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Haderer 2

Von Johannes Morschl Berlin, Freitag 26. Juni 2020, kurz vor Mitternacht. Haderer sitzt an seinem Schreibtisch, raucht eine selbstgedrehte Zigarette und trinkt ein Gläschen Wodka. Er sagt: „Mir reicht es mit Corona und dem Masken-Tragen in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln. Man bekommt ja gar nicht richtig Luft unter der Maske, vor allem so alte Leute…Mehr

Pfiffis Monolog

Von Johannes Morschl …Pünktlich um 20 Uhr wurde es dunkel im Saal und der Vorhang ging auf. Auf der hell beleuchteten Bühne sah man einen leeren, fensterlosen, ganz in Schwarz gehaltenen Raum. An der Rückwand des Raums war eine Tür. Sie ging auf und ein älterer Mann in schwarzem Frack und mit schwarzem Zylinder auf…Mehr

Weltaneignung

Von Sofie Morin Ein zwischenmenschlicher Ernstfallwo die Aussicht aus dem Fensterwieder andere Fenster sindUnd kein Größeres hältdem Mond einen Spiegel vorFilter machen das Leben erträglichUnd der Wachhundder mir nicht von der Seite weichebitte nichtDie Natur ist mein Schützengrabenund wir beide der Erdwallund die Zuneigung unser LasterHerzkreislauf seit es mich gibtam Wesenufer mit dirziehen Schleien im…Mehr

Katzenmord

Von Anna B. „Liebe Minka! Ich komme mit einer schweren Aufgabe zu dir. Meine Mama hat mich darum gebeten, inständig und sehr ernst. Und ich habe ihr versprochen es zu erledigen, weil es einfach notwendig ist. Mama kann es nicht tun; aus verschiedenen Gründen und heute muss sie außerdem mit meinem Bruder nach Wien fahren.…Mehr

Tagtraum (Marie)

Von Regine Wendt Marie und der Wald sind Eins. Ihr hellgrünes Kleid, oder ist es doch weiß, mischt sich mit seinen Farben, nimmt sie auf, selbst ihre Haut schimmert grün im Morgenlicht, das durch die Pflanzenhülle fällt. Ein Weg führt tief hinein in die grüne Pracht, bald nur ein fast geahnter Pfad, begleitet vom Plätschern…Mehr

Der schöne 27. September

Von Regine Wendt Er ist anders. Schmal, in sich gekehrt, sitzt er auf der Eckcouch, vertieft in seinem Buch. In der anderen Ecke ich. Nur das Ticken der Uhren ist zu hören. Er sammelt sie, alte, teure, ungewöhnliche, er hat den Blick dafür. 11 Jahre ist er, fast unberührbar. Nicht immer, langsam rückt er näher,…Mehr

Der rote Faden meines Lebens

Von Lena Kelm Der rote Faden meines Lebensstrich Tage rot im Kalender anhielt fest die Bande der Liebebis er zerfranste, an Stärke verlorund mir entglitt – verblasstwo ich ihn wieder aufnahm. Das Rot blieb, fähig zu blendenden Tag zum Guten zu wenden.Die Perlen auf meinem Kleid glänzennoch Purpur, Rubin, auch Blutrot.Der Faden, mein Rettungsseil, hält. ©…Mehr

Bistro und Borschtsch

Von Lena Kelm Eigentlich sitzt es sich bequem, sage ich mir im Zahnarztstuhl. Sollte ich vor der Behandlung nicht eher Angst fühlen? Das liegt wohl daran, dass ich nach einem anstrengenden Arbeitstag endlich sitze und meinem langjährigen Zahnarzt vertraue. Da höre ich ihn schon eintreten.Ein junger Arzt mit Drei-Tage-Bart und Brille reicht mir lächelnd die…Mehr

Rucksack, Butter & Wunderkind

Von Lena Kelm Als ich Ende der 90er Jahre an einen Anfängerkurs für Englisch teilnahm, um meine vor 25 Jahren erworbenen und nicht einmal passiv benutzten Kenntnisse aufzufrischen, fragte die Dozentin, eine junge Irländerin, gleich zu Anfang: „Welche englischen Begriffe sind Ihnen bekannt?“Team, cool, okay, hello, sorry, brunch etc. wurden genannt.„Kennt jemand ein häufig benutztes…Mehr

Strandgut

Von Monika Jarju Morgens liegt ein kapitaler Hirsch am Strand, das Geweih im Sand, er bewegt sich kaum. Möwengekreisch. Vor ihm die Ostsee, hinter ihm Dünen, gaffende Menschen. Langsam nähern sich ihm einige Leute. Und: wie er so daliegt, der gestrandete Hirsch – und seinen Leib sonnt, ruft ein Mann: „Hallo, mach dich weg da,…Mehr

Humbug

Vom Monika Jarju A: „Das stimmt nicht!“B: „Doch!“A: „Ich war dabei, ich muss es wissen.“B: „Du warst gar nicht dabei.“A: „Aber ich kann mich genau erinnern,du wolltest erst keinen.“B: „Das bildest du dir bloß ein.“A: „Nein, ich musste dich lange überreden.“B: „Pfff!“A: „Dann haben wir ihn gemeinsam ausgesucht.B: „Nein, ich habe den Bleistiftanspitzer ganz alleine…Mehr

In guter Lage

Von Monika Jarju Die Zugabteile sind voll bis auf einen Fensterplatz. Das ältere Ehepaar mir gegenüber wirkt seriös, arglos und den schönen Dingen des Lebens zugewandt. Die Frau blättert in der Zeitung, liest Klatsch und Tratsch aus dem Königshaus. Sie nickt und muss lachen und tippt auf einen Artikel. Sie bekommt fast keine Luft mehr…Mehr

