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Ein verkanntes Genie

Von Johannes Morschl Wir verkommen langsam, wollen nicht wahrhaben, dass es dem letzten Stündlein zugeht, wollen nicht die immer tiefer werdenden Furchen in unserem Gesicht wahrhaben, die der Zahn der Zeit hinterlassen hat. Die Haut ist welk geworden, man sieht und hört nicht mehr so gut, Müdigkeit hat sich in die Knochen geschlichen, Lebensmüdigkeit. Man…Mehr

Ein schwieriger Fall

Von Johannes Morschl Was ich heute lese, ist der reinste Mist. Ist mir aber schnurzegal, bin heute sowieso äußerst übler Laune. Merkte dies schon morgens beim Aufwachen im Bett. Überlegte, ob ich überhaupt an der heutigen offenen Lesebühne hier im Dodo teilnehmen soll. Dachte mir aber dann, warum nicht? Wenn ich besser gelaunt bin, lese…Mehr

Frühling im Prater

Von Sofie Morin Vor den Toren meiner Gastlichkeit splittert Lack von mürbegewordenen Flächen. Du wartest draußen, liest Zeichen aus der Holzmaserung, und ich denke, es muss wieder Frühlingszeit sein. So normal wie möglich weiteratmen, denn keinesfalls sollte die Türglocke das Zwerchfell aus dem Walzertakt bringen.Auf Straßen, die heute alle zum Praterausflug führen, reihen sich welthaltige…Mehr

Balkon mit Aussicht

Von Eva Radon Ich stehe am Holzbalkon im steirschen Lande und blicke in die hügelige, bergige Landschaft.Sattgrüne Wiesen, Bäume im nadeligem oder blättrigem Gewand, alleine stehend oder in Gruppen wechseln sich ab mit Bauernhöfen, zufriedenen Kühen, die fressen, um wiederzukäuen.Pferde wälzen sich am Boden, um die lästigen Fliegen abzuschütteln oder sie schwingen ihre Roßschwänze und…Mehr

die elbe 5 sekunden

Von Thomas Franke wenn der ice die 200er marke überschreitetwenn die elbe 5 sekunden breit istwenn die kartoffeläcker vorbeifliegen und die krähen kurz zwischen den furchen auftauchen wenn du auf dem weg nach berlin bist, das durch die scheißgrippe seine unschuld zurückgewinntwas willst du dann da eigentlichdas ende des hedonismus feiernmit jeder sekunde, mit jedem…Mehr

Sind wir gleich da?

Von Rolf Jungklaus Sind wir gleich da? Es ist bereits zum Klischee geworden: Die glückliche deutsche Familie fährt mit dem Auto in den Sommerurlaub. Man fährt gemeinsam auf der Autobahn Richtung Süden und schon nach relativ kurzer Zeit quäkt es von der Rückbank: „Sind wir gleich da?“ Eltern, die sich für verständig halten und ihren…Mehr

Die Macht des Geistes

Von Michael Kothe Grenzenlos ist die Macht des Geistes. Darüber sind wir uns im Klaren spätestens seit wir um autogenes Training, den Placebo-Effekt, Telepathie, Telekinese und Levitation wissen. Beim autogenen Training funktioniert es. Am Nachweis eines anderen Aspekts ist mir heute gelegen: der geistigen Beeinflussung von Menschen – von zahlreichen Menschen! Ich übe, aber von…Mehr

Ich war noch niemals in New York

Von Michael Kothe Regen durchdringt meine Jacke. Wäre nicht Licht in der Küche im Erdgeschoss, könnte ich kaum die Müllcontainer unterscheiden, vor denen ich stehe. Bio- und Restmüll habe ich schon in die entsprechenden Tonnen gekippt, nun pendle ich zwischen Plastik und Altpapier. Durchs Fenster sehe ich den Nachbarn in der Küche auf mich zukommen.»´n…Mehr

Blicken wir vorwärts – immer nur vorwärts!

Von Michael Wiedorn Die Menschen stellen sich ihm als feindliche Mauer entgegen sagt er. Der Bürger hat vor ihm Angst. Er ist der Fremde meint er. Jahrtausende alte Vorurteile umnebeln ihre Hirne. Bewusstlose Eidechsen aus der dunklen Nacht der Vorzeit. Sie brüten in sumpfigem Schlaf vor sich hin. Wir alle sind dazu verdammt in feuchten,…Mehr

Ich erblicke mich im Spiegel

Von Michael Wiedorn „War heute viel los?“ – fragt der Herr an der Theke. Der Barkeeper, ein blonder Mann, nicht mehr ganz jung, blickt dem Gast mißtrauisch in die Augen. „Heute ist Montag. Da ist bei uns nie viel los.“ Der Barkeeper legt keinen Wert auf Gespräche mit seinen Gästen. Warum unterhält sich der Herr…Mehr

Knoten

Von Monika Jarju „Heute ist der Tag, an dem sich niemand töten wird“, sagt eine Stimme im Traum.              * Zwei Menschen streiten heftig miteinander. Ich gehe ihnen aus dem Weg. Als mir der eine nachkommt, weiß ich, dass der andere tot ist. „Es war ein Blitzschlag.“, beteuert er, „Der…Mehr

Durchschlag

Von Monika Jarju Die Stahlkugel durchschlug geräuschlos den Fußboden. Ich starrte verdutzt auf das Loch. Dann ging ich hinunter in den Keller, wo zwei Männer, vielleicht waren es Mönche, auf dem sandigen Zementboden saßen und beteten. Ich entdeckte eine Vertiefung im Sand und fragte den einen, wo die Kugel aufgeschlagen wäre. Er deutete auf die…Mehr

Nach der Lesung

Von Monika Jarju Altberliner Gründerzeitvilla, schäbiger Charmemit Kerzenschimmer im Erkerfenster das Publikum ist zur Lesung geladenbegibt sich in Grüppchen von den Stühlen zum Weinin den Abend hinein Könnt ihr noch, fragt die Schweizer Autorinund erntet Gelächter während am Mehringdammder Mann mit Taschen & Tüten an Straßencafés vorüberziehtwo Leute sitzen, reden & trinken keiner, an den…Mehr

So könnte jeder Tag beginnen

Von Lena Kelm Hinter dem Tresen, den Unmengen belegter Brötchen, Baguettes, Zuckerguss-Gebäck, dieser junge Mann. Was für ein Anblick! Schon bin ich abgelenkt von den unappetitlichen langweiligen Backwaren. Und erst sein Gesicht! Es gehört auf das Titelblatt eines Modemagazins. Große olivenschwarze Augen, die antike Nase, der sinnliche Mund, sein glänzendes volles Haar, mit Gel frisiert.…Mehr

