessionen

Von Heinz Erich Hengel wenn nicht, dann aber – aber das dann unbedingt es darf nicht sein dafür muss man konfliktfreie freiheitsbeschränkung aber nur mit konzessioniertem konfliktlösungsmanagement eine pandemie der lügen und der ungewollten keine tischnachbarn auf virtuellen konferenzen: ohne konferenztische keine tischgebete hände falten – goschen halten… haltemanöver am boulevard of broken dreams konzessionen…

Archaismus

Von Andreas Rüdig Ein Archaismus ist ein altes Wort, das heute nicht mehr gebräuchlich ist. Oheim = Onkel, Karzer = Arrestzelle an Universitäten, Kegel = uneheliches Kind, Muselmane = Mosel sowie Mumpitz = Schreckgestalt / Vogelscheuchte sind Beispiele dafür. Der Verein für ausgestorbene Begriffe ist im niederrheinischen Moers ansässig. Anlässlich der Einweihung der Räumlichkeiten lud er zu einem…

US-Dollart

Von Andreas Rüdig Ja, es ist wahrder erste US-Dollárer ist gestohlenvon Ruhrpolener hat gefehlt im Schrankder Deutschen Bundesbank.  „Wir sind untröstlich, aber der Dollar ist nicht nur ein unersetzlicher Sammlerstück,“ betont Wendelin, Vorstandsmitglied der oberen Bundesbehörde. „Wir können den Dollar auch besser konservieren, restaurieren und aufbewahren.“ Der Diebstahl sei nicht von ungefähr gekommen, wie Theobald Phrastus, der…

Tattoo admiring

Von Andreas Rüdig Tattoo admiring heißt eine neu entdeckte Sexualpräferenz, die jetzt in bayerischen und baden-württembergischen Klöstern entdeckt wurde. Diese Klöster werden vom „Orden zur Anbetung des Körpers und Herzens Jesu“ betrieben. Wie der Name der Sexualpräferenz schon erkennen läßt, sind alle Ordensangehörigen, Männer wie Frauen gleichermaßen, mit einem Tattoo versehen. Normalerweise ist die Körperbemalung unter…

St. Cyriacus

Von Felicia Rüdig St. Cyriacus ist ein Helfer in der Todesstunde und bei teuflischen Anfechtungen. Ich strebe nach dem Sterbenund entfleuche aus dem Leben Doch wie mich entleiben? Verbrennen?Schmerzen will ich nicht erkennen. mich selbst erwürgen?dafür brauch´ ich einen Bürgen, der den letzten Rest erledigt.mein Name ist dann nicht verewigt. mich erschießen?das würd´ mich nur verdrießen ertränken, stürzen, hängen?dann bin ich…

Arithmomanie

Von Felicia Rüdig Die Arithmomanie ist eine Zwangsstörung, bei der unaufhörlich Rechen- und Zählaufgaben gelöst werden. Die Aufgaben müssen nicht alle relevant sein. Graf Zahl heißt eine Figur in der Sesamstraße. Sie soll Kindern Freude an Zahlen und am Rechnen vermitteln. „Ich habe die Sesamstraße nie gesehen; von daher kenne ich Graf Zahl nicht,“ berichtet Luitpold. Er…

Die Angst vor dem Tod

Von Johannes Morschl Der Mensch ist wie ein Hauch; seine Tage sind ein vorbeifliehender Schatten. (Psalm 144,4) In seinem Buch Existentielle Psychotherapie weist der US-amerikanische Psychotherapeut und Romanautor Irvin D. Yalom (u.a. Als Nietzsche weinte, Die Schopenhauer-Kur) darauf hin, dass Psychotherapie unvollständig bleibt, wenn sie nicht den Zusammenhang der psychopathologischen Symptome mit der ständig unter…

Lotterschreck 5

Von Johannes Morschl An einem Sonntagmorgen Mitte November 2022 stellte Lotterschreck sich vor den großen Spiegel im Vorraum seiner Wohnung. Er sagte zu seinem Spiegelbild: „Wie sieht man denn als Mensch aus? Man sieht ja schrecklich aus! Man ist ein degenerierter Affe, ein Nacktaffe, man hat nahezu seine ganze Körperbehaarung verloren! Und dieses Gefühls- und…

Ein echter deutscher Gartenzwerg

Von Johannes Morschl In Deutschland bilden zwei einen Verein. Stirbt der eine, so erhebt sich der andere zum Zeichen der Trauer von seinem Platze. (Karl Kraus) Ein trostloser Sonntagnachmittag in einem verschlafenen Provinznest namens Miefendorf. In einem renovierungsbedürftig aussehenden Saal stehen mehrere Reihen Holzstühle, ausgerichtet auf ein Podium vor der Rückwand des Saals. Auf dem…