Frühwohlitäten

Von Ellen Marion Maybell Was wir ohne die wohl täten.Ohn‘ die frühen Wohlitäten.Von der Früh bis in die spätenWohli-Täten in den BÄTTEN.Wie unwohle wir uns täten,wenn wir diese gar nicht hätten. Denn die frühen Wohl-Tu-Täterwoll’n wir früher oder später.Schnell wär’n wir die Toten-Träter,wenn wir sagten: lieber später.Darum ran an Wohl-Tu-Täter,besser früher als zu später. Gut,…Mehr

Die Bachstelze

Von Ellen Marion Maybell Da kommt se,die Stelze,mit ihren dürren Stelzen,um sich durch den Bach zu wälzen. Sie fühlt sich schwach.Die Stelz am Bach.Der ist zwar flach,doch gibt er nach,so nach und nach,weil der so schwachgrad wie die Stelze.Da, jetzt fällt se.Keiner hält se.Schreiend gällt se.Nassgemacht, die dumme Stelze. Sie sei ein schlechter Schwimmer.Auch Wasserwandeln…Mehr

Die Taube

Von Ellen Marion Maybell Ich glaube,ich schraubemeine Ansprüche mal etwas herunter.Sonst komm ich nie unter – die Haube.Sagte die Taube. Aber bitte nicht den Hauben-Taucher.Diesen elenden Tauben-Verbraucher.Der soll’s bloß nicht wagen,mich auch nur einmalüber seine Schwellung zu tragen.Die ist doch dauernd geschwollen.Aber alle Achtung.Nicht schlecht.Man kann‘s ihm schon zollen. Kommt grübelnd ins LA-PALOMA-Pfeifen.Nicht jeder hat’s…Mehr

Blind

Von Michael Wiedorn Es ist dunkel. Er tastet sich hilflos durch das nur für ihn überall und für immer undurchdringliche Schwarz. Der Zweck und das Ziel aller Erscheinungen auf der Welt ist es ihm im Weg zu stehen. Den Sonnenstrahl erfährt er, in dem er belebende Wärme auf seiner Haut erahnt. Die Phänomene der Welt…Mehr

Die Fenster bluten und verlöschen

Von Michael Wiedorn Ganz in der Mitte glotzt eine kleine, schwarze, kreisrunde Scheibe. Das Schwarz ist undurchdringlich. Das Häutchen darüber glänzt. Um die Scheibe herum läuft ein Ring. Er ist je nach dem blau, grau, grün oder tief dunkel, das der Einfachheit halber als schwarz bezeichnet wird. Kleine, exakt gleich aussehende Stäbchen, die bei bestimmtem…Mehr

Wörterfressen

Von Michael Wiedorn Ich versinke und versuche noch im Absinken zu erwachen. Den größten Teil meiner Lebenszeit tauchte ich in Texte unter wie der Taucher im Wasser. Die Sucht Unmengen von Büchern zusammen mit Papier und Kleister reinzuspachteln ist eine Abart der Fresssucht. Muss man dieses Suchtverhalten als Geisteskrankheit einstufen? Wie hoch ist der Leidensdruck…Mehr

Autohandel

Von Michael Kothe Schorsch Siebensohn trat den glimmenden Zigarettenstummel aus. Nervös drehte er die Fußspitze so lange kräftig darauf herum, bis die Fasern des Filters unter seiner Sohle hervorquollen. Sein Freund war nicht so aufgeregt, sondern lehnte lässig am Kotflügel des schwarzen, auf Hochglanz polierten Audi A6. Der hatte zumindest optisch das Potenzial zum Dienstfahrzeug…Mehr

Ein Beitrag zur Authors Challenge:FamilienbandeEin Schottlandkrimi

Von Michael Kothe 1.Was am weitesten zu hören war, war das Schmatzen ihrer Stiefel, wenn sie ihre Füße aus dem Morast zogen. Jedes dieser Schlürfgeräusche war begleitet von einem Blubbern, sobald die Gasblasen beim Aufplatzen den Fäulnisgeruch freigaben. Schritt für Schritt arbeiteten sie sich durch das Zwielicht voran. Kalt war es, die dicken Jacken der…Mehr

Die Hoffnung

Von Monika Schotsch Die Luft ist verpestet,der Atem vergiftet.Die Saat: die gehört dem,der Unruhe stiftet. Das Meer ist verdrecket,der Ozean vermüllet.Die Schiffe: sie fahren,auf See wie verrücket. Das Land ausgebeutet,Die Berge bestiegen.Die Menschen: sie wimmeln,wie räudige Fliegen. Das Volk ist verdrossen,die Leute gebrochen.Die Kinder: sie grollenund kommen gekrochen. Der Kopf ist verwüstet,die Meinung verkommen.Die Hoffnung:…Mehr

Hölderlins Rätsel. Heureka – gelöst

Von Pawel Markiewicz Nachdem ich an einem Abend etwas von der griechischen Mythologie sowie von der Hymne von Friedrich Hölderlin >Patmos< im Internet gelesen hatte, dachte ich darüber nach. Ich kam zu folgenden Feststellungen. Das Thema dieses Essays: >Wächst das Rettende auch< kommt aus dem Anfang der oben erwähnten Hymne, was folgt: >Wo aber Gefahr…Mehr

Sprüche aus meiner Stammkneipe in Wien

Von Peter Lexa fr. 10.1.03, 09:20, nestroy mentalitäten:dem wiener sind nachsicht u rücksicht oft fremd,mir die vorsicht. 20.1.03, 19:30, nestroy o-ton karl: „jetzt bin i munta, jetzt geh‘ i schlofn.“ 22:30, ebendort das leben ist ein langer, ruhiger fluss, oba maunchmoi hod ma des bedürfnis, einiz’pinkeln. Do, 20.3.03, 13:55, nestroy(gespräch über sternzeichen) o-ton ilse: „i…Mehr