Zeitgemäß

Von Lena Kelm  Am Hermannplatz stieg eine ältere füllige Frau ein, unter dem Saum ihres langen schwarzen Mantels lugten abgetretene Sportschuhe hervor. Sportlich sah sie nicht aus, obwohl sie mit beiden Händen kräftig an der prallgefüllten Einkaufstasche auf Rädern zog. Zwischen ihrem Ohr und Kopftuch steckte, na was schon: ein Handy! Optimal, sie hat die…Mehr

Wenn dieser Blick töten könnte

Von Lena Kelm  Früher war die U7 samstagmorgens leer. Oh, Wunder, ich finde einen freien Sitz und der gegenüber ist auch frei! Welche Wohltat, die Beine ausstrecken zu können. Die Arthrose in den Knien macht mir zu schaffen, allein die Vorstellung fast eine Stunde lang die Beine nicht ausstrecken zu können, ruft Phantomschmerzen hervor. Oft…Mehr

Sackerkör

Von Ellen Marion Maybell Was ist schon Pari?Der eine sagt so.Der andre „Mä wie“.Ich sag dazu nur:Non, non, non – non, merci.Was ist schon L’AMUURunter die Eiffel La TUUUR.Tutte Ferro in Rost.Und was PARI kost. Auch in die Sackerkörwar die KÖR mir so schwör.Dass meine Kör ich verlör,wenn ich köme hierhör,sagte man mör.Doch brach mir…Mehr

Affenzahn

Von Ellen Marion Maybell Da laust mich doch der Affe.Da macht der sichmit einem Affenzahnaffenscharf an die Giraffe ran.Der macht sich doch zum Affen, Mann.Ob das die Giraffe raffen kann. Der ist doch nicht affin.Oder glaubt der,son Hoch-Model schlügs affenartigzu so nem Lause-Affen hin.Mit welch einer Affinitätder aff-iniertunter die Mädelsführer gerät.Wie man sich so zum…Mehr

Melancholie

Von Ellen Marion Maybell Ich bin so melancholisch.Ich muss mich alkoholischetwas peppen,sonst kann ich nicht steppen,sagte der Bär,sonst geht‘s mir an den Kragen.Ich bin nämlich ein verzagen-DERKragenbär. Bin wahrlich nicht gestärkt.Wie sollt ich da, unwohl bemerkt,nen Tatzenmord frisch wagen.Kann mich nur weiter mörderlusals alter Schisser Hasenfußdurch lichte Unterhölzer schlagen.Elend zitternd.So erbitternd.Jeder glaubt, wär stark, der…Mehr

Die Schwalbe

Von Ellen Marion Maybell Was ich nicht mach.Ich mach keinen Sommer.Sagte die Schwalbe.Ist nur‘n Wunsch,n frommer.Also Leute gemach, gemach.Nicht, weil ich den nicht mag.Weil ich’s nicht kann.Ich kenn auch keinenaus uns Schwalbenkreisen.An diese Art von Könnenkommt keiner von uns ran. Nur die Bordsteine,nein, die mag ich nicht.Da kommen sie alle an.Wie man da anrüchigüber uns…Mehr

Blamage

Von Ellen Mario Maybell Ist ein Gesichtkein Gedicht,ist’s ne VISAGE.Da hau ich dir rein.Keine FRAASCHE.Sone Visageist ne Blamage.Nix als Fromage.Alles Tournage.Apanage?Gibts nicht.Nein. Ab in die Garagemit deiner Bagage –aber zügig und schnell.Es führt dich kein Pagemit Equipageund deiner Frottageauf die Etage,die Etage so BEL. Dies nur informell.Ist nicht formidabell.Bloß kein Gebell.Ab ins Bordell.Tu, was ich…Mehr

Aphorismen

Von Wolfgang Endler Markant bis Makabres aus den Rubriken Bericht zur Schräg_lage der Nazi_on – Aphoristische AssoZiationen von Abschiebung bis Zukunftsforschung Lokal handeln – global miss_handeln – Aphoristische AssoZiationen von Afghanistan bis Zentralafrika für aiauch nach abschaffung der todesstrafegibt es noch reichlich bedarfan galgenhumor Haupt-Sache ArbeitNeben Friseuren und Monteurensucht Saudi-Arabien neuerdingsnach fähigen Amputateurenfür differenzierte Rechts…Mehr

Kanthaken contra Windkanter* Zweite Stimme auf „Kantilene“ von Kai Pohl

Von Wolfgang Endler anonyme Wiederholungstäterdrehen am Hamsterraddu mittendrin im Getriebefortschrittslose Bewegungmoderne Zeiten 2.0 reloaded Orientierungsschwäche deine einzige StärkeOrient Okzident scheißegalprä-demente Suche nach Ausgangaus dem Welt-Dorf-Labyrinthbist längst im Visier ihrer Drohnen reibeiserne Gedanken Gefühleabgeschabt abgeschliffenSchlaglöcher abriebgefülltauf stillgelegter Lebensautobahnsteinbruchgesäumt schwere Brocken hast vieles geschluckt ohne zu kauenselbst zum Erbrechen fehlt oft die KraftKassengebiss im Wasserglassprudelnde Träume von…Mehr

Perspektiv-Wechsel

Von Wolfgang Endler Genießen Sie den schönen Ausblick von hoch droben in Davos.Unten in Lagos oder anderswo können Sie andere Berge sehn:Aus Müll zwar nur, doch ebenfalls gigantisch, übermenschlich groß.Definitionen sind verschieden oft, nicht nur von „schön“,wohl auch von „Arbeit“, „Rechtsstaat“ oder auch „System“. Weit oben schweben Sprechblasen, schillernder Seifenschaum:„Wir haben von den Menschen uns…Mehr

Preußische Trauer

Von Wolfgang Endler sentimentales Liedim FrühprogrammTränen tropfenauf leeren Tellerbekomme michin den Griffnehme Messerund Gabelgegessen wird                                  was aufden Tischkommt * © 2021 Wolfgang EndlerAlle Rechte vorbehaltenMehr