Das Rätsel der Sphinx

Von Hans Peter Flückiger Alles hängt am seidenen FadenDer Alltag ist in SchieflageObskure Hände ziehen die FädenGräber ersetzen die GartenbeeteEngel mit Palmwedeln wenden sich abWas ist das? Das Jahr 2022 © 2022 Hans Peter FlückigerAlle Rechte vorbehalten geschichten-gegen-langeweile.comBild: «Das Rätsel der Sphinx», 1934, Walter Kurt Wiemken, Ausstellung «Die Sammlung Gerhard Saner», Kunstmuseum Solothurn, 21.08.-31.10.2022

Die Wiedergeburt

Von Michael Wiedorn Etwas zu früh erscheine ich auf dem Krankenhausgelände. Ich bin ausgeschlafen. Kein Grund zur Sorge. Staroperationen sind heute Routine. Fließbandarbeit. Heute strahlt die Sonne. Die Sommerferien haben schon begonnen und die Freibäder dürften heute gerammelt voll sein. Es sollte kein Tag zum Sterben sein, sondern ein Tag des Vergnügens.Wenn man das Krankenhaus…

Die Erbschaft

Von Michael Wiedorn Sie betrachtet seinen roten Stiernacken. Seine Visage ist dumpf und roh. Seine seit der Kindheit kraftvoll angewachsenen Arme. Sie möchte zubeißen. Sie geniert sich, wie sie ihren eigenen Sohn anstarrt. Man darf seine eigenen Kinder nicht verspeisen. Ihr vor Jahren verunglückter Mann lebt wieder. Er erscheint nachts in ihren Träumen. Die zertrümmerte…

Bierdeckel unter die Füße

Von Lena Kelm Der frühe Morgen schenkt vor der angesagten Hitze des Tages angenehm kühle Luft. Ich fühle mich wohl. Die frische Morgenluft sorgt für einen freien Kopf. Die Sorgen des bevorstehenden Tages scheinen von den kaum vernehmbaren Windböen wie weggeblasen. Bin ich nun ein wetterempfindlicher Mensch?Mein Grübeln über den Wettereinfluss auf meinen Charakter wird…

Lustige Pommes

Von Lena Kelm Ein heißer Sommertag. Mittagszeit. Nach langer Zeit befinde ich mich wieder einmal auf dem kleinen Wochenmarkt. Menschen und Hunde lechzen nach einem Lüftchen, suchen Schatten unter den Schirmen der Stände, die meisten kaufen Wasser oder Wassermelonen. Es sind weniger Menschen als sonst üblich da. Nur vor dem Verkaufswagen mit der roten Aufschrift…

Verstellte Stunde

Von Monika Jarju Der Traum einer Seelestieß Gelächter in meinen Schlaf ein verirrter Vogel auf der blauen Spurmeiner Traumwand der Aufprall stand rot vorm Fensterverspritzte Angst auf den Fliesen an diesem Tag ein siedender Himmeldie Sonne flüssiges Blech auf seiner Textur metallischer Geschmackbeim Umrühren der Wolken im Kaffee später jagte ein toller Wind die matte…

U Hermannplatz

Von Monika Jarju Irrer Klang peitscht die Frauden keiner hörtihr Lächeln eine ausgebreitete Schwinge bereit die Schienen zu streifen wirbelt sieihr Gesicht wie ein Teller Schneekreideweiß die Augenschlitze sie kreist dicht am Gleisder Ton dreht sie am Arm, an der Taillesie kreiselt auf mich zu mit offenen Armen der Bahnsteig ist ohne Wändesie rast –…

Ladybug

Von Regine Wendt Rot mit schwarzen Punkten, etwas Gold blitzte auf. Bis in die Veranda hatte ich mich gewagt, auf dem Tisch die Überwinterungspflanzen, die Rosen schon voll mit Blattläusen. Ladybug ,summte der Marienkäfer, und du? Regina. Das heißt auf Latein die Königin. Dafür siehst du miserabel aus. Ich bin krank. Das Nachthemd klebte mir…

Altblechbläser

Von Marion Kannen Ein Klingen fest und feierlich, klar und voll: Trompeten, Posaunen hören wir,um den Block geht es, die nächste Häuserecke, bei blauem Himmel. Wolken jagen die feuchte Luft,ab und zu flackert die Sonne auf und da sind sie:die Bläsergruppe spielt Weihnachtslieder im Park neben dem Altersheim.Bis auf einen alle noch im Stehen. Die…

Knallerbsgetöse

Von Marion Kannen Knallerbsengetöse Splitterblitze auf dem See schweben winzige weiße Kugeln auf + ab + rechts + links raschelt Dezember Maus im Laub * © 2022 Marion KannenAlle Rechte vorbehalten

Drohend

Von Jens Kotowski Es dräut der Regen,Flutengleich Wald und Wiesen zu speisenEs dräut der Sturm,Kraftvoll und laut über Land zu reisenEs dräut die Kälte,Grausig und leis die Welt zu vereisenDem Dräuen folgen Taten, so geht es zu EndeUnd am Ende kommt JahreswendeNeuanfangUnd Licht und Sonne knüpfen zarte Bande * © 2022 Jens KotowskiAlle Rechte vorbehalten

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