WIENFAHRT-ELEGIE

Von Peter Lexa Do, 8.11.01/~17:00 winterabenddämmerung bei leipzig heiliges orangebist mein seit einem jahrrechts von mirbeim heinfahrnlinkswenns aufgeht in die fremdedu hast was eigenes dresdenim morgentau im frühlingkann sich – vielleicht – mit dir messendoch nur in zwingernähe bis nach geraweiter himmelwohin das auge reicht kein staudie hindernisse sind begradigtvier windräder bgrüßenwie vor einem jahrgleich…Mehr

Nur Gedichte

Von Markus Katzenmeier Ich will keinen Flächenbrand entfachen,nichts niederbrennen Ich glaube nicht an die Machtder umgreifenden Vernunft Ich will nicht mehr als ein Licht anzündenfür die Wenigen Sie sollen spüren,dass sie aufgehoben sind Sie sollen Wärme findenin der Erhellung Sie sollen erkennen,dass sie existiert –die unsichtbare Gemeinschaft der Versprengten * © 2021 Markus KatzenmeierAlle Rechte…Mehr

Räume

Von Markus Katzenmeier Es gibt Räume, die man nicht betrittIn diese Räume wirst du geschoben, Stück für StückRäume ohne TürenRäume ohne AusgängeRäume, die unentrinnbar sind Geistige Räume Es gibt Räume, die man tief verzweifelt abtastetund kein Weg führt zurück ins Freie Stille RäumeQuälend still * © 2021 Markus KatzenmeierAlle Rechte vorbehaltenMehr

Im Bettelschatten

Von Franz Niemand Im Bettelschattenverkübelter Fremdedas befleckte Gehörnach innen gestülpt Süchtig an vergilbtenSternschriften leckendkommt dir die Glutdie Flut das Blut Von südlichen Strändenweht eine alte Liebedeinen Abstürzenunentrinnbar vertraut Es träumt dir bittervom Honigtodin den weichen Fängenvon Rosenrot * © 2021 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

Schwundzeit

Von Franz Niemand Schwundzeitist angebrochenaus Hirnrissenquillt Hirnrissiges Noch blubbernin löchriger Erinnerungdie lüstern schimmerndenPerlmütter Eine Traumfegerinfegt durch die nächtliche Stundin die du dich verirrwischstdu armer Hund * © 2021 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

Lichtriss

Von Franz Niemand Lichtrissauf allen Seinskanälenlängst hat kalter Steinvon uns Besitz ergriffen Ein letztes Herzschmalzquetscht sich nochaus abgewracktemTintensack Im Kellerloch tanztein Jenseitsschluckerums nackte Hirngespinstherum * © 2021 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

Morgen

Von Helmut Blepp Das Leben den Büchern entnommendie Zeit in Notwendigkeiten eingeteiltdas Ganze gerahmtTag für Tag angesehen und gedachtdas ist Lebennie den Rahmen gesprengtausgeharrtin heilloser Geduldund der Hoffnungdie Maserung des Holzes zu erkennenwenn es ohne unser Zutun bricht * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

New Deal

Von Helmut Blepp Noch immer Respekt den Dickendas marode Rückgrat stets flexibelCortison im Arschvor jedem Karriereschritt Überfressen an Demuthilflos versinkendin Milch und Honigaus dem Labor Alle Sackgassen überfülltAuswege verstelltdie Verirrtenzertreten ihresgleichen * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

Trägheit

Von Helmut Blepp Dieser Sommer spuckt keinen Staubdie Lichtscheuen zeigen sich sogar mittagssitzen auf luftfeuchten Bänken und schmökern Alltag Zwischen Lokalem und Feuilletonfällt mir ein Gedanke aus den Zeilenden aufzuheben ich zu bequem bin Ein schaukelnder Busen lockt michin die City ich widerstehe nichtes gibt keine Auswege Dieser Sommer spuckt keinen Staubnur ganz außen vom…Mehr

Windstiller Garten

Von Helmut Blepp Unkrauthügel handgerupftraue Hände streicheln schöner DämmerungMückenstiche lassen kichernoder war es doch ein Dorn Der Rosenduft berauschtwir torkeln zur Terrasse Liegen wie Löffel in der Ladedu erzählst Heiteres im Schlaf * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

Mannsbilder

Von Helmut Blepp Unter seinem Shirt spielen Muskelndie so stark sind wie die Zigarettefür die er wirbtgerade saugt er den Rauchins Innere der behaarten Brustund lächelt smart von der Plakatwand Ein pickeliger Ökoüberklebt dieses Lächelnmit dem Aufruf zur morgigen Demo * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

positiv auf heim.at getestet

Von Alexander Reisenbichler (Vorbemerkung des Herausgebers: Die in der Oktober-Textmanege veröffentlichten 6 Texte von Alexander Reisenbichler sind in der veröffentlichten Reihenfolge zu lesen. Sie gehören zusammen und stehen unter dem unten angegebenen Thema.) es geht um heimat, um alternative heimaten, das soll aber nicht melancholisch oder nostalgisch klingen, es geht nicht, auch wenn es manchem…Mehr

anna luise und ihre inter penetration

Von Alexander Reisenbichler sich aufbaeumende gefaellige berge werden hingetraeumteingewurzelte neigungen treiben stollen voran in einsiedlerverkrebste verwirrungen eurozentrischer merckwuerdiger spinnereien die netze des lebens bilden die man selbst auswirft und niemals den anderen faengtstattdessen man blumentopfausbruchsversuche des geistes in gehdichtete mosaike zwaengtsteigbuegel des verstehens werden durch die eigene tradition die man wie talismaenner mit sich herumtraegt…Mehr

ex-ottiker-gier

Von Alexander Reisenbichler wie auf ein knusperhaeuschen sich stuerzend saugt manmenschenhaeuserbraeuchefroeschewassermelonentempelauf und verschluckt sich doch immer wieder an gefuehlenspeit alles wieder ausbis nur mehr das gehdicht nackt dasteht * © 2021 Alexander ReisenbichlerAlle Rechte vorbehaltenMehr