Auf_schluss_reich

Von Wolfgang Endler Traumschloss gebaut aus seidiger Hautsehenden Fenstern offenen TürenStimmen vom Flüstern angerautSoulmusik unhörbar fast doch zu spüren neugierig blindfliegend manchmal taumelndauch durch vergessene Räume schwirrenjeder am Fädchen des anderen baumelndsuchen _ finden _ versuchen _ irren * © 2021 Wolfgang Endler 2021Alle Rechte vorbehaltenMehr

Drei Gedichte

Von Peter Lexa 20.10./16:48 Bin voll TestosteronCochonesweh tun schonwas tust DU mir on * sroda, 20.10./08:19, färber Jeden Tag ein schön’rer MorgenJeden Tag ein bess’res LichtWill mich nimmer um dich sorgen Doch heut schaff ich es noch nicht * Zahle meine Zecheund Wie ichfür alle meine Sündenbleche Höre schwarze Liederalles is mir z’wider ohne dich…Mehr

Drei Gedichte

Von Franz Niemand In gebeutelter NachtWortkarambolagen,eichenzerdorffend. Das falsche Gebissheute auf halbmast, endzeitklappernd. * Auf steinigem Hirnpfadan steil abfallenderErinnerung vorbei. Es zerrt die Unruhvor dem nächsten zwi-wittrigen Wort. * AlbtriebigWortschattenkäuzeim Schädel, lustwundlingsin Heillos-Minorgeflattert. * © 2021 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

summer has risen from its dirty cold grave

Von blume […] shadow shadow shadowshadow shadow shadow […]– shadow; the rip-offs glowing veratmest du rattle-snakes gluehendkratzt dein achselflausch pferdeschweisz nowdrehst du im vortex irrer apokalypse-moviesdie treter deines drahtesels auf rebell-yell aufas somehow it stinks nach ganzkoerpergeileneruptionen when selbst dunkelst-gelber urinjeden boden verfehlt bruellst du hitze-rauschlonging for razor-blades to skin your burningbody oder einen trocken-eis-shake…Mehr

becoming your own djinns

Von blume […] into burning eyes you stare hypnoticallyyou’re possessed by the mesospotamian geniecults of chaos desert sabbaths of witching mindssummoning the ifrit… ah… […]– a summoning of ifrit and genii; melechesh o du winziges sandkoernlein meinst das ganze multiversumauf deinen schultern zu ertragen & sagst tod all den wortendie nicht wagen sich selbst uns…Mehr

Sich was trauen

Von Silke Borchardt Das Schwimmbecken sieht von hier oben sehr türkis aus. Und sehr weit weg. Fünf Meter. Es sieht nach viel viel mehr aus. Ihr wird ein bisschen schwindlig, als sie an die vordere Kante des Springturms tritt. Unten sieht sie den Jungen auftauchen, der eben vor ihr runtergesprungen ist. Er taucht aus dem…Mehr

Irgendeine Nacht

Von Volker Stahlschmidt Irgendeine nachtIrgendein fastfoodladenIrgendwo in deutschland Ein geöffneter schalterEine frau bedient mit einem gesichtsausdruckAls sei die späte stunde schuld Eine prostituierte geht auf toiletteKommt acht minuten später wieder rausUnsicherer gang auf hohen absätzenEinen kaffee bitte! Ein mann mit schluckaufSodbrennen hallt durch den raumEr kann nicht langsamer essen. Jemand kehrt über den bodenPro forma.Die…Mehr

Komm

Von Regine Wendt Komm, sagt er.Eine rote Decke auf dem Bett.Dieses Rot beschwert ihre Wimpern,senkt weg ihre Augen nach innenin eine Oase in der trostlosen Wüsteblaue Palmen fächeln rosa Häuserfliederbunte Vögel zwitschernperlender Bach spielt die untersagteunberührbare Melodie des Gesternim rosa Haus die Fensterläden geschlossenwartet er auf der roten Deckeder Mann, der niemals wiederkommtAls sie wieder…Mehr

einsicht der spinne

Von Marion Kannen frisch ist der fadengesponnen heuteda sitzt sie und lauertauf ihre beute flügel verfangendie fliege wehrt sichein recht fetter brockendie spinne versteht nicht es krabbelt und strampeltund befreit saust herausder fliegende schmaus ! das spinnchen sieht einwas sie immer schon weiß:die ganz dicken brummersind ihr zu heiß für pferdebremsenist sie zu kleinsollte wohl…Mehr

Hummelphilosophie.

Von Walther Stonet  An eines grünen Grases Halm hängt sie!Sie kann jetzt nicht mehr fliegen, pumpt recht wild.Wer schaut, verliebt sich in das HummelbildUnd denkt sich gleich: Oha, wie fliegt denn die? Die fliegt gar nicht. Die sitzt und putzt die Flügel.Der Halm, er wankt und wedelt dabei sanft,Und das Insekt ist ruhig und ganz unverkrampft.Der…Mehr

Sprachbad.

Von Walther Stonet  Triff deine Zeit in mir und meine noch dazu:Wir sind nur einen Herzschlag weit entfernt.Die Turteltauben gurren Cucurrucucú.Ich habe für uns Tollkirschen entkernt, Wir könnten uns in uns sofort berauschen.Die Wolken flocken sich ins Blaue hin,Ach, könnte ich sie schnell zu Kissen bauschen,Dann hätten sie am Ende einen Sinn, Statt nur durch weißen Streifen…Mehr

Inter. Essen

Von Walther Stonet  Ein Mensch spricht über InteressenUnd hatte morgens nicht gegessen.Der Fokus liegt, man kann es ahnen,Nicht darauf, etwas abzusahnen. Es geht vielmehr ums Aufzukäsen,Einzubroten, Zeitunglesen,Ums Kaffeebrauen, Vollzuwursten,Ums Trinken, um nicht zu verdursten. So einfach ist die Politik:Man trifft den Zeitpunkt mit GeschickUnd hält’s mit Brecht. Der sagte mal:Das Fressen erst, dann die Moral. * ©…Mehr

Morsen

Von Walther Stonet  Manch mal möchte man sich selbstSOS zu morsen – drei kurz drei lang dreikurz keinen fallen lassen: am besten An die stirn klopfen da mit die nebenhöhlen resonieren können & so dasräsonieren fördernd denken an Regen wo keine sonne scheint keinsinn sinnlich sinnierend sinn stiftetman möchte so viel & mehr Meer & strand & hütte…Mehr