als ich am stillen ort stilvoll in versuchung geriet

Von Alexander Reisenbichler klos sind kloester der gedanken ein wohnstaettenbereich ohne zierrattenmein koreanisches ex-schweinetoiletten-plumpsklofrueher naehrten sich die schweinderl hier in der toilette von den exkrementen der menschenim ganzen dorf finden sich solche toilettenheuteschweineloszu plumpsklos reduziertradikaler statusverlustdurch das fenster meines klos kann man die hoechste erhebung des jirisans sehendoch der weg fuehrt auch nach innenein koreanischer…Mehr

heimaten heiraten

Von Alexander Reisenbichler lauter malerische buchstabenbausteine fuer tempelwendeltrippige halsketten schmuecken lebensentwuerfedie nie aus grenzen schluepfenwaenden hinterherlaufentueren nicht einrennenund trotzdem in zwischenraeumen von buchdeckeln rufzeichen der freiheit heiraten * © 2021 Alexander ReisenbichlerAlle Rechte vorbehaltenMehr

gehoerig zu sein wollend

Von Alexander Reisenbichler sich an woerter ankernmit wissen an leben klammernzu hause in kushan muenzenbuddha ganesha skanda hephaistos ahura mazda mithra rudragriechisch kharoshthibaktrischnicht-epidemologische-geographischeeingrenzungen in hexametern lesenaus wirtschaftlichen guckkasten in halbseidene lebensunterwuerfe sich unreligioes bettendaus ecken loechriger tage rollen kulturen in schmelzendes wechselgeld * © 2021 Alexander ReisenbichlerAlle Rechte vorbehalten nominierungen fuer den literatur nobel preis…Mehr

Abgesang

Von Johannes Morschl Ist höchste Zeit, die Bühne zu verlassen. Bin der immer gleichen Schmierenkomödie müde geworden. Habe viel zu lange den Hanswurst gegeben, den schizoiden Trunkenbold, den Hungerkünstler, das verkannte Genie. Bin heruntergekommen, bin am Ende, habe Bombentrichter in der Seele. Habe aber immer Shakespeare verehrt. Der Mensch ist im Grunde genommen noch ein…Mehr

Kurz vor dem Abflug

Von Johannes Morschl An einem Sonntagnachmittag im August stand der alte Dichter Fredi Freitag auf dem flachen Dach des vierstöckigen Hauses in Berlin-Reinickendorf, wo er in einer heruntergekommenen kleinen Wohnung im 1. OG mehr hauste als wohnte. In seinem grauen zerfurchten Gesicht flackerte ein irrer Blick. Er breitete seine langen Arme wie Flügel aus und…Mehr

Feuersbrunst daheim kein Widerhall

Von Sofie Morin Anheimelnd wäre es, könnte sie sich darauf verlassen, dass die Wäsche noch feucht aufgehängt würde, daheim. Daran denkt sie, in der Straßenbahn, auf dem Nachhauseweg vom Nachtdienst, den sie immer noch so relevant wie geregelt systemisch versieht. In dieser Straßenbahn, die immer noch in ihren gewohnten Bahnen fährt, mehr als alles andere,…Mehr

Erzähle 2

Von Thomas Franke du könntest mir etwas erzählenvon himmel und höllevon wasser und sandvon schmerzen und lustvon lachen und weinenvon deinem lebenund wie es ist mit dir deine träume deine asche einst in den lüften der erde dem wasserhast du dieses leben getauscht mit der einsamkeit ich wünschte ich wäre bei dir ich werde dir…Mehr

Vor dem Supermarkt

Von Renate Schiansky Noch vor dem Morgengrauen steht er auf, schiebt behutsam die Decke zusammen, ganz leise, um die andern nicht zu wecken. Man schläft ohnehin nicht wirklich gut, jetzt, wo der Winter schon seine kalten Fühler ausstreckt. Obdachlosigkeit ist im Sommer viel leichter zu ertragen.Er zippt seine Jacke zu, schultert die blaue Segeltuchtasche und…Mehr

Sommerreprise

Von Eva Radon Welch ein Glück.4 Wochen in der „Sommerresidenz“ im Gartenhaus an der Alten Donau.Weg aus der Stadt.Der Garten berauscht mit seinem Grün, der Wiese, den bunten Blumen, den Kräutern, dem üppigem Feigenbaum, überfüllt mit grünen Feigen, die nicht wachsen wollen.Die Laube mit den Trauben, dem Apfelbaum, dessen Früchte im Gras liegen.Es sind derer…Mehr

Gezeiten

Von Regine Wendt Das Herz tickt anders. Zerbeißt die Zeit. Eben noch auf der Milchstrasse voll Wunder in das Paradies gelegt, schleudern unbedachte Worte in die Nachtlinie U7 hinein. Fremd in der Zeit schwimmen Tränen in Vergangenes, Meeresgrund für den rasenden verwirrten Herztakt. Der Kopf gibt herrschende Signale, dringt auf Respekt für das Jetzt, doch…Mehr

Phantomschmerz

Von Regine Wendt Er ist nah, ganz nah. Er spricht mit mir, oder spricht er über mich mit sich. Er spiegelt sich in mir. Sieht er sich, hört er sich, Ich schaue ihn an. Ich nehme wahr, ich taste mich heran, betaste. Ganz nah, aber was ist es, was sich so nah anfühlt, vertraut und…Mehr

Ljuba

Von Madame Pavot Vor mir steht die Tasse mit  dem Goldrand und zwei kleinen roten Blümchen, die unrealistisch ineinander gleiten. Ich drehe sie, finde sie kitschig, nicht zeitgemäß, eine Omatasse, aber auch Erinnerung an dich. An die Bilder, auf welchen die Brücken St. Petersburgs sich im Sonnenuntergang schlossen, wie Portale zu einer anderen Welt, an…Mehr

Alles in Ordnung

Von Marion Kannen Alles in Ordnung dein Koffer im Flur dein Mantel am Haken deine Arme um mich herum * © 2021 Marion KannenAlle Rechte vorbehaltenMehr