SommerSüßerDuft

Von Monika Schotsch Es ist, als wär die Erdeumspielt von gold’nem Schein,von wohltuenden Strahlenmit einem Heiligschein. Hoch oben auf den Bergenund auch im tiefsten Tal,streift sanfter Wind die Zweige,als wär‘s das erste Mal. Im zarten Blau des Himmels,geräuschlos und ganz sanft,ein majestätisch‘ Vogelgleitet erhaben auf. Begehrlich trinkt die Bieneaus buntem Blütenblatt.Hör wie die Grillen zirpen:als…Mehr

Nimmersatt und trotzdem glücklich

Von Niklas Götz Unter den abertausenden von rosa Zuckerguss pappig triefenden Poesiealben- und Postkartensprüchen, gibt es einen, den ich einfach nicht aus den Kopf kriege, der sich festgeklebt hat.“There’s nothing in a caterpillar that tells you it’s going to be a butterfly”Abgesehen davon, dass sich jeder Biologe bei diesem Statement nur kopfschüttelnd auf die Zunge…Mehr

Aus: dorfgeschichten

Von Alexander Reisenbichler Diese Gedichte, wenn auch thematisch sehr breit gestreut, verbindet der Hang zur Malerei. Neben der Bedeutungsebene sollen die Woerter auch ein Bild malen, es sind Referenzen zur Realität, der Natur, und sollen das Dorf auch bildlich vor den Augen entstehen lassen. Die Wörter haben also einen semantischen und einen bildlichen Bezug. Jedes…Mehr

Die Götter

Von Pawel Markiewicz Ich baue den Tempel für Apoll.Es schimmert unendlich mega Born.Tuend aus Erinnerungen und Gefühlen.Das griechische Jenseits lässt sich eben fühlen.Eine Drohne fliegt über die Heimat.Die Zauberei, die mit Sagen prahlt. Ich erbaue für Diana den Hain.Es glitzert jenseitiger Brunnen.Machend aus der Dialektik wie Eudämonie.Das römische Paradies spürbar als Nähe.Drohnen harrend in dem…Mehr

Haderer

Von Johannes Morschl Berlin, Dienstag 28. April 2020, kurz vor Mitternacht. Haderer sitzt in seinem Wohnzimmer, raucht eine selbstgedrehte Zigarette und trinkt ein Gläschen Wodka. Er blättert in einem Taschenbuch mit den Aphorismen von Karl Kraus herum und bleibt an einem Aphorismus hängen: „Ich und das Leben: Die Affäre wurde ritterlich ausgetragen. Die Gegner schieden…Mehr

Dampfhummeln

Von Anna B. Karla arbeitet in einem großen Spital in Wien. Derzeit ist sie auf einer Covid-Station eingesetzt und ist physisch und psychisch total erschöpft. Seit Wochen hofft sie auf ein freies Wochenende. Endlich ist es soweit. Die Lage hat sich etwas entspannt und sie kann von Freitag bis Sonntag frei nehmen. Zu Mittag setzt…Mehr

atemlos entwest

Von Sofie Morin verlöschendes licht über meinem kopf streicht die strähnen einzeln aus dem gebüsch heraus doch vergebens der versuch zu fliehen und meine sinne befangen wie das haar im geäst und keine hand neben mir greifbar nur entsetzen nämlich das grauen blickt mich an aus augen eben den augen die wir ihm gegeben haben…Mehr

Zwei Gedichte

Von Franz Niemand Von Geburt anauf der Kippe stehend,rappelst du dichim Dämmern des Morgensunbeirrbar einsilbignoch einmal zu altemFadenschein auf. * Im flirrenden Lichtder Erscheinungenwiderwilligauch du erscheinend. In der Weltkulisseheute ein Riss,mitten durch dichhindurch. * © 2021 Franz NiemandAlle Rechte vorbehaltenMehr

der tiger ist draussen

Von Peter Lexa Im Herbst 86 war ich dann so weit: Eine Dreiviertelflasche Whisky täglich und keine Chance zu reduzieren. Ich war reif zur Kutscherprüfung, wie man in Fachkreisen sagt, oder 1000 hl-Service.Nach sechs Wochen Aufenthalt im Krankenhaus voller Zorn und Misstrauen gegen die Therapeuten entstand anschließendes Poem im Cafe Ritter, die erste Station nach…Mehr

Unbefugt!

Von Michael Wiedorn Ich bin schon in das fremde Haus eingedrungen und steige das Treppenhaus hoch. An den weißen Wänden bröckelt an mehreren Stellen der Verputz ab. Unter der brüchigen Farbschicht erscheint die dunkelgraue oder dunkelgrüne Grundierung. Immer irgendwo in Treppenhäusern in Schöneweide, Pankow, Marzahn oder sonst im Osten. Immer wieder Türen. Rot, braun, grau.…Mehr

Häuser sind Fallen

Von Michael Wiedorn Flammen toben am Abendhimmel über tropischen Buchten. Ein Sonnenuntergang ist ein Weltuntergang. Um den Fremden schließen sich Mauern aus kalkweißen Eingeborenen. Tote Augen. Die Gesichter röten sich im Himmelsfeuer. Sie wollen ihn holen. Ein Friedhof mit Palmen. Aus der Erde greifen Arme. Sie packen die Beine des Reisenden und ziehen ihn hinab.…Mehr

Alltag

Von Michael Wiedorn Ich blicke auf die vergangenen Jahre. Ich sehe eine öde Abfolge von leeren Alltagsmonaten und – jahren. Weite Teile meines Lebens habe ich in hellen Treppenhäusern oder Hallen mit weiß gestrichenen Mauern verbracht. Auf Straßen im hell leuchtend grauen Tageslicht. Kein Verfall, keine Zerstörung – kein zerbröckelnder Verputz, keine eingeschlagenen Fenster, keine…Mehr

endlich

Von Thomas Franke nach unruhigem Schlafnach wirrem traumkein lichtzu früh liege war da washabe ich gehörtweit in der ferneim flachen schlaf der traumphase laufe durch die nachtstraßen leerstill die stadtatemlos verbrannt die tanzendennackt im licht des stroboskopsich sucheweiß nicht was in weite fernewas hab ich gesehenunvollständigauf der suche tanze ein teil von mirnicht denkbarnicht greifbarnicht…Mehr

Der Floh

Von Ellen Marion Maybell Das Leben,sagte der Floh,ist doch nur im Suff zu ertragen.Und stürzte sich auf den Cointreau.Dann wurde seiner Leberschlecht im Magenund er stürzte aufs Klo. Und gleich wieder COANTRO.Und’n Ramazotto.Und’n „Wöffel-Glikko“.Und’n Campamparo.Und’n Tschinzanano.Und ne BOFFLE und so.Und wieder aufs Klo. Alles muss raus.Aber auch wieder rein.Sonst hälst se nicht aus,die Sau-Schweinerei’n. Und…Mehr

Jlück is schick

Von Ellen Marion Maybell Wenn sich dit Jlücknich „vadrückt“un von dir un de Weltnich so doll weit entrückt,biste entzückt, un wirst wie’n blöder Hundplatt an den Wand un in de Pfanne – varrückt.Wie von Sinnen,jloobste, tätst spinnen.Denn jaulste vor Jlück und denn jaulste ooch laut.Endlich hat dir ma keener in de Pfanne gehaut.  Nur is dit…Mehr

Der Hai

Von Ellen Marion Maybell Oh jeh!! Tun mir die Flossen weh.Stöhnte der Hai.Fühl mich gegossen,zerschossen wie Blei.Ich bin aber auch über alles dabei.Herr Jehmi, nee, nee.Nee, is net schee.Dass ich auch überall drin bin.Überall „in“ bin.Bis dass ich hin bin.Im Jet-Lagin Shanghai.Bombenstimmung.Wie in Bombay. Auch auf HawaiiHuawei in Hulei.Und Toast über Toast.Allerlei – jei, jei,…Mehr

Knülle

Von Ellen Marion Maybell Alles vill zu ville.Ach, der Willeist zu schwach.Geb mich hin,der füllen Pülle,die mir knuddlig macht die Hülle,und die gibt’s mir,die gibt nach… …so nach und nacheins reingetrichtert.Na, kucke da,wird‘s hell und‘s lichtert,werden leuchtvom glorreich Feuchtdie Glühe-Backenrotgesichtert………Ohne Mühevon der Brühewird das Seelentief befeuchtert,wie vom Heilgen Geist erleuchtert. Ist jetzt nicht mehr ganz…Mehr

Schlüpfrigkeiten

Von Ellen Marion Maybell Was einem so allesan Schlüpfrigkeiten entschlüpft.Wenn allen insgeheim der Bauchschon vor FRIVOLITÄTEN hüpft.Doch es wird aufgemüpft.Offiziell wird man schnell aufgeknüpft.Schließlich gibt man sich zugeknüpft,kommt einer so schlüpfrigum die Ecke gehüpft. Kann keiner vertrogen.So was von ungezogen Man gibt sich entrüstetund hüstet.Aber unterm Tischwird aufgerüstet.Flott mit den Fingerchenfür lauwarme Swingerchenin die Dingerchen…Mehr

Goethe auf dem Weg zu Netto

Von Madame Pavot Es schlug mein Herz geschwind nach Bieren,Es wurd‘ getrunken, nicht gelachtDer Lockdown ging uns an die NierenAuf leeren Wegen hing die Nacht.Schon stand der Alkohol im KühlschrankUnd lugte aus dem Fach hervorWo Wut schnell mein Gehirn betäubteUnd Thomas Anders nur mein Ohr. Ich ging hinaus in leere GassenDer Mond, er war so…Mehr

there’s always a strangeness outside

Von blume verpasse den boden & fliege nach mexiko zum neu-anfangim herzen den verlorenen freund & seine traurigen storiesueber sein tragisches versagen weil er nicht das was er willmacht sondern zurueck gezogen ins haus der boesen mutterseinen tod abwarten moechte wiewohl noch einigermaszenjung ziehst du im vergleich den kuerzeren zumindest solanges um kontinuitaet geht &…Mehr

living underwater (in dreams)

Von blume tauche hinab zu den gesunk’nen schaluppen jedes wortein gebor(g)enes fest moechtest du blubbern & blasensteigen gen himmel aus deinem mund du hund nasserausdruck einer zoologischen verortung ohne profundegewaehr betrachtest du dich als ausnahmespezies weitfort von pflanze & auch tier postulierst du sonderstatusdoch der einzige nischenkonstrukteur bist du halt nichtsobald du an den biber…Mehr

Verschenket verschleudert verplempert

Von Valérie Baum In welchen Tunneln verschwindet unsere Zeit? Wir riefen die Hotline an – lauschten – nichts kommt anNichts kommt zurück Wir versuchten einen Ton in der Trompete zu blasenKein Ton kam heraus Die Triangel schrie gegen die Zeit anEbenso das defekte Harmonium Selbst die Stimme war rostig, krächzte ihren Laut Sitze ich still…Mehr

Bitter – Süß

Von Valérie Baum Das heilsame Bitter – wohldosiert Und süß, so süß, dass Knospen zitternGeschmack der Knospen Bitter ist der TagVon Überempfindlichkeit zur Qual gepeitscht Und doch so süß wie eine reife Erdbeere mit Sahne Bitter ist der TagSo süß, dass Knospen zittern * © 2021 Valérie BaumAlle Rechte vorbehaltenMehr

Jeder Ton trifft ins Herz

Von Lena Kelm Im hinreißenden Tempolachend in starken Händenschwebe ich übers ParkettWeder Schwerkraftnoch Schwermutnur der Walzer undunser glückliches DuettWenn die Liebe verblichenund der schnelle Walzerdem langsamen Tango gewichentrifft mich jeder Ton ins Herzmein verborgener Schmerz * ©2021 Lena KelmAlle Rechte vorbehaltenMehr

Was wär‘ ich ohne dich

Von Lena Kelm Was wär‘ ich ohne dich?Eine fortwährende Pflanze,auf den Kopf gestellt. Ein sinnliches Tier,dazu beseelt – das sei ich,festgestellt von Aristoteles. In mir sich die Seele regt –die Anima – was wär‘ ichohne dich? Reg‘ dich, schmerze, heulebegehre, erheitre, erfreuelass mich nicht im Stich. Was wär‘ ich ohne dich? * ©2021 Lena KelmAlle…Mehr

not

Von Marion Kannen nicht // not// mein schmerz / my hurt nimm ihn zurück / take it backmutter / mother ich / I trug ihn lang / wore it longgenug / enough für dich / for you * © 2021 Marion KannenAlle Rechte vorbehaltenMehr