Wir sind leider keine Tiere

Von Lena Kelm Meine Tochter und ich überqueren die Straße.Auf dem Radweg kommt uns eine Fahrerin entgegen,vielleicht eine Sozialarbeiterin, Mitte Vierzig, in Jeans,Bluse und Birkenstock-Sandalen, ohne Schmuck.Ihr langes Haar flattert im Wind.Gleich wird sie halten, denke ich. Die Ampel ist grün.Oh, je, sie stoppt nicht!„Mama, zurück!“, ruft meine Tochter und reißt micham Arm, gerade noch…Mehr

Kinderfreuden

Von Lena Kelm Der Sommer der kasachischen Steppe war meist drei bis vier Monate heiß. Die Sonne heiß wie ein Grill, grünes Gras eine Rarität, die es nur kurze Zeit gab. Aber selbst die trockene Erde war uns Kindern weicher als die befahrene, steinige Straße im Ort. Die kasachischen Kinder waren es gewohnt, barfuß zu…Mehr

Das haben wir euch zu verdanken

Von Lena Kelm Ein Sonntag im Café Einstein mit meiner Tochter, ihrer Freundin und meiner besten Freundin. Wir sitzen bei Kaffee und Kuchen. Lange haben wir uns nicht gesehen bei dem rasanten Tempo des Berliner Hauptstadtlebens.Als meine Tochter den 8. März, den Internationalen Frauentag, erwähnt, an dem wir uns hier getroffen haben, greift meine Freundin…Mehr

Wahlergebnis

Von Monika Jarju Vom Bett aus schalte ich mit der Fernbedienung den Flachbildschirm auf der Hauswand gegenüber in der Hermannstraße an. Ich will unbedingt das Wahlergebnis erfahren. Schließlich will ich mich nicht hinstellen und behaupten, ich hätte nichts gewusst. Danach gehe ich besorgt hinunter in den arabischen Shop. Die Inhaberin weiß schon, was ich kaufen…Mehr

Abgehoben

Von Monika Jarju Anscheinend hatte sich mein Freund nichts dabei gedacht, als er für mich die Wohnung in der 196. Etage mietete. Er brachte mich dabei in eine fürchterliche Lage.Die Rolltreppe aufwärts erscheint mir zu mühsam, stattdessen nehme ich den Lift. Minutenschnell saust er hinauf. Trotzdem muss ich leider sagen: Diese Höhe erscheint mir gewagt!Durch…Mehr

Eine Einsicht auf Aussicht

Von Monika Jarju Dicht über dem Boden der Bahnhofshalle schwirren Flughunde, groß wie Dackel, ihre grüngoldschwarz schimmernden Flügel streifen sacht meine Beine beim Durchschreiten. Auf dem Bahnhofsvorplatz falte ich den Stadtplan auf und suche die Große Hofmeisterstraße, deren Name eher auf Regensburg oder Leipzig als auf Berlin verweist. Rasch entdecke ich sie im Gewirr angrenzender…Mehr

Eine neue Zeit bricht an

Von Michael Wiedorn Es ist ein stickig heißer Tag im Mai. Das Straßenpflaster dampft fast. Es ist ungewöhnlich heiß für einen Frühlingstag. Die Sonne brennt. Im Sommer wird das Gras hässlich gelb und so trocken sein, dass es schon bei einem leichtfertig hingeworfenem Zigarettenstummel lichterloh zu brennen anfangen wird. Die Welt wird immer wärmer, die…Mehr

Die Vereisung

Von Michael Wiedorn Ein Hochhaus steht an der Autobahn. Der Eiswind lässt den Schädel gefrieren. München ist kalt. Das riesige Gebäude ist ein überdimensionaler Stahldübel – eingerammt in die Erde. Fünf zusammengerammte Türme. An der Fassade gibt es keine Ecken. Die Türme sind rund. Gleichmäßige Fensterscheiben – eingefasst in bleifarbenen Metallflächen. Das Haus ist aus…Mehr

Im Auftrag

Von Michael Wiedorn Ich stehe in der Wartehalle eines Flughafens. Eine hohe Halle erhebt sich mit mehreren Stockwerken, mit Geschäften und Rolltreppen. Die neue Erdkugel ist künstlich aus Stahl und Glas erbaut worden. Ich komme aus einer fernen Stadt und reise in eine andere ferne Stadt – wahrscheinlich Moskau. Seit Jahren fliege ich rastlos von…Mehr

Die Revolution wird siegen

Von Michael Wiedorn Der Orkan drückt. Er drückt. Jaulen und Heulen pressen gegen die Glasscheibe des Hochhauses. Der Turm von Babel griff hoch in die Wolken. Eine ständig wachsende, unsichtbare Kraft kämpft gegen das noch standhaltende Glas. Ich sitze bequem und sicher auf einem Sessel im obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers bei einem Bierchen. Hier fühle…Mehr

Der Tauche-Nix

Von Ellen Marion Maybell Der Tauche-Nix.Der taucht halt nix.Der taucht nicht ein.Der taucht nicht ab.Da macht er’n Bogen drum,nicht grade knapp.Nur taucht er leider eins nicht: unter.Der taucht nur auf.Überall und mitten unsund mitten unt‘ uns drunter. Der taucht auch nicht nach Perlen.Ist keiner von den Ein-Tauch-Kerlen.Taucht nicht nach Riffund altem Schiff.Was will das Wrackso…Mehr

Igel zum Hasen

Von Marion Ellen Maybell Der Igel sprach zum Hasen,willst du mir nicht mal einen blasen. So mit Pauken und Trompeten.Du kannst mir gern auch einen flöten. Oh nein, hab Ahnung nicht von Blasen, Tuten,auch wenn du solltest dies vermuten. Ich hätt’s dir gar zu gern gegönnt,doch besitz ich nicht solch Instrument. Darauf der Igel: Nimm…Mehr