Lärmendes Geleuchter//another year

Von Marion Kannen Im Garten jubeln frischgeschlüpfte Ahornpinselbuschig hinterm Ohrgrellgrüngelbder Sonne entgegen! Kirsche & Weißdornkreischen hysterischin BlütenbassigesBienengesums Weh dem, der lügt! Lärm auchin Bodennäheploppt Bunt auf Grün : :ich! nein ich! ICH! ICH! ich, nein ich! Unverbesserlich… neidisch, beleidigtsteht die Forsythiestummstarrendvor Gelb! bis jauchzendschaukeltdie pelzige Hummelin ihrem Gezweigeauch dieser Winter Geh zur Neige! * ©…Mehr

Trauer

Von Regine Wendt Faltet MüdigkeitZur WeideZweige fließen ins NassverschleiertTränen glätten Zweifel Gebügelte Wäsche im SchrankOrdnungsliebeZwecklose Arbeit Schmerz klumptGrell im MagenWut schneidet LeidWie ZuckerstückchenSüße ZerstörungSchmeckt bitter Haltloser Halt reißtErneuerungHinab insHoffnungslose Schreibt alte BriefeAn VerlorenesKleckst TinteTintentränenFarbechttraurig * © 2014 Regine WendtAlle Rechte vorbehaltenMehr

Verloren

Von Regine Wendt Tiefblau fast SchwarzBohrt er sich einbreitet sich ausfasst zu, überwindetbezwingtkrallt ins HerzSchwertertanzTiefe HiebeSchrei ohne TonStumpf stummLässt sich kauenTränenenkotzeGrellweißMesserscharf blendendBlutend RotWelche Farbe hatDer Schmerz * © 2014 Regine WendtAlle Rechte vorbehaltenMehr

Wenig Zeit

Von Michael Kothe »Wenn das Licht ausgeht, ist es zu spät.«»Ich weiß.« Sie sprach gedehnt. Zu oft hatte sie diese Worte gehört, doch diesmal setzte sie noch hinzu, »Clemens, ich weiß, dass du sterben musst, wenn ich nicht rechtzeitig helfe.«»Es geht nicht um mich, ich bin schon infiziert! Aber wenn der Strom ausfällt, heißt das,…Mehr

Apfelstecher

Von Michael Kothe Das zweite Opfer innerhalb einer Woche!Christine schaute vom Schleißheimer Anzeiger auf, einem kostenlosen Regionalblättchen des Münchner Nordens, das sich durch Werbung und Kleinanzeigen finanzierte. Ihre Mundwinkel zuckten, als sie hochrechnete, wann bei dieser Rate die Bevölkerung von Unterschleißheim ausgelöscht sei. Bei 31.000 würde das ganz schön lange dauern! Etwas erschrocken über ihre…Mehr

Prachtvogel

Von Monika Jarju Sitzt daglitzerndam Ende des Bahnsteigsin knallengen Schuppenhosenmit seinem silbernem Ich verkommener Fischgottabgerissener Nixtrockener Wassergeist schwimmt fliegt nicht mehrsitzt aus während seine Füße in Schuhenmit Klebeband umbundenfestkleben vielleicht wäre es anders gekommenwenn er ein Vogel gewesen wärebei Vögeln sind Flügel das Entscheidende * ©2021 Monika JarjuAlle Rechte vorbehaltenMehr

Hinterausgang

Von Monika Jarju Wie aus dem Nichts erscheinen zwei Herren im Türrahmen, der eine sieht aus wie der andere – gleicher Haarschnitt, grauer Anzug, blendend weißes Hemd, gestreifte Krawatte. Sie ziehen die Köpfe ein, und sind drinnen, sitzen schon auf den wackligen Stühlen.„Ihre Frist ist abgelaufen!“, verkündet der eine und klappert seine Rede herunter.„Wo kann…Mehr

METROpole

Von Monika Jarju Zwischen Kreuzberg und Neukölln stieg sie ein,der Mantel flog auf, ihre Knie leckten am Kleidersaum.Der Zug donnerte durch den Tunnel.Sie parkte ihr Handy am vorlauten Mund.Liebe? – schrie sie hinein, komm mir nicht damit!Fest presste sie ihre Schenkel übereinander – undzog keinen Blick auf sich.Ihr Lachen trudelte wie eine Flaschedurch den Waggon,…Mehr

Alles hat seine Zeit

Von Monika Schotsch Zeit der Ruhe,Zeit der Stille,Zeit des Beieinanderseins. Mancher braucht sie,mancher liebt sie,mancher ist für sie bereit. Denn nach arbeitsamen Tagen,einem Jahr voll Tatendrang,stellen sich so viele Fragennach dem Sinn und Lebensgang. Zeit der Würde,Zeit des Friedens,Zeit des Füreinanderseins. Mancher nutzt sie,mancher will sie,mancher ist für sie bereit. Denn in so bewegten Zeiten,voller…Mehr

Wir können nicht klagen

Von Silke Borchardt Die Sonne schien kanariengelb und freundlich durch das runde Fenster in die Diele. Ruth stolperte fast über das Paket auf der Fußmatte, als sie mit dem dampfenden Milchkaffee in der Hand die Haustür öffnete, um in den Garten zu treten. Das heiße Getränk schwappte über den Tassenrand. Aua. Missmutig schob sie mit…Mehr

Himmel. Hund.

Von Walther Stonet Der Himmel mahnt: Du musst – wie alles – gehen.Denn jede Fahrt ist ohne Wiederkehr.Wenn Zeiger auf der Uhr sich weiterdrehen,Wird doch der Augen Blick schon morgen leer. Ein müdes Blau frisst durch die WolkendeckeEin Loch und noch ein Loch und hält dann inne.Der letzte Regenschirm kommt um die Ecke,Und eine Menschin…Mehr

Mein Geschenk.

Von Walther Stonet Das Helle jagt das Dunkel, Grau das Blau:Ein Vorhang bläht sich, weht ganz kurz hinaus.Die Zeit hat sich verändert. Ganz genauVersteht man’s nicht. Im stillen, leeren Haus Geht deine Stimme, öffnet jede Tür.Wenn ich im Zimmer ein Gedicht ersinne,Umgibt sie mich und schenkt mir, dass ich spür,Dass beim Verlieren selbst ich noch…Mehr

Unstillleben.