Der Asket

Von Marion Ellen Maybell Wenn der Asketmit der KATEvor seiner Kate,am Katte-Gat steht,ist eigentlich alles,schon alles zu spät.Weil nach Haus mit ihr gehnleider nicht geht.Auch wenn die Kate mit Engelszung weht,ist leider schon alles, alles zu spät.Wat nich geht, dat nich geht.Schließlich ist er Asket. Er muss sich’s verkneifen.Lass Käte ruhig keifen.Er darf sie nicht…Mehr

& das nennt sich wohl (ein klein wenig) kaputt

Von blume rein raus wem gehoeren die dreckigen klamottenin der aufbewahrungsstaette nannte deine haltungsich meist schamkaschieren & drauszen tingelst dunun von joboffer zu joboffer & vergisst dabei flugswo du momentan angestellt bist doch voellig egalwas du tust das schlechte gewissen richtet sich einin dir & laesst jeden noch so schoenen augenblickoede & schal werden &…Mehr

hundi hundi wau wau

Von blume […] wer hat ’nen richtig langen schwanz?wer hilft gern ’nem blinden mann?wer ist vor glueck total in trance? der hundi […]– hundi; alexander marcus o wer nur verlieh dir das nutzrecht & die gnadenlosigkeites bar jedweder skrupel durchzusetzen auf den armseligenruecken versklavter kreaturen o nein viel schlimmer nochersatzteillager & fleischplantagen ja welch geringer…Mehr

Szenen einer Ehe – eher eine Szene!

Von Michael Kothe »Ich liebe dich nicht mehr.«»Warum sollte es dir besser gehen als mir?« entgegnete ich. Ich legte eine Menge Emotion in meine Stimme. Auf dieses Gespräch mit ihr hatte ich mich vorbereitet, ich wusste, dass es kommen würde. Kommen musste.»Du hast mich nie ernst genommen, hast meine Bedürfnisse ignoriert! Für dich war ich…Mehr

»Siebenreich – Die letzten Scherben« Kapitel 3. Nach Königstein

Von Michael Kothe 1. Die Temperatur war herbstlich lau. Schwacher Wind trug von irgendwoher den Duft nach Heu. Sie folgten dem Weg nach Nordosten. Es war ein besserer Trampelpfad, ausgetreten von Bauern und Händlern zog sich eine Spur verdichteter Erde durch bräunlich-grünes Steppengras. Wenige Schritte vor dem Tor hatte er sich dreigeteilt, die beiden anderen…Mehr

Der Hof

Von Daniel Redel Es geschah vor langer Zeit in einem kleinen Dorf, fernab allen Trubels der großen Städte.Es war ein wirklich winziges Dorf, kaum dreißig Menschen lebten dort. Neunundzwanzig, um genau zu sein, denn die Dorfälteste hatte vor wenigen Tagen einen Herzinfarkt, nachdem sie erfuhr, dass ihre einzige Tochter nun doch nicht ihre Änderungsschneiderei für…Mehr

Weiden. Leiden.

Von Walther Stonet Der Wolken graue Schicht verdeckt das BlauDes Himmelsmeers, in dem die Erde schwimmt.Woher sie kommt, weiß man nicht ganz genau.Wohin sie geht, das weiß man ganz bestimmt. Ich öffne meine Augen weit. Ich schaue.Das weite Grün wellt sich vor mir dahin.Ich weiß noch nicht, ob ich den Blicken traue.Die Frage nach dem…Mehr

Hoffnung. Schenken.

Von Walther Stonet Es wohnen jetzt im Ort nicht Menschen, nur noch Opfer.Sie sind traumatisiert. Sie haben Tod gesehen.Da gab es einen, hielts für einen Schenkelklopfer.Sie mussten bleiben. Dieser eine konnte gehen. Jetzt ist nichts mehr, wie es im schönen Gestern war,Nein, schlimmer, niemand kann ein Morgen heut erkennen.Die Flut kam aus dem Nichts. Doch…Mehr

Gewöhnung.

Von Walther Stonet Die Brücke biegt sich übers Nichts,Aus Dunkel ists, und tief, so tief,Es frisst das Strahlen allen Lichts,Und leuchtete es intensiv. Man will, dass ich die Brücke quere.Man will so viel, doch ich will nicht.Ich mag sie nicht, die dunkle Leere.Sie zieht an mir. Sie hat Gewicht. Ich heiß die Brücke: Lass das…Mehr

Phasen. Weise.

Von Walther Stonet Die Frage, die ich mir heut stelle,Ist: Fahre ich jetzt blitzeschnelle,Die Polizei hebt ihre KelleUnd denkt, ich säße an der Quelle, Da, wo es viel Moneten gibt?Ja, wer sein Auto liebt, der schiebtDen großen Bauch, das ist beliebt,Derweil der Lappen ist versiebt, Alleine über Feld und Wiese.Dort auf der Weide grast die…Mehr

Folgen. Los.

Von Walther Stonet Die Dummheit ist, man traut sich’s kaum zu sagen,Ein Zustand, der den Eigner nicht mal schmerzt.Ein Kluger hat einmal zurecht gescherzt,Dass Dumme selten über Zweifel klagen, Die Dummheit teilen sie vielmehr beherztMit denen, die die ebensolchen plagen,An denen obendrein die Skrupel nagen:Ach, hätte man sie anfangs ausgemerzt, Am Tag, als jener Schöpfer…Mehr

Alternative. Fakten.

Von Walther Stonet Die Frage, die ich zwischen Zeilen lese,Die seh nur ich. Denn da steht nichts geschrieben.So ist es oft mit vielerlei Gewese.Am Ende ist davon nichts dageblieben. Was sollen also Interpretationen?Ganz klar, die sollen dir den Blick verbiegen.So können sie sich richtig dazu lohnen,Um Wirklichkeit und Wahrheit zu besiegen. Am Ende sterben sie…Mehr

Am Kiesloch und später

Von Helmut Blepp Dieser Winter damalswir waren dicke Freundezwei Finger erfroren dirbeim Wühlen nach Gussund abends schlug dein Vater zuweil nur drei Kilo in der Karre lagen Ein anderer Winterdu lachtest auf der Straßeich drückte deine halbe Handder Vater ist totdu sagtest es laut Noch heute erinnere ich michdu lachtest auf der Straßewie ein Siegerund…Mehr

Wachsamkeit

Von Helmut Blepp Beachtet die Ränderan sie wird gedrängtsie schließen aussie fassen ein Ob akkurat gezogenvon Säumen gebändigtoder ausgefranstsind sie stets Grenzen trennen eins vom andernlassen Drüberschauen zuaber kein Hingelangenbehaltet sie im Auge * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

Nächtlicher Zecher

Von Helmut Blepp Größer als sein Schweißfleck im Pflasterdoch kleiner als sein Schattender sich jetzt erhebtüber die Dachgiebel hinausschwankend seinen Weg fortsetztdie Rechte am blutenden Hinterkopfaber unbeirrt im Wissenum sein verwaistes Bett * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

Zur Unzeit

Von Helmut Blepp Seit der Fuchs die Hähne holtesteht niemand mehr auf in der Frühdas Wetter draußen wechselt unbemerktzum Mittag bleibt nur ein Standbildauf der Straße träge Schattendenen die Leute nachschleichenfragt einer nach der Uhrzeitverberge ich eifersüchtig meine Uhr * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

Streit

Von Helmut Blepp Ich bin aus der Haut gefahrennun stehe ich schutzlos dawährend deine Worte nach mir hacken Silbe um Silbeschlägt blutige Wundenins bebende Fleisch mirund ichkann nicht einmal schreienhab kein Recht zur Handmich zu wehren * © 2021 Helmut BleppAlle Rechte vorbehaltenMehr

Rendezvous

Von Helmut Blepp Monotones Rattern der S-Bahnmein Gegenüber gibt sich hinschnarcht in leichtem Schlafund blinzelt schwer nach jeder Kurve Mein Hemd ist nassgeschwitztes klebt an mir wie geleimtich fühle mich nicht wohlerwarte ungeduldig die Endstation Eine Frau wird dort wartenmich prustend begrüßenund mir mit kühler HandPerlen von der Stirn wischen * © 2021 Helmut BleppAlle…Mehr

Gedicht

Von Franz Niemand Noch Balzverrenkungentränensackkokettin der Alten-Männer-Loge Ein grauer Ich-Lemmingblindlingssich in den Jungbrunn-Abgrund stürzt Unten ertöntdie Schicksalsgroteskemehrstimmigbitter gelacht * © 2021 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

Gedicht

Von Franz Niemand Die angebetetekalte Schulterder blassen Hinterhof-Najadeberieselt von schaurigbrünstigem Geleierdes ewig sterbendenDichterschwans Schon sammeln sichdie dionysischen Luderkreischend zu seinerZerfetzung * © 2021 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

Zwei Gedichte aus tz

Von Peter Lexa fr, 27.11.15, 11:54, tz sauer u trockenvielmehr:sauer weil trocken wie schneeflockendringt vergangenheit einins bewußtsein warte auf tauwetter * so, 6.5.18, 06:58, tz TWITTER auch wennschprechdurchfall gepaart mit dummmheitsollt‘ kein verbot die freie rede hindernbeitritt zu ‘nem schweigeordenkönnt‘ da die lage lindern auch wennbei jedem schritt im netzdie werbung durch das hirn mir…Mehr

In der Nacht

Von Valérie Baum Der Traum tat mir wehIn silbriger NachtDas Trauma nun schweigtHat lange gewacht Die Ernte der MühenDie Lust mir gebracht –Hab mir jetzt verziehenEin Ende der Schlacht Der Tag ist so munterAls wäre er neuDie Sonne geht unterSieht, wie ich mich freu Das Ende der StundenDas Ende der QualGedanken umrundenGefühlt Wasserfall Auf schlüpfrigen…Mehr

Fussspuren

Von Sandra Engelbrecht Fussspuren, verlierend im feuchten Sand,weisen den Weg zu unverhofftem Glimmen.Verwischen die Wellen mit wogender Hand,ich lass mich führen, von flüsternden Stimmen. Weisen den Weg zu unverhofftem Glimmen.Schlafend erträum‘ ich den taufrischen Morgen,ich lass mich führen, von flüsternden Stimmen,weggewischt sind alle Zweifel und Sorgen. Schlafend erträum‘ ich den taufrischen Morgen,rosige Ferne und doch…Mehr

Abraxas

Von Niklas Götz In fahlem Zwielicht war müde ich erwacht,Als ich dich eines kalten Winterabends fandWie Mondlicht schimmert deiner Worte Gewand,Es blühn‘ Gedanken dir wie Lotus bei Nacht. Du zeigtest mir flüsternd dein geheimes KainsmalUnd schreiend solltest du entblößen das meineAndre waren mir ein Rätsel, kalt wie SteineDu allein sprachst aus, was mir die Worte…Mehr

nach dem kolonialismus ist vor dem minderwertigkeitskomplex

Von Alexander Reisenbichler der westliche blick erzeugt koloniale bilder von menschen die in tote kalte winkel manoefriert werden – in ein permanents exil im nirgendwowinkel ihrer heimat wie schmetterlinge hinter guckglaskaesten gepinnt – postkolonialismus ist in europa ein historisches epochengemaelde – in asien ein nackter psychologischer tinnitus der nationale befreite grenzziehungen uebertoent – in suedkorea…Mehr

Herbst

Von Markus Katzenmeier In bunten Farben gefallenEin Mosaik am BodenDer Stamm schaut aufs Gerippe Nicht mehr zurückzuholendie prächtige Fülle Zusammengekehrt ins Nichtsder Vergangenheit Keine Spuren hinterlassen Allmählich verfault das InnereWill sich nach außen nicht zeigen Schwerer die Aufgabe von Jahr zu Jahr Wie viel Frost mag der Winter bringen?Und was kommt danach? * © 2021…Mehr