Von Walther Stonet Die Wetterwand: Ein Lichtband ziehtHell Fächer in das schwere Grau.Jetzt kommt das Raumschiff, es geschieht,Doch nichts passiert, und ganz genau, Zu dieser Zeit, der Tropfen fällt,Platzt kalt und nass auf einer Hand,Die einen Schirm umgriffen hält,Und ruft den Träumer zu Verstand, Als jetzt die Bö die Kappe packt,Gleich diese auf die Straße…Mehr

Maden schicksal

Von Walther Stonet Mich im kern zu treffenwar tat sächlich keine kunstkönnen hätte es bedurftmich nicht zu treffen Im kern haus des apfelsdie made – der bissguillotiniert verpuppung &falter flug samt flügel Zittern: welches versprechender apfel gab als er blütengeboren am ast sich anbot mehr als er kenntnis zu Sein – nur mehr bin ich…Mehr

Parkettblasen

Von Niklas Götz Nur ein schneller Klick, schon bin ich mit dabei!Mein Investment macht mich ganz bald schuldenfrei!Groschen werden Bits, das Geld schafft für mich an,Einst der Herr ist‘s heute mit der Arbeit dran!In den digitalen Minen dieser WeltWird nun auch mein Gold fortwährend hergestellt.Bald schon ist mein klammes Konto nicht mehr leerUnd das Portjuchhe…Mehr

Das Vierelfchen von Dryaden

Von Pawel Markiewicz regnichttrautes Wetterdie Dryaden tanzentrinken das zarte HarzEinsamkeit Dryadekeine WehworteEschenaltar gehört dirbei Eingebung des AmselschlagsBeschwörerin Dryadengelagecharmierte LauberEdelschrein aus Latschenkiefernnenne Dein Eigen Leckereien!Reliquiarechen NymphenergötzungSchlemmen – Tafelnder Talisman am Maulbeerbaumdie krasse Göllerkette anhabendHerrlichkeit ………………………Archaismen: regnicht – regnerischtraut – vertraut, gemütlichdie Lauber (Pl) – Blattwerk, Laubwerk……………………….Neologismen: Reliquiarechen – Pl. kleine Reliquiare ……………………….Andere: Gelage – EssenGöllerkette –…Mehr

Der Katzenmann

Von Bertam Haid Ich hatte bisher insgesamt drei Katzen.Mittlerweile sind ein paar Jahrzehnte vergangen aber ich weiß noch gut, wie das war.Wenn man heimkam, wurde man erwartet. Aber nicht allzu sehr. Wenn man wegging, wurde das bedauert. Ebenfalls in einem gewissen Rahmen. Dazwischen war man geduldet und froh, in der Wohnung der Katze bleiben zu…Mehr

Der tote Punkt

Von Johannes Morschl Ein Freitagabend im Oktober 2018 in Berlin. Der Schriftsteller Fritz Paffke sitzt vor seinem aufgeklappten Laptop und grübelt und grübelt. Er will eine neue Geschichte schreiben, aber es kommt ihm keine zündende Idee. Er hat schon seit einiger Zeit das Gefühl, sich mit seiner Schriftstellerei an einem toten Punkt zu befinden. Da…Mehr

Blooms Bar

Von Anna B. Ludwig aus Wien fährt seit vielen Jahren immer wieder für einige Wochen nach Italien. Triest, Rom, Neapel und ein Dorf auf Sizilien sind seine Lieblingsorte. Einmal hatte es ihn wieder mal nach Neapel gezogen. Er machte Ausflüge mit Bus und Boot. Eines Tages schipperte er nach Capri und fuhr mit einem Bus…Mehr

KNÜPFBÄNDER

Von Eva Radon Es begann auf Lesbos.Damals war Lesbos „nur“ eine griechische Insel,wo vor allem viele Frauen Urlaub machten oder aussteigend länger blieben. Auch wir, 3 Erwachsene mit ihren 3 Kindern, sehnten uns nach dieser wunderbaren Insel und fuhren hin. Heute ist Lesbos eine Insel, wo tausende Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Zuständen hausen.(wenn man das noch…Mehr

Der Garten – (m)ein Paradies

Von Eva Radon Grün Nr.1 Ich blicke aus meinem französischem Fenster. Davor stehen Grünpflanzen auf einemschönem Glasgestell. Weihnachts- und Osterkakteen, Orchideen, Aloe Vera, Ficus Benjamina, Fleischpflanze und anderes. Nichts besonders aufregend, aber grün und pflegeleicht. Mein Gießen wird manchmal mit einigen Blüten belohnt.Ein schöner, beruhigender Ausblick. Grün Nr.2 Durch das Fenster blickend, begrüße ich die…Mehr

mein wien blutet

Von Sofie Morin die angst kommtmit blaulicht angefahrenim sichtfeld maskierteund da männer rennendSalzgriesMorzinplatz wohne ich hier sicherlängst nicht mehr?gerade noch heimelig schonverkapselt im befürchtungsgehäuseGrabenFleischmarkt unser einsatz lebenverschanzt hinter betonbänkendas innere der stadt herzhauterneut donaukanal geflutetSeitenstettengasseBauernmarkt angstzuständefeinverteilt wie aerosolelegt unsere kinder hier nicht niederso steht courage selbst zivil aufdenn heute sind wir allewiener Sofie Morin, Wienerin,…Mehr

Zwei Gedichte

Von Peter Lexa Bei der Beobachtung einer blutjungen, dürren Kellnerin in einem griechischen Lokal in Köpenick kamen nachstehende, von Ouzo gezeichnete Gedanken über mich. di., 23.10.01, ~ 14:00, abysos du späte nachfolgerinvon helena halb deutsch, halb griechisch menelaoswürde dich nicht mehrals königin wählen pariswürde keinen kriegriskieren wegen dir ich schon * 27.11.01/17:10, färberstr. ich sterbe…Mehr

Unnütze Berufe

Von Rolf Jungklaus Wie hat es doch schon Loriot so trefflich in einem seiner Sketche formuliert? „Reiterinnen werden ja immer gebraucht.“ Da möchte ich doch gleich hinzufügen, dass auch Bergsteiger immer gebraucht werden. Und ich habe das Gefühl, dass die Menge der unnützen Berufe auch noch ständig zunimmt.Früher waren Studiengänge, vor allem geisteswissenschaftliche wie Germanistik…Mehr