Der verzauberte Augenblick vom bienenhaften Herbst

Von Pawel Markiewicz Letzter Herbst – der Bienendlich vor dem Epiphanasder Bienenkorb erfüllt?eine Biene lugt nach dem Herbstin dem Bienenstock – Fitticheund zeitlose versonnene Funkenaparte Bienen sind die Heldendie Bienenkönigin bei der Grübeleidas Wunder zarten Summensdie herbstliche Bieneschlafen oder erwachen? – eine Zeitdas Bienhaus als der Tempeldie Herbst-Huldigungdie Biene fliegt sternwärtszur holdseligen Zärtlichkeitdas Wunder des…Mehr

Hotte a la Kleist

Von Johannes Morschl Ein Dienstagvormittag Anfang Januar 2020. Der alte Hotte sitzt auf einem abgewetzten Sofa in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg, nahe vom Kleistpark. Vor dem Sofa steht ein kleiner Holztisch, auf dem eine geladene Pistole liegt, eine alte, aber noch funktionsfähige Heckler & Koch P 8, die er einem inzwischen schon verstorbenen Freund, der…Mehr

Rettung naht

Von Sofie Morin Wie das Befangene aus den Fluten taucht, aber das Rettende auch. Wie es sich aufbringt gegen ein Geringeres, das unsere Gewohnheit ist und für ein Höheres, das unsere Unversehrtheit sei. Als wären wir selbst die Waagschale und die Menschlichkeit der Einsatz. So wägen wir das eine gegen das andere ab.Auf der Zunge…Mehr

Ein Baum

Von Anna B. Ich liege nach der Sauna auf einer Holzpritsche in einem überdachten Raum ohne Fenster mit Aussicht ins Grüne: Eine bucklige Wiese im Hintergrund, viele Bäume geben Schatten. Frische Luft sorgt für befreiten Atem und leichte Kühlung nach dem Schwitzgang. Ein Baum ragt direkt vor mir in die Höhe. Ein Baum, wie ich…Mehr

An jenem Ort

Von Monika Schotsch Das, was wir hatten,kann uns keiner nehmen!Denn es taucht einin Raum und Zeit. An jenem Ort,wo der Verstanduns den Blick fürs Wesentlichenie versperrt. Dort, wo du bist,kann dich keiner sehen!Denn du bist fernin Raum und Zeit. An jenem Ort,an dem Seele und Geistüberleben und nurdas Wesentliche bleibt. Dann, wenn ich komme,kann uns…Mehr

Sommer

Von Eva Radon Die Hitze brennt auf der Haut, macht schwummelig, aber auch froh.Ich spiele mit einer 5 jährigen von  Schatten zu Schatten unter den Baumkronen der Kastanien in der Hauptallee zu hüpfen.Wasser und Limonade erfrischen.Gelato con lemon vonPaolo Conte,am Schwedenplatz ebenso. Viel Überlegung ist gefordert, welche Plätze suche ich auf, wie bewege ich mich…Mehr

Die Maske macht uns gleich

Von Madame Pavot Match. Ich starre auf mein Display, die Zeit stoppt, zieht sich, ich starre so sehr, dass ich meine eigene Nase in der Spiegelung sehe. Die Frau hat grüne Augen und rote Haare, sie lächelt unbeschwert und ihre Locken wehen im Wind vor einem blauen Himmel. Sie wirkt, als könnte nichts sie aus…Mehr

Die Corona-App

Von Michael Kothe Ich habe sie!»Endlich!« will ich nicht sagen, schließlich habe ich mir bewusst Zeit gelassen und sie nicht am ersten Tag heruntergeladen. Erst am dritten, als schon über 6 Millionen Bundesbürger sie installiert hatten. Ich bin ein vorsichtiger Mensch, und so hatte ich abgewartet. Als die App bis dahin noch keine Todesopfer gefordert…Mehr

Tod im Weiher

Von Michael Kothe »Der Tote trieb bäuchlings im Wasser. Ein Spaziergänger hat ihn um 6 Uhr 40 gefunden, als er seinen Hund ausführte, einen Dobermann. Bechtl Martin heißt er.«Hauptkommissar Hasler grinste von einem Ohr zum anderen, als er den Bericht hörte.»Der Spaziergänger oder der Dobermann?«»Was? Ach so. Bechtl Martin, äh, hatte er geheißen. Äh, der…Mehr

once u are a child

Von blume auf mehreren schildern steht zum spielen verbotendie wahrscheinlich deinen einlass verwehren sollenzu der relativ unuebersichtlichen huegel-landschaftdieser verwaisten sandgruben die du nun ploetzlichdurchstoeberst & dabei gutes baumaterial entdeckstmit dessen hilfe du dir eine winzige wacklige huetteauf pfaehlen konstruierst & darin kochst du dir teeeher selten kaffee meist ganz andre heisze getrankezudem wird sie dir…Mehr

watching u patiently grow

Von blume jedes wort ein erstarrtes konzept in seiner formoder bewegung begriffen bis die kombinationendurch saetze & sonstwie strukturierte aus-sagenes kurz-zeitig zu befreien schienen partitioniertesich dir die welt als du vage zu sprechen lerntestin ein flickwerk aus diffusen stellen & sehr vielenloechern oder verhielt es sich relativ doch anderssobald du auto sagtest meintest du synaesthetischaussehen…Mehr

Eine Haut aus Bildern

Von Michael Wiedorn Sein Körper ragt weit in die silbernen Wolken hinauf. Das schwarze Haar ist zurückgekämmt. Es glänzt wie ein schwarzer Teich im Mondlicht, wie schwarzer Marmor. Seine Haut löst sich in eine eigene Welt tätowierter Bilder auf. Schmerzende Stiche trennen Rumpf, Arme, Beine, Schädel in zerstiebende Bilder auseinander. Schneidende Schmerzen, die das Blut…Mehr

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