Corona

Von Thomas Franke Corona 1 cortado, sagst grad‘ do.coronapamplonapaloma picassonanuaberоставаться дома corinna du spinner!ab jetzt wird’s schlimmerconora nimmer Corona 2 Zeitgefühlaus den Fugen Zeitverloren Balanceschwierig Ichverloren die Seeleverliert die Liebsten möchte dich durch Zufall treffenmöchte überrascht seinbeglücktdich erstumarmenriechenspüren längst wirdzuviel gesprochengenug gesagt Gedanken gehen rückwärtszu dirzu anderenplanlos und schön halbe Gesichterhalbe Blicke fremder Atembedrohlich möchte…Mehr

aus: pandemische bekenntnisse eines homo cannabisens

Von zartelli Quaramortuna am Sehnpuls starrt die Stachelhautim Hals das alte Liedes wollte noch gesungen sein ein Kusshauch auf die Mundschutzkellertürim Jackenzwang der Ungehörigkeit maskiert von Feiglingsmutder letzte liebe Laut memento amori Es hat ihr nicht gefallen. Glaubt sie eigentlich noch an mich? Eine Minute zuvor war ich voller Euphorie, habe mich für einen großen…Mehr

Es gab mich schon vor meiner Geburt

Von Michael Wiedorn Ich öffnete verstaubte Schuhschachteln im Keller. Als Kind durchsuchte ich unser Reihenhaus in allen Winkeln nach Schätzen aus der Vergangenheit meiner Vorfahren. Ich suchte eine geschwundene Kraft aus längst verwehten Zeiten, die mein dürftiges, beengtes Dasein beleben sollte. Eine strahlende Krone aus dem Anfang aller Zeiten. Aus einer verschimmelten Schachtel fielen mir…Mehr

Der Mann fürs Grobe

Von Michael Wiedorn Eine Abordnung von Architekten und Ingenieuren besucht eine Baustelle. Es wird eine Ausfahrt der Autobahn München-Nürnberg gebaut. Herr Dr. Köhler gehört zur Delegation. Sie stehen unter einer Brücke, die gerade gebaut wird, im Schatten. Es ist brütend heiß. Jenseits der Autobahnplanken beginnen Kiefernwälder. Die Abordnung steht zwischen massiven unverkleideten Betonpfeilern. Vor der…Mehr

Klopfen

Von Michael Wiedorn Es erscheint ein bleicher Geier. Eine hagere, hochgewachsene Gestalt. Kein Mensch kann je das Alter dieses Vogels erreichen. Seit den tausend Jahren ist der Reichsadler verdorrt und ausgemergelt. Ein ausgestopfter Raubvogel verstaubt in der abgelegenen Besenkammer und ernährt die Motten. Spritzten sich die Gespenster im Führerbunker Morphium in die Venen?Friedrichs knochiges Gesicht…Mehr

Wallach-Ei

Von Marion Ellen Maybell Draußen in der Walacheiist auch ein Wallach mit dabei.Mir, jetzt Typ, mit kaltem Bluttut die Walachei sehr gut. Denn mein dickes Wallach-Eiist nicht mehr und macht mich frei.Keine Stuten, keine Hengstetreiben mich in Anmach-Ängste. Früh schon in der Pubertätfand ich diesen Ross-Täusch blöd.Wildes Kuppeln, Koppeln, Stiebenwurd‘ geknipst mir, ausgetrieben. Sattelt eine/einer…Mehr

Huhn oder Ei

Von Ellen Marion Maybell War ich nun zuerst daoder das Ei.Fragte sich das Huhn.Ist mir ei-gentlichei-nerl-ei.Ich drück’s mal so aus.Ich drück’s raus.Und dann ist es da.Der Rest,der geht miram Arsch vorb-ei.“Schließlichbin ich schließ-muskel-technischnur doof.Kein Philosoph. Und ob meine Eierungelegt oder unausgegoren sind.Das bewegt mich kaum.Steht doch diese Frageschon seit Ewigkeitenda irgendwo imHühner-Stillungs-Wohnungs-Raum.Ich schieße meine Eierei-nfach…Mehr

Die Languste

Von Ellen Marion Maybell Während Auguste,die schale Languste,ausgerechnet im Auguste,mit Eberhard, dem Hai,im Wasserbett schmuste,passierte es,dass sie ihm,schon ganz außer Puste,in der prall-lusten Lustesagen musste:Eberhard,wenn ich jetzt huste,dann platzt mir die Kruste,dann ist alles vorbei. Und so kams,dass sich das Bandihrer Liebe entwandund Eberhard ihr entzogseine flossige Hand.Ruf mich nie wieder,auch nicht mehr im Mai.Von…Mehr

Was legte da der Wallach……..

Von Marion Maybell Was – legte da der Wallach?Im Rausche einen Wal flach?Das ist doch nicht sein Wahl-Fach.Der hält nur noch den Ball flach.Im Falle einer Anmach.Der war’s nicht, auch im Rauscherauscht der nicht mehr,darum lausche…..wenn du fabelst: Wallach,von wegen legen Wal flach.Niemals nie der Wallach.An dem liegt’s nicht, dem Wallach.Das war der flotte Knipser.Der…Mehr

Der Stotterer

Von Ellen Marion Maybell Oh du, mein liebes Mütterlein,du hälst mich lieb, du hälst mich rein.Du legst mich zartig in dein Bette.Wenn artig Muttchen dich nicht hätte. Hältst böse Nuttchen mir vom Leibund Drecks-Gemöse, das mir treibmeinen Saft aus dem Tentikel.Nein, nur du hast mich am Wickel. Putzt mir fein’s mein klein’s Gemächte,weil du nur…Mehr

SAM-melsurium

Von Ellen Marion Maybell Was für ein Brimburiummit dem SAM-melsurium.Ich sammelin SAMbesiSAMNAMBULjede MengeSAMmelkramfür meineSAM-markantenMikronesi. Ein SAMuraiwar auch dabei.Nur SCHWERT-verletzt,gestochen zwei.Mitten in der SAMsibar.Ach, nein verSAMmt,ist gar nicht wahr.Nur vekehrt vernetztverpetzt. War nur Probeauf’s ExSAMpel.Voll-VerSAMmlung,blöder Hampel. Nein, SAMoaSAMMERTEIMkommt mir nichtins SAM-mel-Heim. In SAMarkand,in SAMbolandsoff ich michum den Verstand,den keiner je zuvor mal fand.Auch nicht finden hätte…Mehr

Deutscher Edelspießer

Von Valérie Baum Nicht gut – sagt der Küchenwunder-SpießerGenug – sagt der Etikettenterror-SpießerNicht gut genug Servietten dekoriert zum WeltuntergangDie Soße passend zum BratviehDer Fisch – innen gespickt mit Plastik –Wird nicht mit dem Messer verspeist Dann kommt die BelehrungLeben nach VorschriftHaushaltsperfektion – will der Spießer Dem Lebendigkeit fremd istUnd empathisches Sein Der niemals ein Gedicht…Mehr

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